26. Woche 2001

Von Elke

So 06/ 24 – Noch drei Tage
Der Schock des Tages: Mr. Mak macht zu!

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Wir wurden nicht müde, “General Tso’s Chicken” oder “Hot Orange Chicken” bei unserem Lieblingsasiaten zu bestellen. Die freundliche Besitzerin tat Reis in zwei Pappkartons, wie man sie aus vielen amerikanischen Filmen her kennt, derweil ihr Mann das Huhn in Windeseile zubereitete. Wenn sie mit dem Reis fertig war, entfaltete sie eine große braune Papptüte, legte einen festen Pappboden hinein und stellte diese Papiertüte in eine Plastiktüte. Hinein kamen die beiden Reispakete, zwei Plastikgabeln, Servietten, Sojasauce, Hotsauce, Hot Mustard Sauce sowie ein Free Soda. Die Besitzerin wusste, dass wir gerne Coke Light tranken, auch musste sie unsere Leidenschaft für Fortune Cookies geahnt haben, da sie nie vergaß, uns auch davon zwei in die Tüte zu packen. Zuletzt gesellten sich die beiden Huhngerichte, ein large und ein small, zu den anderen Dingen in der Tüte. Das Ganze kostete stets so um die 11 Dollar und wurde von einem Extra-Lächeln begleitet.

Das alles soll jetzt zu Ende sein? Das Ende von General Tso wie wir ihn kennen?

Zwar meinte Ms. Mak, dass in etwa zwei Wochen, ein neuer Asiate denselben Laden wieder aufmachen würde, aber werden die neuen Besitzer uns mit der gleichen Sorgfalt und Freundlichkeit begegnen? Was tun, falls die Gerichte beim Neuen nicht schmecken oder für Nicht-Asiaten schlichtweg ungeeignet sind? Dass dies der Fall sein kann, sollten wir bald erleben…

Mo 06/ 25 – Noch zwei Tage
Die Seltsamkeit des Tages:
urplötzlich stehen vor dem Shop des Tenement Museums drei riesige LKWs mit allerlei Gerümpel. Warum in alles in der Welt verlässt der Shop diesen Laden? Zieht er in das richtige Museum neben uns um? Und warum meint jemand, mit alten Flohmarktgerümpel mehr Geld machen zu können? Immerhin verstehen diejenigen, die hier am Werk sind, ihr Geschäft, denn im Eiltempo, als ob es einen Preis zu gewinnen gäbe, ist die ursprüngliche Shop-Beschriftung von einer neuen überdeckt und in den Auslagen stapeln sich nun alte Gitarren, Trompeten, Zieharmonikas, Nachttöpfe, Blechdosen und ähnliches.

Wie lange sich dieses seltsame Geschäft wohl halten wird? Noch am selben Abend sind die zwei Lastwägen wieder verschwunden und alles geht wieder seinen gewohnten Gang. Schade ist’s um das schöne Museumsgeschäft!

Di 06/ 26 – Noch ein Tag
Die Seltsamkeit des Tages:
seit wir hier wohnen, blicken wir auf eine Baustelle. Das gegenüberliegende Haus wird von Grund auf renoviert und zum Fußgängerweg hin sichert ein wuchtiger Bretterverschlag die Bauarbeiten ab. Doch welchen Sinn macht es, im laufenden Baustellenbetrieb einen vormals grauen Bretterverschlag grün zu streichen? Wir können uns dieses merkwürdige Vorgehen nicht erklären, doch werden auch diese Arbeiten, wie schon die im Tenenement Museum vom Vortag, superschnell und präzise ausgeführt. Wir sollten uns die Adresse dieses Services geben lassen, vielleicht braucht man den mal…

Das eigentliche Ereignis des heutigen Tages stellt für mich jedoch die PC Expo dar. Bereits im Vorfeld habe ich mir auf der Website eine Presse-Akreditierung organisiert und erfreue mich an den Annehmlichkeiten des Presse-Centers wie kostenlose Softdrinks, Telefon, Fax, Pressemappen und fantastischem Ausblick auf den Hudson River. Auch treffe ich ein aus dem Workshop bekanntes Webgrrl und fühle mich ganz heimisch.

Mi 06/ 27 – Today’s the DAY
Auch an diesem Tag begegnen uns wieder sonderbare Dinge, doch ist man in Manhattan ja an allerhand gewöhnt. Nun wird die Orchard- und Delancystreet plötlich von fünf Kränen gesäumt, an deren Enden sich Scheinwerfer befinden. Aha! Da wird wohl bald irgendwo irgendetwas gedreht werden. Lassen wir uns doch mal überraschen…

madison-square-garden

Doch ansonsten ist der heutige Tag definitiv nur einem Ereignis gewidmet: Depeche Mode sind in der Stadt! Und wir haben Tickets für das Konzert im Madison Square Garden! YEAH – wir sind dabei.

Wer sich für den Madison Square Garden interessiert, findet hier allerlei Wissenswertes und eine Skizze der Örtlichkeiten

Tickets für die auf Monate hin ausgebuchte Letterman Show konnten wir keine mehr ergattern, doch kann man immerhin einen virtuellen Einblick erhaschen.

Und von der Tour an sich existieren wohl viele, viele Profi-Fotos doch leider keine aus New York, obwohl die Jungs hier gleich zwei Tage das Stadion zum Toben brachten. Aber Tour-Fotos sind Tour-Fotos sind Tour-Fotos.

Da es die Band glücklicherweise nach mehr als zwei Jahrzehnten noch immer gibt und sie nicht bloß lediglich weiterhin existiert, sondern durchaus mit neuen musikalischen Impulsen aufwartet, konnten wir sie bereits einige Male in München erleben. Doch übertrifft ein Konzertbesuch im Madison Square Garden die Konzertbesuche in der Münchner Olympia-Halle bei weitem. Noch größere Halle, noch mehr Zuschauer, noch zahlreichere Fans, noch stimmgewaltigeres Gemeinschaftskaraoke, schlichtweg ein MEHR an allem.

Was gibt es überhaupt über ein Konzert der Superlative zu schreiben? Kleingeistige Kritik verbietet sich wohl von selbst, auch fällt es mir als erklärtem Fan schwer, selbige zu üben. Der Abend war einfach fantastisch! So begnüge ich mich damit, die Playlist wiederzugeben, so wie Oliver und mir die Songs im Gedächtnis geblieben waren.

Trotzdem muss eines noch erwähnt werden, auch wenn es bei einer Band wie Depeche Mode im Gegensatz zu vielen anderen Pop-Bands Nebensache ist: Dave ist so sexy wie nie! Wie kaum einer anderer schwingt er seine Hüften und rockt, was das Zeug hält. Da drängt sich der Vergleich mit einer anderen Rock-Legende auf. Ähnlich wie diese hat auch Dave schlimmsten Drogenmissbrauch durchlitten, doch Gottlob überlebt. Schon zur Singles-Tour konnte er das Publikum von seiner Genesung überzeugen, doch erst jetzt zeigt er, was noch immer in ihm steckt.

Alle Songs wurden mit viel Liebe zum Detail, zum Teil mit zwei Background-Sängerinnen vorgetragen. Martin gab aber diesmal nur zwei Stücke zum Besten und überließ die Bühne weitestgehend Dave, der sie zu nutzen wusste. Nach zweieinhalb fantastischen Stunden ist ein wundervoller Konzertabend zu Ende und wir gehen wie so viele andere mit uns, erfüllt und glücklich nach Hause.

Setlist der Songs

The Dead of Night
Halo
Walking in My Shoes
Clean
When the Body Speaks
Breathe
Dream On (Mit tollem Schwarz-Weiß Video, in dem Dave ganz alleine am Thresen eines Diners sitzt und versucht mit der Kellnerin zu flirten. Als später Martin und Andrew sich dazugesellen, entspinnt sich zwischen den dreien eine muntere Unterhaltung und sie verlassen das Lokal. Dave bleibt allein zurück.)
It’s no good
Enjoy the Silence
I Feel You
In Your Room
Personal Jesus
I Feel Loved
The Bottom Line
Black Celebration
Home
Never let me down again

Do 06/ 28 – Und Action!

webgrrls
Auch heute wieder besuche ich die PC Expo, doch nicht nur um Kontakte zu knüpfen und mich über Neuigkeiten in der Branche zu informieren, sondern auch um ein paar Stunden am Stand der NYC Webgrrls mitzuhelfen.

Am Abend ziehen Oliver und ich los, um den zweiten Dollar-Paycheck zu feiern. Wir beginnen unsere kleine private Feier mit einem Drink in der Lolita und genießen die kühlende Aircondition. Draußen ist es brütend heiß. Auch scheint plötzlich das Geheimnis der Scheinwerfer gelüftet zu werden: ein frischgeputztes, formschönes New Yorker Taxi wird da soeben von seiner schwarzen Stoffschutzhülle befreit und fährt vor der Lolita Bar auf und ab. Na ja, ist halt mal wieder eine Werbefilmproduktion, wie so viele andere in New York.

Wir ziehen los in die Essexstreet und werden etwa eines Dutzend Trucks gewahr, die allesamt Film-Equipment transportieren. Ganz schön aufwändig! Wir kümmern uns aber nicht weiter darum, sondern steuern einem neu eröffneten Lokal zu. Hier trifft die asiatische auf die europäische Küche und heraus kommen exquisite Genüsse in spartanisch-meditativem Ambiente zu südamerikanischen Klängen. Dem SX137 muss man mit Sicherheit mehr als nur einen Besuch abstatten!

Wir gönnten uns folgende Tapas, die in angemessen kleinen Portionen nach und nach auf unser Tischchen gestellt wurden.

Grilled Serrano Ham & Wisconsin Cheddar Cheese Sandwich with Tomatoe Soup
Ginger Marinated Chicken Satays
Thin Crusted Pizza, Maytog Blue Cheese, Pine Nuts, Tomatoes & Arugula
Kebob of Soy Marinated Lamb Cubes
Southern BBQ Baby Black Rips
Summer Roll of Poached Shrimp
French Fries with Grated Granno Cheese
Zu all diesen Speisen genossen wir einen Cabernet Sauvignon RH Philips, Dunningan Hills, California, 98.

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Irgendwann machten wir uns wieder auf den Heimweg und staunten nicht schlecht, in einer taghell erleuchteten Orchardstreet anzukommen. An der Delancy stand ein Kran mit immens großen Lampen, im Haus mit der Baustelle hatten Beleuchter im obersten, fünften Stock Quartier bezogen und die ganze Szenerie wurde von Leuchtkränen an der Ecke zur Broomstreet abgegrenzt. Als wir die Haustür aufschlossen, sahen wir links neben uns ein gutes Dutzend PCs aufgereiht. Was das wohl für ein Werbefilmchen werden würde?

Nun doch neugierig geworden, sperrten wir das Gitter vor unserer Feuerleiter auf, setzten uns auf ihre Stufen und blickten auf die Straße hinüber zum Tenement Museum.

“Siehst du den gutaussehenden Schwarzen dort?”

“Ja. Er wird gerade noch geschminkt.”

“Ist das nicht?”

“Doch ist!”

“Will Smith!”

“Und der andere Typ, der da gerade aus dem Auto steigt, sieht aus wie Clint Eastwood.”

“Hm – ein Film, in dem Will Smith und Clint Eastwood spielen? Fällt mir jetzt keiner ein.”

“Mir auch nicht.”

“Sieht aber Clint Eastwood nicht eher wie Tommy Lee Jones aus?”

“Ja richtig!”

Beide: “Dann ist das Men in Black Zwei!”

Und richtig, die vor den PCs sitzende Film-Crew machten es sich in schwarzen Regie-Stühlen bequem, auf denen in weißen Lettern MIB2 stand.

WOW! Wir wohnen einer echten Hollywoodproduktion bei?! Schnell mal im Internet nachgeschaut, wer denn überhaupt der Regisseur ist und wie der aussieht. Aha, Barry Sonnenfeld. Okay, auch er war am Set gut zu erkennen, weil er Smith und Jones ein- und dieselbe Szene sieben Mal wiederholen ließ:

Smith kommt aus dem Tenement-Museums-Shop raus und geht auf Jones zu, der gerade dabei ist, einen schwarzen E-Klasse Mercedes aufzuschließen.
Beide unterhalten sich aufgeregt und tragen natürlich ihre unverkennbaren schwarzen Anzüge, was bei der Sommerhitze und dem Lichterglanz bestimmt kein Spaß war. Aber irgendwie müssen sich die horrenden Schauspielergagen ja rechtfertigen.
Wir hingegen saßen wie Statler und Waldorf aus der Muppet Show auf unserer Feuertreppe, tranken ein kühles Tsing-Tao-Bier und schauten gebannt der Filmerei zu. Sehr faszinierend das Ganze, aber mittlerweile zum Teil auch blanke Computertechnik. So erklärte sich nun auch, warum die Baustellenverkleidung grün gestrichen wurde. Alles Grün kann bei der späteren digitalen Bearbeitung herausgefiltert und durch andere Gegenstände, Bauwerke oder einfach Farben ersetzt werden.

Die Filmcrew machte noch bis fünf Uhr morgens weiter, unterstützt von vielen Lampen, die auch unser Zimmer wie am Tag erhellten. Dennoch genehmigten wir uns trotz allem ein paar Stunden mehr oder minder erholsamen Schlaf.

Fr 06/ 29 – Keine Atempause…

Die Baustelle behielt zwar ihren grünen Anstrich, doch ist im Museumsshop wieder selbiger untergebracht und er sieht vertraut wie eh und je aus. Nichts Seltsames tut sich mehr in der Orchardstreet. Die Ruhe und Beschaulichkeit ist wiederhergestellt, wenn man mal von dem seltsamen Verhalten der beiden Hausmeister absieht, die unbedingt die Haustüre und im speziellen den Glasteil davon grau strichen. Warum das denn? Wir wissen es nicht!

Von der gestrigen Fusion-Kitchen animiert, wollte ich auch mal wieder kreativ sein und kaufte in meinem Lieblings-Asia-Shop in der Grandstreet ein Huhn und frische Linguini ähnliche Asia-Nudeln. Am Tag zuvor, hatte ich bei den Puertoricanern in der Essex-Street kleine rote Zwiebeln erstanden. Schließlich erwarb ich noch bei Estevez Gonzalez in der Broomstreet Tomaten und frisches Brot. All diese Zutaten sollten ein griechisches Stifado ergeben! Wie gesagt: Fusion Kitchen!

Sa 06/ 30 – …Geschichte wird gemacht

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Und wieder lacht die Sonne morgens in unser kleines Zimmer und treibt uns hinaus. Mal wieder nach Coney Island. Es schläft sich so schön am Strand, viel schöner, als auf den zwei ollen, alten übereinandergelegten Matratzen. Auch wenn ein Nickerchen am Strand von Coney Island gar nicht so einfach ist, bei diesen Menschenmassen.

Heute sind auch ganz besonders viele Leute unterwegs, da die Mermaid Parade zelebriert wird. Wir lassen diese an uns vorüberziehen und widmen uns stattdessen dem Dolce Vita am Strand. Später am Tag werden wir Mitglieder in der Wildlife Conservation Society. Diese klangvolle Umschreibung bezeichnet ein Ticket, das zwei Erwachsenen ein Jahr lang unbeschränkten Zutritt zu allen New Yorker Zoos gewährt.

Bereits auf unserer Hochzeitsreise wollte ich Mitglied werden und jetzt ist es endlich so weit.

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Nachdem wir den Mitgliedsbeitrag beglichen haben, genießen wir noch zwei unterhaltsame und lehrreiche Stunden im Aquarium. Da das Aquarium recht groß angelegt ist, kommen wir gar nicht dazu, alle Tiere zu besuchen. So verpassen wir beim heutigen Rundgang die Haie, die Delphine, die Walrösser und die Tiere im Streichelzoo. Doch werden wir mit Sicherheit bald wieder kommen…

Zum Abschluss noch die Sonderbarkeit der Woche: in Ermangelung von Mr. Mak, probierten wir “Lucky Restaurant” gegenüber der Estevez Grocery aus. An dieser Ecke trifft Südamerika auf China und wohingegen Estevez immerhin amerikanisch versteht, ist man bei “Lucky” völlig aufgeschmissen. Ja, die aus chinesischen Schriftzeichen weist eine amerikanische Übersetzung auf, doch versteht die im Lokal niemand. So zeigen wir auf die Nummern und warten eine kleine Ewigkeit, bis schließlich ein chinesischer Gast fragt, ob er helfen kann. Irgendwann halten wir eine Tüte mit zwei Schachteln aus aufgeschäumten Plastik in Händen. Reis gibt es auf Nachfragen dazu. Schon jetzt vermissen wir Mr. Mak unbeschreiblich. Doch als wir “General Tso” und “Hunan Chicken” auf der Feuerleiter verspeisen, bedauern wir sehr, bei “Glücklich” bestellt zu haben. Im Hunan Chicken tummeln sich Millionen von Erbsen sowie tiefgefrorenes Karottengemüse. Schließlich bekam Oliver nachts auch noch höllische Bauchschmerzen, was uns die Entscheidung gegen “Lucky” erleichtert. Wir werden weiter nach einem neuen Asia Take Away suchen müssen. Stay Tuned!

25. Woche 2001

Von Oliver

Diese Woche beginnt in Brewster, NY nach einer Nacht, in der die Luftfeuchtigkeit 100% überschritten und sich in einen Wolkenbruch verwandelt hat. Wir genießen die Stille ohne Müllwägen und Autoalarmanlagen und schlafen bis um 12, um dann mit Brigitte und Richard durch das Mittagsprogramm im TV zu zappen. Plötzlich beginnt der Bildschirm zu flackern und eine verzerrte Stimme aus dem Fernseher stößt auf allen Kanälen Warnungen aus: Nein kein Angriff aus dem Weltall kurz vor dem Independence Day, nur eine Hochwassermeldung. Das ist dann die Stunde des Weatherchannel, auf dem Sirenen und flackernde Laufschriften vor dem Unglück warnen: Man soll doch bloß nicht durch auffällig große Pfützen fahren, die könnten ja tiefer sein, als man denkt…

Zurück in der Stadt erwartet uns das Lower East Side Festival, das wohl ziemlich ins Wasser gefallen und dann nur mühsam wieder aufgetaucht ist. Die Veranstaltungen finden im Turnsaal der Highschool statt und die Stände in der Broome St. haben wir in ein paar Minuten abgeklappert, bevor wir dann zum One and One in der Houston St. abdrehen, um dort die berühmten Fish & Chips zu probieren.

Montag und Dienstag passiert nichts Diary-würdiges – aber Mittwoch können wir dann unseren ersten Besuch aus München empfangen. Eyüp hat es nach einer abenteuerlichen Geschichte nach New Jersey und New York verschlagen, wo er auch einen Abstecher zu uns macht. Wir haben nicht viel Zeit, aber immerhin können wir ihm die Lolita Bar zeigen und dort ein paar Drinks zu uns nehmen.

Donnerstag ist dann endlich das erste Gehalt auf dem Konto und wir sind in der Lage mit echten, in den USA verdienten Dollars zahlen. Wie schon lange geplant, soll die erste Ausgabe unserer Website dienen und uns eine Digitalcamera bescheren. Wir gehen dazu in New Yorks beste Adresse für solche Käufe J&R, um dort auf eine echte Verkaufskanone zu treffen: auf die Frage nach einer geeigneten Kamera deutet der gelangweilte Herr auf ein paar Modelle in seiner Glasvitrine. Schon alleine, um das darauffolgende, peinliche Schweigen zu überwinden, bedanken wir uns höflich und verlassen den Laden. Odd Job heißt mal wieder die Lösung. Dort hat man nämlich einen 5 Millionen Restposten von Polaroid aufgekauft und bietet eine akzeptable Kamera für $129 an. Dieser Preis ist derart okay, so dass wir auch akzeptieren, erst in der dritten Filiale am Union Square fündig zu werden. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zum Block zwischen 9th und 10th Street auf der 2nd Avenue, wo wir neben Ryans Bar im Telephone Bar&Grill eine private First Paycheck Party begehen und ein “Chicken roasted to perfection” doch deutlich hinter einem Wiesnhendl zurückbleibt.

Freitagabend bringt die Ernüchterung mit unserer Schnäppchen-Kamera: die mitgelieferte Software läuft nicht unter Windows 2000 (und wir haben hier nur Windows 2000-Rechner). Ein Ausweg bietet ein zusätzliches Gerät, das man am günstigsten nur im CompUSA in der 57th Street, Ecke Broadway bekommt.

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Das ist dann auch unser Ziel für die große Fotoralley am Samstag. Wir marschieren durch das East Village, durch den Fashion District, über den Times Square bis fast an den Central Park, um dan um 7:02 am CompUSA einzutreffen. Leider macht der um 7:00 zu und der Herr an der Türe macht nicht den Eindruck, als ob man auf die geringste Nachsicht hoffen könnte. Kein Problem, schließlich gibt es rund um den Times Square Dutzende von Computerläden, die allerdings statt $12.90 bis zu $89 für vergleichbare Geräte verlangen.

Eigentlich wollten wir dann den Abend im Times Square Ableger der Heartland Brewery verbringen, beschließen dann aber doch diese Touristenfalle zu verlassen und schnellstens mit der Subway wieder in die Lower East Side zu fahren. Dort geht es ins Oliva, dem bisher schönsten Lokal, das wir besucht haben. Der Abend findet dann mal wieder sein Ende in der Lolita Bar, wo wir unsere Wirte mit unserer Kamera zum Wahnsinn treiben – aber immerhin, mindestens ein schönes Foto ist dabei rausgesprungen.

24. Woche 2001

Von Elke

Sun, 06/10/01
Und wieder mal ein Sonntag, der zu einem Sonntagsspaziergang einlädt. Nein, diesmal gehen wir NICHT zum Union Square. Wir sind ja nicht Union Square Addicted! Heute gehen wir die erste hoch bis zur 42nd Street.

Dort gibt es das UN-Gebäude samt Park zu besichtigen. Wir betreten die gepflegte grüne Oase, lassen uns auf einer der Parkbänke nieder und genießen das Treiben auf dem East River. Wir denken an die Isar und der Vergleich fällt mager aus. Wir wollen dem Bayernmetropolen-Fluss auch nicht unrecht tun, aber große Dampfer, Lastkähne, Segelschiffe und dergleichen mehr fahren halt nicht darauf. Nur hier und da mal ein Floß mit einer lustigen Gesellschaft drauf. Das sieht beim East River ganz anders aus.

Nach etwa anderthalb Stunden spazieren wir weiter und kommen irgendwann bei einer PJ Carneys Filiale vorbei, die wir natürlich erkunden müssen. Wir lassen es uns bei Draft Beer, Cabernet und Chicken Wings gut gehen, kaufen noch bei D’Agostino ein paar Lebensmittel ein und spazieren dann die 3rd Ave Höhe 39th bis zu uns wieder heim.

Schön ist’s durch das nächtliche Manhattan zu laufen!

Mon, 06/11/01
Eine neue Arbeitswoche bricht für Oliver an, während ich dabei bin, ebenfalls mein Job-Leben in den Griff zu bekommen. Heute Abend ruft wieder der Webgrrls Workshop und ich möchte meine Hausaufgaben gerne zu Ende bringen. Doch dazu an anderer Stelle und anderer Zeit mehr.

Nach einem arbeitssamen Tag wollten wir uns eigentlich unser geliebtes Food bei Mister Mak gönnen, doch hat der leider schon zu und somit bleibt uns nur Rosario’s Pizza. Die ist zwar nicht schlecht, aber von Pizza, wie wir sie im Italien nahen München kennen, meilenweit entfernt. Überhaupt: was sind das für Pizzen, die erst nachträglich mit Kräutern & Co. gewürzt werden? Und wer soll denn den ganzen Teig essen? Nee, ich steh halt doch auf Dr Oetkers Spinachi.

Tue, 06/12/01
Nach einem arbeitsreichen, erfolgreichen Tag soll ein erholsamer Abend folgen. Nach einem kleinen Snack in Form selbstgemachter Wraps, machen wir uns auf den Weg in den Bowery Ballroom. Dieser Weg ist nun wahrlich nicht weit, denn in nicht einmal fünf Minuten haben wir unser Ziel erreicht, obwohl für Stereo MCs auch etwas weiter gelaufen wären. Dieser Konzertbesuch ist Olivers Geburtstagsgeschenk und das Einlösen macht viel Spaß. Warum? Kommt gleich!

Der Bowery Ballroom ist noch ein wenig kleiner und intimer als Irving Plaza und sehr stimmungsvoll. Ist das vielleicht der Grund, weshalb neben dem üblichen Bändchen für’s Alkoholtrinkendürfen auch Kondome verteilt werden? Besonders lustige und zu witzigen Späßen aufgelegte Zeitgenossen können es dann auch nicht lassen, die Dinger Zweck zu entfremden, aufzublasen und durch’s Publikum zu kicken. Da die Zuschauerschar erst mal primär aus coolen Leuten besteht, die alle weit vom Bühnengeschehen entfernt, sich den Klängen des Londoner DJ hingeben, ergattern Oliver und ich die erste Reihe, in der man bekanntlich besonders gut steht, oder war’s die zweite? Ich bin jedenfalls immer gerne ganz vorn dabei, ist für mich dasr doppelte Konzertvergnügen. Die Halle füllt sich immer mehr und gegen 10:15 legt die Band dann auch los. Einer am Mischpult, einer am Schlagzeug, einer an den Drums, der Sänger und Kopf der Band am Mikro und daneben drei attraktive Sängerinnen. Diese – ich glaub’ ich darf sie so nennen – Girlies, legen eine tolle Show hin und es macht richtig Laune zuzuschauen. Doch nur Zuschauen is nich! Der Sound geht in die Beine und nach kürzester Zeit hip-hopt der ganze Saal. Alle dancen, bewegen die Arme, den Oberkörper, lassen die Hüften schwingen und die Beine hüpfen. Hier geht gerade ein echt geiles Konzert ab! Beschwingt und erfüllt und um ein Stereo MCs Mini-Poster reicher, gehen wir nach Hause.

Wed, 06/13/01
Nach dem üblichen E-Mail schreiben und chatten mache ich mich auf, in den Battery Park, mit Umweg über Borders. Ich habe bedingt durch den Workshop und Recherche bei Amazon & Co. einige interessante Bücher entdeckt und möchte gerne das ein oder andere erwerben.

Obwohl ja hauptsächlich Barnes & Nobles über alle Grenzen hinweg bekannt geworden sind (warum eigentlich?), hat es mir Borders angetan. Klar, auch der Laden ist mittlerweile eine Kette, aber irgendwie behagt mir dieser Bookshop mehr, als die Konkurrenz. Zudem führen weder B&N noch Borders die von mir im Internet entdeckten Werke. Keines der drei von mir auserkorenen Weiterbildungshilfen ist vorrätig und auf Bestellen habe ich im Internet-Zeitalter keine Lust. Also beschließe ich, andere zu kaufen. – Klinge ich nicht allmählich wie Big Brother? “Menschen beim Bücherkaufen – wer kauft die Interessantesten? Wer kauft nach 30 Tagen noch immer Bücher? Und wer hat am Ende der Zeit die meisten gelesen? – Grässliche Vision! Nichtsdestotrotz möchte ich meinen Einkauf nicht verschweigen: “Freelancing for Dummies” von Susan M. Drake und “The Five Rituals of Wealth” von Tod Barnhart. Es ist das erste Mal, dass ich mich für einen Dummy-Titel eintscheide, dachte ich doch immer, die sind für Dumme. Aber ich revidiere meine Meinung gerne. Dieses Buch für Freelancer ist verständlich geschrieben und prallgefüllt mit nachvollziehbaren Beispielen aus der Praxis. Als ich dann später im Battery Park angefangen habe, es zu lesen, war ich echt begeistert. Und ich bin es noch. Zudem kann ich die 21 Dollar als Selbstständige wieder abschreiben…

Was mir zudem gefällt, sind die Ergänzungen auf der Website dort gibt es täglich neue Tipps und natürlich eine Mailingliste, mittels derer sich die Daily Tips in die eigene Mailbox liefern lassen.

Auch das andere Buch gehört in die Kategorie “Selbsthilfe”, die in den USA ganz groß geschrieben wird, wobei dem Thema “Geld und Wohlstand” besonders viel Raum gewidmet wird. Jeder, der es “geschafft” hat, wird bewundert und zwar viel mehr als in Deutschland, wo immer eine sehr große Portion Neid mit im Spiel ist. Hier will man schlichtweg ebenfalls wealthy sein und ist bereit, einiges dafür zu tun. Eben auch solche Bücher zu lesen. I’ll keep you updated!

Thu, 06/14/01
Der heutige Tag verlief ähnlich wie der gestrige, nur dass ich statt zum World Trade Center zu pilgern, einen kleinen Abstecher zu Conway gemacht habe. Dieser Laden ist was für Fans der kleinen Preise! Hier gibt’s jede Menge Girlie-Shirts, Hawai-Hemden, Shorts, Badetücher, Dessous, Taschen und vieles mehr zu erstaunlich guter und stylisher Qualität. Man braucht nur ein wenig Zeit, entdeckt aber sicherlich das ein oder andere Super-Schnäppchen! Conway ist über die ganze Stadt verteilt, jedoch befindet sich mein Lieblingsgeschäft in der Broad Street, ganz nah bei Olivers Büro. Wir könnten uns also zum Lunch-Shopping im Conway treffen, wobei aber Oliver sicherlich den Battery Park einem Shopping-Lunch vorzieht.

Fri, 06/15/01
Die heutige Nacht war kurz – sehr kurz.

Um 6:30h bin ich mit Daisy an der Berliner Mauer 520 Madison Ave verabredet. Ich schaffe es einigermaßen rechtzeitig und gemeinsam pilgern wir zur Rockefeller Plaza. Dort hatten bereits viele vor uns dasselbe vor und so bekommen wir nur mehr ein Stehplätzchen mit vermeintlich schlechter Aussicht. Als dann aber gut zwei Stunden später “Sugar Ray” endlich loslegen, merke ich, dass wir einen super Platz erwischt haben. Die Plaza ist gestopft voll mit hauptsächlich jungen Girlies und Touristengruppen bestehend aus mittelalterlichen, Southener Ladies. Viele halten so neckische Plakate wie “Mark take me” oder “Tonight’s Ladies Night” hoch. Frau ist ja schließlich im Förnsehn! Ja, ja, der Auftritt der “alternative Rockband” wird auf NBC gesendet.

Vergleichbar sind der Jubel und die gesamte Szenerie mit der Meisterschaftsfeier des FCB auf dem Münchner Marienplatz. Okay, bei der Champions League Feier waren es bestimmt ein paar Hundert mehr Menschen, aber der Jubel bei einer “normalen” Meisterschaftsfeier kommt in etwa hin. Beindruckend! Nun sieht der Frontsänger in der Tat recht attraktiv aus, jedoch sind die musikalischen Wurzeln (The Clash, Sex Pistols, Red Hot Chilli Peppers) der Band um einiges interessanter, als deren eigene Musik. Egal! Es hat Riesenspaß gemacht und Daisy und ich stehen sicher wieder einmal früh auf, um dann vielleicht Dogstar oder Depeche Mode life zu sehen. Dream on, dream on. (am 27. Juni ist es soweit: Madison Square Garden!)

P.S. Es scheint, als ob wir mit Sugar Ray ein sehr gute Wahl getroffen hätten, da das zukünftige Lineup doch so einige Wünsche offen lässt.

Sat, 06/16/01
Es ist so unendlich heiß und seit Tagen schlafen wir nur mehr schlecht als recht. Jeder sagt uns “that’s just the beginning” und fürchten wir, dass bald alle Ventilatoren und Air Conditioner in ganz Manhattan ausverkauft sein werden. Und wenn nicht ausverkauft, dann doch nur mehr zu Wucherpreisen erhältlich. Deshalb machen wir uns auf den Weg zu unserem Allzweckladen Odd Job und erstehen für etwa 30 Dollar einen wunderschönen Ventilator. Na ja, auf die Optik kommt es weniger an, als auf die Funktionstüchtigkeit, doch die können wir erst am Sonntag prüfen, da wir am Samstag noch einiges vorhaben: wir machen eine Landparty!

In der Grand Central besteigen wir einen Zug, der uns in etwa 1,20 Std. nach Brewster bringt. Wir passieren Harlem und die Bronx unbeschadet, da der Express Train dort gar nicht erst hält, sondern erst wieder in White Plains stoppt. Von da weg bummelt er aber durch eine saftig grüne Landschaft, die mit vielen Friedhöfen sowie Seen und Bächen aufwartet. Hin und wieder hält der Zug, um an einer kleineren Ansiedlung Menschen zusteigen zu lassen. Hier sind sie zu finden, die amerikanischen Einfamilienhäuser, wie wir sie aus Filmen kennen.

Manhatten bezieht sein Trinkwasser übrigens aus der Gegend um Brewster, das laut Brigitte und Richard sehr gesund und absolut trinkbar ist, sofern es nicht durch alte rostige Rohre läuft. Seit ich das weiß (1. Juni) traue ich mich auch unser Leitungswasser zu trinken und bisher bekommt es mir auch. Am Bahnhof der Gegend des köstlichen Nass angekommen, holt uns Brigitte mit dem Auto ab. Und welch witziger Zufall: in dem Auto sitzt bereits ein Pärchen, das im Zug hinter uns saß. Die beiden wollen auch zur Party.

Angekommen genießen wir das Landleben und lassen es uns nur mehr gut gehen. Zu den weiteren Gästen gehören ein paar Kollegen von Richard sowie Ian und Daisy. Neben der herrlichen Natur-Idylle, der prächtigen Landluft und der heilsamen Stille, erfreuen wir uns an dem fantastischen Essen:

Cruditee – Broccoli, Cocktailtomaten, Stangensellerie, Spargel, gelbe Rüben, Zuchinistreifen und Radi tauchen wir in einen köstlichen Dip
Kräker mit Käsecreme
Riesenshrimps in Bier eingelegt genießen wir mit Petersilien-Chilli-Limonen-Dip (oh là là waren das leckere riesige Shrimps!)
Das war die Vorspeise, die wir plaudernd bei ein paar Bier aus aller Welt – hauptsächlich aus München! – zu uns nahmen, während der Chef grillte. Er legte bergeweise selbst marinierte Spare Rips auf den Grill. Später wurden diese durch Steaks ersetzt und auf einem anderen Grill wurden Tofu-Spieße gebraten. All das wurde im Living Room zu einem großen Buffet arrangiert, zu dem sich noch grüner Salat, Rote Beete Reissalat, Zwiebel-Bluecheese Tarte und BBQ Sauce gesellten. Seit Efpés Brai in Johannesburg, Südafrika, hatten wir kein so gutes Rindfleisch mehr gegessen. (Lassen wir mal die gegenwärtigen Verhältnisse in Deutschland/Europa außer acht.)

Wir alle waren begeistert und ließen uns die Köstlichkeiten schmecken. Irgendwann gab es auch noch Kaffee und Erdbeertorte und dann löste sich die Gesellschaft auf. Oliver und ich jedoch beschlossen, zu bleiben. Und so tranken wir gemeinsam mit Brigitte und Richard auf der Veranda noch ein Schlückchen Tullamore Drew und sinnierten ein wenig. Ohne wenigstens nicht etwas TV geschaut zu haben, kann kein amerikanischer Tag enden und so ließen wir einen wunderschönen Tag mit den “Iron Chefs” im Food Channel ausklingen.

In der Nacht brachte dann ein Sinnflutartiger Regenschauer die so lange erwartete Abkühlung., doch zurück in Manhatten, – HALT – das ist ja schon wieder die nächste Woche.

23. Woche 2001

Von Oliver

Am Sonntag sieht die Welt schon wieder besser aus – der Rausch ist endgültig ausgeschlafen und wir stürzen uns wieder ins New Yorker Leben – ganz langsam nur mit einem Spaziergang zum Battery Park und einem Besuch des World Financial Center, New Yorks schönstem Einkaufs- und Bürozentrum. Die Geschäfte haben hier zwar fast alle zu, aber wir finden einen Platz in Edward Morans Bar & Grill auf der Plaza vor dem WFC. Dort könnte man übrigens auch sehr schon draußen am Yachthafen sitzen, leider ist es zu kalt. Wir beschließen das an einem schönen Sommerabend nachzuholen – nach dem lausigen Chickenburger überlegen wir uns das aber noch mal.

Montag gehört dann leider der ersten finanziellen Transaktion, die wir hier durchführen müssen, da uns Gas- und Stromlieferant ConEdison droht, den Saft abzudrehen. Nicht unsere Schuld, aber durch einen Fehler in der Kontonummer ist ein größerer Betrag von unserem Vermieter übriggeblieben. Zum Bezahlen brauchen wir eine Post, um eine Money Order zu kaufen, die dann per Brief an ConEd versendet werden muss. Was einfach aussieht, führt zu einer längeren Odyssee, deren positiver Höhepunkt ein Cesars Salad in einer Salatbar und ein Besuch bei Bloomingdales in der Lexington Ave bildet. Anschließend geht Elke zu einem Workshop, bevor wir den Tag mit einem Mahl von Mr. Mak Asia Garden abschließen.

Dienstag erwartet mich mein erster Arbeitstag, der mit einem Marsch von uns aus über Chinatown nach Downtown beginnt. Auch wenn mich mein bisheriger Arbeitsweg immerhin durch Münchens Klein-Istanbul geführt hat, Chinatown ist doch eine ganze Ecke exotischer. Und in der Wall St. zu arbeiten ist natürlich was ganz Besonderes, hier pocht schließlich das Herz der Weltwirtschaft – auch wenn man das den Aktienhändlern in ihren merkwürdigen Kitteln vielleicht nicht gleich ansieht. Mein Büro ist da etwas ernüchternder, da leider ohne Fenster. Aber das soll sich ändern, wenn wir umziehen. Schöne Aussichten!

Diesen und die darauffolgenden Abende verbringen wir natürlich in der Lolita Bar zur After Work Happy Hour, bevor wir zum Essen nach Hause gehen und den Abend mit Seinfeld abschließen. Nur am Donnerstag besuchen wir ein besonderes, kulturelles Broome-Street-Ereignis: Lolita-Wirtin Katie gibt zum ersten Mal in ihrem Leben den DJ und das gar nicht mal so schlecht. Wir freuen uns auf mehr…

Freitag wollen wir dann natürlich ausgehen und landen schließlich im Nice Guy Eddie’s, wo es einen sehr guten und zudem preiswerten Burger gibt. Leider findet an diesem Abend ein Basketballspiel Los Angeles gegen Philadelphia (oder Lakers gegen Philly wir es hier heißt) statt. Das muss was Besonderes sein, denn das Eddie’s ist brechend voll und es herrscht eine Stimmung wie in der Klenze 17 während der Fußball-Weltmeisterschaft. Wir essen und fliehen dann in die Orchard Bar auf einen Drink, bevor wir nach Hause gehen, um noch ein Stückchen “E-Mail für Dich” mit Meg Ryan und Tom Hanks anzuschauen.

Das inspiriert uns dann schließlich auch, erneut die Website vom Upper Westside Girl durchzugehen und dann tatsächlich durch die Upper Westside zu spazieren und ein Paar der Schauplätze aus dem Film abzuklappern. Wir fangen an mit einem Künstlermarkt im Lincoln Center (dort wo die Metropolitan Opera ist), einer Art Tollwood für die oberen Zehntausend. Aber der erste Eindruck täuscht, die Upper West Side ist ein sehr europäisch anmutendes Viertel, das stark an Paris mit doppelt so hohen Häusern erinnert. Nach einem 75-Cent-Hotdog bei Gray’s Papaya besuchen wir dann auch Zabar’s, ein Lebensmittel- und Haushaltswarengeschäft für das es sich fast alleine schon lohnen würde, an die Westside zu ziehen. [Anm. v. Elke: es gibt dort den leckeren, aus echter Schafsmilch hergestellten und 10% Fett enthaltenden griechischen Total Joghurt und nicht nur in der 200g sondern gleich der 16 Oz Packung. Wir haben ihn aber nicht gekauft!] gesagt, nachzulesen ist das alles hier

Gegen Nachmittag spazieren wir dann am Hudson-Ufer vorbei am Ship Terminal, wo damals unsere Hochzeitsreise auf der QE2 endete, zurück nach Midtown, wo uns Ken mit Lasagne, dem inzwischen ja bekannten Blick aus dem Fenster und vier Freundinnen erwartet. Gemeinsam schauen wir einen weiteren New York Klassiker: As Good As It Gets.

22. Woche 2001

Von Elke

May/ 27/ 2001
4 Alkoholeinheiten, eine davon sehr leicht, die andere sehr klein
0 Nikotineinheiten, außer die in der Lolita Bar mit eingeatmeten
3 Essensheiten, gesund
5 Bewegungseinheiten, sehr gesund! Bin stolz auf mich.
7 Schlafeinheiten, gut für’s Wohlbefinden!
1 TV-Einheit, sehr gut. Muss ja informiert sein. Letzte Folge von Spin City. Michael J. Fox verlässt die Serie.
2 Internet-Einheiten, sehr gut. Kleiner Chat mit Dad, sehr gut für die Familienbande.
1 Telefoneinheit. Sehr schön!
Sonntagmorgenritual: der angetraute OliB verlässt die Suite, um geistige und ordinäre Nahrung zu besorgen. Er kommt wieder mit der Sunday New York Times und zwei Sandwiches mit warmer Pastrami, etwas Salat, Tomate und Senf. Tee und Kaffeetrinken und dabei das TV-Programm der kommenden Woche checken. Dawsons’ Creek läuft immer noch, welch ein Glück! Werde ich aber wegen Pink Slip Party verpassen.

Reiseziele innerhalb Amerikas gecheckt. Amerika ist groß. Festgestellt, es GIBT Reiseziele!

Karte vom Staat New York aufgehängt. Long Island ist auch groß. Mindestens 40 mal so groß wie Manhattan.

Nach ausgiebigen Studium der Karte von Eltern angerufen worden. Ergebnis: allen geht’s gut und die Berge stehen noch und der Pflegersee lädt zum Baden ein.

Dann Aufbruch zum Sonntagsspaziergang mit OliB. Angefangen in der Orchard Street. Dann die 1st Avenue bis zur 13th Straße bis zum Union Square hoch.

In Elektrogeschäft verschiedene Klimaanlagen bestaunt und gelernt: auf die Größe kommt’s an!

In Souvenirladen und Beanie Babies gedrückt.

In Feinkostgeschäft und dort Produkte umgedreht. Das Food Emporium am Union Square bietet wahrlich alles, was das Herz begehrt: fertige Käsewürfel-Kräcker-Platten, Hummerzangen, Geburtstagstorten, eine Sushi-Life-Bar oder No-Fat-but-pure-sugar-yoghurt. Das Beste aber ist die “Money Back Machine”, vor der sich einige Familien drängelten, um ihre Säcke mit Kleingeld gegen Scheine umzuwandeln.

Nach diesem Erlebnis ließen es OliB und ich etwas ruhiger angehen und lustwandelten auf der Park Avenue South zur Grand Central Station hoch. Schöne Ausblicke auf Empire State und Crysler Building genossen. Kein Menü im Kitano Hotel genossen, da zu teuer.

Ecke 42nd und Park Avenue South Blick Richtung Helmsley Hotel geworfen und an Honeymoon gedacht.

Tapfer weiter die 42nd in gegen gesetzter Richtung gelaufen. Schließlich in die 5th eingebogen, auf der Suche nach den Gattinnen der FCB-Spieler. Vielleicht waren die Ladies aber gar nicht beim Shoppen, sondern mussten ihre Männer, die gestern in NYC gegen die Metro Stars 0:2 verloren hatten, trösten? Ob frau wohl einen Bundesliga-Champions-Leage-Doppelsieger trösten muss? Wohl kaum! Wir haben auch keine blonden Spielerfrauen gesichtet und genehmigten uns deshalb zur Stärkung absolut touristisch bei Sbarro einen Salat (zweite Essenseinheit!) und ein kleines Bier (Leichtbier, also gesund!).

So konnten wir dann bis zum Central Park durchhalten, sahen den Touristen beim Taubenfüttern und beim Betreten des Plaza Hotel zu. Auf dem Central Park South spazierten wir bis zur Central Park West, um die AOL-TimeWarner-Baulücke zu bestaunen und zu fotografieren.

Mit Train D zur Grand Station und beim Lieblingsasiageschäft Chilli-Öl, Putenfleisch, Asiaspinat, Broccoli und Ingwer gekauft.

Dritte Essenseinheit zubereitet und gegessen. Leicht, deshalb gut und gesund.

Zweite Alkoholeinheit in Form eines chinesischen Tsing Tao Bieres genossen. Gesund, da fernöstlich und weise.

Zum Bettgehen zu früh, zum groß Weggehen keine Lust, also besuchten OliB und ich noch die Lolita Bar, die sehr gut besucht war. Wir bekamen nur mehr im Schaufenster Platz. Nach zwei kleinen Alkoholeinheiten zurück in die heimische Suite und schlafen. Ja, ja, so Ein-Zimmer-Studentenbuden heißen hier tatsächlich “Suite” – hoch leben die Euphemismen!

May/ 28/ 2001
5 Alkoholeinheiten, davon zwei am Nachmittag und zwei am Abend. Außerdem: Memorial Day!
0 Nikotineinheiten, selbst keine. Mit eingeatmet in der Lolita Bar und im Irving Plaza. Die drei Zigaretten von Brian Molko ebenfalls eingeatmet.
2,5 Essenseinheiten – darunter Chips und ein Happen BBQ Fisch
1,5 Bewegungseinheiten, dafür stundenlanges Stehen und Mitwippen bei Konzert
7 Schlafeinheiten
0,5 TV-Einheit, den Golden Girls geht’s gut
1 Internet-Einheiten, nur schnell E-Mails gecheckt
Am Memorial Day bis 9:00h morgens geschlafen. Spinatwraps gewickelt: Gurke, Tomate, Schinken, Käse, Chillies, Huhn – alles in Streifen schneiden und aufwickeln.

E-Mails gelesen und eine beantwortet. Sehr gut.

OliB ist mit Businesskram beschäftigt, beschäftige ich mich also selbst. Heute stehen zwei Ereignisse an:

1 – Neighbourhood kennenlernen
2 – Placebo kennenlernen
Wahrscheinlichkeit von 1: sehr gut
Wahrscheinlichkeit von 2: sehr schlecht
Spaßfaktor bei 1 und 2 auf einer Spaßfaktorskala von 1 bis 10 – 8 bzw. 10.

Puh! Was für ein Tag.

Also. Das Nachbarschafts BBQ war recht nachbarschaftlich, da die sich alle kannten uns aber niemand. Wir sind auch schüchtern. Neue Leute kennenlernen war noch nie einfach, oder soll ich rumgehen, allen die Hand schütteln und sagen “Hi, I am Elkie from Munich Germany, pleased to meet you”? Bisschen seltsam, oder?

Auch kommt niemand auf mich zugestürmt und will wissen, wer ich bin. Auch OliB wird nicht bestürmt. Machen wir was falsch?!?!

Immerhin: Katie weiß gleich mal, dass OliB gerne Brooklyn Lager drinkt, während ich mich erstmal mit ‘ner Diet Coke einstimme. Ich wage es auch noch eine zweite Diet Coke zu trinken, die mir Lea ausgibt. Später gibt sie uns auch noch ein Mexican Beer aus. Und mir noch eines aus der Dominikanischen Republik. Das mexikanische fand ich besser. Und dann war da noch Ilt, nein, nicht Tilt, Ilt. Mit dunklen Haaren und etwas gepflegterer Erscheinung könnte er für diesen Britischen Schauspieler gehalten werden, der gerade den gutaussehenden Chef in dieser Tagebuch-Verfilmung gibt. Sein Britisch ist hinreißend. Nein, nicht Hughes Grant’s – doch, dessen auch – nein, ich meine Ilt. Er spricht ein wundervolles englisches Englisch. Jedenfalls hat sich dieser Ilt um mich gekümmert, und sah mir gleich an, dass die fettigen Hotdogs und Burger nichts für meine Top-Figur sind. Er empfahl mir den später noch zu grillenden Fisch, den er, wie sich herausstellte, selbst gefangen hatte. Was für ein Typ! Fischer und Engländer. Und blond. Obwohl, das mit dem Engländer muss ich noch überprüfen, könnte mich da auch irren… Nachdem zumindest OliB ein wenig von den Hotdogs und Wurstels gekostet hatte, machten wir uns auf den Weg in die Irving Plaza.

In der 14th Straße angekommen, wickelte sich eine Menschenmasse einmal um den Block. Also stellten sich OliB und ich uns am Ende der Schlange an und kamen doch tatsächlich nach nur 15 minütigen Wartens in die Hallen. Und dort geschehen doch echt noch Wunder. Damit ich schon Alkohol trinken darf und mich nicht ein Barkeeper versehentlich für unter 21 hält, bekam ich ein “Alkohol-Bändchen” ans Handgelenk. Das baut auf. Hat der denn nicht GESEHEN, wie alt ich bin? Wollte der Knabe doch tatsächlich auch noch meine ID sehen. Werde ich öfter machen! Ist gut für’s Selbstwertgefühl so eine Veranstaltung.

Wir fanden oben auf dem Balkon ein nettes Stehplätzchen. Herrlich! Unter uns die tobende Menge und von der Bühne gerade mal 15 Meter entfernt wir. Die Vorband Idlewild mühte sich redlich, doch kamen die Burschen von ihrem Schulbandimage nur schwerlich los. Da zeigte der Hauptact schon mehr. Ach ja mehr, eine Konzertkritik gibt’s hier: Placebo

Wie immer war auch dieses Konzert viel zu schnell zu Ende und so fuhren wir mit der 6 und der B nach Hause.

May/ 29/ 2001
4 Alkoholeinheiten, davon zwei Leichtbier
0 Nikotineinheiten
2 Essenseinheiten
3 Bewegungseinheiten, gut
7 Schlafeinheiten
2 TV-Einheiten – die Golden Girls am Morgen
5 Internet-Einheiten, inklusive zweier Chats
Immer noch Bauchschmerzen. Gehen die denn nie weg? Ah – gestern schönes Erlebnis gehabt.

Mit ein paar Knäckebroten und Tee in den Tag gestartet und E-Mails gelesen und beantwortet. Nachmittags ein wenig gechattet, mit wem, bleibt geheim.

Am Abend sind wir auf die Pink Slip Party irgendwo in Midtown. Da ich ja dieses Jahr gepinkslipped wurde, bin ich da genau richtig.

Wie für uns schon selbstverständlich, machen sich OliB und ich wieder zu Fuß auf den Weg und kommen irgendwann am unvermeidlichen Union Square vorbei. Hunger! Was tun? Ins Republic (oder hier)! Da waren wir erst einmal und ein zweites Mal sichert die erste Erfahrung ab. Auch diese zweite war wieder positiv. Lecker!

Irgendwann sind wir dann im Hush (17 West, 19th Street btwn 5th and 6th Ave) und obwohl die Drinks eigentlich 3 Dollar kosten sollten, will der Rastaman da an der Bar 13 von mir haben. Aha – nur zwei spezielle Biersorten gibt’s für drei Bucks das Stück. Muss man wissen.

Mit einem leuchtenden pink und OliB mit einem phosphoriszierenden blauen Supporter-Band ausgestattet, drehen wir eine Runde. Hm, ziemlich langweilige Bande hier. Wer will denn schon bei einer Finanz-Firma anfangen? Und was tun all die Recruiter-Fuzzies hier? DIE sollen weiterhelfen? DIE sollen irgendwelchen Fun in diesen trüben Abend bringen? Irgendwann holen wir uns ein 3-Bucks-Bier und während wir uns noch so fragen, was denn die drei aufgestrapselten Gazellen mit diesem Typen mit Glatze anstellen, steht dieser auch schon auf der Bühne. Aha – Groupies! So sehen nämlich keine dot-com-laid-off-girlies aus! Und dann legen die los die Jungs von @@LINK http://www.theangelparty.com Angel Party. Sie spielen hauptsächlich Sound nach, aber so richtig geile Kracher wie “Should I Stay or Should I Go” oder “I Want you to Want me” – was man sich halt bezüglicher neuer Dotcomjobs und potentieller Arbeitgeber so denkt. Und ihre Version von “Relax” kann sich echt hören lassen.

Nach einem schließlich doch sehr gelungenem Abend spazieren wir unter Zuhilfenahme der Subway nach Hause.

Do May/ 31 / 2001
Alkoholeinheiten – die ein oder andere, schließlich feiern wir ja bald Geburtstag
Nikotineinheiten – nach wie vor: keine selbst geraucht.
2 Essenseinheiten – kleines Frühstück und kleiner Snack
5 Bewegungseinheiten – sehr gut!
6 Schlafeinheiten
1 TV-Einheit – Seinfeld
1 Internet-Einheit, ganz kurz E-Mails gecheckt
Einkäufe beim Essex Street Market alle erledigt und es fehlen nur mehr ein paar kleine Leckereien für das bayerisch-mediterrane Buffet morgen.

Auch bräuchte ich noch ein kleines Etwas für OliB. Aber warum sollte ich an diesem wunderschönen sonnigwarmen Tag alleine lostraben? Also gehen OliB und ich gemeinsam zuerst die Orchard St entlang, überqueren die Houston, biegen in die Second ein und laufen bis zur 14th hoch und zum Union Square. Nach einem schicken Einkauf im Food Emporium trennen sich unsere Wege kurz.

Dann treffen wir uns wieder, spazieren die 2nd wieder runter und kehren zu einem Happy Hour Drink im Ryan’s Pub ein. Wenn der kleine Hunger kommt: Chicken Wings!

Eigentlich wollten wir dann nach Hause und ich noch ein wenig kochen. Als wir aber so auf der Avenue 2 entlang laufen, kommen wir an einer unglaublich stimmungsvollen Bar vorbei, die uns geradezu nötigt, einzutreten. Diese unglaublich schöne Bar hat auch noch bis 10 Uhr Happy Hour auf ALLE Getränke und einen unglaublich gut aussehenden, ich meine musikalischen, DJ. Er unterhält uns mit einer Mischung aus Techno, TripHop, Trance – coole Abhängmusik eben.

Schließlich machen wir uns doch noch auf den Heimweg, um Seinfeld zu schauen.

Und später Geburtstag zu feiern.

In der Lolita Bar natürlich! Natürlich.

Um Mitternacht gebe ich OliB ein Geburtstagsküsschen und eines seiner Geschenke. Okay, ich geb’s zu, ich beschenk mich selbst auch: 12. Juni Bowery Ballroom die Stereo MCs. OliB freut sich riesig und ich mich mit ihm. Auch erfahren wir heute endlich, dass “the other guy”, der mit den beiden Lolita Girlies den Laden schmeisst, Clyde heißt. Und Clyde gibt uns einen Whiskey aus. N’en guten, nicht den Cheap Stuff den’s bei den Wells gibt.

Da wir, äh OliB, morgen einen großen Tag haben, lassen wir den Abend nicht so lang werden, sondern gehen gegen eins nach Hause, schlafen.

Fr June/ 01/ 2001
Alkoholeinheiten: wer will denn schon wissen, wie viel jeder auf ´ner Feier getrunken hat? Eben! Sekt gab’s jedenfalls keinen, auch keinen Kaffee oder so, dafür aber Bier und Weißwein und…
0 Nikotineinheiten. For sure.
Essenseinheiten: zu wenig. Wie immer auf Partys.
Bewegungseinheiten: zu wenig.
Schlafeinheiten: genug.
TV-Einheit: keine.
Internet-Einheiten: keine.
Treffe alle Geburtstagsvorbereitungen.

Wir frühstücken einen Cream Cheese Bagel, den OliB einholt, während Tisch von mir gedeckt wird, mit allen Geschenken drauf. OliB ist dann auch echt überrascht und erfreut. Unser Multifunktionstisch ist mit Kerzen, Päckchen und Glückwünschen übersäht.

Dauernd klingelt das Telefon und ich darf auch das ein oder andere Mal mit den Lieben aus nah und fern telefonieren – aber ich bin ja auch heute nicht die Hauptperson. Warum eigentlich nicht? Ach, was, ich hab’ ja die anderen 364 Tage des Jahres!

Dann feiern wir in unserer Suite (siehe oben) eine rauschende Party in zwei Aufzügen (so nennt man das doch beim Theater, oder?).

Um sieben kommen Ian, Daisy, Brigitte [bridsched] und Richard. Und sie können wählen aus bayerischem Kartoffelsalat und Fleischpflanzerl, italienischem Insalata Caprese, spanischen Pan con Tomate y Jamón sowie griechischem Choriatiki. Wir hatten sehr viel Spaß und unterhielten uns hauptsächlich über Filme, New York und Ungeziefer. Zudem konnten wir alle den Richard überzeugen, seinen Geburtstag zu feiern. Super! So kommen OliB und ich in den Genuss bald “Brewster” kennenzulernen. Nördlich von New York. Und in Brewster gibt es Ameisen. Und eben demnächst eine tolle Party mit den wohl leckersten Spare Ribs der Welt. Sagt Brigitte.

Um elf brachen die vier auf und wir hatten eine Verschnaufpause bis kurz vor Mitternacht als dann Ken mit drei Freunden aus Richmond auftauchte. Diese aßen dann den Rest des Buffets. Und gemeinsam brachen wir auf. Wohin? Zur Lolita! Dort fand ich dann heraus, dass Ilt tatsächlich Brite, nämlich Waliser ist. Und dass Clyde sehr nett ist und aus der Musikbranche stammt. Und Cathy ist ebenfalls sehr nett. Und beide und Ken haben mir einen Drink nach dem anderen ausgegeben. 1-800-Lawyer! Doch lassen wir das.

Es war ein wunderschöner Abend, verbracht mit lauter neuen Freunden. Diesen Abend hätte nur ein Abend mit lieben, alten Freunden toppen können. In New York, versteht sich!

June / 02/ 2001
Alkoholeinheiten? Wie viele werden es am Tag nach einer rauschenden Party schon sein? Blöde Frage! Nächste bitte.
Nikotineinheiten? Da ich selbst nicht mehr rauche, Oliver glücklicherweise noch nie hat gab’s an diesem Tag keine einzige. GESUND!
Essenseinheiten? Habe ich doch tatsächlich köstliche Spaghetti gekocht, aber nicht wirklich gegessen. Später gab’s dann zur Post-Feier zwei Fish-Mac, die in USA Filet-O-Fish heißen.
Bewegungseinheiten? Von der rechten auf die linke Seite und von der linken auf die rechte. Für kurze Zeit auch sitzend. Im Bett.
Schlafeinheiten? Wechselten mit den Wach-Einheiten ab!
TV-Einheiten? Genau eine. Dauerte 12 Stunden.
Internet-Einheiten? Keine! Bin ja kein Internet-Junkie, oder?
Nach Jahren der Abstinenz mal wieder MTV geguckt. Das Sommer ABC oder amerikanisch: summer a to z with your host Mark McGrath. Hübsches Kerlchen, dem kann frau doch glatt zwei Stunden lang zugucken. Ist übrigens Sänger der Band Sugar Ray. Kann nicht wirklich gut singen, ist dafür aber unterhaltsam.

Doch zwei Stunden Teenie-Musik-Gequatsche sind genug und so habe ich meinen neuen Lieblingssender entdeckt.

Fantastischer Channel. Komplett ohne Werbung. Da braucht man nicht einmal mehr die Fernbedienung zu bemühen. Empfiehlt sich ganz besonders für solche Tage.

Channel Thirteen heißt das Prachtstück, welches mich mit einer ausführlichen Reportage über den Film und das Musical und die Braodway Neugestaltung “42nd Street”, anschließend dem Musical “Crazy 4 you” und schließlich tänzelte noch Gene Kelly als “Ein Americaner in Paris” über die Mattscheibe. Herrlich! Dazwischen gab’s zwei britische Komödien, die mich für kurze Zeit diese amerikanische Sprachwüste vergessen ließen und mit British English samt Humour erfreuten.