43. Woche

Von Elke

Sonntag 21. Oktober

olipeking

Vor kurzem sind wir Mitglieder im Seaport Museum geworden und heute wollen wir das auch gleich mal ausnützen. Also machen wir uns auf, laufen die paar Schritte zum East River und stehen auch schon vor einem beachtlichen Schiff: der Peking! Es ist ein ehemals in Deutschland gebautes und unter deutscher Flagge gesegeltes Stahl-Segelschiff. Wir erkundeten das Schiff auf eigene Faust, was sehr interessant war. Es gibt hier noch viel mehr zu sehen, doch wer sich dafür interessiert, sollte alles am Besten selbst an Ort und Stelle anschauen – es lohnt sich! Wer sich vorab online informieren möchte, kann dies natürlich auch tun: Southstreet Seaport

Dienstag 23. Oktober

seaportships
Heute entdecke ich ein Geschäft, das ziemlich interessante Radio-Werbung macht. Nach dem Motto “who spends less, can afford more” werden alle möglichen Vergleiche gezogen. Beispielsweise braucht die Garage DRINGEND ein neues Auto (your garage needs desparately a new car), doch auch bei SIMS wird man sich kein Auto leisten können, aber vielleicht den Computer, den sich die Kinder so sehr wünschen… Nun, da es sich anscheinend bei SIMS so gut sparen lässt, spare ich auch ein wenig mit, und erstehe ein wunderschönes schwarz-weißes Wintermäntelchen.

Mittwoch 24. Oktober
Auch wenn es heute eigentlich dafür viel zu warm ist, muss ich meinen Liz-Claiborne-Mantel ausführen. Heute ist ja auch nicht irgendein Mittwoch, sondern unser dritter Hochzeitstag. Eigentlich hatten wir mal vorgehabt, diesen im Gritti in Venedig zu feiern, doch ist die Metropole New York auch nicht schlecht!

lizclaiborne

Lange haben wir überlegt, wo wir denn feiern sollten, und da kam uns die “Restaurant Week” gerade recht. Verschiedene mit Sternen überhäufte Restaurants der Luxus-Klasse vereinten sich zu einem Restaurant-Monat und boten 3-5 Gänge Menüs für ein Fixum von 30 Dollar an. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass man das sonst für EIN Gericht berappen müsste. Da wir natürlich Downtown und TriBeCa unterstützen wollen, fällt unsere Wahl auf die Church Lounge.

Das sehr schlichte “Church Hotel” beherbergt in seinem Erdgeschoss eine gigantische Lobby, in der verschiedene Tisch- und Sitzgruppen postiert sind. Die Atmosphäre ist gepflegt, elegant, ohne jedoch einzuschüchtern. Wir werden zu einem Tisch am Fenster geführt und lassen uns in den bequemen Sesseln nieder. Die Tische sind hübsch eingedeckt, wenngleich ein Tischtuch aufgrund des ansehnlichen Marmortisches fehlt. Wir entscheiden uns für Kürbiscreme Suppe bzw. Blattsalat, Thunfisch rare auf Gemüsebeet bzw. Waldpilz Risotto, sowie hausgemachtes Mango-, Erdbeer- und Melonen-Sorbet. Glücklich und zufrieden verlassen wir das Lokal, da wir in angenehmer Atmosphäre köstlich gespeist hatten.

Samstag 27. Oktober

euo-batterypark
Schon lange waren wir auf keinem Konzert mehr und heute ist endlich wieder einmal so weit: U2 spielen heute im Madison Square Garden auf. Um uns auf das Ereignis einzustimmen, machen wir zunächst einen Spaziergang und treffen uns dann mit Brigitte, Richard und Daisy bei Ian. Wir kochen und essen zusammen, trinken Wein und Champagner und ziehen dann frohgemut los. Leider haben wir verschiedene Sitzplätze und so müssen wir uns trennen.

Oliver und ich nehmen HINTER der Bühne Platz, was sich dann als gar nicht so schlecht heraus stellt, da wir Bono, The Edge, Larry und Adam sehr gut sehen können, wann immer sie sich dem Publikum abwenden. Und der nimmermüde Bono kümmert sich vor allem sowieso nicht nur um das, was vor ihm, sondern auch hinter ihm passiert. Das Konzert ist hervorragend, eigentlich mein bestes U2 Konzert bislang (von insgesamt sechs), wenn da nicht der Abschluss gewesen wäre, der uns mit unterschiedlicher Stimmung zurückgelassen hatte.

42. Woche

Von Elke
Sonntag 14. Oktober
Auch hier wollen wir den ein oder anderen Sonntag tendenziell gar nichts machen, sondern zu Hause bleiben und schreiben, lesen, TV gucken, PC Games spielen, Musik hören oder einfach nichts tun. Am Abend treibt’s uns dann aber doch immer noch kurz raus und so erkundigen wir mal wieder unsere Nachbarschaft, oder das, was von ihr noch betreten werden darf.

Unser Weg führt uns also nach TriBeCa, zu dem wir aber erst auf Höhe der Chambers Street Zutritt erhalten, da Park Place, Murray Street und Warren Street für Autos sowieso, aber für Fußgänger auch noch immer gesperrt sind. Schließlich kommen wir an der Bar vorbei, in der wir bereits an meinem Geburtstag auf einen Drink waren: “The Liquor Shop”. Interessanterweise betreibt der Besitzer nicht nur diese, sondern auch die gegenüberliegende Bar. Wie überhaupt so viele Bars, Restaurants und Geschäfte in New York mindestens einen Ableger haben.

Zum Wochenbeginn entdecke ich meine handwerklichen Fähigkeiten wieder und verrate schon mal soviel: der Winter kann kommen…

bryantpark

Am Abend findet dann wieder mal eine Versammlung aller 15 Park Row Bewohner statt. Die meisten Tennants sind im besten Studentenalter und dementsprechend quirlig, oder wie soll ich deren ständigen Stimmungsschwankungen und emotionalen Ausbrüche besser beschreiben? Mittlerweile haben wir also eine richtige “Tennants Association” gegründet, mit einer Präsidentin (Nicole), zwei Schatzmeistern (Matt und Geoffrey), einem Pressekontakt (Chelsea) und zweien, die den Kontakt zum Anwalt halten (Hal und “der Holländer”). Diese sechs Leute bilden unsere Stimme, um zu erreichen, dass ausziehen oder zu reduzierter Miete weiterwohnen kann, wer will. Natürlich müssen wir das Anwaltshonorar und die Gebühren für das Testen der Luftqualität erst mal vorstrecken, doch wie macht man das am Besten? Soll jeder Bewohner zahlen? Nur die eigentlichen Mieter? Sollen größere Apartments stärker zur Kasse gebeten werden, oder ist nicht vielleicht ein gewisser Prozentsatz der Miete am Gerechtesten? Glücklicherweise finden wir bald in demokratischer Manier eine Lösung, die besagt, dass jedes Apartment 200 Dollar zu zahlen hat. Damit sind auch Oliver und ich voll und ganz einverstanden. Als sich das Treffen nach zwei Stunden auflöst, genießen wir einigermaßen geschafft den Rest des Abends.

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Heute am Dienstag darf ich wieder in Olivers Büro das Internet nutzen, und so kann ich an die Recherche für meinen Job-Pitch gehen. Bis Freitag muss ich einiges an aktuellem Text für Deutschlernende geschrieben haben und zwar für Anfänger, Fortgeschrittene und Experten.

Für den Abend lädt dann Ian ganz spontan zu sich nach Hause auf Martinis und Appetizer ein. Und so verbringen wir mit Renee, Ken und Daisy einen vergnüglichen Abend bei Ian, wenngleich aufgrund der noch sehr jungen Woche doch auf Martinis verzichtet wurde. Mit U2′s “Zoo TV” stimmen wir uns schon mal auf das Konzert am 27. Oktober ein.

Am dritten Tag meiner redaktionellen Arbeit, strahlt die Sonne so herrlich, so dass ich draußen weiterschreiben möchte. Also packe ich den Laptop in meinen Rucksack, schließe die Türe sorgfältig ab, gehe zum Fahrstuhl, steige hinein und los geht die Fahrt: 18, 17, 16, 15, 14, 12, 11 und von da weg ohne Zählung in den ersten Stock. Ich spüre, dass ich tatsächlich unten angekommen bin, doch die Türe geht nicht auf. Ich warte. Ich rufe Oliver an, den ich nicht erreiche, da er bei einem wichtigen Geschäftsessen ist. Ich warte und drücke auf den Alarmknopf. Eine Sirene heult auf, solange ich den Knopf gedrückt halte. Nichts tut sich. Ich drücke den roten Knopf erneut. Noch immer nichts! Befinde ich mich wirklich im Erdgeschoss, oder doch noch woanders? Ich fange an zu rufen und endlich, nach ein paar Minuten, die mir natürlich viel länger erscheinen, höre ich Nick von draußen. Er beruhigt mich und meint, dass sie mich gleich rausholen. Und tatsächlich, ein paar Minuten und eine Ewigkeit später bin ich draußen, nur um mal wieder in die enttäuschten Gesichter vieler New Yorker zu sehen. Enttäuscht darüber, dass der sich in unserem Gebäude befindende beste Elektroshop der Stadt, “J&R”, noch immer geschlossen hat.

Eigentlich habe ich zu diesem Zeitpunkt schon wieder genug, gehe dann aber doch zum Seaport, denn zurück ins Apartment möchte ich auch nicht. Denn dazu müsste ich ja Fahrstuhl fahren!

Irgendwie scheinen an diesem Donnerstag alle Fernsehanstalten auf einmal Drehgenehmigungen bekommen zu haben, denn zwei Hubschrauber drehen unermüdlich ihre Runden. Später gesellt sich noch ein Militärhubschrauber mit zwei Propellern hinzu. Der zeigt den beiden anderen erst mal, was Lärm ist. Schließlich beziehen irgendwann auch noch zwei Polizisten und später drei Soldaten der Nationalgarde neben mir Stellung, woraufhin ich mich seltsamerweise wohler fühle.

Doch hebt sich mein Gefühl erst bei einem Glas Irish Lager in einem sehr traditionellen Irish Pub in der Water Street, Ecke Wall Street.

Den Freitag verbringe ich mehr oder minder in Olivers Büro, versuche irgendwie mit meinen E-Mails auf dem Laufenden zu bleiben und schicke schließlich meine Demo-Texte ab, in der Hoffnung, bald wieder bezahlter Arbeit nachgehen zu können…

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Da wir glücklicherweise gestern unseren japanischen Freund Mark in der Lolita getroffen haben, wurden wir auf eine Veranstaltung im Bryant Park aufmerksam gemacht, die wir natürlich besuchen. Ganz gemächlich laufen wir den Broadway hinauf, machen am Flat Iron Building bei einem Voicestream Shop halt und versuchen mal wieder einen Handy-Vertrag abzuschließen. Doch scheitern wir, wie die Male zuvor, an unserer zu kurzen Credit History. Immerhin sind wir jetzt schon auf Stufe “D” und müssten lediglich $250 Pfand hinterlegen, und dann könnten wir einen Vertrag abschließen. Doch sind wir nicht gewillt, Voicestream einfach mal so zweihunderfünfzig Bucks zu leihen, da wir die besser brauchen können! Dann eben kein Handyvertrag. Der Tag ist viel zu schön, um ihn sich vermiesen zu lassen, weshalb wir freudig unseren Weg fortsetzen. Den Messestand des Tennement Museums finden wir ziemlich schnell, wo sich Mark freut, uns zu sehen. Wir erkunden Stand für Stand und lassen wirklich keinen Aussteller im Bryant Park aus. Auch werden wir mal wieder Mitglieder, doch wer kann schon einer “Probe-Mitgliedschaft” für nur einen Dollar widerstehen? Also werden wir Mitglieder im “South Street Seaport Museum”, das ja keine 10 Minuten von uns entfernt ist. Die nette Irin (!), die uns wirbt, erzählt sogleich, dass das zu besichtigende Stahl-Segelschiff “Peking” in Deutschland gebaut, und bis 1926 unter deutscher Flagge gesegelt ist. Das wollen wir uns doch bald mal anschauen! Den schönen, erholsamen Tag wollen wir noch geruhsam ausklingen lassen, weshalb uns der Sinn nach einem Irish Pub steht. Warum immer Irish Pubs? Ganz einfach! Irish Pubs stehen für gemütliche Atmosphäre, günstige Preise, gutes Bier und leckeres Essen, und genau das wollen wir und genau das finden wir auch im “Conolly’s”.

41. Woche

Von Oliver
Diese Woche beginnt mit zwei Festen – am Sonntag feiern wir ein halbes Jahr New York und am Montag ist natürlich Elkes Geburtstag. Wie der amerikanische Kalender es so will, ist am Montag auch noch Columbus Day und somit ein Feiertag – es steht also nach den ganzen Turbulenzen zwei schönen Tagen nichts im Wege.

Am Sonntag machen wir uns dann auch gleich auf den Weg nach Uptown, nach langer Zeit mal wieder in Richtugn Westside. Dort gibt es ein paar nette Möbelgeschäfte in denen wir uns ja zumindest einmal inspirieren lassen können. Im Pottery Barn erreicht uns dann leider ein Anruf: Martina teilt uns mit, dass die Angriffe auf Afghanistan begonnen haben. Sorry Martina, das war leider das letzte, was wir in diesem Moment hören wollen. Wir hätten es ja noch früh genug erfahren.

Nun ja, die Welt ist also mal wieder um einen Krieg reicher (oder ärmer – wie man es sieht), aber in New York scheint die Sonne noch immer und im Central Park fahren die Menschen wie zuvor mit den Kutschen spazieren. Uns ist die Laune aber doch verhagelt und wir machen uns wieder auf zum PJ Carney’s, wo wie erwartet CNN läuft, was uns die Möglichkeit gibt, uns aus erster Hand zu informieren. Irgendwie setzt sich dann doch die Erkenntnis durch, dass auch nicht viel anderes passiert ist, als damals beim Golfkrieg oder beim Angriff auf Jugoslawien.

Den Abend verbringen wir dann erst zuhause, um später Elkes Geburtstag in der Lolita zu feiern. Das hätte sehr nett werden können, leider sind weder Katie, Leah oder Clyde noch irgendwelche Gäste anwesend. Und der Aushilfsbarkeeper teilt uns mit, dass die Sonntagabend-Happy-Hour abgesagt wurde – schöner Reinfall. Glücklicherweise schaut dann noch Holger vorbei, so dass wir doch noch ein paar Drinks kippen, bevor wir gegen 3 Uhr nach Hause gehen.

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Montag machen wir uns dann auf den Weg zur Columbus Day Parade, die zwischen der 40th und 50th St. beginnt und sich dann die 5th Ave. in Richtung Upper East Side hochzieht. Natürlich wird die Parade zur Demonstration von amerikanischen Patriotimus und natürlich sind die Sicherheitsvorkehrungen gigantisch. Uniformierte Polizei wohin man schaut und auch unauffällige Herren mit Sonnenbrille und Knopf im Ohr sind häufig zu sehen. Ganz wohl ist es uns in der Tat auch nicht inmitten der Menschenmassen, aber wir wollen uns ja schließlich auch nicht verstecken.

Beim Central Park haben wir dann genug gesehen und gehen mal wieder in den Zoo, wo die Eisbären wieder zurück sind und wir endlich den Red Panda zu Gesicht bekommen. Nach einem kleinen Snack im Cafe gehen wir dann in die 42nd. St. wo wir den Film Serendipity im AMC Empire 25 Kino anschauen wollen. 25 steht in diesem Fall für die 25 (!) Kinosaäle, die dieser Multi-Multiplex zu bieten hat. Wie gigantisch dieser Komplex ist, merken wir, als Elke einen Handschuh holen will, der ihr bei der Kasse aus der Tasche gefallen ist. Zurück gehen kann man wegen der Einbahnrolltreppen nicht, also müssen wir über mehrere Ebenen hoch und wieder runter laufen, bis wir einen halben Block weiter auf der Straße landen. Der Handschuh war noch da und deswegen konnten wir den Film auch in vollen Zügen genießen. Ohne zu viel zu verraten – es ist eine herrliche romantische Komödie, die vor allem in Midtown zwischen Lexington Avenue und Park Avenue spielt. Eine einzige Einstellung zeigt einen Blick über Manhatten nach Downtown – merkwürdigerweise nicht unter dem üblichen blauen Himmel, sondern bei Nebel, so dass die Skyline an der Südspitze Manhattans nicht zu sehen ist…

elke

Das Geburtagsessen gibt es bei Zutto, einem Sushi-Restaurant in Tribeca. Da wir auf einen schönen Platz noch ein bisschen warten müssen, kehren wir vorher auf einen Drink im Liquor Store ein, einer eigentlich ganz netten Bar – abgesehen von der Tatsache, das die Barkeeperin eine Latzhose trägt und somit nicht mit Manhattans süßester Barfrau Katie konkurrieren kann.

Der Sushi im Zutto ist klasse – neben den üblichen Rollen bekommen wir auch eine ganze Menge verschiedenen Fisch und der schmeckt auch ohne Reis ziemlich gut. Zum Abschluss nähern wir uns dem Sake an – auch der ist lauwarm eigentlich sehr lecker.

Am Dienstag abend tagt dan zum ersten Mal die Tennent Asscociation der 15 Park Row. Vor den Aufzügen im elften Stock treffen sich ungefähr 50 Bewohner des Hauses und die meisten sind ziemlich sauer. Im Prinzip ist das so etwas wie die Gegenprobe für Bürgermeister Giulianis viel gelobten Führungstil nach der Ereignissen vom 11. September. Während Giuliani sich stets bemüht hat, New Yorks Bürger so schnell und so gut wie möglich zu informieren, ist das Hausmanagement schlicht und einfach abgetaucht – wohl in der absurden Hoffnung, dass die Mieter nicht gemerkt hätten, dass sich etwas verändert hat.

Donnerstag findet dann das zweite Meeting der Tennant Association statt – diesmal mit Jack Lester, einem bekannten New Yorker Mieteranwalt, der einige Häuser in der Downtown-Region vertritt. Jack tritt ziemlich professionell auf, ist sich sicher, dass die Vermieter vor Gericht verlieren würden und versucht die Emotionen aus der ganzen Sache herauszubrigen – kein leichtes Unterfangen, da die meisten Mieter ziemlich jung und viele davon auch noch Jura-Studenten sind. Auf jeden Fall wird ein Mietstreik beschlossen, um die Forderung nach Mietminderung bzw. firstlosem Kündigungsrecht der Mieter Nachdruck zu verleihen.

Nach dem Treffen wollten wir noch in die Racoon Lodge in der Warren St. gehen, wo sich einige Mieter treffen wollten. Leider nicht möglich, da die Straßen immer noch gesperrt sind.

Am Freitag abend treffen wir uns dann im Southstreet Seaport zur Happy Hour, bevor wir uptown zu Ken fahren, der ein Dinner ohne Anlass geplant hat. Ein äußerst netter Abend, bei dem der leckere spanische Wein ausgeschenkt wird, den Ken aus dem Urlaub in Madrid mitgebracht hat.

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Samstag gehen wir dann zum zweiten Mal in den Bronx Zoo, diesmal um mit der Monorail durch die asiatische Tierwelt zu fahren und anschließend durch das wunderschöne Dschungelhaus zu streifen. Zurück nehmen wir den Bus, der zwar doppelt so teuer wie die Subway ist, dafür aber auch wesentlich schneller. In Midtown steigen wir aus und streifen durch die laue Nacht, bevor wir im Pig’n’Whistle auf ein irisches Abendessen einkehren.

40. Woche

Von Elke
Bei den vielen Berichten im deutschen Fernsehen, war auch einer über eine evangelisch lutherische Kirche in Manhattan dabei. In der Sankt Pauls Cathedral in der 22nd Street findet jeden Sonntag ein Gottesdienst in deutscher Sprache statt, den wir heute besuchen. Als wir die gotische Kirche betreten, sind wir sogleich überwältigt von der Schönheit des Kirchenschiffs und der bunt strahlenden Glasfenster. Hier hat sich ein echtes Juwel bewahrt. Pfarrer Sönke Schmidt-Lange predigt hervorragend und ein Satz prägt sich uns besonders ein: “wir haben kein verbrieftes Anrecht darauf, dass es uns gut geht”.

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Diese Worte begleiten uns noch, nachdem wir auf einigen Umwegen in die Bronx zum dortigen Zoo fahren. Das Wetter ist zwar alles andere als ausflugstauglich, doch steht uns der Sinn nach etwas Grün und Abwechslung. Und so spazieren wir vorbei an den in freier Wildbahn bereits ausgestorbenen asiatischen Hirschen, den Kranichen, Trompetenschwänen und Wölfen, bis wir schließlich zum “Congo-Areal” gelangen. Dieses kostet Extra-Eintritt, doch haben wir durch unsere Mitgliedschaft im World Wildlife Conservation Fund einen Congo-Eintritt frei und sind überwältigt vom Zauber dieser Ausstellung. Wir sehen Wildschweine und Okapis und schließlich Gorillas. Alle in ihrer “natürlichen” Umgebung, in riesigen, großzügig gestalteten Gehegen, so dass man wirklich das Gefühl bekommt, die Tiere seien gerne hier.

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Jedem New York Besucher sei der Bronx Zoo eindringlich ans Herz gelegt, denn er gehört mit Sicherheit zu den schönsten der Welt. Wir werden an anderer Stelle noch einmal davon berichten.

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Am Montag ist es dann soweit: wir sind wieder “ganz gewöhnliche Mieter”, das heißt, wir zahlen nicht mehr für zwei oder gar drei Wohnungen Miete, sondern nur mehr für eine. Mit dem 1. Oktober haben wir auch kein Festnetz-Telefon mehr, geschweige denn einen Internet-Zugang. Telefon ist für Mitte/Ende November zugesichert und dann müssen wir mal bezüglich Internet schauen…

Dafür geschieht am Dienstag das Unglaubliche: zunächst passiere ich die Flughafen gleichen, sehr strengen Kontrollen des INS, das sich am Broadway Ecke Avenue of the Strongest befindet. Die Worth Street trägt den Beinamen “Avenue of the Strongest” und wenngleich die Straße sicherlich nicht Manhattans schönste Straße ist, so mag ich sie dennoch allein des Namens wegen. Und irgendwie muss man ja nicht nur in Manhattan generell Stärke zeigen, sondern im INS speziell ist Stärke, ist Nervenstärke gefragt. Ich fahre also in den neunten Stock und befinde mich keine 30 Minuten später im Besitz meiner Work Permit, und das nach schlichten fünf Monaten Wartezeit. Übermütig geworden, fahre ich in den 33. Stock und beantrage meine Social Security Number, die mir für spätestens zwei Wochen später zugesichert wird. Von hier oben hätte man einen sehr schönen Blick auf Downtown Manhattan, doch traue ich mich kaum in Richtung Süden zu schauen, auch fühle ich mich im 33. Stock nicht wirklich wohl.

Und so mache ich mich auf in den Bryant Park, wo ich mit Victoria verabredet bin. Es ist unser erstes Wiedersehen seit der Katastrophe und auch sie hat Unglaubliches zu berichten. Als wir uns das letzte Mal getroffen hatten, saßen wir im Schatten der World Trade Center Türme…

Als am Sonntag in der Kirche Pfarrer Schmidt-Lange meinte, sie bräuchten Hilfe, habe ich mich spontan angeboten: von Mittwoch bis Freitag beantworte ich E-Mails und Faxe, die aus Deutschland aus aktuellem, tragischen Anlass eingetroffen waren. Die paar Dutzend E-Mails können mich nicht schrecken, da ich ja ganz andere Mengen gewohnt bin!

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Am Mittwoch Abend findet im “Regent” Hotel, 55 Wall Street, eine Veranstaltung für alle Downtown Bewohner statt. Der Raum ist zum Bersten gefüllt mit sitzenden und stehenden Frauen, Männern und ganzen Familien. Das Panel auf der Bühne ist der Situation angemessen und besteht auf über 30 Vertretern des Rathauses, der Umweltbehörden FEMA und OSHA, des Telefonmonopolisten Verizon, des Strom-Monopolisten ConAid, der Subway MTR und vielen anderen mehr. Die Bewohner des Battery Parks machen am lautstärksten auf sich aufmerksam und so wirklich was gebracht, hat die leider Veranstaltung nicht.

Am selben Abend noch sind wir mit Brigitte und Ian verabredet, und gehen lecker mexikanisch essen. In dieser harten Zeit tut es besonders gut, Freunde zu treffen.

Am Freitag lasse ich den “Arbeitstag” in der Kirche noch gemeinsam mit Irma ausklingen. Den Abend läuten Oliver und ich dann in der Lolita ein und schauen schließlich im TV Russel Crowe’s Treiben in “Gladiator” zu, bevor wir diesen Tag in Ruhe abschließen.