4. Woche

Von Oliver

Sonntag wollen wir meinem Vater unseren alten Wirkungskreis zeigen und marschieren durch Chinatown auf die Lower East Side in die Orchard Street. Dort befindet sich das Lower East Side Tenement Museum, dessen Besuch aus drei Gründen schon lange auf dem Programm stand: Erstens haben wir fünf Monate lang nebenan gewohnt, zweitens arbeitet unser Freund Mark aus der Lolita Bar dort und drittens sitzt mein Chef im Board of Directors.

Nachdem wir die Wartezeit mit einem Spaziergang durch die Orchard Street und das East Village sowie einem Kaffee in einem merkwürdigen chinesischen Stehcafe in der Ludlow Street verbracht haben, geht es los mit der Führung, die im Tenement Museum obligatorisch ist. Unser Guide Jennifer erklärt uns anhand von einigen originalgetreu wiederhergestellten Apartments das Leben der Einwanderer zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Da ist zum Beispiel die deutsche Einwanderin Natalie, deren Mann zum Zigarettenholen gegangen ist und die anschließend ihre drei Kinder alleine durchbringen musste. Die Lebensverhältnisse von damals sind natürlich vor allem für Amerikaner vom Lande, wo man große Häuser mit viel Platz hat, schockierend. Der Manhattanite ist eher von den Mieten um $10 beeindruckt, nicht wenige hätten für die winzigen Apartments heute $1500 oder mehr bezahlt. Allerdings würde man sie heute natürlich auch nicht zu acht oder mehr bewohnen.

Für den Abend steht der Besuch im Aqua Grill, einem der besten Fischrestaurants der Stadt, auf dem Plan. Zu Vorspeise beschließen wir, unser Wissen über Austern aufzufrischen und bestellen eine Zusammenstellung von 22 verschiedenen Austern von den kanadischen und amerikanischen Küsten. Und ja, man kann den Unterschied zwischen atlantischen und pazifischen sowie Kaltwasser- und Warmwasseraustern schmecken – aber wohl nur, wenn man sie direkt hintereinander isst. Als Hauptspeise gibt es natürlich Fisch und der ist lecker und nach New Yorker Standards gar nicht mal so teuer. Dazu kommt aufmerksamer, unaufdringlicher Service – den Aqua Grill kann man nur empfehlen!

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Montag steht dann die Kultur auf dem Programm. Es ist Martin-Luther-King Day, für mich wie für viele andere ein Feiertag. Leider hat das Metropolitan Museum trotzdem zu, deswegen gehen wir weiter zum Guggenheim, wo es eine Ausstellung über Brasilien und Norman Rockwell, einem amerikanischen Maler gibt. Besonders letzterer gefällt uns überraschend gut, da viele seiner Bilder politische und gesellschaftliche Ereignisse aus dem letzten Jahrhundert mit karikaturistischem Witz aufgreifen. Den Abschluss des Tags bildet ein Festmahl aus dem Wok des “Golden Forest” bevor wir alle recht erschöpft früh ins Bett gehen.

Nach einer ruhigen Woche geht es am Freitag zur Afterwork Party ins Roxy zwischen der 11. und 12. Avenue. Das ganze sieht ein bisschen nach gigantischer Disko auf dem Lande aus und auch die günstigen $3-Drinks sind bereits weggetrunken, als wir kamen, so dass wir schnell wieder gehen. Wenn schon Geld ausgeben, dann lieber in der Lolita, wo es allerdings so voll ist, dass wir auch dort nicht lange bleiben.

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Am Samstag nehmen wir schließlich den vierten New Yorker Zoo im Prospect Park in Brooklyn in Angriff. Es ist wunderschönes Wetter und der Park bildet tatsächlich eine Alternative zum Central Park, in dem es ja beim ersten Sonnenschein brummt wie in einem Bienenstock. In Brooklyn dagegen hat man viel Ruhe und wir genießen das. Das Wildlife Center im Park gehört auch zum WCS, weswegen wir freien Eintritt genießen. Im Gegensatz zum Central Park Zoo und Bronx Zoo, ist das Prospect Park Wildlife Center mehr auf Kinder ausgelegt. So kann das Brooklyner Stadtkind dort eine echte Kuh oder ein paar Schafe und Ziegen anschauen oder streicheln. Dazu gibt es Austellungen, wo man Tiere malen, viel über die verschiedenen Lebensräume in der Natur lernen und sich selber als Tierforscher betätigen kann.

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Abends wartet dann der nächste Besuch im Hilton am Times Square auf uns. Per Internet sind zwei Dortmunder an Elke herangetreten, um sie um Stadtführer- und Dolmetscherdienste zu bitten. Die beiden hatten eine Reise nach New York, samt einem dicken Taschengeld plus Shopping-Geld gewonnen und wollen damit auf Schnäppchenjagd gehen. Wir führen die beiden ins Conolly, wo es irische Hausmannskost und viel zu viele Sam Adams