21. Woche 2001

Von Oliver

Die 21. Woche des Jahres ist unsere 7. Woche in New York und so langsam stellt sich Routine ein. Nachdem die Greencard-Sache am Laufen zu sein scheint, steht nur noch die Jobsuche auf dem Programm.

Für diese Woche rechnen wir dann auch damit, dass einiges in der Job-Angelegenheit passiert. In der Lolita Bar stoßen wir schon mal darauf an.

Montag ist dann auch der Tag, an dem bezüglich Job der Knoten platzt. Ein Bewerbungsgespräch – dazu steht das Telefon fast nicht mehr still. Für Dienstag abends ist dann ein weiteres Interview geplant, für Mittwoch komme ich schließlich sogar ziemlich ins Schwitzen, mit mehreren Agencies Termine auszuhandeln. Wieso eigentlich nicht gleich so?

Dienstag ist ein Tag, an dem sich ein Nebel aus feinem Nieselregen über New York legt. Wir haben mit Ian für den Abend eine Verabredung für das Ziegfeld Theatre beim Times Square, in dem eine Preview des Films “Moulin Rouge” läuft. Für mich bedeutet das Stress, denn ich habe kurz vorher ein Gespräch bei einer eBusinessfirma in der Nähe des Flatiron. Dort lassen sie mich netterweise noch eine dreiviertel Stunde warten, wobei praktischerweise kein Handyempfang möglich ist, so dass ich erst draußen auf der Straße erfahre, dass Elke bereits im Kino sitzt und mein Ticket hat. Das erkläre ich auch der Dame an der Ticketkontrolle, die mich glücklicherweise nur kurz mitleidig anlächeln kann, weil Elke auch gleich die Treppe heruntereilt und mir meine Karte in die Hand drückt.

Über den Film gibt es viel zu erzählen – tolle Schauspieler, tolle Aufnahmen, tolle Musik und eine tolle Website. Alle, wir zwei, Ian und noch drei weitere Freunde, verlassen das Kino ziemlich berauscht und am Abend hört man mehrfach Aussagen wie “der beste Film, den ich seit langem gesehen habe”. New York tut sein übriges zur magischen Stimmung hinzu – der Nieselregen legt einen Schleier über die Stadt – die Wolkenkratzer verlieren sich im Nebel, als wären sie unendlich hoch und dort wo am Ende der 7th Ave. der Central Park sein sollte, ist nur ein blau-graues Nichts. Wir schlendern durch Midtown und wollen den Abend im Carnegie Deli beschließen, ein Ort in dem man sicher fantastisch Essen, aber bestimmt kein geselliges Beisammensein verbringen kann. Jetzt schlägt die Stunde von P.J. Carneys (schaut nach, wir haben eine solche Situation schon vorausgesehen), eine Bar, die uns der unwirtlichen Straße entfliehen lässt und uns mit irischer Gemütlichkeit umgibt.

Mittwochs dann ein Gespräch bei Goldmann Sachs: Das Wetter ist noch dasselbe und der Blick aus dem Fenster im 45. Stock ins Weiße lässt einen glauben, man schwebe über den Wolken. Vielleicht ein Gefühl, das die Herren Investmentbanker tatsächlich des Öfteren haben.

Abends kommt dann die Nachricht aus München: Der FC Bayern hat die Champions League gewonnen. Das muss natürlich gefeiert werden, auch wenn in NYC niemand davon Notiz nimmt. Kevin, ein kalifornischer Barkeeper in der Lolita Bar, freut sich dann aber doch höflich mit uns.

Am Donnerstag mache ich dann noch eine weitere New Yorker Erfahrung: im Gegensatz zu allen anderen Avenues ist die Park Avenue an der 34th Street geteilt. Südlich der 34th St. nennt sie sich Park Avenue South und hat eine eigene Nummerierung. Zwischen den Hausnummern auf der Park Ave. und Park Ave South liegen 25 Blocks – man sollte also hier ein bisschen aufpassen.

Am Freitag ist es dann endlich soweit: das erste Jobangebot und noch ein ziemlich gutes. Das ist so, wie wenn einem ein ganzes Gebirge vom Herzen fällt. Wir haben natürlich nichts besseres vor, als in die Lolita Bar zu rennen und das kräftig zu feiern, bevor wir uns dann mit Mr. Maks Asian Food vor die Glotze verziehen.

Samstag gönnen wir uns dann einen Spaziergang durch die besseren Möbelhäuser in Soho. Ja, man muss seine Wohnung nicht amerikanisch-geschmacklos einrichten, sondern kann sich auch was Besonderes gönnen. Und, mal den ungünstigen Dollarkurs außer Acht gelassen, so fürchterlich teuer ist das auch nicht. Der Tag und die Woche findet dann ein schönes Ende in einem gar nicht so unbekannten Pub: dem Lions Pub in der Bleecker St. im Village.

20. Woche 2001

Von Elke

Die zwanzigste Woche des Science Fiction trächtigen Jahres 2001 stand ganz im Zeichen der Einwanderung: auf der Jagd nach der grünen Karte.

Nicht zu verwechseln, mit der, in deren Besitz ich die letzten Jahre war und mit der ich für DM 69,00 ab neun Uhr morgens die Münchner Verkehrsbetriebe nutzen durfte. Nein, die Karte, welche den Immigrationsprozess besiegelt und mit etwa 600 Dollar INS-Bearbeitungsgebühr ein wenig kostspieliger ausfällt. Dafür ist sie aber auch nicht wirklich grün, sondern eher bräunlich. Zudem dürfte der Moment, in dem man sie dann endlich in Händen hält auch ein ganz besonderer sein. Vergleichbar vielleicht mit den beiden Jahren der Kollegstufe, in denen man dem Abitur entgegenfiebert, nur um sich dann dem Erwachsenenleben stellen zu können. So wie ich mich nach Erhalt der Green Card dem amerikanischen Arbeitsmarkt stellen darf.

Wer kennt eigentlich nicht den herrlich romantischen Film “Green Card”, in dem Andie McDowell und Gérard Depardieu eine Scheinehe eingehen? Sie tut es, um eine der seltenen New Yorker Wohnungen mit Dach- und Wintergarten beziehen zu können. Er tut es, um als Franzose in Amerika leben und arbeiten zu dürfen. Geschrieben und verfilmt wurde die Story vom Australier Peter Weir. Und hier bereits erkennt man den Haken, an dem die Filmstory hängt. Hat er als Australier tatsächlich jemals versucht, die Green Card zu beantragen? Kennt er als Australier den Prozess? Und nutzte nicht er als Filmemacher den für einen Film notwendigen Fiktionsbonus, d.h. 40% Realtität und 60% Fiktion? Bei aller Liebe zu diesem Film, und ich finde ihn nach wie vor fantastisch, aber eben fantastisch, das heißt, er gehört zu großen Teilen ins Reich der Fantasie!

Man heiratet nicht einfach und bekommt dann von einer guten Fee die Green Card. Die gute Fee überreicht dieses braune Papierkärtchen noch nicht einmal dann, wenn man sich den lästigen Interviews unterzogen und diese bestanden hat. An einer Nachtcreme dürften Oliver und ich wohl auch kaum scheitern, auch nicht an der Lieblingsfarbe, am Lieblingsschauspieler oder an der Lieblingsweinssorte. Weshalb die Unternehmung aber misslingen könnte – und wohl auch bereits bei Brontë (Andie) und Georges (Gérard) missglückt sein könnte, ist die Bürokratie.

Und eines sei versichert: die amerikanische steht der deutschen in nichts nach. Nun ist Deutschland im Gegensatz zu Amerika kein Einwanderungsland, weshalb Immigrationen dort nicht unterstützt werden. Die Vereinigten Staaten hingegen gelten weiterhin als Einwanderungsland und begrüßen alle Immigrationswilligen durchaus. Sofern man es geschafft hat, sich durch den Bürokratiedschungel zu schlagen. Trotz Internet und der darüber in Newsgroups, Messageboards oder entsprechenden Websites vertriebenen Informationen, war das nötige Basis-knowhow nicht in Erfahrung zu bringen. Dies gibt’s dafür aber bei einem Anwalt für zwischen 150 und 300 Dollar die Stunde. Wissen hat eben seinen Preis!

Als Brontë (Andie) mit ihren Freunden in einem noblen Lokal essen war und dabei von Georges (Gérard) bedient wurde, arbeitet er ja eindeutig ohne dass er im Besitz der Green Card war. Gehen wir mal davon aus, dass er bereits seine “Work Permission” besaß. Die Arbeitserlaubnis kann man separat beantragen und erhält diese etwa drei bis vier Monate nach Antragseinreichung. Andererseits darf man auch ohne Arbeitserlaubnis einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, da der Arbeitgeber das Risiko zu tragen hat.

Halten wir also fest: ohne Erlaubnis arbeiten ist erlaubt, aber einen Antrag auf die Green Card innerhalb der ersten dreißig Tage der Einreise mit Touristenvisum zu stellen, ist verboten. Oh, well!

Warum sollte man überhaupt eine Work Permission wollen, wenn doch das ganze Verlangen der Green Card gilt? Anscheinend erliegen so viele Menschen dem Wunsch nach US-Immigration, dass die in diese Prozesse involvierten Personen das Pensum nicht mehr erfüllen können und die Aushändigung einer echten Green Card mittlerweile mindestens zwei Jahre dauert. Während dieser zwei Jahre dürfte ein Antragssteller weder arbeiten noch reisen. Wohin auch sollte man ohne Arbeit, sprich Geld, auch schon reisen? Vielleicht würde man aber doch gerne ins Mutterland reisen? In diesem Fall ist eine Travel Permission erforderlich, die es etwa zeitgleich mit der Work Permission gibt. Also drei bis vier Monate nach Einreichen der für die Green Card notwendigen Formulare. Aufhalten darf man sich aber während dieser Zeit in den USA das nur für drei Monate gültige Touristenvisum ist dann aber längst schon abgelaufen. Was bin ich dann? Ein Illegal Alien? German Woman in New York? Wie war das doch gleich nochmal mit dem English Man, dem legal alien?

Um jedoch bei all diesen Prozessen nicht allein gelassen zu sein, nahmen wir uns nun einen Attorney At Law zu Hilfe. Die nächsten zwei Jahre wird uns also Mister Brown begleiten und am Ende dieser Zeit hoffentlich auch die Worte sprechen, die wir ihn zu einem seiner Klienten bei unserem ersten Besuch sagen hörten: “Congratulations. You are now a lawful US resident.”

Wäre es nicht einfacher, wenn Georges oder ich bei der jährlich stattfindenden “Green Card Lottery” mitmachten? Dann spart man sich doch den ganzen Behördenkram. Weit gefehlt! Wer auch immer bei der Lotterie gewinnt, der muss selbstverständlich ebenfalls den gesamten Prozess durchlaufen. Der Gewinn besteht lediglich aus der Berechtigung sich für eine Green Card bewerben zu dürfen, man bekommt diese aber nicht “geschenkt”. Das nur, um ein und für alle Mal mit diesem elenden Gerücht aufzuräumen.

Wie aber geht es bei Oliver und mir weiter? Nun, ich möchte natürlich nicht wie Georges abgeschoben werden, während der Mann, den ich liebe, New York genießt. Auch Brontë und Georges haben ja am Ende zueinander gefunden und ihnen brach sicherlich das Herz, als sie sich trennen mussten. Um das zu vermeiden, werde ich eben bis Herbst die USA nicht verlassen – nach Florida darf ich aber – ich werde versuchen, einen Arbeitgeber zu finden und mich ansonsten möglichen deutschen Projekten, unserer Website, der Wohnungssuche sowie Möbilierung und anderem widmen.

In der Zwischenzeit lasse ich mir ein Pastrami-Sandwich von unserem Deli-Höker an der Ecke schmecken. Lese mit Genuss im Central Park die New York Sunday Times (“she goes straight for Arts ‘n Leasure, while I check out the magazine” – so sagt’s die TV-Werbung) und bestaune das überwältigende Panorama. Erledige in den Markthallen des Exceter Street Market die Einkäufe aller Frischwaren und bringe mein etwas rostiges Spanisch zum Einsatz. Und wenn ich mal keine Lust auf Kochen habe, dann gehen wir was bei Mr. Mak holen. Vermutlich der köstlichste und günstigste Asia-Imbiss der Stadt – was noch ein zu Beweisendes wäre! Wenn der “Haupt-Laptop” frei ist, chatte ich mit meinem Dad, mit Pascal oder Petko, was mir immer wieder großen Spaß bereitet. Meine Yahoo-ID ist übrigens CiaoEno.

Oder wir gehen zur Happy Hour in die Lolita-Bar, die Rivertown-Lounge oder in eine sonstige besuchenswerte Lokalität.

Zudem kommt es natürlich vor, dass wir etwas ganz anderes machen, wie beispielsweise am vergangenen Samstag, als wir den Feiern zum Earthcelebrationsday beiwohnten. Der Anlass war folgender: es gibt in New York noch eine Reihe städtischer Gärten, die von den jeweiligen Anwohnern begrünt und gepflegt werden und allen Manhattanites [Mänhättäneits] offen stehen. Da die Stadt aber wie alle sonstigen Institutionen oder Firmen auch Geld verdienen möchte, ist ihr daran gelegen, diese Gärten als Baugrundstücke, Parkplätze oder anderes zu verhökern. Doch grüne Lungen braucht jede Stadt und so setzen sich eben viele Freiwillige zur Erhaltung dieser Grünflächen ein.

Wobei wir jetzt wieder den Bogen zum Eingangsthema gespannt hätten. Zum einen assoziiert hier das Grün wieder mit der Green Card. Zum anderen hat sich die Film Brontë eben solchen Gartenprojekten gewidmet. Ihr erinnert Euch, als sie ihrem Upper-Class Freund voller Freude berichtet, dass sie und ihre Crew Erde geschenkt bekommen haben und dieser Schnösel damit erst mal gar nichts anfangen kann. Oder diese andere hinreißende Szene, als Georges (Gérard) die Blumenbeete von Brontë gegen Radieschen, Schnittlauch und Ähnliches eintauscht. Erwartungsgesmäß reagiert die recht ätherische Brontë auf so bodenständige Dinge mit blankem Entsetzen, was wiederum Georges nicht verstehen kann, da er doch nur vermeintliches Unkraut gegen Essbares ersetzt hat und ihr damit eine Freude machen wollte.

Ach! Ich könnte hier jetzt abschweifen, im Film schwelgen und dabei die Realität vergessen. Da jedoch die jetzige, die 21. Woche interessanter, als die 20. hier beschriebene Woche ist, sollte der zugehörige Diary-Eintrag auch nicht unnötig in die Länge gezogen werden.

Im übrigen, wird die kommende Woche, die 22. Woche, Olivers Geburts-tags-woche sein, von der dann wieder ich berichte. Für alle, die wie ich der harten Green Card Realität entfliehen wollen:

http://us.imdb.com/Title?0099699
http://www.cinema.de/film/details/0,1501,19880,00.html

19. Woche 2001

Von Oliver

Am Sonntag ging die große Godfather-Woche auf Bravo los und das war für uns die Gelegenheit, endlich mal diesen Meilenstein der Kinogeschichte zu sehen. In der Tat treten dort Al Pacino und Robert De Niro nicht gemeinsam auf, das tun sie bekanntlich erst 23 Jahre später 1995 in “Heat“. Auch wenn sich uns die Magie dieses Films nicht ganz erschlossen hat, wir haben ein paar Einblicke in Little Italy gewonnen, das glücklicherweise nicht mehr so wild ist, wie zu Godfathers’s Zeiten.

Dienstag morgen haben wir uns dann das erste Mal in die Bürokratie des INS, des Immigration und Naturalization Service, gestürzt. Wir sind guten Mutes losgezogen, bewaffnet mit einer Mappe voller Dokumente, nur um nach einer Wartezeit zu erfahren, dass unser Formular I-130, Petition for an Alien Relative, nur per Post eingesendet werden kann. Und überhaupt, ob wir denn schon einen I-765 ausgefüllt hätten? Die nette Dame gibt uns das Formular dann auch gleich mit, allerdings die 9 Seiten Anleitung fehlen. Im Internet haben wir dann festgestellt, das das I-765 direkt wieder zum I-485 führt, dem Formular des Grauens, weil es aus einem ganzen Paket von Formularen besteht, die wir unmöglich ausfüllen können. Wir geben uns geschlagen und gehen zu lawyers.com, um einen Spezialisten zu finden.

Dienstag abend sind wir dann bei Ken und Renee zu einem besonderen kulturellen Spektakel eingeladen, der Robin Byrd Show (es gibt einen Link, den findet bitte jeder selber raus) auf Kanal 35, einer Strip Show für Laien. Laien, weil die Damen und Herren meistens nicht strippen können, aber durchaus professionell als Prostituierte, Pornodarsteller oder Callgirl/boy arbeiten. Ohne auf Details einzugehen, das war Hardcore! Und wenn einem die Strips noch nicht reichen, die Werbespots dazwischen sind auch blanker Porno – dagegen ist 0190-Werbung in Deutschland eine Kindersendung…

Diese Woche stand auch im Zeichen der Lolita Bar, unserer designierten Stammkneipe gleich um die Ecke. Ab 5 Uhr abends ist Happy Hour, ideal, um den Tag zu beschließen. Witzig: Das Lolita hat genau zu der Zeit aufgemacht, als wir nach New York gekommen waren – so was verbindet. Auch haben wir hier gelernt, was “Well Drinks” sind: “The cheap stuff”, also Rum, Vodka oder Gin ohne Marke. Diese Frage wurde auch gleich mit einem Free Gin & Tonic für Elke belohnt.

Am Freitag habe ich dann meine Generalattacke auf den New Yorker Arbeitsmarkt gestartet. Langsam haben wir den Bogen raus: Viel Wirbel machen und wenn möglich immer anrufen, sonst passiert nichts. Dank Cable Modem und Standleitung gehen die Stellenanzeigen auf monster.com & Co. auch in Echtzeit ein, so dass ich sofort reagieren kann. Fängt an langsam Spaß zu machen…

Freitag abend sind wir zu einer Party in der Lava Lounge eingeladen. Eingeladen heißt, dass wir das Recht haben $20 pro Nase zu zahlen und dafür 2 Stunden lang umsonst zu trinken. Die Party wird von einem Freund von Ken geschmissen, der seinen Abschluss feiert. Das Ganze hat die Atmosphäre einer High-School Party, lauter Cheerleader und Quarterbacks und wenn das ganze nicht in einer ziemlich hippen Bar stattgefunden hätte, hätte man sich irgendwo auf dem Lande gewähnt. Wir geben zu, für uns waren die Jungs und Mädels zu jung, deswegen haben wir uns davon gemacht, als die Drinks wieder Geld kosteten.

Als wir das Loews Kino am Broadway zwischen Flatiron und Union Square gesehen haben, kam uns die Idee, in “Bridget Jones Diary” zu gehen, wenn der Film um – sagen wir mal – 0:15 anfängt. Er fing um 0:15 an und so haben wir mit vier anderen Besuchern Bridget Jones gesehen, der uns – abgesehen von Renee Zellweger – ziemlich kalt gelassen hat.

18. Woche 2001

Von Elke

Montag 30. April
Nun hatten wir sowieso nur drei ganze Tage Zeit in München zur Verfügung und diese waren dann auch noch hauptsächlich angefüllt mit dem Finish von “Ich will ins Internet”. Und so kam es dann auch, dass die Nacht vom Sonntag auf Montag, unserem Abflugstag, recht kurz, bzw. arbeitsintensiv, ausfiel. Jedenfalls gab es in dieser Nacht gerade mal eine Stunde Schlaf und so waren wir mehr als froh, um 1:30pm wieder in der 737 der Britsh Airways zu sitzen.

Später in der 747 von London nach New York genehmigten wir uns auch noch unseren üblichen “Wellness-Drink”, einen Gin’n’Tonic, und schliefen auch schon bald seelig. Kein Wunder, denn wir waren nicht bloß hundemüde, sondern kannten das Boardprogramm der BA auch schon zur Genüge. War ja schließlich der vierte Flug über den großen Teich innerhalb nur eines Monats. Von einem Kinobesuch für “1002 Dalmatiner”, “Was Frauen wünschen”, “Forrester – Gefunden” und dergleichen mehr, ist auch eher abzuraten. Warten, bis die Filme irgendwann mal im TV laufen.

Nach knappen sechs Stunden Flug landeten wir auf dem JFK, wo Oliver die Passkontrolle flott passiert, während ich mich in die Schlange der Touristen einreihen und warten muss. Dafür hatte er dann schon unsere zwei großen Koffer und unsere beiden großen Reisetaschen vom Förderband zusammengesammelt und wir können durch den Zoll. Natürlich werden wir gefragt, warum wir für gerade mal vier Tage Deutschland so viel Gepäck dabeihaben, doch lässt sich das glücklicherweise leicht aufklären. Draußen warten an die Hundert Menschen, schön in einer Warteschlange aufgereiht darauf, ein Taxi zu ergattern können. Was anfangs wie ein Problem aussieht, entpuppt sich schließlich als doch keines. Denn innerhalb weniger als 15 Minuten sitzen wir im Taxi, nicht ohne noch ein Faltblatt in die Hand gedrückt bekommen zu haben, das uns eine Telefonnummer für eventuelle Beschwerden nennt. Die Taxifahrt von JFK nach Manhattan rein ist immer wieder ein ganz besonderes Vergnügen: es geht durch die vielen Einfamilienhäuser in Queens, vorbei an einigen weniger schönen Mehrfamilienhäusern, bis irgendwann in der Ferne die Skyline auftaucht. Wenn man dann noch gegen Abend, zur Zeit der untergehenden Sonne unterwegs ist, bekommt man ein wunderschönes Farben- und Formenschauspiel geboten. Wie Scherenschnitte zeichnen sich die bekannten Bauten vorm rosa-gelb-orangen Abendhimmel ab.

Da es noch früher Abend ist, beschließen wir zu einem unserer “Stammlokale”, dem Nice Guy Eddie’s zu gehen und ein amerikanisches Mahl zu uns zu nehmen. Um die eigene Leber zu schonen, mache ich’s ganz amerikanisch und spüle den Burger mit Diet Coke hinunter. Den Abend beschließen wir in einer weiteren Lieblingsbar der Rivertownlounge. Dann sind wir aber auch schon in Eile, denn wir wollen nicht unsere Lieblings-Sitcom auf Fox, Channel Five, verpassen: Seinfeld. Obwohl es mittlerweile viele gute Sitcoms oder Daily Soaps im TV gibt – auch im deutschen – so ist Seinfeld doch unübertroffen gut. Die Gags werden nie langweilig, sie sind stets neu und die Charaktere bei aller Boshaftigkeit doch liebevoll gezeichnet. Die Show ist schlichtweg absolut sehenswert und es wundert mich nicht, dass Jerry Seinfeld zu den reichsten Menschen Amerikas gehört.

Dienstag 1. Mai
Wir sind in Amerika!

Deshalb wird erstmal die Glotze angeschalten, um zwei Folgen Golden Girls zu schauen. Seit unserem ersten Tag in der Orchard Street begleiten uns die Girls, sie eröffnen und beenden unseren Tag (nach Seinfeld). Auch wenn man nach mehr als 100 Folgen Stereotypen erkennen kann, bleiben die Girls sehenswert. Gerade im amerikanischen Original kommt Blanches “Sooouuuthern Aaaaakzent” optimal zur Geltung und Roses “Saint Olaf Stories” sind einfach “hilarious”! Dazu noch Dorothy mit ihrer Mom: “Picture it: Sicily 1922…” Wie könnte ein guter Tag in den Start noch verbessert werden? Richtig! Durch ein leckeres Pastrami Sandwich! Doch nicht die fette, schwere Version mit Mayonnaise, Butter, Peanutbutter, Olivenöl, Creamcheese und was sonst noch, sondern einfach so: Weißbrot, Senf, Tomatenscheibe, Salatstreifen und die lauwarme Pastrami. Yummy!

Doch damit nicht genug: heute war DER Tag. Unser Cabelmodem sollte geliefert werden. Und in der Tat, klingelte es gegen 10 am und ruckzuck war das Cablemodem installiert. Eine halbe Stunde später kam noch eine Frau von TimeWarner vorbei, die das Modem konfigurieren wollte. Doch war das natürlich nicht mehr notwendig, da Oliver bereits alles selbst erledigt hatte. Jetzt surfen wir beinahe in Lichtgeschwindigkeit und sind den ganzen Tag online. Faszinierend. Wir sind happy, mit allen unseren FreundInnen und der großen weiten Welt auf so einfache Art verbunden sein zu können. Lang lebe das Cablemodem!

Unsere Planung für den Nachmittag hätten wir besser sein gelassen, denn es brachte außer Frust wenig ein. Wir besuchten eine Karrieretagung, bei der Oliver gesagt bekam, dass er ohne Erfahrung mit dem amerikanischen Markt gar nicht an einen Job in USA zu denken braucht. ! Auch wenn die Ratio weiß, dass das Blödsinn ist, so schlagen die Emotionen doch hoch.

Mittwoch 2. Mai
Den Morgen verbrachten wir mit den Golden Girls und dem Abchecken der Jobbörsen sowie dem Verschicken von Resumées. Dann liefen wir von zu Hause los in den Battery Park. Ein schöner Spaziergang, der zunächst durch Chinatown und dann auf den Broadway führt. Wir deckten uns noch mit Sushi ein und genossen anschließend den Sonneschein und den Blick auf’s Meer und die Freiheitsstatue im Battery Park. Auf dem Rückweg machten wir Stop in einem Bookshop. Nein, nicht bei Barnes&Nobles, sondern bei “Borders” im World Trade Center. Oliver erwarb ein Buch zu UML. Und ich kaufte einen Titel aus der Reihe der CliffsNotes, so ‘ne Art Reclam Erklärungstexte. Am meisten begeisterte mich eine Sache: auf dem Tisch der Taschenbuch Neuerscheinen lag doch tatsächlich ein bekannter Titel in unbekannter Aufmachung. Inmitten anderer Taschenbücher befand sich Benjamin Lieberts “Crazy” – Wow! – in Amerika verlegt zu sein, ist ein echtes Privileg. Dann hat man es beinahe schon geschafft. In den einschlägigen Newspapers lese ich immer wieder Klagen von britischen AutorInnen, dass sie nicht in den USA verlegt würden. Und dann der kleine Münchner Benjamin. Congrats! (In wie weit da der einflussreiche Papa mitgewirkt hat, ist nebensächlich.)

Wieder in unserem kleinen Studio angekommen, gab’s für mich noch meine Lieblings-Teenie-Serie, die hier immer Mittwoch Abend läuft. Dass die hier mehr als 200 Folgen voraus sind, lässt sich nicht ändern und so schauen ich trotzdem mit dem größten Vergnügen: Dawson’s Creek Übrigens: Pacey und nicht Dawson ist mein Favorit.

Donnerstag 3. Mai
Nach unserem üblichen Vormittagsritual brachen wir auf, zu einem Spaziergang durch die Lower Eastside und das East Village. Wir warfen neugierige Blicke in die vielen Innenhöfe und Gemeinschaftsgärten. Ende Mai wird im Rahmen des Earthcelebrations Day auch für die Erhaltung dieser grünen Oasen gekämpft und gefeiert werden.

Nachdem wir die Nachbarschaft genug bewundert und erkundet hatten – hier würde ich echt gerne wohnen! – suchten wir eine Lokalität mit Happy Hour auf. In New York werden wir nämlich noch zu Schwaben, denen man ja große Sparsamkeit nachsagt. Wir fanden bei Ryan’s Pub auf der 2nd ave, 11st St was wir suchten. Wo immer ein wenig Platz ist, werden Tische und Stühle rausgestellt, eine Umzäunung gezogen und Gäste bewirtet. Neben einem Happy Hour Drink genehmigten wir uns einen Burger, bzw. einen Salat mit Kaktus und Ziegenkäse.

Um auch unsere Vorräte zu Hause aufzustocken, machten wir beim Key Food in der Avenue A halt. Unnötig zu sagen, dass dies ein gigantischer 24/7 Supermarkt ist, das heißt, er hat an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr geöffnet. Paradiesisch?!

Freitag 4. Mai
Nachdem wir am Vortag eingekauft hatten, gab’s heute ein Schlemmer-Frühstück. Ich bestrich Spinatwraps mit Senf sowie etwas Hüttenkäse und legte darauf Gurke, Tomate, Salat, und ein paar dünne Scheiben Putenbrust. Zuletzt wurde das Ganze noch mit viel Chilli sowie etwas Thymian bestreut und schließlich zu Wraps zusammengerollt. Mehr Eigenkrationen gibt’s hier. Unsere Laune sank trotz der leckeren Wraps auf den Nullpunkt, da sich Jobmäßig zu wenig tat.

Oliver rief also wieder mal einen der Recruiter an und siehe da – hatte der doch plötzlich ein Job-Interview. Wie schnell denn Oliver in Brooklyn sein könnte. Tja, da wir nahe an der F wohnen, ist das überhaupt kein Problem, und so schlüpfte Oliver flink in adäquate Klamotten und ich begleitete ihn nach Brooklyn. Während Oliver bei seinem Interview schwitzte, war ich im Drugstore Rite Aid, der Konkurrenz zu Duane Read, “Produkte umdrehen”, wie Oliver es gerne nennt.

Nach dem Bewerbungsgespräch erkundeten wir noch ein wenig die Montague-Street und kehrten schließlich im Garten eines griechischen Lokals ein. Bei Mr. Souvlaki gönnten wir uns ein Schlückchen und stießen auf unser 11-Jähriges an.

Zurück in Manhattan fuhren wir nach Midtown in den China Club, wo es eine After Work Party gab.

Da zwar die Aussicht auf der Dachterasse durchaus sehenswert, nicht aber die Musik hörenswert waren, beschlossen wir, unser Geld woanders auszugeben. Bei uns im Viertel!

Von den vielen, vielen Lokalen in der Ludlowstreet pickten wir uns das Barramundi heraus. Ein echtes Kleinod!

Samstag 5. Mai
Jetzt wo wir uns schon mal nach Brooklyn gewagt hatten, konnten wir es ruhig ein zweites Mal tun. Gesagt, getan und so brachen wir nach Coney Island auf. Der F-Train brachte uns von der Delancy Station bis zur Stillwell Avenue in gerade mal 35 Minuten und das für lediglich 1 Dollar 50.

Euphemistisch wird Coney Island oft als Vergnügungsparadies mit verblichenen Charme bezeichnet. Auch “Ort von unsäglicher Tristesse” habe ich schon gelesen. Dabei ist es schlicht unendlich heruntergekommen, um nicht explizitere Ausdrücke zu bemühen. Doch so sehr dieser Vergnügungspark auch unvergnüglich sein mag, der Strand ist es nicht. Die Küste entlang zieht sich für viele Kilometer ein zweihundert Meter breiter feinkörniger Sandstrand. Am Strand selbst tummeln sich Familien oder Pärchen, die entweder nicht genug Geld haben, um an einen der nur mit Auto erreichbaren vornehmeren Strände zu fahren, oder die schlichtweg nicht daran denken, so viel Wegstrecke auf sich zu nehmen. Aufgrund der vielen Hispanics und Afro-Amerikaner fühlt man sich hier wie im Urlaub. Und das gerade mal eine halbe Stunde vom heimischen Domizil entfernt.

Über Coney Island gibt’s sicher noch mehr zu berichten…