Zurück zu den Anfängen

Von Elke

Lower East Side Apartment Hunt
Das neue Designerhotel Surface – das erste Hochhaus in der Lower East Side.

Wie erfüllt man das selbst gesteckte Ziel, jede Woche die Website zu aktualisieren, wenn das eigene Leben recht turbulent ist? Wann die Muse finden, sich zurückzuziehen und die Erlebnisse und Gedanken niederzuschreiben? In der Mittagspause!

In einem “Dunkin’ Donuts” sitzend, einer Coffeeshop-Kette, von der viele AmerikanerInnen meinen, sie hätte den besseren Kaffee denn Starbucks. Ich kann zwischen den Kaffees keinen Unterschied feststellen und würde einen gemütlicheren Starbucks einem McDonalds gleichenden Dunkin’ Donuts vorziehen – auch wenn sich letzterer in meinen Lieblingsfarben Orange und Pink präsentiert! Doch seit dem Umzug meiner Firma von der schicken Seventh Avenue und Times Quare Ecke hin zur mehr “residental” Eighth Avenue, muss ich mir eben neue Lunch-Refugien suchen. Mit “Residental” wird übrigens eine Gegend bezeichnet, in der viele Menschen wohnen, im Gegensatz zu Gebieten, in denen sich überwiegend Business angesiedelt hat.

Und Business und Umzug sind auch schon die Stichworte: selbst in einer reinen Business Area wohnend, denke ich an Umzug und Oliver denkt so auch. Doch will ich nicht Business mit Residental eintauschen, sondern Friedhof (buchstäblich!) gegen Szene. Wenn ich aus dem Fenster unseres Apartments im 18. Stock schaue, dann sehe ich die kleine St. Pauls Chapel mit dem angrenzenden Friedhof, die so etwas wie die wundersame Linie zwischen dem Park Row Building und dem ehemaligen World Trade Center bilden: bis hierhin und nicht weiter! (Hinter dieser Linie ist nichts zerstört worden…)

Lower East Side Apartment Hunt
Ein Blick in die Norfolk Street.

Doch habe ich genug von “Ground Zero” und möchte in eine Gegend in der das Drama in der Ferne liegt und ansonsten nur auf FOX oder CBS gezeigt wird. Um es ganz hinter mir zu lassen, müsste ich wohl in die Upper East oder West Side ziehen, doch ist mir das als Downtown Girl zu weit oben. Oftmals ist auch das Erste, das Richtige und so empfinde ich die Lower East Side als meine “Heimat”. Nirgendwo sonst in New York fühle ich mich so wohl wie genau dort, wo junge StudentInnen, lateinamerikanische Familien, junggebliebene Altpunks, furchteinflösende Rapper, asiatische Immigranten, orthodoxe Juden und neuerdings auch Yuppies anzutreffen sind. Der typische, viel zitierte “New York Mix” nur auf wenige Quadratmeter oder Squarefood komprimiert.

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Nahe des Southstreet Seaport bestimmt die Brooklyn Bridge die Skyline.

Auf der Suche nach der geeigneten Wohnung, haben sich Oliver und ich gut zwei Dutzend angesehen. Die Suche hätten wir auch noch gut einen Monat ausdehnen können, nur um dann vielleicht doch lediglich in einem der gesichtslosen “Last Minute” Tower am East River zu landen. Last Minute deshalb, weil wir erfahren haben, dass dort immer mal jemand kurzfristig aus- und man selber kurzfristig einziehen kann. Diese oftmals “white glove” Doorman Buildings bieten viel Service für’s Geld und beeindrucken mit aufregenden Wasserfällen oder beruhigenden Feng Shui Ambiente. Die Hotelatmosphäre, die dort herrscht, wird man jedoch nicht los. Nach bald drei Jahren “Doorman Building” und 18. Stock, steht mir der Sinn nach etwas anderem.

Lower East Side Apartment Hunt
Blick auf die Williamsburg Bridge, einst die längste Brücke der Welt.

 

Hab ich etwa verlernt, die Haustüre selbst aufzuschließen? Sind mir ein Marmorwaschbecken samt Riesenspiegel und ein zweitüriger Gigantokühlschrank wichtiger geworden, als ein Balkon und der Blick auf die wundervollste Stadt der Welt?! Ich möchte sie wieder spüren, diese Aufbruchsstimmung, diese Lust auf Neues, erleben – das Echte. Und ich glaube, das gefunden zu haben. Eine Rückzugsmöglichkeit, die wir uns leisten können und wollen und in New York ihresgleichen sucht. Gegenwärtig wird Oliver’s und meine finanzielle Situation geprüft und das Mietobjekt für drei Tage vom Markt genommen.

Lower East Side Apartment Hunt
Blick nach Downtown Manhattan.

Während ich das hier schreibe, warten wir also, und hoffen, dass unsere Bewerbung um das Apartment akzeptiert wird.
In der Zwischenzeit aber richten wir die Wohnung gedanklich schon mal ein – geschlechterstereotypisch! Oliver grübelt, wohin er den Server am Besten stellt und von wo aus unsere wireless Vernetzung strahlen soll. Ich modifiziere im Gedanken den etwas einfallslosen Badezimmerspiegel und schmücke die Küche. Gemeinsam aber ranken unsere Gedanken um das Herzstück des neuen Apartments: die Terrasse! Dies ist kein Tippfehler – auch beziehe ich mich nicht auf eine Gemeinschaftsterrasse oder roof deck wie sie hier heißt, sondern unsere eigene Terrasse und das auch noch über den Dächern von Manhattan. Zu der Terrasse gesellt sich auf der anderen Seite noch ein Balkon – eine für Manhattan absolut unübliche und oftmals kaum zu bezahlende Kombination. Und wir hoffen sie bald beziehen zu können…

Mittlerweile ist es Sonntag geworden, ich sitze gemütlich Zuhause und weiß, dass ich morgen einen Termin habe: signing the lease! Morgen wird der Mietvertrag unterschrieben! Es sieht also so aus, als ob alles ganz nach unseren Wünschen verlaufen würde.
To be continued…
…wird fortgesetzt!

Neues Apartment – Neues Glück

8. Woche 2004 von Elke

Einer der führenden Immobilienmakler – Real Estate Broker – Douglas Elliman wirbt derzeit mit: Learn more about living, buying, selling and renting in each of NYC’s unique communities. Er greift damit auf, was ich mir denke – ich möchte noch mehr von New York kennenlernen und zwar so unverfälscht, wie nur möglich. Auch wenn es zum Kaufen eines Apartments noch zu früh ist und ich für’s Verkaufen auch erstmal eines besitzen müsste, so macht es großen Spaß neue Gegenden – Neighborhoods – in Manhattan kennenzulernen. Ja, eines steht für mich fest: Manhattan möchte ich nicht zugunsten von Brooklyn, Queens oder Westchester aufgeben müssen. Vom Umzug in einen anderen Staat sprich New Jersey oder Connecticut ganz zu schweigen…

Ground Zero samt unserem Building
Ground Zero samt unserem Building

Auch fällt es mir mitnichten leicht, mich überhaupt mit dem Umzugsgedanken vertraut zu machen, ist doch das gegenwärtige Apartment ein Traum: lichtdurchflutet, zwei geräumige Zimmer in einem 105 Jahre alten, neurenovierten Doorman-Building mit einem Ausblick, der seines Gleichen sucht. Wenn da nur nicht der Welt größte Baustelle toben würde! Der Potsdamer Platz ist fertiggestellt, jetzt ist “Ground Zero” dran. Bei dem Gedanken, die nächsten Jahre mit Baulärm leben zu müssen, wird mir übel! Ist es schon jetzt oftmals ganz schön anstrengend, in Downtown Manhattan zu leben, da permanent der Broadway und umliegende Straßen von ConEd (Strom), Verizon (Telefon), TimeWarner (TV), der MTA (Subway) oder der Stadt selber (Wasser etc.) aufgerissen werden. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht wieder eine Nacht dem nächtlichen Bautreiben da draußen zum Opfer fiel.

Doch sind es diese Umstände nicht allein, die Oliver und mich an Umzug denken lassen! Unser Mietvertrag läuft Ende April aus und wir müssen mit unseren Vermietern neu verhandeln. Anders als in Deutschland, gibt es in New York in der Regel feste Zeitmietverträge, nach deren Ablauf man schlicht das Apartment besenrein verlässt und auszieht. Um zu wissen, was es auf dem Mietmarkt alles so gibt, durchforsteten wir vergangenes Wochenende nicht nur den Wohnungsmarkt der New York Times, sondern auch Teile von Greenwich Village und Midtown am Samstag, sowie Downtown am Sonntag.

Downtown Walk

Beispielsweise schauten wir uns das HighLine an. Wir hielten die Apartments für preislich ziemlich überzogen und waren dann erstmal in Sorge, ob denn nicht vielleicht unsere Vorstellungen überzogen wären. Andere Neubauten ließen wir zudem gleich mal außen vor: The Nicole (auch wenn wir liebend gerne in einem Apartment mit gleichem Namen unserer Münchner Freundin wohnen würden!), The Aston und das Atlas.

Und so machten wir uns nach Midtown auf und spazierten die 34th street entlang, an einigen interessanten Buildings vorbei. Doch nichts was von außen als “Zuhause” hätte dienen können. Bis wir an der 1st Avenue und der 38th Street auf das Corinthian stießen. Was wir da geshen haben, ließ uns beide nachts kaum schlafen: das 1987 fertiggestellte Condominium Building (primaer Eigentumswohnungen) hat Amenities (Ausstattung/Annehmlichkeiten) satt! Das Apartment, das wir uns anschauten, befand sich im 29. Stock und der Makler der uns durch das Building führte war bester Laune, was die Sache ungemein freundlicher macht. Jedes Apartment des Corinthian verfügt über ein Rondell von Fenstern, so dass jeder maximal gute Sicht hat. Doch damit nicht genug, hat jede Wohnung auch noch einen Balkon, der auch im 29. Stock durchaus noch genutzt werden kann. Die Aussicht des Apartments, das wir uns anschauten ging zwar nur nach Norden, dafür aber mit Blick auf das Chrysler Building, viel umliegende Hochhäuser und eines Wasserkraftwerks von ConEd.

Bot das Apartment selber mehr Quadratmeter und Stauraum für den Preis, den wir jetzt zahlen, machten mich vor allem die Amenities an. Ein hauseigener Swimmingpool. Ein Jogging-Parcours der einmal ringsum das Gebäude führt. Eine geräumige Sonnenterrasse mit Blick nach Süden und somit auf das Empire State Building. Fitness-, Geräte- und Wäscheraum. 24-Stunden Concierge und Doormen. Wow. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, und wissen nun, wie mensch sonst noch so wohnen kann – in New York!

Battery Park City.
Battery Park City.

Am Sonntag erforschten wir die weiteren Downtown Möglichkeiten. Das 90 West New York hatten wir vor ein paar Wochen schon mal als “Keine Alternative” abgehakt und gaben dennoch dem 21 West sowie dem Ocean One eine Chance. Umsonst! Auch nach Battery Park City bringen mich keine zehn Pferde. Als Nächstes suchen wir dann unsere favoriserten Nachbarschaften wie Lower East Side, Little Italy, North of Little Italy sowie Union Square und Gramercy auf und werden erneut berichten.

Time Warner Center: Keine Mall, sondern ein Urban Retail Center

6. Woche 2004 von Oliver

Am Donnerstag stand eigentlich Tokio auf dem Programm. Aber anstatt ins Kino für Lost In Translation zu gehen, haben wir uns dann doch entschlossen, ein Stück New York live anzuschauen: die Eröffnung des neuen Time Warner Center, des Center of Everything am Columbus Circle.

Time Warner Center

Eröffnung ist natürlich etwas übertrieben, denn die fand schon einen Abend vorher statt, auf Einladung und damit ohne uns. Und so war die Stimmung in dem vierstöckigen Einkaufsparadies eher so, als würde es schon immer existieren.

Die meisten der Geschäfte sind am oberen Ende der Luxusskala angesiedelt und somit für uns nur von begrenztem Interesse. Es gibt aber einen neuen Borders, ein Buch- und Plattenladen, der uns ans Herz gewachsen ist, seitdem wir dort unsere ersten Bücher in New York gekauft haben, damals noch in 5 World Trade Center. Nicht angeschaut haben wir den neuen, größten Supermarkt Manhattans im Keller des Time Warner Center. Wir werden dorthin zurückkehren, wenn die Picknick-Saison im Central Park begonnen hat.

Time Warner Center

Der vierte Stock gehört einer Reihe von Restaurants, von denen allerdings erst eines aufgemacht hat – die anderen werden in den nächsten Wochen folgen. Das eine Restaurant – Stone Rose – war schon voll, sonst hätten wir doch die günstigste Flasche Wein für ungefähr $80 genießen können. Uns vom Masa erwartet man, das Reservierungen dort schwieriger sein werden, als im Nobu.

Die New Yorker sind auf jeden Fall erstmal neugierig, aber es wird noch spannend ob dem neueste Versuch eines „vertikalen Einkaufserlebnis“ das Schicksal eines Trump Towers erspart bleibt.

Im Jahr des Affen – Ein Wochenende mit Entertainment satt!

4. Woche 2004 von Elke

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Freitag war wieder unser Stammlokal angesagt, in dem sich zu Olivers (und meiner) Freude wieder einmal die hübsche Wirtin Katie eingefunden hatte. Die Lower East Side und die vielen neuen Bars und Restaurants wurden in einem zweiseitigen Artikel in der New York Times gewürdigt. Ganz besonderes Augenmerk legte der Journalist auf die Vorreiter-Bar des Viertels: “unsere” Lolita! Er scheint dort gleichfalls beständiger Gast zu sein, doch wusste niemand, wer JESSE McKINLEY, der Autor eigentlich sei.

Samstag und Sonnenschein – das hatte ich mir gewünscht! Trotz Kälte bildete ich mir einen Stadtspaziergang ein. Raus! Drei Wochen in Folge haben wir nun schon was-weiß-ich-wieviele Grade unter Null. Um nicht sogleich zu erfrieren, haben wir uns ganz warm eingemümmelt und sind mit dem Express Train in die Upper West Side gefahren. Zwar war der Himmel knatschblau und auch die Sonne schien, doch wärmte sie nicht, sondern ließ einem eisigen Wind den Vortritt. Entsprechend wenig Menschen waren unterwegs.

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Wir spazierten von der 92nd Street hinunter zur 72th und sind dann rein in den Central Park. Die üblichen Besucher fehlten, und nur eine einsame Rose lag auf lag auf John Lennons “Imagine”, seinem Denkmal. Spontan entschlossen wir uns, dem Zoo einen Besuch abzustatten, was uns als Mietglieder des WCS sowieso nichts extra kostet. Wir waren gespannt, wie Gus und die beiden anderen Eisbären mit der Kälte umgehen würden. Wenigstens die sollten sich doch drüber freuen! Und das taten sie auch. Die drei habe ich noch nie so munter gesehen. Auch die Seelöwen sprangen ständig aus dem Wasser, stützen sich am Beckenrand auf und scherzten mit den Besuchern – so kam es mir vor. Sie schienen die Menschenmengen, die sich sonst durch den kleinen Centralparkzoo drängen, regelrecht zu vermissen. Im Dschungelhaus wärmten wir uns auf – guter Tipp für kalte Tage übrigens.

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Von außen aufgewärmt, war uns nach einer kühlen Erfrischung und die nehmen wir in Centralpark Ecke am Liebsten im PJ Carney zu uns. Zwei Bier später sind wir zu einer kleinen, schicken marokkanischen Lounge spaziert. Zwei Avenues und 13 Straßen entfernt, durch den nun erst so richtig kalten Abend. Doch wärmte hier ein guter Schluck Rotwein, und einige kleine nordafrikanische Speisen. Der Abend war noch immer jung, unsere Stimmung blendend, und so genehmigten wir uns einen blended Scotch in der “Revolution” Bar.

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Ein Blick auf die Uhr meines Mobiltelefons zeigte 10:25. Und auf Höhe der 44. Straße befindet sich das “Imperial Theater”. Glücklicherweise brauchte ich Oliver nicht lange von der Notwendigkeit zu überzeugen, unbedingt die 44. Straße zum Times Square und unserer Subway zu müssen. Er war dabei! Wir erreichten den Bühneneingang des Imperial Theater, an der sich die üblichen Absperrgitter und das davor wartende Auto befanden. Diesmal war es allerdings kein SUV, sondern eine Stretchlimo.
Links vom Eingang wartete noch niemand, und so stellten wir uns dorthin, blieben aber nicht lange allein. Der Hüter der Stage Door, “Kevin”, warf in die Runde der Wartenden “3 more minutes to go” – also waren wir wohl wirklich rechtzeitig eingetroffen. Doch noch etwas schmetterte Kevin diesmal nur mir allein entgegen: “You are gorgeous!” und kümmerte sich wieder um die Türe. Ob ich fror? Keine Spur! Verwöhnt mit netten Komplimenten (in der Bar zuvor gab’s auch schon eines) kann ich mich nicht mit solch Banalitäten wie Minustemperaturen abgeben!

Tür geht auf, und raus kommt er, auf den alle warten: Hugh Jackman! Blauweißgeringelter Schal fest um den Hals gewickelt, Haare unter eine Mütze versteckt, schlabbrige Jogginghose, sichtlich von der Abendvorstellung geschafft, aber glücklich wirkend. Zuerst gibt er den Rechtswartenden ein Autogramm und dann den Linkswartenden. Wie gut, dass ich zufällig (!) einen Flyer mit The Boy from Oz dabei hatte. Er gab insgesamt etwa 15 Autogramme und wurde dann von seinem Leibwächter (?) in die Stretchlimosine bugsiert.

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Noch nicht genug des Amüsement, spazierten wir am Sonntag ins nahegelegene Chinatown um der Parade für’s Neue Jahr beizuwohnen (The Year of the Monkey). 1 Stunde und 20 Minuten hielten wir aus… Zu kalt! Abend schauten wir mit Spannung der Verleihung der Golden Globes zu. Hatten wir doch diesmal so ziemlich alle nominierten Filme und die nominierten SchauspielerInnen in ihren Rollen gesehen. Besonders freuten wir uns für Renee Zellweger, Bill Murray, Diane Keaton und Sophia Coppola. Dass Keanu Reeves, Pierce Brosnan und zum Abschluss Leonardo DiCaprio die Preise überreichten, war ein kleines TV-Highlight und das Tüpfelchen auf einem rundum gelungenes Wochenende!

We did the Hundreds!

2. und 3. Woche 2004 von Elke

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Little Italy

Das neue Jahr fängt mit einer Party-Einladung am Samstag gleich mal gut an! Die Gastgeberin ist Rebecca, eine Kollegin von Oliver, und es soll so eine Art Heiligdreikönigsparty mit “Wichteln” sein. Heißt also, jeder bringt ein kleines Geschenk mit. Doch wohin? In die 150. Straße! Bildete bisher eines unser Leitmotive der Spruch “We don’t do the Hundreds”, kamen wir nun nicht umhin, doch endlich in die Gegend zu fahren, in der die Straßen nicht nur keine Namen haben, sondern dreistellig sind. Glücklicherweise leisteten uns Daisy und Ian Gesellschaft, so dass wir es uns in einem Taxi gemütlich machen konnten.

Houston Street
Houston Street

Am Tag zuvor, einem Freitag, hatte ich genau das, wonach sich dieser herrliche Tag auch anhört: frei. Und an einem freien Tag gibt es kaum was Schöneres, als ein wenig durch New York zu spazieren. Wenig Menschen sind auf den Straßen abseits der typischen Touristenpfade. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, klare Luft, wenn da bloß die Minus 5 Grad nicht wären. Tapfer halte ich jedoch von Downtown Manhattan bis zum Astor Place durch, um mich im Times Cafe ein wenig zu erwaermen. Über den wie gewöhnlich stark bevölkerten Broadway spaziere ich wieder nach Hause. Ein bisschen verrückt ist’s schon, bei Minustemperaturen rumzulaufen, aber gut eingepackt auch unheimlich inspirierend!

Astor Place
Astor Place

Noch zwei Tage früher, am Mittwoch, stellten wir unser Sitzfleisch unter Beweis! Wie bereits Millionen vor uns, harrten wir 3 Stunden und 31 lange Minuten aus, um mitzuerleben, ob es Frodo schafft, den Ring los zu werden. Und ob Aragon endlich König wird. Und wie sich “Agent Smith” als “Elrond” macht. Ich war vom Ergebnis freudig überrascht. Vielleicht widme ich doch eines Tages mal ein ganzes Wochenende den Herren – ohne Damen – und den Ringen…

Die vergangene Woche verlief recht ruhig. Das Highlight bildete wohl das Wetter. Die Metereologen maßen am 16. Januar eine Temperatur von 1 Grad Fahrenheit (= -17 Grad Celsius). So kalt ist es in New York an einem 16. Januar seit 1893 nicht mehr gewesen.

Happy New Year

1. Woche 2004 von Oliver

Was zum Teufel macht man nur an Silvester? Diese Frage stellt sich einem in New York genauso wie an jedem anderen Ort, auch, wenn hier die Auswahl natürlich gigantisch ist. Aber das macht es eigentlich nicht besser – wer die Wahl hat, hat die Qual.

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Wie jedes Jahr, wollten wir auch dieses Jahr besonders früh dran sein und hatten uns eine große Party im Capitale, einem angesagten Restaurant in Chinatown, herausgesucht. Genauers Nachforschen hat uns dann aber doch die Laune verdorben und deswegen saßen wir auch noch am Montag ohne die leiseste Idee in der Lolita Bar. Dort fanden wir einen neuen Barkeeper vor, der erschreckenderweise so aussah, wie der Fiesling aus Cold Mountain. Diesen Film hatten wir am Vortag gesehen haben. Dafür kann er natürlich nichts, auch dafür nicht, dass er uns nicht kannte und wie “ganz normale” Gäste behandelt hat. Rettung kam dann in Form von Lolita-Besitzerin Katie mit ihrem Freund, die uns herzlich eingeladen hat, Silvester in der Lolita zu verbringen.

Das hat sie vielleicht sogar aus Eigennutz getan, denn als wir zwei Tage später nach dem Genuss einer ausgezeichneten, selbstgemachten Lasagne eintrudelten, saßen sie und ihr Freund wie Fremde in ihrer eigenen Kneipe. Neujahr war dann auch unspektakulär genug – wir haben mit nur Bier angestoßen, ein paar Mal “Happy New Year” gewünscht und das war es dann auch schon.

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Neues Jahr, neue Bar dachten wir uns dann und haben wir uns zur BoucheBar in der 5th St. zwischen Ave. A und B, dem Ableger der Lolita aufgemacht, wo wir den lange vermissten Barkeeper Jay antrafen. Insgesamt ist die BoucheBar eine wesentlich kleinere und gemütlichere Version der Lolita, die uns sehr gut gefallen hat.

Am Freitag sind wir den Spuren George Washingtons (Federal Hall) in Downtown gefolgt, was eigentlich nur unter der Woche geht und damit für die arbeitende Bevölkerung New Yorks recht schwer ist. Eine Entdeckung ist Fraunces Tavern in der Perl Street, die eine große Bedeutung in der amerikanischen Geschichte hat (weswegen dort auch ein Museum eingerichtet ist), zugleich heute aber auch eine nette Kneipe mit einer ausgedehnten “Happy Hour” ist.

Rückblick auf das Jahr 2003

von Elke, 31.12.2003 – 1.1.2004

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Die 365 Tage des Jahres lassen sich auf ein einziges Wort reduzieren: prallgefüllt! Wenn das kommende Jahr annähernd so viele großartige Überraschungen für uns parat hält, dann fehlt es mir an nichts. Klar habe ich ein paar Wünsche und das ist auch gut so, denn nur mit klaren Zielen bewegen wir uns vorwärts und “wunschlos glücklich” zu sein, macht träge. Und so schaue ich mit einem Blick zurück nach vorne!

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Im Jahr, das heute zu Ende geht, hatten sich einige liebe Menschen aufgemacht, um uns und New York (da brauchen wir uns nichts vormachen!) zu besuchen. Den Anfang machten Eve und Edel aus Düsseldorf im bitterkalten Januar. Die beiden ließen sich aber trotzdem die Laune nicht verderben und durchstreiften bei Minusgraden die Stadt. Weitaus angenehmer hatten es da Natascha und Sascha im Juni, die gleichfalls aus Düsseldorf stammen. – Wo bleiben nur die MünchnerInnen?! – Die schönste Reisezeit, den Herbst, hat sich Gudrun, Olivers Mom ausgesucht. Die gemeinsamen Tage waren vollgepackt mit Erlebnissen.

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Nicht weniger lebhaft war die Zeit, die wir mit Wolfgang, Olivers Dad, und Uli im Oktober verbrachten. Die beiden kamen flugs unter anderem zu unserer (Geburtstags)-Party angeflogen und testeten das Downtown Holiday Inn. Sogar aus der Schweiz kamen Gäste angereist: Sean aus Basel hängte an seinen New York Besuch im gemieteten Apartment, noch zwei Tage bei uns dran. Prima! Damit uns nicht langweilig wird, bekamen wir erneut Besuch, diesmal von Sabine und Jürgen aus Düsseldorf. Iwo! Aus Weil der Stadt, aber Sabine kommt von irgendwo “da oben”. Ende Oktober lernten wir Janet mit ihrer Tochter Hayley aus San Diego kennen, und haben schon ein Urlaubsziel fuer 2004…

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Und Anfang November logierten auch Sonja und Markus für eine Nacht bei uns, die anderen hingegen in New Jersey, bei Markus Bruder. Okay, New Jersey freut sich sicherlich mehr über Gäste, als das Touristenverwöhnte New York. Übrigens sind diesen Dezember erstmalig wieder so viele Touristen wie noch nie zuvor in der Stadt.

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Und da so viele Menschen nicht nur Oliver und mich, sondern Manhattan besuchen, machten wir uns auf, um gleichfalls andere Orte zu besuchen. Den Auftakt machten wir mit Long Island. Nicht wirklich weit weg, gerade mal drei Stunden von der Penn Station entfernt, aber wunderschön am tosenden Atlantik gelegen. Im ziemlich verregneten Frühjahr und Frühsommer, waren uns vier relativ sonnige Tage vergönnt. An Olivers Geburtstag goss es zwar in Strömen, aber das tag unserer guten Laune keinen Abbruch. Montauk – wir kommen ganz sicher wieder!

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Der nächste Tripp war nun mein Geburtstagswunsch: Herbstfärbung in den Catskills! Mit den bunt gefärbten Blättern wurde es zwar nichts, da es dafür einmal wieder regnete, was die Blätter am gelb und rot werden hinderte, aber die Catskills sind sowieso mehr als nur eine Reise wert und von New York bequem in 2 Stunden mit dem (Leih)-Auto erreichbar. (Foto: das Luxus-Resort Mohonk). Anfang November stand Ken’s Einweihungsparty an, und so reisten wir per Zug nach Richmond, Virginia. Es galt einen neuen Staat und einen wunderschönen Südstaatenort zu entdecken.

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Nach zuviel Regen stand uns nun wirklich der Sinn nach Sonne und Sonne satt fanden wir auf Barbados. Acht sonnige Tage lang, sagten wir dem hektischen Treiben in New York Ade und machten es uns unter Palmen am weißen Sandstrand gemütlich. Die Vorsaison Mitte November ist für einen Karabikurlaub perfekt! Bei der Wiedereinreise in New York musste ich mich auch nicht mehr bei der Schlange für die Nicht-AmerikanerInnen anstellen, sondern konnte lässig mit meiner Green Card, die ich seit Januar 2003 endlich besitze, zurückkehren.

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Einen kleinen Ausflug unternahmen wir zu Susanne und Ulf, die uns zum Thanksgiving Turkey einluden. Da es wenig Spaß macht, nach Mitternacht von Scarsdale wieder nach Manhattan zu fahren, durften wir über Nacht bleiben.
(Foto made by Caroline W.)

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Um dieses fantastischen Jahr noch würdig abzuschließen, mieteten wir uns am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Auto und verließen den Staat New York, um den Nachbarstaat Connecticut zu erkunden. Immer auf dem Highway 95 entlang, bis wir in Mystic angekommen waren. Dort wechselten wir auf den Highway Number One der bis runter nach Florida in die Keys reicht. Doch so weit wollten wir gar nicht, und ließen uns im Mystic Seaport in das 17. Jahrhundert versetzen. Unser spontan gemietetes Zimmer hätte nicht besser sein können: Kaminfeuer, Jacucci, Himmelbett… Zu Abend aßen wir im durch den gleichnamigen Film berühmt gewordenen Mystic Pizza .

Doch saßen wir nicht nur mit FreundInnen beisammen und ratschen die Abende hinweg, oder travelten sondern liessen uns 2003 auch gern vor grosser Leinwand (sprich Kino) unterhalten, mal besser, mal schlechter: Lord of the Rings II, Gangs of New York, Chicago, Catch me if You Can, Down with Love, Godfather II, Bend it Like Beckham, The Matrix Reloaded, Godfellas, Pirates of the Caribean, Freakey Friday, Whale Rider, Matrix Revolution, Lost in Translation, Master and Commander, Shattered Glass, Someone’s Gotta Give, The Last Samurai, Love Actually, Cold Mountain.

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Die beiden DiCaprio-Filme sowie LOTR liefen bereits 2002, ich schaute sie mir aber im ersten Fall noch (mehr) mals 2003 an und zu LOTR 2 ströhmten wir nicht schon gleich des Nachts hinein, ebensowenig dieses Jahr. Das Ende der Triologie werden wir wohl erst irgendwann 2004 sehen. Dass “Gangs of New York” für 10 Oscars nominiert worden war, doch am Ende leer ausging, tut mir noch immer leid. Jetzt erst recht, nachdem ich die Epen von Zwick und Minghella gesehen habe, die beide zur selben Zeit wie Gangs spielen, und Scorsese nicht das Wasser reichen können. Am 4. Dezember 2004 wird “The Aviator” anlaufen, Scorseses nächster Versuch den längst überfälligen Oscar einzustreichen. (Foto: ohne Bezug zum Text, aber schön! Aussicht vom Empire State Building vom September 2003.)

Wie es bei der am 29. Februar 2004 stattfindenden Oscar-Verleihung aussehen wird? Olivers und mein persönlicher Favorit ist: Lost in Translation. Sophia Coppola holte das Beste aus Bill Murrey raus und führt uns mit wunderschönen Bildern und ziemlich Komik durch Tokyo. Der Film ist, obwohl keine romantische Komödie, ein “Feel Good Movie”. Den Oscar für die beste männliche Hauptrolle würde ich an Bill Murrey (Lost in Translation) oder Russel Crowe geben. Der des Regisseurs ginge bei mir an Peter Weir (Master and Commander) oder warum nicht endlich mal an einen weiblichen Director? And the Oscar goes to: Sophia Coppola! Die beste weibliche Hauptrolle geht an Diane Keaton (Someone’s Gotta Give) oder Jamie Lee Curtis (Freaky Friday). Bester männlicher Supporting Actor an Ken Watanabe (Last Samurai) oder Peter Saarsgard (Shattered Glass). Bester weiblicher Supporting Actor geht an Renee Zellweger (Cold Mountain), sie ist gleichfalls längst überfällig und im Hause Nominikat-Bouchard laufen die Wetten, welcher der favorisierten Superstars zuerst mit einem Oscar heimgeht. Bisher ist’s noch unentschieden und Golden Globes zählen nicht (“tongue in cheek” in Richtung Oliver…). Im Übrigen gefiehl mir “Matrix Reloaded” im Gegensatz zu vielen anderen Menschen sehr gut (schaute ihn mir zweimal im Kino an), dafür der finale Teil weniger. Neben “Lost in Translation” waren die persönlichen Entdeckungen, sowie der britische Film “Bend it Like Beckham” und der neuseeländische “Wale Rider” – beides gleichsam Filme von Regisseurinnen. Women rule!

Doch noch wichtiger als Bild und Ton war uns dieses Jahr Musik! Es ging sehr verhalten los, und tat sich in der ersten Jahreshälfte nicht viel, doch dann reihte sich ein Konzertbesuch an den nächsten: Incubus in der Knitting Factory, Björk im Keyspan Stadium in Brooklyn, Psychedelic Furs in der Town Hall, Goldfrapp im Irving Plaza, Radiohead im Madison Square Garden, Billy Talent, Story of the Year und Jet im Irving Plaza, Placebo in der Webster Hall. Meine persönlichen Favoriten von 2003 – Persönliche “Neuentdeckung”: Incubus. Beste Platte sprich CD des Jahres: Radiohead. Beste Single des Jahres: “Just Because” von Jane’s Addiction.

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Eine andere Entdeckung von mir: das Musical! Gefallen mir Musical-Filme wie “Moulin Rouge”, “Singing in the Rain” oder “A Chorus Line” schon lange. So haben wir bisher um den Broadway (Höhe 42nd Street) aus unerfindlichen Gründen (okay, sie waren monitärer Natur) einen großen Bogen gemacht. Im September schauten wir jedoch mit “42nd Street”, einen wunderbaren Klassiker an. Im Oktober, am ersten Samstag nach dem offiziellen Start The Boy from Oz – ein Musical, das dem australischen Entertainer Peter Allen ein Denkmal setzt. Kritikerstimmen sind sich einig, dass der Star der Show, Hugh Jackman, das weitaus größere Talent ist und dem Broadway noch ein paar weitere Monate lang Glanzpunkte aufsetzt! (Einer meiner konkreten Wünsche für 2004, die Show noch mal zu sehen…)

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Neben all diesen Unternehmungen, schrieben Oliver und ich ein weiteres Computerbuch, das im Herbst veröffentlicht wurde und ein bisschen mehr Marketing und nicht zuletzt KäuferInnen brauchen könnte. Zudem basteln wir weiter an dieser Website, haben uns mit guter Fotoausrüstung bestückt und schreiben beide an unseren Romanen. (Ein weiterer konkreter Wunsch an 2004: mein Buch abzuschließen und einen Verleger zu finden…).

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schlicht mein allerliebstes Bauwerk!

All diese wunderbaren Erlebnisse ermöglichen uns unsere Jobs. Wer arbeitet, verdient Geld und das kann mensch wieder für Vergnügungen ausgeben und den Rest gut anlegen. Für später. (Noch ein konkreter Wunsch für 2004: ein Job, der mich anregt und erfüllt – I want to be inspired!). Vorsätze? Allgemeine Vorsätze a la “abnehmen”, oder “mehr Bücher lesen”, oder “mehr Sport treiben” mache ich keine. Ich weiß aber, dass ich, sobald es das Wetter wieder zu lässt, meine Joggingschuhe anziehen und am Hudson entlang laufen werde. Auch möchte ich pro Monat einen Roman lesen (nicht nur Fachbücher). Und für Oktober, wenn ich den 30igern endgültig Lebewohl sagen muss, nehme ich mir vor “wunderschön” zu sein. Ach nein, das funktioniert nicht. Konkrete Ziele! Also gut: ich würde gerne wieder in die Jeans passen, die ich mit 26 trug!
Und was sind deine konkreten Ziele Oliver? Liebe Leserin, lieber Leser?
Alles Gute und ein gesundes, glückliches 2004!

Ein Herbst 2003, der uns reich beschenkt

36. bis 44. Woche 2003 von Elke

Vor rund 12 Wochen habe ich mich an einem strahlenden Herbsttag hingesetzt und begann, über Vergangenes und Zukünftiges zu schreiben. Doch das Erlebte hat das Geplante von selbst eingeholt, und mittlerweile kann ich einen langen Blick zurück auf sehr lebendige Wochen werfen und wie’s aussieht, reißt der Trubel auch die nächste Zeit noch nicht ab.

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Den Auftakt des “heißen Herbstes” machten Psychedelic Furs eine Band, die ich seit meiner Studienzeit mag und in der Town Hall zum ersten Mal live sehen konnte. Das Besondere an dem Konzert waren die BesucherInnen: alles Thirty Somethings, die schlichtweg Spaß haben. Keine zwei Tage später gibt’s Goldfrapp im Konzert im Irving Plaza, eine Wahl, die Oliver getroffen hat. Dann ist nach fast fünf Jahren Abstinenz wieder eine Broadway Show dran: 42nd Street, natürlich in der gleichnamigen Straße.

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Diejenige, die unsere besonders glücklichen Tage und Wochen in New York einläutet, ist Gudrun, Olivers Mutter. Auch wenn ihr Besuch nur kurze Zeit überdauert, erleben wir ihn alle drei besonders intensiv und haben viel Spaß miteinander. Unsere persönlichen Must-Sees stehen auf dem Programm, wie Paris Bar in der South Street, Frühstück mit Freunden in der B-Bar, Spaziergang auf der 5th Avenue entlang in den Central Park, dort im Bootshaus einen Drink genommen. Durch den Park wieder zurück in die Zivilisation, in den PJ Carney, der nächtliche Times Square. Sonntags dann Downtown Manhattan bei strahlendem Sonnenschein – auch ein favorite! Herrlich wie die Sonne früh morgens mit den Bauwerken spielt. Zu kurz ist die miteinander verbrachte Zeit, doch intensiv erlebt, zählt sie doppelt.

Foto: Beim Brunch in der B-Bar – Gudrun, Renée, Wally, Ken und Oliver. Am 28. September Party feierten wir in Brooklyn den Geburtstag von Wally und Renée – hoch sollen sie leben!

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Herbst in den Catskills! So hatten wir uns das zumindest gedacht. Alle einschlägigen Reiseführer und Online-Seiten empfehlen die letzten beiden Septemberwochen um in den Catskills den Höhepunkt der sich verfärbenden Blätter zu sehen.

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Also dachte ich, dass Anfang Oktober die Bäume mehr oder minder ihre Blätter bereits von sich geworfen hatten und nur mehr kahl da stehen. Insgeheim hoffte ich jedoch, dass sie es nicht ganz so eilig haben mögen. Nun, mein Wunsch ward Befehl! Als wir schließlich vom 4. bis 6. Oktober mit einem Leihauto von Enterprise (der für uns beste Deal!) in den Norden New Yorks aufbrachen und Kingston erreichten, präsentierte sich die dortige Flora und Fauna in saftigem, frischen Grün. “Ist eh viel besser für die Augen” sollte der Spruch der Reise werden um uns über die entgangene Farbenpracht hinweg zu trösten.

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Unser Hotel in Kingston entpuppte sich überraschenderweise als Glücksgriff. Nachdem ich ja zunächst mit einem urigen Bed and Breakfast geliebäugelt hatte, von denen es aber aufgrund der “Foliage Peak Season” keine mehr gab, willigte ich wohl oder übel ein, in einem frisch renovierten Holiday Inn zu übernachten. Glücklicherweise liegt aber jenes Hotel in etwa 10 minütiger Fußgängerentfernung vom historischen Stadtzentrum von Kingston entfernt.

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Beinahe unnötig zu erwähnen, dass wir natürlich für diese drei Tage die einzigen Fußgänger waren. Übrigens: in Kingston kann man ganz hervorragend essen und der New York strapazierte Geldbeutel darf auch ein wenig verschnaufen. Wo ist Woodstock? Das, wo 1969 dieses Festival stattfand? Nun, eben jenes Woodstock liegt ganz friedlich in den Catskills, nur etwa 20 minuten im Auto von Kingston entfernt.

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Wieder zurück aus dem Norden New Yorks, geben sich die Ereignisse weiterhin die Klinke in die Hand. Am Mittwoch habe ich Geburtstag und da gerade Besuch aus der Schweiz und Deutschland in der Stadt weilt, feiern wir zu viert im Pfiff Geburtstag. Die Gesellschaft von Beate, Sean und Oliver ist angenehm und der süße, südeuropäische Kellner tut ein Übriges, den Abend so schön wie nur möglich zu gestalten. Um’s auf amerikanisch zu sagen: I had a blast! Herzlichen Dank an alle! (Das neckische Hütchen? Ein Geschenk der Wirtin!)

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Und nur einen Tag später, das Konzertereignis des Jahres: Radiohead im Madison Square Garden. Zunächst waren wir uns gar nicht so sicher, ob wir überhaupt Spaß an einem Gigantokonzert hätten, doch glücklicherweise wischten wir jegliche Bedenken beiseite und gönnten uns einen unvergesslichen Abend! Was die fünf Engländer in nahezu drei Stunden boten, war jeden einzelnen Dollar Eintrittsgeld wert. Thom Yorke und seine Mitstreiter spielten die “Hail to the Thief” so ziemlich von Anfang bis Ende durch, unterbrachen nur in der Mitte für ein paar Greatest Hits. Das Konzert wurde wie ein Theaterstück richtiggehend “inszeniert”. Toll!

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Das Wochenende wartete mit Besuch von Olivers Papa, Wolfgang und Uli auf, die unter anderem für unser Geburtstagsparty nach New York gekommen waren und im Downtown Holiday Inn wohnten. Wir hatten dafür noch Sean zu Besuch. Am Samstag dann die Party, zu der wir so ziemlich alle, die wir in NYC kennen, einluden.

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Unter anderem wie hier auf dem Foto zu sehen Dimitri, Christian und Nicole, Ian, Ken und Tony. Auch kamen die meisten von Olivers Kollegen. Aus meiner Firma hielten Diego und Matt die Stellung. Ken brachte ein paar Freunde aus Richmond, VA mit, und nicht nur aus Deutschland und der Schweiz, sondern auch aus Brooklyn, Staten Island und bis aus New Jersey kamen die Gäste angereist.

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Nach soviel Party stand uns am Sonntag der Sinn nach frischer Luft und grüner Lunge und so machten wir uns in den Central Park auf, der sich noch kein bisschen herbstlich zeigte. Um so besser, denn so konnten wir das ein oder andere Bad in der angenehm warmen Sonne und schließlich einen Schoppen im Boathouse genießen. Unsere üblichen Favoriten wie PJ Carney’s, Times Square bei Nacht, Thai-Dinner im Pongsri folgten.
Neben Radiohead, unserem Kurzurlaub sowie unseren vielen Gästen, bildete mein persönliches Oktober-Highlight der Besuch The Boy from Oz – meine Gedanken dazu hielt ich im Journal fest.

Da wir von Konzerten gar nicht genug bekommen können, pilgerten wir am 23. Konzert mit vielen anderen, überwiegend sehr jungen New Yorkern erneut ins Irving Plaza und erlebten drei neue und gleichfalls junge Bands: Billy Talent, Story of the Year und Jet. Wobei uns vor allem die Jungs von Story of the Year beeindruckten. Die Show, die die da auf die kleine Bühne legten, war schwer beeindruckend: voller Energie und Lebensfreude – wie gut, dass E-Gitarren heute ohne Kabel auskommen. Punk is not dead!

The Boy from Oz – Starring Hugh Jackman

Premiere am 16. Oktober 2003

von Elke, 19.10.03

Erkältung im Hochsommer. Eine bei der die Nase nicht läuft, sondern grässlich verstopft ist, und man Lust auf gar Nichts hat und sich nicht vorstellen kann, sich jemals wieder gut zu fühlen. An diesem vergrippten Tag, verließ ich meinen Job bereits am frühen Nachmittag, um mich Zuhause zu erholen. Und wobei kann ich mich am Besten entspannen? Bei einer romantischen Komödie! Welch ein Glück dass unser werbefreier Premium-Channel gerade eine bot und so sah ich mir die im Winter noch verschmähte Schnulze mit dem attraktiven Hauptdarsteller an.

Zugegebenermaßen gefällt er mir ja bereits einige Jahre, doch hatte ich bisher noch keinen Film mit ihm gesehen, sondern nur Zeitungsausschnitte gesammelt. Und heute halte ich ein persönliches Autogramm in Händen. Doch ich greife vor. An jenem Augusttag also schaute ich mir “Kate & Leopold” an und habe den Film seitdem noch ein paar Mal gesehen. Auf der Suche nach Fan-Sites und Messageboards stieß ich auf eine wertvolle Information: Hugh Jackmann spielt am Broadway! Hugh Jackman ist The Boy from Oz.

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Erzählt wird die Lebensgeschichte des australischen Entertainers Peter Allen, der aus seinem kleinen Dorf in die große Welt aufbrach, um Judy Garland kennenzulernen und ihre Tochter Liza Minelli zu heiraten. Mittlerweile reifte er zum Star, dessen Kompositionen auch von anderen Künstlern interpretiert wurden. War er in nun beruflich erfolgreich, so musst er sich doch eingestehen, sich zu Männern hingezogen zu fühlen. Er fand einen Lebenspartner, der für ihn auch in beruflicher Hinsicht bedeutsam wurde. Leider hält Glück nicht ewig und sein Partner stirbt an AIDS, dieselbe Krankheit die auch Peter ein paar Jahre für immer von der Bühne des Lebens holt. Das Musical zu dieser Lebensgeschichte feierte am Donnerstag, den 16. Oktober im Imperial Theater am Broadway Premiere.

Und The Boy from Oz mit Hugh Jackman in der Titelrolle habe ich gestern gesehen. Das Publikum reichte von jung bis alt, hetero- und homosexuellen Paaren, Hugh Jackman und Peter Allen Fans. Alle waren für einen Samstagabend-Event festlich gekleidet und verließen das Theater bester Stimmung. Die negativen Kritiken in den Zeitungen, allen voran die New York Times, stießen auf Unverständnis. Die Zuschauer johlten, freuten sich und drückten ihre positive Stimmung mit Bravo-Rufen aus. Es gab zwei Standing Ovations, einmal zur Ehrung Peter Allens, und dann am Ende der Show für Hugh Jackman, der uneingeschränkt der Star des Stücks ist. Er schafft es mit seinem unverschämten Strahlen, gekonntem Hüftschwung, ausdrucksstarker Gesangsstimme, Bühnenpräsenz und Talent die zusehenden Menschen in seinen Bann zu ziehen. Und als der letzte Vorhang fällt, versammeln sich alle, die noch einen persönlicheren Blick erhaschen wollen, vor dem Bühneneingang.

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These are my own pictures (stage door 10-24-03) and are not allowed to be taken, sold or reprinted without permission.
Vor der Stage Door wartet ein dicker SUV mit getönten Scheiben. Der kurze Weg zwischen Türe und Auto ist mit jeweils drei Absperrgittern gesichert, hinter denen sich Fans mit Programmheften und Stiften bewaffnet tummeln. Wir warten weniger als 30 Minuten in der angenehm warmen Oktobernacht und endlich geht die Tür erneut auf und es erscheint nicht irgendwer aus dem Enseble, sondern ER.

Hugh strahlt und lacht in die Menge, lässt sich fotografieren und von den Blitzlichtern nicht irritieren, sondern unterschreibt geduldig all die Playbills, die ihm unter die Nase gehalten werden. Zuerst kommt die Reihe links vom Eingang dran und nach etwa 15 Unterschriften wendet er sich den rechts stehenden zu. Ich drücke Oliver mein zartes Abendhandtäschchen samt meiner Playbills in die Hand und stürze mich mit einem Magazin mit Hugh auf dem Cover in die Menge. Mein Herz klopft und bleibt plötzlich beinahe stehen, als er dann vor mir steht. Er schaut mich an, wird ganz ernst, zögert, unterschreibt das Magazin und reicht es mir wieder und schaut mir dabei ganz tief in die Augen. Noch zwei weitere Unterschriften und dann ist er auch schon im Inneren des schwarzen Wagens verschwunden. Ich winke ihm nach und bin seelig.

Ohne Wasser, ohne Strom – die Zeit scheint still zu stehen

33. Woche 2003 von Elke

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“Laptops run on batteries!” frohlockte mein Kollege Zlatin aus dem Cubicle nebenan, als es kurz nach vier Uhr nachmittags plötzlich dunkel und still wurde in unserem Büro. Regungslos verharrten wir für einige Schrecksekunden, doch dann stürzten wir in Richtung Küche, zu den Fenstern und sahen nach draußen: weitere ratlose Köpfe zeigten sich da in den gegenüberliegenden Fenstern und die aufgeregt hupenden Autos wiesen auf fehlendes Ampellicht hin. Kein Strom! Für wie lange? Hat jemand ein Radio? In einer Firma, die zu 100% von und mit dem Internet lebt eine etwas altmodische Frage. Und schon dreht Liam, im Cubicle rechts von mir sitzend, sein Transistorradio lauter und ich höre nicht nur mich aufatmen: kein Terroranschlag! Lediglich der größte Stromausfall in der Geschichte Amerikas. Weite Teile der Ostküste sind betroffen… so richtig zuhören mag ich nicht. Das für mich Entscheidende wurde bereits gesagt.

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Verdammt! das Mobiltelefon mag einfach keine Verbindung herstellen und die Office-Telefone haben mit den Computern und dem Licht ihren Geist aufgegeben. Wie nur kann ich Oliver erreichen? Was ist unser Notfallplan? Einer meiner Kollegen versucht mich zu überreden, mit ihm und anderen nach Downtown zu marschieren, da ich in dem Chaos Oliver sowieso niemals finden würde. Doch irgendwie fühle mich mit Liam und seinem Radio sicherer und verlasse schließlich gemeinsam mit dem Management als letzte das Büro und führe unseren Trupp die 15 Stockwerke durch die innen gelegene Feuertreppe in die Helligkeit nach draußen an.

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Unten angelangt, vergingen keine fünf Minuten und ich blicke in ein vertrautes und geliebtes Gesicht – Oliver hatte sich auf den Weg gemacht, mich abzuholen. Welch ein Glück, dass wir beide in Midtown arbeiten! Die Führungsriege meiner Firma lädt uns erstmal alle auf ein – noch kühles – Bier an, damit wir uns von dem Schock erholen und sammeln können. Dann machen sich Peter, Steve und Rob mit ihren Autos in die Vororte von Manhattan auf, während Liam sich in die Upper Westside durchschlägt und Oliver und ich unseren Weg nach Downtown antreten. Überall dasselbe Bild. Menschentrauben die die Fahrstraßen eroberten und unter der Hitze stöhnend sich vorwärts bewegen.

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Gemeinsam haben Oliver und ich sechs Dollar, die wir nicht leichtfertig an irgendwas verschwenden wollen, da natürlich die Geldautomaten auch kein Geld mehr ausspucken. Wir kommen an einer Citibank vorbei, in deren Vorhalle einige Menschen gefangen sind. Weitaus unangenehmer hatten es sich sicherlich diejenigen, die sich zum Zeitpunkt des Stromausfalls gerade in der Subway befanden. Ich höre einen Feuermann “now we have all” sagen und Umstehende die frohe Nachricht, dass alle gerettet sind, kommentieren. Am Union Square lassen sich Greenpeace-Anhänger nicht von ihrer Mission abhalten und gehen frohen Mutes auf Stimmenfang. Heute scheinen sich auch mehr Menschen für solche üblicherweise als unnötig erachteten Dinge wie Umweltschutz zu interessieren… Kürzlich erst mit einer ordentlichen Spende eine Umweltschutzorganisation unterstützt, ziehen wir weiter.

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Ich sehe bieneneifrige Straßenhändler, die verkaufen, was sie haben und anscheinend kann auch keine der dargebotenen Waren abwegig genug sein, um nicht ihre Käufer zu finden. Oder wie im Falle der flachen, mit Glitzerblümchen bestickten Chinaschlappen, die Käuferinnen. Fröhlich schnatternd und vor Wonne aufstöhnend probieren Stöckelschuhgeplagte New Yorkerinnen die Schlappen an. Alle hundert Meter findet solch ein spontaner Schuhverkauf statt, den ganzen Broadway hinab. Glücklicherweise muss ich die sechs Dollar nicht in Schuhe investieren, da ich nicht erst seit dem 11. September die Stadt mit Schuhen erobere, in denen ich auch bequem mehrere Stunden laufen kann!

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Dennoch freue ich mich, nach über zwei Stunden endlich unser Building zu erreichen, um mich dann im Stockdunkeln die Nottreppe in den 18. Stock hinaufzuschleppen. Oben angelangt, wird die Hoffnung auf ein wenig Erfrischung sogleich getrübt, da der Wasserhahn nur mehr ein paar einsame Tropfen hergibt und dann vollends seinen Dienst verweigert. Ich nehme das letzte kühle Bier aus dem Kühlschrank, tausche die völlig nassen Klamotten gegen trockene und die Sommerlatschen gegen Turnschuhe ein, schnappe mir eine Taschenlampe und Kerze und gehe wieder die 18 Stockwerke nach unten. Wieder auf der Straße begegnet uns ein Nachbar dem ich die Kerze im Glas samt Streichhölzern in die Hand drücke und der sie dankbar annimmt.

Anschließend machen Oliver und ich uns auf durch die allmählich dunkel werdenden Straßen zu unserem koreanischen Deli Jubilee Dort ein ungewohntes Bild: eine Schlange von gut zwei Dutzend Menschen wartet geduldig darauf paarweise eingelassen zu werden. Meine Wartezeit vertreibe ich mir mit einem vergnüglichen Plausch mit einem Asiaten, der für eineinhalb Jahre in Garching bei München gelebt hat und derart fließend Deutsch spricht, wie ich hoffe eines Tages Englisch sprechen zu können! Als Oliver und ich endlich an der Reihe sind, gibt es keine Batterien mehr, doch Wasser können wir so viel kaufen, wie wir tragen können. Wir entscheiden uns für vier Gallonen. Mit Taschenlampe und den vier Gallonen bestückt, hecheln wir diesmal weitaus weniger flott erneut die Stufen zum 18. Stock hinauf.

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Wieder in unserem Apartment angelangt, reiße ich alle Fenster auf, plündere den Kühlschrank und breite alles auf dem Couchtisch aus. Es ist ruhig da draußen. Nur hin und wieder macht sich eine Feuerwehrsirene bemerkbar oder heult ein Motorrad auf. Es hat was im Kerzenschein Wein zu trinken, Käse und Schinken zu naschen und sich Geschichten zu erzählen, wenn nur nicht das Wasserproblem wäre. Jede Idylle wird zerstört wenn die Grundbedürfnisse wie der Gang auf die Toilette zu einem Akt werden. In der Hoffnung, dass am nächsten Morgen “alles wieder gut” sein würde, legen wir uns schlafen. Heute einmal erhellt das Woolworth Building nicht unser Schlafzimmer und da natürlich die Klimaanlage nicht funktioniert und die Stadt ein wenig ruhiger geworden ist, schlafen wir bei offenem Fenster.

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Gegen acht Uhr morgens quäle ich mich schweißgebadet aus dem Bett, bereit unter die kühle Dusche zu springen! Doch wird aus diesem Wunsch nichts. Ein Anruf in der Lobby beim Doorman ergibt, dass es gegen 12 Uhr soweit sein könnte. Ungeduscht will ich nicht die zwei Stunden zu Fuß nach Midtown laufen, nur um dann vor vermutlich geschlossener Bürotüre zu stehen. Ein Anruf ergibt dann auch, dass viele Teile Midtowns, zumindest auch unser Office-Building noch auf Strom warten. Es wird Mittag. Es wird zwei. Und mittlerweile habe ich alle liegengebliebenen New York Times gelesen, meine Ablage erledigt, selbst die unangenehmen Dinge ordentlich organisiert und dann zur Aufheiterung das seit bald fünf Jahren fällige Fotoalbum unserer Hochzeitsreise erstellt. Mein Blick bleibt immer wieder an den Atlantikfotos hängen, selbst die Erinnerung an die Windstärke 10 erscheint auf einmal reizvoll. Immerhin hatten wir damals im Oktober Wasser – an Board der QE2 und auch um uns rum. Doch hier und jetzt werden unsere Gallonen bald knapp.

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Es ist fünf Uhr nachmittags und Zeit für einen Schluck Rotwein! Drei Flaschen haben wir noch… Wie lange noch wollen wir warten? Ich kann mich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr riechen und Oliver muss es ähnlich gehen. Und so nehmen wir die Einladung seines Kollegen freudigst an, seine Dusche zu benutzen. Bill wohnt in SoHo und dort soll es schon seit Mittag wieder Strom und somit auch Wasser geben. Wasser! Schnell in irgendwelche Klamotten gesprungen, etwas Wimperntusche auf die Wimpern geklatscht, die 18 Stockwerke nach unten gekrochen und die 18 Blocks zu Bill marschiert. Die linke Seite des Broadways erstrahlt bereits im Lichterglanz, während die rechte, oder geographisch korrekt die östliche noch immer im Dunkeln liegt.

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Frisch geduscht und wieder ganz Mensch, ziehen wir mit Bill und Mike in ein französisches Restaurant um die Ecke. Dort wird meine gute Laune weiter aufgebaut und nach einem mitternächtlichen Anruf in unserem Building wieder vollends hergestellt: wir haben Strom UND Wasser und das bereits seit 8Uhr, das heißt “nur” 28 Stunden später! Glücklich strebe ich mit Oliver an meiner Hand der Park Row entgegen, lasse mich vom Fahrstuhl nach oben bringen, um schließlich mit einem kühlen Bier in der Hand auf’s Sofa zu fallen. Der Blick nach draußen offenbart eine Stadt, die aufgehört hat zu schlafen und wieder im vollen Glanz erstrahlt – New York City, die fantastischste Stadt der Welt!

Übrigens: Die Fotos von unterwegs sind mit meinem kleinen Palm Handheld, Zire 71 geknippst, da ich für gewöhnlich keine Kamera mit mir rumschleppe. Doch für die Momentaufnahmen habe ich ja nun den “Zire”. Die letzten drei Fotos sind mit unser üblichen Kamera aufgenommen. Es ist schwer, zu sehen, was nicht zu sehen ist, nämlich kein Licht in den Fenstern (und kein Wasser in den Leitungen…). Alle Fotos sind vom 14. August 2003.