33. Woche

Von Oliver

In dieser Woche soll es nun endlich sein: nach dem Freunde und Familie schon so fleißig in unserer Wohnung aufgeräumt und eingepackt haben, soll ich dem Auszug den letzten Schliff geben. Eines ist klar, lustig wird das nicht werden und einfach auch nicht, vor allem, weil Elke in New York festsitzt und mich – ähnlich wie Charlie seine Engel – nur per Telefon dirigieren kann.

Aber erst mal haben wir noch ein paar gemeinsame Tage in New York, die wir mit einem Sushi-Essen auf der Avenue A abschließen, das der Einfachheit auch Avenue A heisst. Das Interior orientiert sich ein bisschen an japanischem Kitsch, der komischerweise mit amerikanischen Plattencovers aus den 70ern und 80ern garniert ist. Der DJ spielt die passende Musik – Hits aus den 80ern, die Elke und mir eine Menge Erinnerungen zurückbringen. Ein gelungener Abend…

Am Mittwoch mittag geht es dann nach JFK, was gar nicht so einfach ist. In München wurde ja viel gemeckert, weil der Flughafen “nur” mit der S-Bahn zu erreichen ist und das Taxi gar so teuer ist. In New York dagegen kann man die Flughafen gerüchteweise auch mit der Subway erreichen, aber das ist eine mittlere Weltreise gespickt mit den Unwägbarkeiten, die das hiesige Transportsystem so für seine Fahrgäste bereithält. Eine Alternative ist der Airportbus, der von der Grand Central abfährt und mit $13 nicht billig, aber deutlich günstiger als das Taxi ist. Da Elke in Midtown noch Hochzeitsgrüße überbringen soll, wählen wir diesen Weg.

Die Busfahrt führt durch Queens und da es dort nicht so viel zu sehen gibt, sinke ich in einen Halbschlaf, in dem mir noch einfällt, dass ich meine Jacke bestimmt in der Gepäckablage vergessen werde, da ich schon sein Monaten keine Jacke mehr angehabt habe. Im Terminal merke ich dann, dass ich die Jacke tatsächlich vergessen habe. Glücklicherweise sind wir in Amerika, wo an jeder Bushaltestelle ein netter Herr steht, der per Funk herumfragt, wo der Bus mit der Jacke ist und tatsächlich bekomme ich sie innerhalb von 10 Minuten wieder. Für nichts und wieder nichts, denn in München ist es auch zu heiss für eine Jacke, weswegen ich sie dann auf dem Rückflug liegengelassen habe.

Fliegen tut ärgerlicherweise nur eine 767, die im Gegensatz zu den grösseren Flugzeugen der Britisch Airways wesentlich schlechter ausgestattet ist – insbesondere fehlt der individuelle Bildschirm. Dafür hatte ich einen netten Sitznachbaren – einen echten New Yorker aus der Gegend um den Union Square. Ausserdem ist die British Airways so herrlich gerosszügig mit den Drinks (im Gegensatz zur Emirates, in der einem der Alkohol verarbreicht wird wie eine bittere Pille). Dank 2 Gin Tonic und 3 kleinen Flaschen Wein habe ich auch so gut geschlafen, dass ich sogar das Frühstück verpasst habe. (Ganz ohne Schlafmittel).

Tja – und da bin ich wieder in München, das sich gemeinerweise im besten Sommerwetter präsentiert. Leider bleibt wenig Zeit, das zu geniessen, denn schon am selben Abend kommen Konni, Sandra und Steffi, die unserer Gerümpelkeller in unglaublich kurzer Zeit ausräumen. Später am Abend gehts es dann nochmal in den Augustiner Biergarten, wo Elke mit Sohn Valentin, Mario und später auch noch Kai eintreffen. Wie im Biergarten so üblich gibt es ein heftiges Gewitter, das den Biergarten mit Pfützen übersäät, in denen sich tatsächlich ein paar besoffene Amerikaner wälzen.

Am Freitag trifft früh trifft dann die Horrormeldung aus New York ein – Natascha hat die Krätze. Ja, die Krätze, die wir eigentlich nur aus Sprichwörtern kennen und die wohl so ansteckend sein soll, dass die arme Natascha erstmal in Quarantäne muss.

In München geht es dafür weiter, diesmal hilft Konni mit zwei Freunden, die die grossen Sachen schleppen – und wirklich, langsam leert sich die Wohnung. Glücklicherweise gehen alle Sachen, die noch irgendeinen Wert haben weg, so dass nur relativ Weniges den erbarmungslosen Hydraulikpressen im Wertstoffhof zum Opfer fällt. Immerhin – die alten Ikeamöbel, die mich bisher in allen Wohnungen meines Lebens begleitet haben, werden mit ohrenbetäubenden Krachen zu Kleinholz verarbeitet. Die hölzerne Bar, an der wir so viele Parties gefeiert haben, hat sich übrigens als echte Wertarbeit erwiesen – die Presse hat sich daran die Zähne ausgebissen, so dass ein Wertstoffhofangestellter unter fürchterlichem Fluchen eingreifen musste.

Samstag abend wird es dann fast gruselig in der Wohnung – alle Lampen sind abgebaut und es gibt fast keine Platz mehr wo ich schlafen kann. Ich entschliesse mich, die letzte Nacht in der Ringseisstraße im Barzimmer zu verbringen, um eine allerletzte Erfahrung zu machen: die Kneipe gegenüber – das Flex – macht wirklich unerhörten Lärm in der Nacht.

Das war es dann schon wieder – am Sonntag um 7 in der Früh geht der Flieger zurück und wieder ist es ab London nur einen 767, wo sie immerhin den Film Shrek zeigen, der wirklich ganz witzig ist. Das verrückteste ist aber, dass es wirklich heim nach New York geht – der Umzug ist vollzogen.

32. Woche

Von Elke

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Die in Amerika immer Sonntags beginnende neue Woche, endet mit Martinas Besuch. Auch der erlebnisreichste Kurztrip ist einmal vorbei. Aufgrund der etwas schwierigen und vor allem kostspieligen New Yorker Flughafensituation beschließen wir, bereits in der Orchardstreet voneinander Abschied zu nehmen und organisieren, dass Martina von Carmel Carservice nach La Guardia chauffiert wird. Der professionelle Carservice ist mit 25 Dollar nur unwesentlich teuerer als eine einfache Taxi-Fahrt und vor allem zu Rushhour-Zeiten zahlt sich der Fixpreis aus. Eine letzte Umarmung, ein Chauffeur, der mit sauberen Taschentüchern aushilft und weg war sie: unsere erste Besucherin und vermutlich auch die letzte in der Orchard Street.

Doch nur keine Traurigkeit oder gar Langeweile aufkommen lassen!

Am Abend genießen wir bei Rotwein und kleinen Häppchen Musik von Marvin Gaye und Al Jarreau in Nataschas vorübergehenden, neuen Domizil. Wir staunen nicht schlecht, als wir in Brooklyn eine klassische, große Wohnung betreten. Und der Ausblick vom Dach auf’s nächtliche Manhattan erinnert uns Drei wieder daran, warum New York die faszinierendste Stadt der Welt ist! Atemberaubend!

Auch der Montag hält schon wieder einen Höhepunkt parat: Openair Kino im Bryant Park. Wir sind mit den Münchnerinnen Melanie und Sylvia sowie mit Ken und Hope verabredet. Leider ist sieben Uhr abends schon reichlich spät und so finden wir kein einziges freies Rasen-Plätzchen mehr, keines wo ein Pärchen Platz hätte und erst recht keines für sechs Personen. Doch halt – wie steht’s denn mit der blanken Erde direkt vor der Leinwand? Gesagt und Decken ausgebreitet. Dass wir uns einen spitzen Logenplatz ergattert haben, merken wir, als der Film losgeht: Philadelphia Story, ein Klassiker mit Katharine Hepburn, James Stewart und Cary Grant. Bekannter und wohl auch beliebter ist das Remake mit Grace Kelly, Frank Sinatra und Bing Crosby: High Society.

Wer im Sommer ein paar Tage in New York verbringt, darf keinesfalls versäumen in den Bryant Park zu gehen. Sei es, um sich zu erholen und ein dort zu picknicken, oder eben um sich an einem der HBO Film-Klassiker zu erfreuen.

Die Zeit verfliegt und die Tage sind angefüllt mit Jobrecherche, Bewerbungen sowie vielen, vielen Umzugsbelangen. Unser Telefon steht kaum still dieser Tage, sei es weil wir Anrufe aus München erhalten oder eben selbst organisieren, beraten, planen, beschwichtigen, aufmuntern und dergleichen mehr.

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Wie zur Belohnung dürfen wir uns am Samstag wieder von Brigitte und Richard in Brewster verwöhnen lassen. Diesmal haben die beiden sich selbst übertroffen! Zu Besuch kamen rund zwanzig Gäste, doch die aufgetischten Köstlichkeiten hätten mit Sicherheit für noch mal so viele Personen gereicht. Aus der Fülle der kulinarischen Höhepunkte seien ein paar herausgegriffen:

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* selbstgeröstete, marinierte Pecan- und Erdnüsse
* warme Vierkäsecreme mit Artischocken
* armenische Salami
* Kartoffelsalat
* vegetarische Moussaka mit Champignons
* eine Art gegrillter Rinderbraten
* gegrilltes Schweinefleisch à la Kebap
* verschiedene Salate
Natürlich war das Fleisch auf den Punkt gebraten, extra zart und superlecker. Die “side dishes” ebenfalls jedes für sich ein echtes Highlight. Doch war das natürlich noch nicht alles. Später am Abend warteten die beiden noch mit Tee, Kaffee und Nachspeisen auf:

  • Chocolate Cookies
  • selbstgemachtes Sorbet von Erdbeeren
  • eine Art Zitronencreme Tarte

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Der Abend ging leider viel zu schnell zu Ende und trotzdem genossen wir noch eine herrliche Auto-Heimfahrt mit Daisy und Ian durchs sommerliche, nächtliche New Yorker Umland.

31. Woche

Von Oliver

Sonntag nachmittag machen wir einen Spaziergang nach Tribeca, wo wir ja hoffentlich bald in der Nähe wohnen werden. Im Gegensatz zu SoHo, das man sofort erkennt, wenn man da ist, besteht Tribeca allerdings nur aus relativ langweiligen Straßen, in denen sich das eine oder andere Restaurant verbirgt.

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Überraschend ist allerdings der Hudson River Park, in dem man Beach-Volleyball spielen, Tanzen lernen oder einfach auf einer Terasse auf Deckliegestühlen sitzen und auf den Hudson blicken kann. Von dort aus machen wir uns auf die Suche nach einer neuen Lolita Bar, die wir in der Racoon Lodge allerdings nicht finden: Die Dive-Bar mit älteren Männern, die über ihren Biergläsern hängen hat zwar Atmosphäre, aber keine von der Art, wo wir uns richtig Zuhause fühlen.

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Von dort aus springen wir dann in die Subway nach Brooklyn, wo wir mit Natascha im Max & Moritz zum Dinner verabredet sind. Die verschiedenen Gerichte sind erstklassig und gar nicht mal so teuer und der Wein – ein spanischer Valdemar Rioja – erinnert an alte Bodega-Dali-Zeiten. Nach dem Essen, wir sind natürlich die letzten Gäste, gehen wir noch in die Bar 4 in der 7th Ave., die fast Manhattan-Atmosphäre hat.

Überhaupt Brooklyn und Manhattan – das ist in etwa wie Augsburg und München. Der Brooklyner an sich liebt seine Stadt und wird nicht müde zu erläutern, dass sich dort a) das richtig New Yorker Leben abspielt und b) die Mieten viel günstiger sind als in Manhattan, c) steigen die Mieten leider, da ja immer mehr Manhattenites nach Brooklyn ziehen, und die Preise verderben. Der eingefleischte Manhattenite antwortet darauf einfach “Brooklyn sucks”. Wir genießen es allerdings, in einer Stadt zu wohnen, in der zwei großartige Stadtviertel nur ein paar Subway-Stationen entfernt sind.

Diese wenigen Stationen können allerdings nachts um zwei ein Problem sein. In Brooklyn bekommt man um diese Zeit keine Taxis mehr nach Manhattan und die Subway fährt nur noch alle 20 Minuten. Immerhin können wir feststellen, dass man auch nachts ungefährdet Subway fahren kann.

Auf jeden Fall kommen wir sehr spät nach Hause, so dass wir den Montag übernächtigt nur mit Mühe überstehen.

Dienstag passiert dann das Unglaubliche: Park Row ruft an und fragt, wann wir den Mietvertrag unterschreiben wollen. Wenn wir wollen, können wir gleich vorbeikommen – einziger Haken: wir müssen zwei Monatsmieten Cash, bzw. Certified checks, was dasselbe ist, mitbringen. Bei Manhattener Mieten ist das eine ganze Menge Holz, aber nach einem halben Tag Telefongespräche und Rumrechnerei kommen wir dann auf eine Lösung. Selbstverständlich wird das in der Lolita gefeiert!

Mittwoch hätten wir dann unterschreiben können, haben aber leider keinen Termin bekommen. So ein bisschen Unsicherheit bleibt natürlich immer und die wird nicht weniger, als wir erfahren, dass die Makler nicht einmal eine Bankauskunft einholen konnten, weil dazu noch ein paar Unterschriften fällig gewesen wären.

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Donnerstag passiert es dann wirklich: wir besichtigen ein letztes Mal “unser” Apartment und sind uns sicher, dass wir “M 18” bewohnen wollen. Anschließend bekommen wir ein Paket Papier vorgelegt, das wir durchlesen und unterschreiben müssen. Auch wenn wir von den ganzen juristischen Klauseln nur die Hälfte verstehen, haben wir dennoch den Eindruck dass die Mietverträge in den USA etwas mieterfreundlicher sind. Zum Beispiel ist die Renovierung Vermietersache, was ja durchaus Sinn macht. Auf der anderen Seite muss man natürlich zugeben, dass die Mieten insgesamt gigantisch hoch sind, so dass etwas Service durchaus dabei sein sollte.

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Am Nachmittag trifft dann mit Martina unser erster “richtiger” Besuch in LaGuardia ein und bringt eine Ladung Sachen, vor allem vermisste CDs, aus München mit. Es ist ein warmer Sommerabend und deswegen geht es ab ins Bandito, wo man ja so herrlich draußen sitzen und das East Village Leben genießen kann. Auf dem Weg holen wir noch Melanie und Sylvia ab, die ebenfalls eine Tasche aus München mitgebracht haben (vielen Dank!). Wir können beide davon überzeugen, dass das ein frühes Insbettgehen den Jetlag nur verstärkt und so kommen sie noch mit auf einen Drink ins Bandito. Trotz allem wird der Abend nicht allzu lange und wir gehen bald nach Hause, um die erste von drei Nächten zu dritt in unserem kleinen Zimmer zu verbringen. Ein Experiment, das im übrigen einmalig bleiben wird, da wir in Zukunft mehr Platz für Gäste haben!

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Freitag früh gehen Martina und Elke dann zu Ringo Starr, der mit einer Reihe von bekannten Musikern (Howard Jones, Sheila E., Rodger Hodgson) im Rockefeller Center auftritt. Von dort aus geht es dann zu einer ausführlichen Besichtigungstour Richtung Downtown. Abends treffen wir uns dann zum Happy Hour Drink in der Lolita, bevor ein “Chinese Take-Out Feast” aus dem Golden Forest bei uns Zuhause serviert wird.

Am nächsten Tag kommt Martina dann nicht um den langen Marsch nach Midtown herum. Wir gönnen ihr nur eine kleine Pause im Virage auf der 2nd Ave., wo es einen leckeren Brunch zu recht günstigen Preisen gibt. Von dort aus geht es dann auf der Standardstrecke Union Square, Broadway, 5th Ave weiter Richtung Central Park. Unterwegs gehen wir natürlich auch in ein paar Geschäfte, meistens allerdings mehr zum Abkühlen, als um wirklich was zu kaufen.

Pünktlich beim Central Park fängt es dann an zu regnen – das geplante Picknick fällt also aus bzw. wird auf’s nächste Mal verschoben. Nur P.J. Carney können wir Martina noch zeigen und glücklicherweise bestätigt uns ein sturzbetrunkener Stammgast, das wir tatsächlich in der besten Kneipe New Yorks sind. Naja, sagen wir mal in der besten Kneipe in Midtown. Ein Taxi bringt uns dann zu Ken, wo wir den Besuch Martinas und unseren Mietvertrag mit französichem Sekt feiern. Ken kennt tatsächlich ein paar gute Kneipen rund um den Times Square, wo wir dann auch ein einigermaßen gutes amerikanisches Dinner bekommen. Zum Abschluss gehen wir dann ins Madame X, einer recht netten Bar im Village mit Hinterhof, in dem sich hauptsächlich Studenten drängen.