39. Woche

Von Oliver

Langsam leben wir uns wieder in unserer Wohnung ein, auch wenn es noch immer alles andere als normal ist in unserer Gegend. Das Gebiet um das World Trade Center ist noch weiträumig abgesperrt und die Straßen in unserer Nachbarschaft werden willkürlich von Polizisten und Nationalgarde geöffnet und geschlossen. Das liegt – auch – an der großen Anzahl von Besuchern, die den Broadway herunterkommen, um einen Blick auf das Unfassbare zu werfen. Neben zahllosen Profi- und Hobbyfotografen sind auch viele solche dabei, die einfach nur dastehen und fassungslos auf die Ruinen der Twin Towers starren.

Unser nächstes Abenteuer kommt am Donnerstag. Da wird in New York Yom Kippur gefeiert und meine Firma gibt dafür einen Feiertag. Wir wollen das nutzen, um unsere Sachen endlich vom Frachthof in Linden, New Jersey abzuholen. Ganz so einfach ist das nicht, denn a) ist derVerkehr downtown immer noch gesperrt, b) sind unsere Umzugskisten in einer großen, sperrigen Holzkiste, die in keinen Kleintransporter passt, eingepackt und c) haben wir keine Ahnung, wo wir mit den Resten dieser Holzkiste hinsollen.

Am Mittwoch versuchen wir eine Art Passierschein von unserem Haus zu bekommen, was leider nicht funktioniert, da wir dazu das Nummerschild des Transporters bräuchten, dass uns aber bei U-Haul, der Leihwagenfirma, niemand sagen kann. Also werden wir mit einem Blankoformular auf den Weg geschickt.

Am Donnerstag morgen müssen wir – das haben wir Freddy, dem Mietwagentyp, versprochen – punkt 8 Uhr früh in der 1st Street, Ecke Bowery, stehen. Gleichzeitig hat Freddy Elke aber auch noch verraten, dass er leider erst um 8:30 da sein kann. Wir sind gespannt, wie das funktionieren kann und stoßen auf eine verblüffend einfache Lösung: Wir müssen eine halbe Stunde warten, bis Freddy aufschlägt und sein Büro aufsperrt.

So wird es dann 9, bis wir in unserem etwas verbeulten U-Haul sitzen und uns auf den Weg nach Jersey machen. Da der Holland Tunnel downtown geschlossen ist, machen wir uns auf den Weg nach Midtown zum Lincoln Tunnel. Das ist gar nicht so einfach, denn der Verkehr auf merkwürdige Art spiralförmig um die Blocks geleitet. Jedesmal, wenn ein Schild in Richtung Lincolntunnel weist, steht dort ein Polizist und winkt uns in eine andere Richtung. Erschwerend kommt dazu, dass wir in unserem Kleintransporter nicht genau wissen, ob wir ein richtiger Truck sind.

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Irgendwann finden wir dann die richtige Schlange, wo unser Wagen von einem State Trooper in grauer Uniform mit Cowboyhut durchsucht wird. Dann dürfen wir weiterfahren und sind kurze Zeit später in New Jersey. Dort sieht es alles andere als aufregend aus, nur die gelegentlichen Blicke auf Manhattans neue Skyline jagen eine noch immer Schauer über den Rücken.

Der Frachthof in Linden ist eine traurige Ansammlung von niedrigen Baracken, Lagerhallen und abgestellten Trucks. Nachdem wir uns im Büro die notwendigen Papiere besorgt haben, fahren wir in die Lagerhalle und sehen ein Schild, dass uns alle Hoffungen raubt. Dort steht nämlich, das unter keinen Umständen die Frachtkisten geöffnet werden, da es in der Vergangenheit zu oft vorgekommen ist, dass die Kistenreste bequem im Gebüsch des Frachthof entsorgt worden sind. Ausnahmen werden nicht gemacht, wer ein zu kleines Auto hat soll sich eben ein größeres besorgen.

Glücklicherweise können wir klarstellen, dass wir mit der geschlossenen Kiste sowieso nicht durch die Kontrollen am Lincoln-Tunnel gelassen werden. Wir versprechen hoch und heilig, alles wieder mitzunehmen und bekommen tatsachlich die Erlaubnis, die Kiste aufzubrechen.

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Werkzeug haben wir uns klugerweise schon von Doris geliehen, doch es kommt besser: Der Gabelstaplerfahrer rammt die Kiste erst gegen so gegen den U-Haul, dass der Deckel aufspringt. Dann beginnt er Gefallen daran zu bekommen und zerlegt die Kiste mit ein paar schnellen Stößen mit seinem Gabelstapler. Dabei purzeln unsere Kisten nur so übereinander. Bevor wir uns aber ärgern können, machen wir eine grausige Entdeckung: eine ganze Reihe von Kisten ist mit Papier und Plastikresten gefüllt und dienen als Füllmaterial. Auf deutsch: Wir haben uns von vielen Sachen in München trennen müssen, weil sie nicht mehr in die 25 Kisten gepasst haben und haben stattdessen alte Zeitungen und Plastikreste über den Atlantik transportiert.

Unglaublich – alle Speditionen, mit denen Elke geredet, und das waren einige, waren unfähig, uns den Preis in Abhängigkeit von Standardumzugskisten zu nennen. Mit Standardumzugskisten meine ich diejenigen, die ich schon seit meiner Kindheit kenne und mit denen ich unzählige Umzüge bestritten habe. Leider sind diese Kisten bei den Umzugsunternehmen scheinbar unbekannt – dort kann man ausschließlich in Kubikmetern rechnen. Und so konnte uns Zapf Umzüge zwar ungefähr sagen, wieviel wir für 25 Kisten zahlen müssen, nicht aber, dass wir für’s selbe Geld noch ein paar mehr Kisten unterbringen könnten. Zu Verteidigung von Zapf Umzüge sei gesagt, dass deren Angebot bei Weitem das günstigste war.

Zurück nach Jersey – die Kisten sind schnell verladen, nur die Teile der großen Holzkiste müssen in kleinere Stücke zersägt werden bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen können. Einen Stopp machen wir noch im Pathmark, um dort festzustellen, dass die Supermärkte in Jersey auch nicht signifikant günstiger sind als in Manhattan.

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Der Rückweg ist erfreulich unproblematisch. Nach der Kontrolle am Lincoln Tunnel, erwartet uns noch eine weitere an der Southstreet. Aber unser Blankopassierschein reicht aus und so stehen wir ziemlich schnell vor unserem Haus, wo wir zwei erfreuliche Erlebnisse haben: Zum einen können haben wir gerade mal ein paar Kisten in die Lobby geschleppt, als ein Junge vom Hauspersonal mit einer Sackkarre kommt und uns alle (!) Kisten bis in die Wohnung schleppt.

Auch die Kistenreste werden wir überraschend einfach los: Wir stellen ihn einfach auf die Straße, während unser Doorman Nick mit einem Offiziellen von der New York Sanitation verhandelt. Kurz darauf kommt ein Müllwagen und nimmt alles mit – das ist hier noch bequemer als der Münchner Wertstoffhof.

Freitag ist dann eine der wenigen noch stattfindenden Dotcom-Parties in Midtown angesagt. Da solche Events leider nicht mehr umsonst sind, gehen wir erstmal zum Vorglühen in die Lolita bar. Das Abendessen – zwei Sandwiche aus dem American Deli in der Delancey Street – neben wir ganz romatisch im F-Train ein, der uns bis zur Lexington Avenue bringt. Dort ist die Party leider schon wieder vorbei, wer noch in den Laden will, muss $10 Eintritt abdrücken. Nicht mit uns – wir geben das Geld lieber downtown aus und unterstützen die Divine Bar in der Liberty St.

38. Woche

Von Elke
Seit dem Anschlag sind fünf Tage vergangen. Fünf Tage, an denen wir uns freuen, am Leben zu sein. Fünf Tage, an denen wir uns wie aus dem Paradies vertrieben vorkommen.

Um auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren, machen wir uns wieder einmal auf, in der Park Row nach dem Rechten zu sehen. Diesmal ist es kein Problem ab der Canalstreet immerhin die Baxter bzw. dann die Perl Street entlangzulaufen. Menschenmassen drängen sich, denn alle wollen das Nichtfassbare sehen. Mir ist nicht wohl dabei, wieder in die Richtung des Grauens zu gehen, doch es bleibt uns ja nichts anderes übrig, denn wir wohnen ja schließlich da! Nahe unseres Hause gibt es immer noch feste Absperrungen: unsere IDs werden von einem Soldaten namens “Wunder” geprüft, der dann meint, sein Vater sei Deutscher, daher der Name. Ein hübscher Kerl, der uns mit den Worten “in case you can’t get any further, tell them, Lieutnant Wunder let you through”. Die nächste Sperre bildeten ein paar Polizisten, denen es gar nicht recht war, dass wir so weit gekommen waren, doch zähneknirschend brachte uns ein Polizist zur nächsten Sperre Beeckman Street, Ecke Park Row. Dort wurden wir dann von zwei Polizistinnen eskortiert und am Eingang des Hauses Nummer 15 von allen unseren vier Doormen freudig begrüßt. Diesmal schrieb man sich auch unsere Orchardstreet Telefonnummer auf, um uns zu benachrichtigen, wenn wir zurück “nach Hause”.

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Diesmal gießen wir unsere Pflanzen und nehmen lediglich ein paar Kleinigkeiten mit. Oliver lässt es sich nicht nehmen, ein Foto in die Richtung zu machen, wo einst das World Trade Center stand. Mir ist auch bei dieser Aktion gar nicht wohl, denn ich habe Bedenken, dass uns die wachsamen Augen des Gesetzes dabei sehen könnten und wir dann Scherereien bekommen. Meine Sorge war aber unbegründet.

Die Abende dieses und der nächsten Tage verbrachten wir in der Lolita Bar und führten angeregte Gespräche mit Anna und Mark. Die zweite Hälfte des jeweiligen Abends verbrachten wir mit leckerem Chinese Food vom Golden Forest und Seinfeld. Immerhin auf Time Warner Cable war in diesen harten Zeiten verlass.

Oliver konnte ab Montag, 17. September auch wieder in sein Büro arbeiten gehen, was für ihn und uns beide natürlich essentiell war. Wichtig war auch, dass wir endlich unsere seit dem 10. September aus Deutschland eingetroffenen 25 Kisten abholen bzw. zunächst die Zollformalitäten erledigen konnten.

Das New Yorker Zollbüro befand sich – natürlich – in 7 World Trade Center, das heißt, wir mussten irgend eine Lösung finden! Man könnte jetzt denken, dass Angesichts dieser Katastrophe auf Zollformalitäten verzichtet hätte werden können, doch weit gefehlt! Unser Cargo Spezialist benötigte die abgefertigten Zollpapiere dringends, da er sonst unsere Kisten zurücksenden müsste. Eile war also geboten. Da wir die Alternative New Jersey Zoll auch nicht erreichen konnten, fuhr Doris kurzerhand mit mir nach Elizabeth in New Jersey. Und Oh Wunder! wir bekamen die so dringend benötigten Papier ohne Schwierigkeiten. Keine Wartezeit, keine Gebühren, keine unnötigen Fragen. Wir fuhren dann weiter nach Linden, um dem Cargo-Menschen die Papiere zu übergeben. Wir erklärten ihm die Situation, dass Oliver und ich derzeit evakuiert sind und nicht wissen, wann wir zurückkönnen und ob dort überhaupt ein Auto hinfahren darf. Der Cargo-Mensch zeigte Herz und erließ uns die Lagergebühren für eine Woche. Doch von da weg, würde das Eilagern echt Geld kosten. Mit solch einem erlösenden Zeitgewinn im Gepäck fuhren Doris und ich wieder zurück nach Manhattan, durch den Lincoln Tunnel natürlich, da der Holland Tunnel noch immer gesperrt war (und auch noch ist!).

Der Blick auf Skyline ist erschreckend. Da wo man sieht, dass etwas fehlt, sieht man eine fette Rauchwolke, anstelle der majestätischen Türme. Doris bringt mich zurück in die Orchardstreet und als ich den Anrufbeantworter abhöre, finde ich ein “hello, here’s Nick from 15 Park Row, please come home” vor. Sogleich rufe ich Oliver an und für uns ist natürlich klar, dass wir den Abend tatsächlich wieder “daheim” verbringen werden.

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Ich packe unsere Reisetasche, steige in die Subway und fahre bis zur Chamber Street. Dort halten sich zwar nach wie vor unzählige PolizistInnen und Soldaten auf, doch lassen die mich ungehindert durch. Am Eingang wartet schon Oliver und plauscht mit dem spanischen Doorman. Wir gehen nach oben und alles ist eigentlich wie immer, doch nicht ganz. Da fehlt doch was! Richtig – es fehlen nicht nur die beiden World Trade Center Türme, einige weitere Gebäude, die Beleuchtung des Empire State und Woolworth Buildings, nein – es fehlt auch die Sicherheit, die ist für immer abhanden gekommen!

Nichts ist mehr wie es vorher war, weder für uns, die wir direkt mit den sichtbaren Folgen der grausamen Attacke leben müssen, noch für alle anderen Menschen, denen diese Sichtbarkeit fehlt. Das Gefühl dürfte bei allen ähnlich sein: Unsicherheit!

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Doch schon am nächsten Tag zeigt einer Herz und so besucht uns Ian, um sich davon zu überzeugen, dass man in der Park Row noch leben und kann und ob es uns gut geht. Wir trinken ein paar Bier und lassen uns meine Spaghetti Marinara mit Riesenscampis und Jacobsmuscheln schmecken. Die Nähe zu den Chinatown Fischmärkten macht sich bezahlt, denn das Essen tut gut und der Alkohol sein Übriges und so freuen wir uns mit Ian auf seinen morgige Reise in die Karibik nach Aruba. Auch Ken, Renée und Vally fliegen morgen in den Urlaub, nach Madrid und London.

Sollen denn alle jetzt nur mehr daheim bleiben und Angst haben? Ein klares Nein!

Am Samstag schließlich wenden wir uns dem Zustand unseres Apartments zu und putzen und wienern und machen es strahlesauber. Glücklicherweise waren ja unsere Fenster zu, weshalb nur ein ganz klein bisschen Staub hineingeweht wurde, also kein Grund zur Beunruhigung, oder doch? Die Verantwortlichen beschwichtigen uns mit der Aussage, dass das Leben in Downtown Manhattan gesundheitlich unbedenklich sei, doch können wir der EPA wirklich glauben?

Der Jahrestag – Ein persönlicher Rückblick

18. September 2002, von Elke

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Die Zeit kennt keine Gnade und schreitet unaufhaltsam weiter. Für sehr bald schon kündigt er sich an, der 11. September 2002, der Tag an dem sich vor einem Jahr für so viele so vieles verändert hat. Oft wurde ich gefragt, was ich machen würde und ich wusste keine Antwort darauf. Es war wohl schwer möglich, einfach nur im Bett zu bleiben, mit der Beckdecke fest über den Kopf gezogen. Auch an einen Flug weit, weit weg, war nicht zu denken. Dann sich doch zu den Tausenden von Menschen in einem der New Yorker Parks (Lichterketten!) zu gesellen? Nein, ich will das nicht! Am liebsten wäre ich einfach den ganzen Tag Zuhause geblieben, dort wo ich vor einem Jahr nicht sein durfte. Vor einem Jahr musste ich das, was ich als neues “Zuhause” auserkoren hatte, fluchtartig verlassen und mir vorübergehende Unterkünfte suchen. Eine Kerze wollte ich ins Fenster stellen und den Tag besinnlich vorüberziehen lassen. Doch erstmal musste dieser Tag kommen!

Die Spannung am Dienstag im Büro war nahezu unerträglich. Wo sonst nur fröhliche, beschwingte Worte durch das Großraumbüro flogen, überschlugen sich die Grobheiten. Die Stimmung war mehr als gespannt, was wohl am Datum, dem 10. September 2002 liegen musste. Morgen war “es” soweit, morgen sollte sich jähren, was niemand wollte, dass es sich jährte. Doch die Zeit kümmert solche Gedanken nicht. Um einigermaßen mit dem “Morgen” fertig zu werden, packe ich abends eine Comforting Bag, eine Tasche, die enthält, was ich am Liebsten habe. Da es sich bei der Tasche jedoch nicht um einen Samsonite-Koffer handelt, sondern lediglich um eine Damenhandtasche, passen auch nur mein kleines Hochzeitsfotoalbum, mein Tagebuch, ein paar Gedichtbüchlein, mein Palm samt Tastatur, mein liebster Schmuck, eine CD sowie die Digitalkamera hinein. Eine krude Mischung an Dingen, die ich kurzerhand für unentbehrlich deklariert hatte. Die Tasche gibt mir ein beruhigendes Gefühl. Als Oliver und ich später auf einen Drink in der Lolita-Bar sitzen, schaue ich mir gemeinsam mit Anna unser Fotoalbum an und denke an FreundInnen und Familie.

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Die Angst, es würde genau dasselbe wie vor einem Jahr passieren, brauche ich im Grunde nicht zu haben, denn da stehen keine Riesentürme mehr, in die Flugzeuge knallen könnten! Also verstaue ich meine Angst für ein paar Stunden und starte in den Tag. Frisch geduscht, fertig geföhnt und geschminkt stehe ich gegen halb neun in der Küche, wo mir Oliver meinen Tee einschenkt. Schweigend stehen wir da und wissen zunächst nicht so recht, was wir denn jetzt tun sollen. Ein Blick aus dem Fenster hilft sicher weiter! Dort unten reihen sich unzählige Menschen auf, und schwarze Limousinen mit eskortierenden Motorrädern kriechen vorwärts, unter Einsatz entsetzlichen Sirenengeheuls. Da drüben am Transport Building verteilen zwei junge Menschen rot-weiße Orchideenketten an alle Vorüberziehenden. Langsam gehen die Trauernden am kleinen Friedhof der Saint Paul’s Chapel entlang, hin direkt zu Ground Zero. Ich kann sie nicht weiterverfolgen, da Bauwägen die Sicht auf den Kern des Ground Zero versperren. Mir recht so!

Oliver schaltet den Fernseher ein, wo auf NY1 live von der Trauerzeremonie gesendet wird. Guiliani fäng an, die Namen der Verstorbenen vorzulesen. Ich zünde eine Kerze an und schaue aus dem Fenster, während ich seine Worte wahrnehme. Nach einiger Zeit wird der Ex-Bürgermeister von anderen Sprechern und Sprecherinnen abgelöst, doch ich verweile am Fenster, höre die Namen der vielen Toten und starre auf das Loch vor unserem Fenster, das einmal das World Trade Center gewesen war. “Bordenabe, Boryyzweski, Bosco, Bouchard…” Ich wusste, dass eine Frau Bouchard bei der Katastrophe ihr Leben lassen musste, eine Frau, die so heißt, wie mein Ehemann. Persönlicher sollte das Ganze nicht werden, ich wollte nicht trauern und schon gar nicht heulen! Doch als nur wenige Minuten später ein “Junior” und ein “Senior” – vermutlich Feuerwehrmänner – vorgelesen werden, ist es mit meiner Reserviertheit vorbei und ich lasse meinen Tränen freien Lauf. Auf eine seltsame Art und Weise ist die Zeremonie ein tröstlicher und befreiender Akt. Nahezu meditativ das Ganze. Irgendwann bei ‘R’ löse ich mich dann doch von Fenster und TV und verlasse das Apartment und Oliver, um ins Büro zu gehen.

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Auf meinem Weg in die Fashion Avenue, nähe Times Square, begegnen mir heute auffallend viele gut gekleidete Menschen. Ich sitze im 2-Train, der noch nicht wieder Express fährt, höre Musik aus meinem Walkman und krame in meiner Comforting Bag. Im Office angelangt, ist die gestrige Agression einer dezenten Stille gewichen. Nur die markige Stimme des Ober-Telemarketing-Typen dröhnt über alle Cubicles hinweg: “what a terriffic day” – “Volltrottel” hätte ich gerne erwidert, lasse es aber. Nach vier Stunden ist mein Halbtagsjob vorüber, den ich heute wie in Trance verbracht hatte. Dasitzen, nicht nachdenken, einfach arbeiten, E-Mails schreiben, nicht nachdenken, ruhig bleiben…

Wieder Zuhause telefoniere ich mit meiner Mutter, die in dem 11. September fast so etwas wie einen zweiten Geburtstag für mich sieht. Und recht hat sie: obwohl so nah an den Geschehnissen dran, war ich nur fast dabei und mir ist nichts passiert. Fast nichts, denn mit dem Erlebten muss ich trotzdem fertig werden! Über ihren Anruf freue ich mich ebenso, wie über die E-Mails, die mir Freundinnen und Freunde aus Deutschland und aller Welt geschickt haben. Es tut gut, zu wissen, dass da draußen Menschen sind, die an mich denken. Ich denke auch an sie.

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Das strahlende Blau des Himmels verblasst allmählich und weicht der Abendröte – Zeit, in die Upper West Side aufzubrechen. Dort wartet ein Turkey darauf verspeist zu werden. Ian und Daisy, haben Ken und Renee sowie Oliver und mich zum Dinner eingeladen. Mit prallgefüllten Tellern und je einem Bier sitzen wir auf der Dachterrasse, und lassen das vergangene Jahr Revue passieren. Für jeden von uns ist das heute so eine Art Neubeginn: “ich kaufe mir ein Auto”, “ich fliege nach Europa”, “ich laufe im Triathlon mit” und “ich hole mir meinen Traumjob” hören wir uns sagen. Über ein paar weitere Flaschen Bier wird es Mitternacht und wir alle sind froh, diesen Tag ohne böse Zwischenfälle, friedlich hinter uns gebracht zu haben. Natürlich können Oliver und ich nicht umhin, das Lokal aufzusuchen, das uns vor einem Jahr in der schweren Zeit Zuflucht gewesen ist. Das, was wir uns erhoffen, finden wir auch vor: Menschen, die uns nicht nur freundlich gesonnen sind, sondern auch freundschaftlich begegnen. In dieser Nacht schlafe ich erstmals wieder etwas beruhigter ein!

37. Woche

 

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Von Elke
Sonntag, 09. September 2001
Endlich! Das erste echte Wochenende in unserer neuen Wohnung, in dem Apartment, das nun unser Heim werden soll. Schön ist’s hier! Und heute ist das Wetter herrlich, so dass das erst kürzlich vom Schmutz befreite Woolworth-Building einen malerischen Kontrast zum knatschblauen Himmel bildet. Wie lässt sich solch ein wunderschöner Herbsttag am Besten zelebrieren? Wie wäre es mit einem kleinen Lunch am Seaport Pier? Sonntäglich gekleidet, spazieren wir durch unsere neue Neighbourhood und kehren schließlich im “Gators” ein, wo wir uns Long Island Muscheln auf Eis zur Vorspeise munden lassen und uns anschließend ein Seafood-Jambalaya und ein Shrimp-Reisgericht. Hier ist es einfach wunderbar – die Sonne strahlt uns an und vor uns tummeln sich auf dem silberblauen Eastriver ein paar Ausflugsboote sowie größere Segelschiffe. Derzeit sind wir auf der Sache, nach Postkarten, die unser Jahrhundertwendehaus zeigen, doch gibt es kaum welche, da es immer von anderen, prächtigeren Bauten versteckt wird. Doch werde ich nach diesem köstlichen Lunch zufällig fündig und erstehe eine einzige Postkarte, die die Downtown-Skyline zeigt, von den Türmen des World Trade Centers beherrscht, aber die beiden kleinen Türmchen auf dem Dach unseres Hauses sind gut zu erkennen. Also zahle ich die 25 Cent und stecke die einzelne Karte ein. Anschließend spazieren wir weiter Downtown, bis es nicht mehr weiter geht und wir wieder umkehren müssen, um dann ein wenig die Häuserschluchten der Financial Area zu erkunden. Irgendwann erreichen wir den von mir so geliebten Battery Park, doch schauen wir nur ein wenig nach draußen, auf die Statue of Liberty und setzen uns nicht auf meine Lieblingsbank, auf der ich diesen Sommer so viele Stunden verbracht habe. Ich mache Oliver noch aufmerksam, auf einen besonders schönen Fotospot, von wo aus man die World Trade Center Türme in ihrer ganze Pracht aufnehmen kann. Auch erzähle ich ihm, dass ich genau an dieser Steller zuletzt von Martina ein Foto aufgenommen hatte, und an jenem Tag jedoch keine Touristen zugegen waren, weshalb ich es auch heute ablehne, eine Foto von mir machen zu lassen.

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Schließlich machen wir uns wieder auf den Heimweg, den Broadway hinauf und da es aber noch früher Nachmittag ist, schauen wir noch bei meinem Lieblingsbookshop, dem Boarders im World Trade Center vorbei. Von dort aus hat man einen fantastischen Blick auf unser Haus. Wie sehr liebe ich den Blick, wenn man auf der Boarders-Rolltreppe steht, den ersten Stock hinauf rollt, durch das Fenster nach draußen blickt und unseren achtzehnten Stock ganz genau ausmachen kann. Ein Sonnenstrahl trifft gerade unser Livingroom-Fenster. Wunderbar! Wir verlassen den Bookshop mit all seinen literarischen Verführungen, ohne auch nur irgendwas gekauft zu haben. Weder die Zeitschrift für Natascha mit Kevin Spacek auf dem Cover, noch die mit Mark Wahlberg für mich, noch ein Buch für Oliver kaufen wir ein. Nein, wir sparen uns das Geld heute und erwerben nur mehr schnell drei Gallonen Wasser im Duane Read Store, der sich im Untergrund des World Trade Centers befindet. Wir schlendern noch ein wenig umher, nehmen aber schließlich die Rolltreppe nach oben und gehen schließlich nach Hause.

Montag, 10. September 2001
Am Montag geht Oliver wie gewöhnlich arbeiten und ich lasse den Morgen erst mal gemütlich angehen, bevor ich mich in unser altes, noch bis Ende September gemietetes Sublet aufmache, um dort meine E-Mails zu checken, Jobs zu suchen und mich zu bewerben. Am Spätnachmittag wollte ich dann einigermaßen frustriert wieder zur Park Row zurück, als ich plötzlich noch eine Job-E-Mail erhielt. YEAH – ein so langersehntes Job-Interview, in einer gut finanzierten Startup-Company, gegenüber im Woolworth-Building. Bei Erhalt dieses Jobs würde ich doch glatt noch Olivers sehr kurzen Arbeitsweg unterbieten. Als dann noch Gitti aus ihrem Urlaub anruft, bin ich seelig und verpasse getrost das Webgrrls-Networking-Meeting. Stattdessen gehe ich noch beim Golden Forrest vorbei und kaufe unsere Lieblingsspeisen. Auf dem Weg dorthin begnet mir ein junger Mann und schweigend gehen wir bis zur Kreuzung nebeneinander her. Er führt einen großen, champagnerblonden Hund spazieren. Er selbst trägt Schuhe mit Schlangenmuster, schwarze Jeans, hellblaues Hemd und eine Nadelstreifenjacke. Seine Haare sind blond, kinnlang und rahmen ein echt attraktives Gesicht ein. Als die Essexstreet die Grandstreet trifft, muss ich links abbiegen, während der mich ein einen Hollywoodsuperstar erinnernde junge Mann weiter die Essex entlang geht. Er sieht mir nach. Okay, ich weiß das auch nur deshalb, weil ich mich noch mal umgedreht hatte. Beschwingt betrete ich schließlich den Golden Forrest und ordere Olivers und meine Lieblingsspeisen: Spicey Orange Chicken und Spicey Shrimp Curry. Die Belegschaft des Golden Forrest sind entzückt, mich zu sehen und wir alle diskutieren eifrig das Leben Downtown. Sie freuen sich wirklich, dass Oliver und ich ein so schönes Apartment gefunden haben. Als draußen plötzlich der Himmel seine Pforten öffnet, und ich keine Chance habe auch nur einigermaßen trocken zu Hause anzukommen, leiht man mir sogar noch einen Schirm. Beseelt und echt glücklich spaziere ich durch den Regenschauer und das Gewitter, das mich sonst immer zu Tode geängstigt hatte. Doch irgendwas ist heute anders. Ich fühle mich stark und die Naturgewalten können mir heute nichts anhaben.

Oliver ist froh, mich zu sehen, auch wenn ich eigentlich netzwerken hätte sollen. Aber so genießen wir das leckere Chinese Food und schauen währenddessen “The Weakest Link”. Diesmal bilden unter anderem ein jüdischer Rabbi, ein Theologie-Student, ein Meteorologe sowie eine kalifornische Dog-Sitterin die Rate-Kette. Die Herren in der Runde fühlen sich sehr sicher, der Meterologe sogar derart, dass er die Hundesitterin abwählt mit den sinngemäßen Worten “es wird Zeit für sie, sich wieder ihrer Hundesitterkarriere zu widmen”. Bummer! Das sitzt. Wie kann jemand nur so unverschämt sein? Und wie zum Trotz, hat es eben jene Frau bis in die Endrunde geschafft und schließlich gewonnen. YEAH – das hat sogar der Modoratorin ein echtes Lächeln entlockt.

Nach unserer geliebten Seinfeld-Show, die immer gegen 11:30h zu Ende ist, stehen wir noch ein wenig am Fenster, trinken einen Schluck Whiskey und lassen unseren Blick über die Stadt streifen: Rechts unten liegt der City Hall Park und die Lichter im Rathaus sind schon lange ausgegangen. Wohingegen das ebenfalls rechts, aber viel weiter entfernt liegende Empire State Building noch illuminiert ist, heute in grün und gelb. Etwas näher dran befinden sich einige Condomniums, Häuser mit Eigentumswohnungen und dann direkt gegenüber von uns steht das Woolworth Building und links davon ein Federal Building. Etwas weiter links sehen wir einen World Financial Turm, der, in dem sich American Express befindet. Direkt unter uns, etwas nach links versetzt ist eine kleine Kirche, die Saint Pauls Chappel, die stündlich ankündigt, welche Stunde geschlagen hat. Und dahinter ragt einer der World Trade Center Türme empor. Stolz und stark steht er da. Viele, viele Menschen scheinen auch jetzt noch kurz vor Mitternacht darin zu arbeiten, oder ist der Turm nur so erleuchtet, um uns, die ihn anschauen, zu erfreuen? Wir können nicht anders, und erinnern uns immer und immer wieder gerne an unser Hochzeitsdinner, das wir im “Windows On The World” genießen durften.

Trotz Reservierung mussten wir damals fast eine Stunde warten, wurden dann aber durch einen unvergesslich schönen Ausblick auf’s nächtliche, glänzende Manhattan entschädigt. Hatten wir doch tatsächlich den besten Tisch im ganzen Restaurant zugewiesen bekommen. Wir ganz nah am Fenster, vor und neben uns niemand mehr, außer viele, viele Stockwerke unter uns und ganz Manhattan vor uns. Ob wir damals wohl “unser Building” sehen konnten? Diese Frage stellten wir uns jetzt. Wir beschließen, dass wir es damals irgendwie schon wussten, ähnlich wie der attraktive, farbige Host im “Windows On The World” der uns mit den Worten “I knew it, when I sent you there. Have a good night” verabschiedete. Damals…

Dienstag, 11. September 2001
Beschwingt stehe ich auf und freue mich, dass am Freitag endlich Time Warner unseren TV angeschlossen hatte und ich jetzt mit Denise Aerobic turnen kann. Dann dusche ich, wasche meine Haare und probiere verschiedene Klamotten aus, denn ich will für mein Bewerbungsgespräch am Donnerstag gut aussehen. Okay, bis dahin vergeht zwar noch etwas Zeit, doch mir ist gerade so danach. Schließlich entscheide ich mich für Shorts, da ich ja heute erst mal zu Hause bleiben und auf den Techniker von Verizon warten werde. Unser mittlerweile dritter Versuch ein Telefon zu bekommen.

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Wie so oft in den vergangenen Monaten bereite ich für Oliver ein Frühstücks- bzw. Lunch-Wrap zu, mit dem Unterschied dass ich im Gegensatz zur Orchardstreet nicht seitlich sondern mit dem Rücken zum Fenster stehe. Ich höre nicht, was Oliver plötzlich zu mir sagt. Ich höre nur einen entsetzlichen Knall. Ein solch fürchterlicher Knall, der nur etwas Schreckliches bedeuten kann. Doch was? Noch immer lasse ich nicht von den Wraps los, als Oliver schon am weitgeöffneten Fenster steht und mich darauf hinweist, dass da soeben ein Passagierflugzeug in das World Trade Center geflogen ist. Also trete auch ich an dieses Fenster und ja, tatsächlich, da steckt ein Flugzeug in dem gigantischen Nordturm.

Wie kann nur solch ein entsetzlicher Unfall passieren?

Ich weiß nicht, was ich tun soll, aber ich weiß, dass ich nicht mit nassen Haaren und in Shorts in der Wohnung bleiben will. Mit zitternden Händen föhne ich die Haare irgendwie trocken, tusche meine Wimpern und schmiere mir Lippenstift auf die Lippen. Ich ziehe eine lange Hose und feste Schuhe an, packe meinen Rucksack, in dem sich noch immer unser Laptop samt Kabel befindet, und weiß dann nicht, was ich noch mitnehmen soll.

Was sollen wir nur tun? Müssen wir überhaupt etwas tun? Was passiert denn jetzt? Geht von dem Flugzeug, das da in dem Turm steckt eine Gefahr aus? Wir haben keine Ahnung. Auch geben die Nachrichten keine Auskunft darüber. Sie zeigen die Bilder, aber geben keine weiteren Informationen. Mein Blick fällt auf eine CD und auf unser gerahmtes Hochzeitsfoto, das Birgit von uns gemacht hat, und ich stecke beides ein. Ich frage Oliver, ob er etwas Bestimmtes braucht oder möchte, aber er verneint.

Es kracht erneut. Was kann das denn jetzt sein? Vermutlich einer der Flügel des Flugzeugs. Oliver weicht entsetzt vom Fenster zurück und schreit “da springen Menschen aus dem Fenster! die springen wirklich runter!” Wieder nehme ich ihn nicht wirklich wahr, sondern gehe zum Fenster, um mich selbst zu überzeugen. Aber wovon denn? Davon, dass da Menschen in Todesangst aus dem soundsovielten Stock springen? Meinen Blick kann ich gar nicht schnell genug abwenden, ohne dass ich nicht auch einen durch die Luft schwebenden Mann im dunklen Anzug gesehen hätte… Unglaublich viele Gedanken drängen sich mir auf, auch völlig vernünftige, und so beginne ich alle Fenster zu schließen: die zwei in der Küche, die zwei im Living Room und die zwei im Büro-Schlafzimmer. Und endlich, endlich verlassen wir unser Apartment und begegnen dabei unseren Nachbarn, die ebenfalls nur noch von hier weg wollen und auch nicht wissen, wie dieses Unglück überhaupt passiert sein könnte.

In der Lobby angekommen, wechseln wir mit dem Dienst habenden Doorman, dem eleganten, ein paar Worte und gemeinsam biegen Oliver und ich in die Ann Street ein. Weiter die Nassau Street entlang, bis wir links in die Wall Street abbiegen. Die Straßen sind gefüllt mit aufgeregten und zum Teil verängstigten Menschen, die alle irgendwie und irgendwo Schutz suchen. Die Straßen sind übersät mit Staub, unendlich viel Staub und vielen, vielen Papieren. Da waren gewaltige Kräfte am Werk!

In der Lobby von Olivers Büro werden wir aufgehalten und müssen uns ausweisen, doch ich schmuggle mich einfach mit in den Fahrstuhl hinauf in den zwölften Stock. Ich werde einigen seiner Kollegen auf die Schnelle vorgestellt und keiner weiß irgendwas. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir alle nur die Hardfacts: ein Passagierflugzeug ist mitten in den Nordturm des World Trade Center geflogen.

Jeder stöpselt seinen Laptop ans Internet an und plötzlich überschlagen sich die Nachrichten und die verschiedenen Stimmen: Ein Terrroranschlag, a terror attack, eine Entführung, hijacking, ein zweites Flugzeug, der Südturm auch betroffen, das Pentagon, das weiße Haus, noch mehr Terrorattacken. In das Building der Chase Bank nebenan sei ein Flugzeug geflogen.

Keiner weiß mehr, welche Nachrichten falsch oder wahr sind und was man überhaupt noch glauben kann. Habe ich Angst? Auch das weiß ich nicht. Die Gefühle sind irgendwie ausgeschalten in dem Moment, vielleicht auch, weil uns die kritische Lage gar nicht so bewusst war?!

Oliver und Charly, beide versuchen auf den verschiedensten mit Nachrichten betrauten Websites Informationen zu finden, doch sind diese den Zugriffen Tausender Informationssuchender nicht gewachsen und zum Zeitpunkt unserer Suche zusammengebrochen.

Um etwas Sinnvolles zu tun, schicken wir meinen Eltern eine Yahoo-Message “uns geht’s gut”, ähnlich wie viele aus dem Südturm sich in Sicherheit wiegend, ihre Angehörigen angerufen hatten. Endlich lässt sich immerhin das Online-Angebot der BILD-Zeitung aufrufen und die spricht von Terrorattacken auf das World Trade Center, das Pentagon und eine vereitelte auf’s Weiße Haus. Kann das wahr sein? Wir gehen dazu über, diesmal der BILD zu glauben, aber was sollen wir nur tun?

Schon wieder kracht es ganz gewaltig und instinktiv verstecke ich mich unter Olivers schwerem Holzschreibtisch, aber natürlich kann ich da nicht bleiben. Welche Bücher habe ich nur gelesen, welche Filme nur gesehen, dass mir so Vorsichtsmaßnahmen wie “Fenster schließen”, “in Türrahmen stellen” oder eben “unter einen schweren Tisch kriechen” einfallen? Alle diese Verhaltensmuster greifen bestenfalls bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, nicht aber für von Menschen verübte Greueltaten.

Als ich wieder aus meinem Tisch-Versteck hervorkrieche, blicke ich in Charlys entsetztes Gesicht, der mit “let’s get outta here!” ausspricht, was ich mir denke. Aber wohin gehen wir nur? Und ist es draußen wirklich besser als drinnen? Von drinnen haben wir draußen jede Menge Staub aufwirbeln sehen. Vielleicht auch Feuer? Was ist, wenn das Chase-Building gerade einstürzt. Es hilft nichts, hier können wir jedenfalls nicht bleiben! Also gesellen wir uns zu den anderen, aus dem Gemeinschaftsbüro flüchtenden Menschen. Absolut gesittet und zivilisiert gehen wir die Treppen des Notausgangs hinunter. Hie und da hört man ein weibliches Schluchzen, ansonsten ist es beängstigend still und alle sind vollauf damit beschäftigt einen Fuß vor den anderen zu setzen und den verdammten Ausgang zu finden. Doch das sollte sich schwieriger gestalten. “There’s smog down there” hörten und sahen wir schließlich Männer vom Erdgeschoss hochkommen. Überall Ratlosigkeit. Wo gibt es denn noch einen Ausgang? Alle versammelten sich schließlich im Rohbau des vierten Stocks. (warum nur hat dieses Haus ein einzelnes Stockwerk in dem Zustand?!) Es stand jedenfalls fest, dass wir nicht nach draußen konnten, zumindest nicht auf konventionellem Wege. Mein Blick fiel auf die in der Wand angebrachten Feuerlöscher und ich meinte, man könnte doch diese nehmen, wenn da unten Feuer wäre. Und da war sie schon wieder – diese Vernunft!

Ratlos standen etwa Hundertfünfzig Menschen in dem Stockwerk umher, bis schließlich jemand meinte, er hätte einen Notausgang gefunden, der zwar nicht sonderlich prickelnd wäre, aber nach draußen führen würde. Keine Frage, DEN nehmen wir! Also folgen Eric, Richard, Charly und ich dem jungen Mann und gehen die vier Stockwerke die Fire Escape hinab. Eine Frau drückt mir ein nasses Tuch in die Hand und empfiehlt mir, es vor die Atemwege zu halten. Oliver bekommt von jemand anderen Papiertücher zugesteckt.

Eric öffnet die Feuertüre und sofort geht die Sirene los, aber die Türe lässt sich öffnen und wir können nach draußen treten. Doch wo in alles in der Welt sind wir? Ist das noch die Wallstreet? DIE Business-Straße New Yorks, wo Menschen dunkle Anzüge und Kostüme tragen und niemals Emotionen zeigen, zumindest nicht mehr als eine kleine Verärgerung über misslungene Spekulationen. Jetzt sah man eine Masse aufgeregter Menschen, die in ihrer Fassungslosigkeit alle gleich aussahen. Alle waren sie von grauem Staub überzogen, die einen mehr, die anderen weniger. Wenn ich jetzt behaupten würde, dass auch wir von Schuttpartikeln oder Staub bedeckt gewesen sind, dann wäre das gelogen, da wir uns ja zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs des Südturms in “Sicherheit” befanden. Dennoch war unsere Kleidung ebenfalls in Binnen von Sekunden staubgrau und wir liefen mit der Menge mit. Immer ans Wasser, fort, nur fort, von den bis vor Kurzem noch so bewunderten und geliebten Hochhäusern. Warum hatten sich diese Bauten nur plötzlich gegen uns verschworen?

Oliver und ich setzten unsere Sonnenbrillen auf und hielten die Tücher vor die Nase, um uns ein wenig vor dem Staub und war das Asche?! zu schützen. Bot diese Maßnahme wirklich Schutz? Das werden wir erst in ein paar Jahren wissen! Entlang des East River auf der South Street bot sich uns ein herzerwärmendes Bild inmitten all des Elends: die FischeverkäuferInnen offerierten Wasser in Flaschen und aus den Hydranten und waren auch sonst für alle Hilfsbedürftigen da. Wir aber waren gut zu Fuß und uns war ja nichts passiert. Der Himmel war noch immer knatschblau und die Sonne schien so freundlich, als würde sie für einen ganz gewöhnlichen Herbstag ihr bestes Strahlegesicht aufsetzen. Das Wetter stand im krassesten Gegensatz zu den Geschehnissen.

Oliver und ich gingen dann weiter nach China Town. Immer am Wasser entlang. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was ich gesehen habe, als ich zurück schaute, dorthin, wo die Türme standen. Ich glaube, wir sahen nur mehr Rauch. Da müssen wohl schon beide Türme zusammengekracht sein. Wir gaben uns auch nicht dem Anblick hin, sondern marschierten weiter in Richtung Orchard Street. Ich noch immer meinen Rucksack auf dem Rücken, froh, dass ich ordentliche Schuhe anhatte und morgens noch das “Denise Austin Workout” mitgemacht hatte und somit fit war. Ich hatte Angst, dass die Menschen hier wie die Gestörten Hamsterkäufe machen würden und so überzeugte ich Oliver, wenigstens auch ein bisschen was zu kaufen. Und so tauschten wir Dollar gegen Klopapier, eine Gallone Wasser, chinesische Zahnpasta die sich als solche durch einen aufgemalten Zahn auswies, Kekse, Asiasuppen und ein Sixpack Heinecken.

In der Orchard Street angekommen, rief ich sogleich meine Eltern an. Oh Wunder! Die Leitungen standen und Papa war daheim. Und ich bekam dann noch den viel größeren Schreck, als mein Dad meinte, er hätte einen Gehörsturz gehabt. Das tat mir in dem Moment so weh! Da hatte ich erstmal richtig Angst! Meine Mam war bei Andrea in München und ich bangte, dass sie etwas von der Katastrophe hören könnte, bevor Papa ihr sagen kann, dass wir in Sicherheit sind. Oliver rief seinen Dad an, der völlig aufgelöst war und auch schon bei meinem Dad angerufen hatte. Meine Mam rief dann auch glücklicherweise zu Hause in Garmisch an und so konnte ihr mein Vater sagen, dass sie sich keine Sorgen machen brauchte! Ob sie sich wirklich keine Sorgen machten?

Als wir also mit unseren Families gesprochen hatten, stöpselte ich den Laptop an und schickte eine E-Mail an mein gesamtes Adressbuch. Zu dem Zeitpunkt hatte ich allerdings schon über 30 E-Mails im Posteingang. Scary! Was war nur los? Wir schalteten den Fernseher ein, der auch noch einwandfrei lief und verfolgten die Nachrichten auf den verschiedenen Kanälen: NY1, CNN, Fox5 und andere mehr. Auf jedem Kanal bot sich uns dasselbe Bild. Immer und immer wieder sah man das World Trade Center einstürzen, wie im grässlichsten Science-Fiction-Film. Doch war dies ja kein Film, auch wenn es vielleicht für viele Menschen, die das Unglück lediglich am Fernseher verfolgt hatten, so aussah.

Irgendwann rief ich Doris an, um ihr zu sagen, dass es uns gut geht. Sie bot uns auf der Stelle Hilfe an und meinte, wir sollten doch bei ihr und Tom übernachten, was wir schließlich auch taten. Doch zunächst tranken wir ein paar Bier und versuchten unsere Gedanken zu sammeln. Als es fünf Uhr wurde, sind wir schließlich in die Lolita, wo uns Clyde sogleich umarmte und ein Bier bzw. Whiskey nach dem anderen ausgab. Gegen acht sind wir dann Richtung Washington Square Garden gelaufen, wo wir von Doris und Tom verwöhnt wurden, mit köstlichem Wein, leckeren Hamburgern und klaren Gedanken.

Mittwoch, 12. September 2001
Nach einem Bagel- und Kaffefrühstück verließen Oliver und das idyllische Heim von Doris und Tom und marschierten in Richtung Park Row. Wir wollten uns vergewissern, dass unser Haus noch steht und eigentlich auch wieder einziehen. Unterhalb der 14. Straße war die Stadt wie ausgestorben. Es fuhren keine Autos, viele Menschen trugen Atemschutzmasken und/ oder Kameras. Polizei überall wohin man sah. Kurz vor der Orchard Street wurden wir zur West4 geschickt und von dort aus wieder zurück. Also standen wir irgendwann wieder vor einer Polizei-Sperre, die uns dann schließlich mittels ID und einer Postkarte von Eric und Pascal, die an mich in der Orchard Street gerichtet war, durch ließen. Immerhin! Bis zu unserem alten Sublet. Dort riefen wir unsere E-Mails ab und unsere Eltern an. Anschließend setzten wir unseren Weg nach Downtown fort und stellten fest, wie uns unsere Augen einen Streich spielten: an diesem schönen Platz, wo sich East Broadway und Bowery kreuzen, glaubten wir noch die majestätischen Türme zu sehen, doch suchte sich da nur mehr eine graue, übel riechende Rauchwolke ihren Weg dem knatschblauen Himmel entgegen. Wir machten einen riesigen Bogen um alle Straßensperren und schafften es schließlich bis vor eine Straßensperre in der Annstreet Ecke Nassaustreet, von wo aus es nur mehr ein paar Schritte bis zu uns sind. Den diensthabenden Polizisten erzählen wir unsere Geschichte und schließlich ist wohl doch jemand überzeugt und zwei Polizisten meinen, sie würden uns begleiten. Zu viert gehen wir in Richtung Park Row und werden am Eingang Nummer 15 freudig von unserem indischen (?) Doorman begrüßt. Er bestätigt, dass wir in dem Haus wohnen und so fahren wir in den 18. Stock. Der eine Polizist, ein Lateinamerikaner, isst sein Lunch-Sandwich, während der andere, ein blonder Hollywood-Lookalike, uns zu beruhigen versucht. Sie gehen voraus, lassen dann aber Oliver zum Aufsperren den Vortritt. Sie bestätigen noch, dass sie heute schon mal im 20. Stock hier waren und alles okay gewesen sei. Wir betreten das Apartment und in der Tat – man kann zwar vor Schmutz nicht aus den Fenstern schauen, aber es scheint nichts kaputt gegangen zu sein. Oliver geht an die Fenster, gießt unsere Blumen, doch ich traue mich nicht, so weit nach vorne zu gehen. Ich bleibe weit weg von den Fenstern, hole die Reisetasche, die wir von Boris und Medialab zur Hochzeit bekommen hatten aus dem Schrank und fülle sie mit Klamotten, die mir sinnvoll erscheinen. Ein schneller Gang ins Bad und dort noch allerlei Kosmetika zusammengerafft und nichts wie raus hier! Wieder im Erdgeschoss angelangt, werden die beiden Polizisten von zwei jungen Frauen abgefangen, mit denen sie dann mitgehen. Wir unterhalten uns noch mit dem Doorman und erfahren, dass der attraktive Kollege bis heute morgen um 8 Uhr dageblieben ist. Schließlich verlassen wir die Park Row und gehen in Richtung City Hall, vorbei an jeder Menge Polizei und Nationalgarde. Überall bietet sich uns ein Bild des Grauens! Nicht nur, dass es hier in der Tat stinkt, “übel riecht” ist beschönigend, sondern die Flora und Fauna des City Hall Parks ist von Staub übersäht und überall liegen kleine Schuttstückchen herum. Plötzlich begegnen wir den beiden Frauen aus unserem Haus und sie erzählen uns, wie sie beide gestern aus dem World Trade Center geflohen sind. Gibt es Hoffnung? Dürfen wir wirklich hoffen, dass vielleicht doch mehr Menschen diese Tragödie überlebt haben, als es der mehr als 50.000 Menschen fassende Koloss vermuten ließe?

Donnerstag, 13. September 2001
Heute wäre eigentlich mein Job-Interview im Woolworth Building gewesen. Doch erreiche ich dort – natürlich – niemanden, denn dieses Gebäude ist genauso wie unseres evakuiert und darf nicht betreten werden. Auch Oliver darf nicht in sein Büro zurück und hat bis auf weiteres erst mal frei, weshalb wir beschließen, nach Midtown zu gehen. In die heile Welt, dort, wo man das Unglück nicht direkt vor Augen hat. Dort, wo man sich dem Konsum hingeben kann, sofern man genug Geld zum Ausgeben hat. Als wir plötzlich vor Ians Office stehen, beschließen wir, ihn zu besuchen. Wir alle freuen uns, uns gesund zu sehen! Ian hatte eigentlich am Dienstag um 9 Uhr im WTC ein Meeting gehabt, das in allerletzter Minute in eine andere Location umgebucht wurde. Während wir uns so unterhalten, stehen wir am Fenster und schauen auf die 42nd Street in Richtung Grand Central hinab. Es raucht! Viele Menschen eilen davon. Wir können nicht glauben, was wir da sehen! Es kann nicht sein, oder doch? Polizeisirenen, aufgeregte, davon eilende Menschen und Rauch. Was gibt es da zu überlegen? Also beschließen wir das Gebäude zu verlassen. Diesmal gehen wir vom 9. Stock aus die Notausgang-Treppen ins Erdgeschoss hinunter und diesmal geht die Türe in die Freiheit auch auf. Draußen angekommen, beschließen wir Midtown zu verlassen und nach Uptown zu gehen. Nach etwa einer Stunde und einigen Telefonaten später kehrt Ian in sein Büro zurück, da es sich bei dem Alarm wohl um einen “Bomb Thread” gehandelt haben musst, eine Bombendrohung, die ein “Scherzbold” ausgerufen hatte. Wo nur können wir ein wenig zur Ruhe kommen? In unser Apartment dürfen wir nicht, die Orchard-Street-Bude ist mitnichten eine Oase des Glücks, Doris und Tom sind beim Arbeiten und überhaupt ist das Wetter unglaublich schön! Also beschließen wir in den Central Park Zoo zu gehen. Dort gelingt es uns tatsächlich ein wenig zu entspannen, als uns ein durstiges Gefühl gar zu sehr plagt, kaufen wir uns eine Diet Pepsi, garniert mit einer Story. Der Getränkeverkäufer berichtet uns ganz aufgeregt von einer Bomb am Lincoln Center und dass man doch nirgendwo mehr sicher sei und so weiter und so fort. NEIN! Nein, nein! Wir verlassen den Zoo und gehen in Richtung Lincoln Center von wo uns zahlreiche Menschen begegnen, die aber nicht sonderlich mitgenommen aussehen. Wenn es dort also ein Unglück gegeben hätte, dann würden die Leute mit Sicherheit anders aussehen. Kann es sein, dass alle am Durchdrehen sind? Jeder einen Heidenspaß daran hat, andere zu verunsichern, ja zu verängstigen? Bevor wir dieser Frage weiter nach gehen, trinken wir was bei PG Carney, wo der Gast zu meiner Rechten meint “Hopefully Broadway is open tonight, so you can see at least a show”, woraufhin ich erwidere, dass wir Downtown wohnen würden und derzeit weniger an einer Show interessiert sind. Ich finde es aber andererseits auch klasse, dass die New Yorker eben hart im Nehmen sind und wollen, dass es anderen – besonders den Touristen – gut geht.

Am Abend sind wir bei Ken verabredet und freuen uns, ihn, Renée, Ian und Chris zu treffen. Nach viel Ablenkung und viel Alkohol, dem genussvollen Beruhigungsmittel, gelingt es uns erstmals wieder, ein bisschen zu schlafen.

Freitag, 14. September 2001
Wie lautet der Spruch von den Gästen und dem Fisch? Nach drei Tagen heiler Welt, wird es Zeit, dass wir uns der Wirklichkeit stellen. Zwar können wir leider noch immer nicht in unser neues Heim, das wir bisher gerade mal für zehn Tage genossen hatten, aber wir haben ja noch immer unser Sublet, wenngleich auch ohne Bett. Doch dem kann abgeholfen werden! Doris leiht uns eine Luftmatratze, Bettzeug, Waschzeug & Co., fährt uns in die Lower East Side und begleitet uns nach oben. Ja, es ist okay, wieder hier zu sein. Der Nachmittag hat gerade erst begonnen und wir wissen nicht so recht, was wir in der kleinen Bude anfangen sollen, also trotten wir zur Housten Street, Ecke 1st Avenue und genehmigen uns zwei Bier und einen Burger bei Nice Guy’s Eddie. Da wir nicht zurück wollen, kehren wir in der Rivertown Lounge ein und auch dort freut sich der irische und später der spanische Barkeeper uns zu sehen, wenngleich wir hier die (Happy Hour) Preise zahlen müssen. Wieder hungrig geworden, gehen wir nach gegenüber in den Orchardgrill und sind auf’s Angenehmste überrascht: leckeres Brot und Butter, zart gegrilltes Chicken mit Limonencreme, Spinatsuppe sowie mango-glacierte Chickenbrust. In diesen harten Tagen spendete gutes Essen ein wenig Trost, wenngleich es zu anderer Zeit sicherlich noch um einiges besser geschmeckt hätte.

Samstag, 15. September 2001
Heute können wir doch sicherlich zurück in unsere Wohnung, oder? Auf den verschiedenen Websites sind keine Informationen zu finden, weshalb wir uns einfach wieder zu Fuß auf den Weg machen und nach Downtown laufen. Diesmal aber bleiben die PolizistInnen und Soldaten hartnäckig: kein Durchkommen! Gesperrte Zone!

Also laufen wir zurück, spazieren ein wenig durch China Town, bis wir schließlich im East Village gelandet sind und dort auf einen kleinen Imbiss im Bandito einkehren. Der Dienst habende asiatische Kellner ist super nett und auch er freut sich, uns zu sehen. Wir beschließen, uns noch ein bisschen mehr zu gönnen und ins Kino zu gehen. Eigentlich wollte ich gerne “Hardball” sehen, da dieser Streifen aber als “Griff zum Taschentuch” deklariert wurde, lassen wir lieber davon ab. Stattdessen entscheiden wir uns für das neueste Werk des neuen Hollywood Superstars Mark Wahlberg, den wir beide gerne auf der Leinwand sehen. Und siehe da, “Rockstar” ist ein weitaus besserer Film, als die Story oder die anderen Mitwirkenden (Jennifer Aniston – Friends!) vielleicht vermuten ließen. Der Film verfehlte seine Wirkung nicht und lieferte uns neues Gedankenmaterial und Gesprächstoff für ein paar Stunden und auch noch Tage darüber hinaus. Allerdings schaffte er es nicht, dass ich hätte abschalten können. Und so führte uns unser Weg wieder in die Lolita Bar, wo uns das dann auch endlich ein wenig gelang.

Von Oliver
Sonntag ist ein wunderschöner Tag. Das New Yorker Herbstwetter ist ein Traum – warm, ohne die drückende Feuchtigkeit des Sommers, tiefblauer Himmel und die Frische der Seeluft. Wir sind mal wieder auf der Suche nach Einkaufsmöglichkeiten: Seit dem Einzug in die neue Wohnung haben wir nämlich festgestellt, dass Lebensmittel in Downtown unerlaubt teuer sind (merkwürdigerweise ist alles andere billiger als in anderen Stadtvierteln). Der einzige Supermark in Laufweite, Associated Supermarkets, feiert an diesem Tag ein Grand Opening – der Laden ist in amerikanischen Farben geschmückt. Was eröffnet wird, wissen wir nicht, denn sowohl das Personal, als auch das Angebot sind dasselbe geblieben.

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Wir schlendern vor zum Southstreet Seaport, einem Einkaufzentrum mit einer Menge netter Restaurants und ein paar alten Segelschiffen, die man besichtigen kann. Im Gator’s essen wir ein martitimes Menü – Muscheln und Krabben im Südstaatenstil. Anschließend führt unser Spaziergang durch den Financial District, der am Sonntag einer Geisterstadt gleicht. Wir entdecken ein paar Restaurants und Bars, alle geschlossen, die den Flair des Big Business verströmen mit Holztäfelung und Zigarrenkarte. Später stehen wir im Battery Park an der Südspitze von Manhattan, dem einzigen Platz auf der Insel, wo man spürt, dass New York am Meer liegt.

Auf dem Rückweg gehen wir noch am Borders vorbei, einem Buch- und CD-Händler mit der mittlerweile tragischen Adresse 5 WTC. Ohne etwas zu kaufen, schlägt Elke vor noch einen kurzen Ausflug in das WTC-Einkaufzentrum zu machen. Wir haben dort nichts spezielles vor, aber wir wollen einfach ganau erkunden, welche Geschäfte in unserer direkten Nachbarschaft liegen. Zum Beispiel der einzige 24h-Duane-Reade von Downtown Manhattan, in der wir auch unsere Wasservorräte aufstocken (ja, in New York kauft man das Trinkwasser tatsächlich am günstigsten in der Apotheke).

Montag, ein fantastischer Tag, in dem Elke für Donnerstag ein Bewerbungsgespräch im Woolworth Building – also direkt gegenüber unserer Wohnung – ausmacht. Dementsprechend gut ist unsere Laune abends, als Elke chinesisches Essen aus der Lower Eastside mitbringt und wir durch die Kanäle unseres gerade installierten Kabelfernsehens zappen.

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Trotzdem – auch nach einer Woche ist der Blick nach draußen immer noch interessanter als das Fernsehen. Auf der einen Seite geht es Richtng Midtown, wo das Empire State Building wechselnde Farben zeigt – an diesem Abend aus irgendeinem Grund grün-gelb. Auf der anderen Seite das World Trade Center, das so unglaublich massiv und rund um die Uhr taghell beleuchtet in den Himmel ragt. Das ganze sieht eher einer Science-Fiction-Filmkulisse ähnlich als einem realen Stadtbild. Man könnte stundenlang vor dem Fenster stehen und einfach rausschauen.

Dienstag. Wieder ein wundervoller Herbsttag. Ich sitze am Frühstückstisch, trinke Kaffee und beobachte ein Flugzeug, dass ungewöhnlich niedrig aus nördlicher Richtung über Manhattan fliegt. Als es näherkommt sehe ich, dass es eine Boeing 767 der American Airlines ist, die viel zu niedrig für einen Landeanflug auf Newark ist.

Das nächste ist ein Knall und schon bevor ich Sekunden später aus dem Fenster schaue, ist mir klar, dass da ein Unglück passiert sein muss. In 1 WTC, dem Nordturm ist knapp unter der Spitze ein großes Loch aus dem es qualmt. Das ganze wirkt absolut unrealistisch, die riesigen Türme glänzen vor dem tiefblauen silbrig in der Sonne und eigentlich sieht alles ganz harmlos aus. So sage ich noch zu Elke, dass das Windows on the World Restaurant in der Spitze des Turms, in dem wir 1998 unsere Hochzeitreise beendet haben, wohl jetzt ein paar Monate geschlossen werden muss. Später erfahren wir, dass niemand dort oben überlebt hat.

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Der Horror weitet sich schnell aus: Wir sehen mindestens 5 Menschen, die – wohl auf der Flucht vor dem Feuer – 90 Stockwerke in die Tiefe springen. Dann hören wir die zweite Explosion und im Fernsehen heißt es, dass ein zweites Flugzeug in 2 WTC geflogen sei. Etwas, das in diesem Moment keiner glauben konnte. Im Fernsehen wird noch spekuliert, ob vielleicht ein Hubschrauber eines Nachrichtenteams aus Versehen in den zweiten Turm gecrasht sei.

Elke und ich diskutieren, was wir machen sollen. Ich muss ins Büro, wir haben einen wichtigen Abgabetermin. Außerdem hat sich der Techniker von Verizon angesagt, dem ich immerhin eine Woche nachtelefonieren musste. Aber ignorieren kann man das da draußen auch nicht.

Wir entschließen und die Wohnung gemeinsam zu verlassen und treffen auf unsere Nachbaren, die von einem zweiten Flugzeug und dem jetzt naheliegenden Schluss eines Terroristenattentats reden. Sie wollen einfach nur uptown, irgendwo in Sicherheit.

Wir gehen aber weiter downtown, die Ann Street nach links und dann rechts in die Nassau Street. Überall stehen Menschen und starren auf die World Trade Center Türme. Auf dem Boden liegt Papier verstreut – ich hebe einen Excel-Ausdruck mit einer Risikoanalyse eines japanischen Unternehmens auf.

Im Büro herrscht Ratlosigkeit. Keiner weiß was los ist. Ein Raketenangriff heißt es, aber wir wissen es besser, da wir das Flugzeug gesehen haben. Alle amerikanischen News-Websites sind nicht zu erreichen, die deutschen sind etwas besser. Zwei Flugzeuge heißt es da, ein Bekennerschreiben läge auch schon vor. Und dann ist auch etwas in Washington passiert. Mein Kollege Mike erzählt vom Ausnahmezustand in Manhattan – keine Subway, alle Brücken und Tunnels sind gesperrt.

Dann hören wir ein langezogenes Donnern, was in einem gewaltigen Knall endet. Noch ein Flugzeug? Draußen wird es dunkel, dicke Rauch- oder Staubwolken liegen in der Luft. Irgendjemand sagt, dass das Chase Bulding nebenan zusammengebrochen sei.

Wir beschließen das Gebäude zu verlassen. Sofort. Zwölf Stockwerke über die Feuerleiter nach unten. Keine Panik, nur Fassunglosigkeit. Unten heißt es, dass man nicht auf die Straße kann – zuviel Rauch. Wir gehen wieder nach oben und kommen in ein Stiockwerk, dass komplett ausgeräumt ist. Draußen auf der Chase Manhattan Plaza bietet sich ein Bild der Verwüstung, überall dicker Staub und kleinere Trümmer. Aber wir sehen auch Leute, die normal gehen, die Luft scheint also in Ordnung zu sein.

Mein Kollege Charlie, Elke und ich finden eine Feuertreppe und gehen nach draußen. Die Pine Street runter, so schnell wie möglich zum East River. Uns begegnen Männer, deren Anzüge mit einer dicken grauen Staubschicht überzogen ist.

Am Fluss sehen wir einen dichten Strom von Menschen, die auf dem F.D.R Drive uptown oder über die Brooklyn Bridge nach Brooklyn abwandern. Die Fischhändler am Fulton Fish Market verteilen Wasser und Tücher als Atemschutz.

Dort wo das WTC ist sehen wir nur noch eine Staubwolke und können einen allerletzten Blick auf den 1 WTC – der mit der Antenne – werfen. In der Broome Street kaufen wir noch kurz ein, Getränke und was zu Essen, man weiß ja nie für was das noch gut sein kann.

In der Orchard Street Wohnung haben wir Telefon und Internet. Unsere Eltern sind erleichtert, als wir anrufen. In der Mailbox sind 30 E-Mails aus New York und Deutschland, so dass Elke eine Rund-Mail schreibt, bevor wir einzelne Antworten geben. Natürlich läuft der Fernseher. Inzwischen ist auch der zweite Turm in sich zusammengefallen. Dazu ein Flugzeug ins Pentagon. Ein weiteres sei in Pennsylvania abgestürzt. 8 werden noch vermisst. Etwas später – alle amerikanischen Flugzeuge sind am Boden. Nur Kampfflugzeuge kreisen noch über Manhattan und jagen einem einen Schauer über den Rücken.

Abends gehen wir in die Lolita, in der uns Clyde ungefragt ein Bier hinstellt. Er hätte sich schon Sorgen gemacht, schließlich waren wir beide ja erst gerade nach Downtown gezogen. Das Radio läuft und jeder Gast bekommt die erste Runde umsonst. Dann erfahren wir, dass wahrscheinlich 200 Feuerwehrleute ihr Leben verloren haben. “Holy Shit!”, sagt Clyde dazu. Danach ändert er die Werbetafel: Die “Happy Hour” ist nicht mehr happy, dafür dauert sie die ganze Nacht.

Später, nachdem wir unsere Nerver etwas mit Bier und Whiskey beruhigt haben, versuchen wir zurück nach Hause zu gehen – zumindest, um ein paar Sachen zu holen. Aber ab der Canal Street ist Schluss, wir versuchen es an ein paar Straßensperren weiter östlich, wo wir schließlich die Auskunft erhalten, dass unser Haus mitten im Sperrgebiet liegt. Also machen wir uns auf den Weg zu Doris und Tom, die uns angeboten haben, uns zu beherbergen. Die Subway fährt sogar wieder, so dass wir schnell zum Astor Place kommen.Dort hat selbst der 24-Stunden-Duane-Reade zu, schließlich finden wir doch eine Grocery, wo wir das Nötigste Einkaufen können.

Doris empfängt uns mit kühlem Bier, Wein selbstgemachten Hamburgern und den neuesten Nachrichten.

Auch der Mittwoch ist ein strahlender Herbsttag. Doris’ und Toms Wohnzimmer geht direkt auf den Washington Square – dort zwitschern die Vögel und man fühlt sich fast wie auf dem Land. Die Ruhe hat ihren Grund – Manhattan ist südlich der 14th Street geschlossen, nur Anwohner ohne Autos sind zugelassen. Natürlich läuft der Fernseher und wir sehen die erste der inzwischen berühmten Pressekonferenzen von Bürgermeister Giuliani und Gouvaneur Pataki. Nicht viel Neues, noch keine Angaben über die Zahl der Todesopfer, Brücken und Tunnels bleiben gesperrt.

Elke und ich machen uns auf den Weg nach Hause, um Kleidung zu holen. Wir kommen bis zur Houston St., weiter geht es nur mit ID und Nachweis der Adresse. Letzteres haben wir nicht, weswegen uns eine Polizistin zur West Street schickt. Wir tun das, wenn auch ungläubig, da die West Street direkt am World Trade Center vorbeiführt und dementsprechend für Rettungsfahrzeuge genutzt wird. In der Tat, kein Weiterkommen dort. Allerdings findet Elke eine Postkarte von Pascal aus Montreal mit der Adresse der Orchard St., womit wir immerhin in unsere alte Wohnung kommen, wo wir Telefon und Internet haben. Leider haben wir auch dort keinen Nachweis unserer neuen Adresse und Versuche, das Hausmanagement zu erreichen oder sich eine Time Warner-Rechnung faxen zu lassen (“Thank you for calling Time Warner” – “No I can’t fax a bill but I can mail it to your address in 5 to 7 days”) schlagen fehl.

Schließlich machen wir uns mit nichts anderem als einer E-Mail von unserer Maklerin auf den Weg und kommen ziemlich weit. East Broadway, Pearl Street, Fulton Street. Vorbei an unserem Associated Supermarket, geschlossen und immer noch für das Grand Opening geschmückt, wobei die amerikanischen Farben jetzt eine andere Bedeutung gewinnen. An der Nassau Street, in Sichtweite unseres Hauses, werden wir schließlich aufgehalten.

Wir seien nicht die ersten Bewohner des Hauses, die kommen und so erklären sich zwei Polizisten bereit, mit uns in die Wohnung zu kommen. Unten im Haus treffen wir unseren Doorman, der die ganze Zeit auf seinem Posten ausgeharrt hat. Das Haus hat Strom und Wasser, nur das Telefon ist tot. Unsere Wohnung ist in Ordnung, genauso wie wir sie verlassen haben, was uns enorm beruhigt. Wir packen unsere Reistasche, während die Polizisten sich an unserem Fenster einen Uberblick verschaffen.

Auf der Fahrt nach untern fragen wir sie, wie lange sie schon arbeiten. 12 Stunden heute, seit 4 Uhr früh, davor 3 Stunden Schlaf. Unten sind zwei Mädchen eingetroffen, die auch ein paar Sachen und ihren Hund abholen wollen. Der Doorman erzählt uns, dass er 3 Stunden gebraucht hat, bis er sich zum Haus durchgekämpft hat, um seinen Vorgänger abzulösen.

Draußen sieht es unglaublich aus: zentimeterdicker, hellgrauer Zementstaub überall. Die Bäume im City Hall Park, sehen grau aus, wie versteinert. Überall liegt Papier rum, in der Luft liegt schwerer Rauch. Wir gehen an der City Hall vorbei Richtung Canal Street, dort, wo wieder Leben ist. Unterwegs treffen wir die beiden Mädchen, die uns erzählen, dass sie im 28. Stock im World Trade Center gearbeitet haben. Beide waren überrascht, wie diszipliniert die Evakuierung gelaufen sei und wie sich die Menschen gegenseitig geholfen hätten. Ob es denn viele geschafft hätten, frage ich. Ja, sehr viele, antwortet sie, was irgendwie sehr beruhigend ist.

Eigentlich ist sie am meisten besorgt um ihre Firma, eine Krankenversicherung. Eine Woche lahmgelegt und sie seine aus dem Geschäft, so hart sei hier die Konkurrenz. Die andere will aus der Park Row ausziehen. Sie sei eigentlich nur dorthin wegen des kurzen Arbeitswegs.

Am Donnerstag beschließen wir, nach Midtown zu gehen – dort wo New York noch zumindest einigermaßen normal ticken sollte. Wir spazieren die Fifth Avenue nach Norden, passieren die äußere Sperre an der 14th St. und beschließen spontan Ian in seinem Büro in 500 5th Ave. zu besuchen. Dort wird wieder einigermaßen normal gearbeitet, aber während wir die Erlebnisse der letzten Tage austauschen, erzählt uns ein Kollege, dass Rauch aus der Grand Central Station zwei Blocks weiter aufsteige und die Polizei die Straßensperre. Tatsächlich sehen strömen die Menschen auf der 42th Street westwärts und die Polizei sperrt die Straße ab. Es heißt die Gebäude in Midtown werden evakuiert und tatsächlich machen wir uns wieder auf den Weg die Feuertreppe nach unten, diesmal nur aus dem neunten Stock.

Mal ehrlich – würden die Terroristen, die das World Trade Center in Schutt und Asche gelegt haben, ein kleines Feuer in der Grand Central legen? Das sieht doch eher nach einer brennenden Zigarettenkippe und Massenhysterie aus. In der Tat, auf der Straße beruhigt sich alles ziemlich schnell wieder und die Leute gehen – nachdem sie schonmal draußen sind – direkt in die Lunchpause. Wir setzen uns vor dem Citicorp Center auf eine Bank uns essen ein Pastrami Sandwich. Während Ian wieder in die Arbeit geht, beschließen wir in den Central Park Zoo zu gehen. Eine gute Entscheidung: Die Seelöwen machen wie immer ihre Kunststücke, der Appetit der Pinguine ist ungebrochen und der Red Panda ist wie immer unsichtbar in den Bäumen versteckt. Nur Gus, der Eisbär macht Urlaub, weil sein Gehege umgebaut wird. Wir setzen uns auf eine Bank, schließen die Augen und langsam kehrt wieder so etwas wie Frieden ein.

Leider machen wir den Fehler, noch eine Cola zu kaufen. Der Verkäufer versorgt uns dabei auch mit den neuesten Nachrichten – eine Bombe vor dem Lincoln Center. “A real, big bomb” sagt er. Ich denke mir: “Gib endlich die Cola her und halt die Klappe”, aber zu spät – die Realität hat uns wieder. Im PJ Carneys, wo alle Fernseher die Nachrichten zeigen, erfahren wir nichts Neues – wieder nur ein Fehlalarm.

Abends treffen wir bei Ken Renee, Ian und seinen Kollegen Chris. Wir trinken ein paar Bier, gehen dann noch in eine Kneipe, wo Ken aus irgendeinem Grund die Drinks ausgibt.

Zurück nehmen wir ein Taxi, dass wegen einem Stau auf der 9th Ave ziemlich teuer wird und uns außerdem nur bis zur Straßensperre in der 34th St. bringt. Von da aus nehmen wir das nächste Taxi bis zur 14th Street wo wir dann zu Fuß weiter müssen. Am Washington Square ist eine Veranstaltung – Bilder von Vermissten hängen am Zaun vor dem Arch – davor Hunderte von Kerzen.

Freitag – nachdem wir die Pressekonferenz im Fernsehen gesehen haben – stellen wir dann fest, dass wir wohl nicht mehr so schnell nach Hause können und beschließen deshalb, wieder in die Orchard St. zu ziehen. Nachdem uns Doris uns zusammen mit einer Luftmatraze, Handtüchern und anderen Dingen, die wir dort benötigen hingebracht hat, wissen wir nicht mehr, was wir tun sollen. Einerseits lässt die Spannung langsam nach, andererseits sitzen wir in einer leergeräumten Wohnung. Und fällt nichts besseres ein, als einen Burger bei Nice Guy Eddie’s zu essen und danach durch die Orchard St. Bars zu ziehen. Dabei kommen wir zum ersten mal in die Orchard Bar & Grill, wo wir wirklich ausgezeichnet essen.

Am Samstag ziehen wir dann nochmal los nach Midtown – einfach, um so etwas wie einen normalen Tag zu verbringen. Das heißt, dass wir im Bandito Mittagessen (und uns an schönere Zeiten erinnern) und schließlich ins Kino gehen. Rockstar, mit dem ehemaligen Hip-Hop-Star Marky Mark in der Hauptrolle. Kein Oskar-Werk aber durchaus sehenswert. Deswegen tut es uns auch ein bisschen leid, dass das Kino am Samstagabend nur halb voll war. Vor dem Schlafengehen besuchen wir dann noch die Lolita-Bar, die glücklicherweise wieder auf hat. Wir bekommen nochmal ein paar Runden ausgegeben, bevor wir uns auf unsere Luftmatraze zurückziehen und auf eine bessere, nächste Woche hoffen.