3. Woche

Von Oliver

Am Sonntag abend tagt unsere Tennant Association, um über das Angebot der Vermieter abzustimmen. Im Foyer des 11. Stockwerks kommt so etwas wie die Atmosphäre einer Bürgerversammlung in einem kleinen Dorf auf. Man kennt das ja aus Filmen: es bilden sich zwei Lager und es wird zunehmend heftiger diskutiert. Es ist aber auch vertrackt: Das Angebot umfasst eine angemessene Mietreduktion für alle, die im Haus bleiben wollen, aber auch zweieinhalb Monatsmieten Strafe für diejenigen, die ausziehen wollen, oder bereits ausgezogen sind. Was für uns also gut ist, ist für andere ein Grauen. Um das ganze noch spannender zu machen, müssen mindestens 70% aller Mieter das Abkommen unterstützen und im Haus bleiben.Andernfalls wollen die Vermieter jeden Mieter einzeln verklagen, was für uns im Endeffekt keine Mietreduktion und der Verlust eines schönen Batzen Geldes bedeutet.

Zu aufregend, um gleich ins Bett zu gehen. Deswegen machen wir uns auf den Weg in die Paris Bar, um dort noch ein nettes New Yorker Erlebnis mitzunehmen: Etwa gegen 10 Uhr abends wird der Fulton Fish Market beliefert, was kistenweise frischen Fisch und wie die Bienen herumflitzende Gabelstapler bedeutet.

Montag morgen finden wir dann eine E-Mail von unserem ehemaligen Nachbarn an alle Mitglieder der Tennant Association im Postkasten, die davon abrät, das Abkommen zu unterschreiben. Und das im Stil schlechter politischer Propaganda, die unter dem Strich sagt, dass wir alle verloren sind, wenn wir zustimmen, weil die Vermieter von Natur aus böse und verdorben sind. Über den Tag trudeln dann weitere E-Mails ein, die im Ton immer böser und zynischer werden.

Erst am Dienstag gibt es die Auflösung: Es haben genug dafür gestimmt, wir können aufatmen. Am Mittwoch feiern wir das ganze auch angemessen in der Paris Bar mit dem schwersten Burger, der uns bisher untergekommen ist, geschmacklich einwandfrei, aber leider so fettig, dass er wie ein Stein im Magen liegt.

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Am Freitag kommt dann mein Vater für ein langes Wochenende zu Besuch. Das wird mit Elkes mittlerweile schon berühmten Fusion-Kotopoulo-Stofourno, einem traditionellen grischischen Gericht mit Ofenkartoffeln und Hühnchen, angereichert mit sonnengetrockneten Tomaten, Oliven und Chilli. Um den Jetlag erst gar nicht aufkommen zu lassen, gehen wir dann noch auf einen Abstecher (zum dritten Mal in dieser Woche) in die Paris Bar.

Am Samstag zeigt sich New York von seiner scheußlichsten Seite. Es ist kalt, ein eisiger Wind weht und es fängt langsam aber sicher an zu schneien. Die Broadway-Show, die wir uns vorgenommen hatten, fällt leider aus: Im TKTS,wo man angeblich günstige Karten für denselben Abend bekommt, ist gerade noch eine einzige Karte für Les Miserables erhältlich. Vielleicht ist deshalb das lautstarke Klagen der Theater so schnell abgeklungen…

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Der Weg führt uns dann am Hudson, über das World Financial Center nach Tribeca und Soho. Dort wird es zunehmend ungemütlich, so dass wir uns in ein kleines Cafe im Village zurückziehen müssen und bei einer heißen Schokolade über den weiteren Tag nachdenken. Dank Vindigo haben wir uns auch schnell auf einen Film – “The Royal Tenenbaums” geeinigt, den wir uns im AMC in der 42th Street anschauen. Der Film – gespickt mit Oscar- und Oscar-verdächtigen Schauspielern, ist durchaus amüsant und bringt einen in gute Laune. Nicht so das Wetter: Der Schneesturm macht en Spaziergang über den Times Square zur Qual. Als dann auch noch PJ Carney – unsere sonst zo zuverlässige Midtown-Zuflucht – wegen Renovierung geschlossen ist, kommen Elke und ich trotz genauester Planung ins Schwimmen (“The only problem with Plan B was that, like most Plan B’s, it didn’t exist” – Alex Garland, “The Beach”). Wir tauchen also in die U-Bahn ab, und fahren ins Walkers, nicht zuletzt deswegen, weil die Subway-Station direkt neben dem Eingang liegt. Dort gibt es das übliche gute Essen und ein paar weitere Sam Adams bevor wir uns ein paar Blocks weiter zum Absacker in den Reade Street Pub aufmachen, um zu beweisen, dass es die Halbe Bier in New York auch unter $5 zu haben gibt.