13. Woche

Von Elke

Sonntag 24. März

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Die Lower Manhattan Tenants Coalition (LMTC), die Vereinigung aller im unteren Teil Manhattans lebenden Mieter, die sich in Mietervereinigungen zusammengeschlossen haben, veranstaltet heute einen “Children’s Fire Safety Day”. Da ich Mitglied der LMTC bin, schauen Oliver und ich bei diesem Event natürlich vorbei. Zwar beschäftigt sich die LMTC hauptsächlich mit den Fragen zur Downtown Lebensqualität und Gesundheit nach 9-11, doch werden auch Projekte wie “Community-Aufbau” in Angriff genommen.

Der Abend steht dann natürlich ganz im Zeichen von Hollywood – die 74. Oscar-Verleihung steht an. Wir genießen es, einmal nicht zu nachtschlafender Zeit der Zerenomie beizuwohnen, sondern ganz gemütlich von 8 Uhr abends an Schauspielerinnen in großer Abendgarderobe einherschreiten und später weinen sowie Schauspieler männlich-markant über den Dingen stehen zu sehen. Die Highlights des Abends waren für uns die Ehrungen von Sidney Poitier und Robert Redford, sowie Woody Allens Homage an New York.

Dienstag, 26. März
Und wieder einmal besuche ich eine von den New Yorker Webgrrls organisierte Veranstaltung, diesmal zum Thema “Smart Women Finish Rich”, nach dem gleichnamigen Bestseller. Kathryn, eine Referentin von Morgan Stanley, hält einen ausgezeichneten Vortrag im luxuriösen Spa von Georgette Klinger in der 501 Madison Avenue. Das zum direkten Mitnehmen Beste an der Veranstaltung ist die tolle “Goody Bag”, die Nahrung für Haut und Gehirn enthält. Zusätzlich gibt’s einen kostenlosen Beratungstermin mit Kathryn, den ich auch wahrnehmen werde.

Anschließend bin ich mit Oliver im Kennedy’s verabredet, wo wir Estelle treffen wollen, die wir am Wochenende zuvor im PJ Carney kennengelernt hatten. Wer nicht kommt, ist Estelle, dafür aber lernen wir schon wieder jemanden kennen: Jamie aus London. Er ist seit ein paar Wochen in New York, während seine französische Frau und Tochter noch bis zum Schuljahreswechsel in London leben. Es tut gut, einen Abend lang englisches Englisch zu hören und gemeinsam über Europäer in New York zu philosophieren…

Samstag, 30. März

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Heute stöbern wir mit Doris in ihrem Storage nach Möbeln, die wir gebrauchen können. Der Storage ist so eine Art Riesenlagerhalle mit vielen kleinen Parzellen, in denen Manhattanites Dinge aufbewahren, die sie nicht unmittelbar in ihrer Wohnung benötigen. So auch Doris und Tom. Wenn man aus je einem kalifornischen Haus in eine New Yorker Apartment zusammenzieht, kommt allerhand zusammen, für das man grad keinen Platz hat, das aber auch viel zu schade zum Wegwerfen ist. Und so kommen wir in das Vergnügen, nun endlich wieder an einem richtig großen Tisch schreiben zu können. Auch finden unsere Ordner und andere Sammelstücke wieder ihren Platz auf einem Regal, anstatt in selbstgefertigten Pappkartonmöbeln. Schön sieht’s jetzt bei uns aus! Fast wie in einer “richtigen” Wohnung.

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Der Tag ist noch jung und das Wetter gar so schön, weshalb wir ins Village spazieren. Dort genießen wir den herrlichen Nachmittag in einem überraschend genialen Lokal namens Dragonfly. Gestärkt spazieren wir weiter und suchen das neu-eröffnete “Sunshine Cinema” in der Housten Street auf, wo wir Kissing Jessica Stein anschauen. Der Film ist ganz nett, aber großes Kino ist er nicht, da er einige Schwächen aufweist, die aber an dieser Stelle nicht verraten werden. Immerhin geht’s in dem Film unter anderem auch um New York…

12. Woche

Von Elke

Dienstag, 19. März

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Heute besuche ich eine der vielen New Yorker Job-Messen. Diesmal die Diversity Career Fair. Da ich mich rechtzeitig für die Veranstaltung angemeldet hatte, dringe ich schnell bis ins Innere des Gebäudes vor und lasse etwa 100 Nichtangemeldete Job-Suchende hinter mir. Falls ich aber nun gedacht habe, auf einem exklusiven Event zu sein, dann habe ich falsch gedacht. Ein Schild am Eingang des Messeraums sagt, dass der Saal für maximal 760 Personen zugelassen ist und genauso viele befinden sich auch darin. Siebenhundertzwanzig Frauen und Männern in dezenter Business-Kleidung und noch mal etwa vierzig Aussteller von rund zehn Firmen, die hinter kleinen Messetischen die Kurzinterviews abhalten. Ich reihe mich in die Schlange vor dem Tisch der “Cable-Vision” ein, und belausche ein Gespräch zweier farbiger Männer hinter mir: “Das mit dem Résumé ist doch sowieso alles Humbug. Was ich schon alles getan und nicht getan habe!” Sein Begleiter stimmt mit ein und beide sind sich einig, dass das Résumé über einen Bewerber eigentlich wenig aussagt, es aber trotzdem dem jeweiligen Wunsch-Job angepasst werden muss. “Polish your resume” ist der Supertipp eines jeden Recruiters, Job-Vermittlers. Mit “polish” ist gemeint, dass man Adjektive und Verben genauso wählt, wie sie in der Job-Anzeige genannt werden. bei größtmöglicher Übereinstimmung hat man dann auch die meisten Chancen. Meine sind an diesem Tag aber eher gering, da vier der zehn Aussteller gebürtige Amerikaner suchen und die anderen lediglich Sales-Jobs zu vergeben haben. Ich beschließe, die Finger von solchen Karriere-Messen zu lassen, da sie eher frustrieren, als wirklich weiterhelfen. Bisher habe ich auch noch niemanden kennengelernt, der oder die tatsächlich auf solch einer Veranstaltung einen Job gefunden hat.

Samstag, 23. März

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Heute verbringen wir einen nahzu “touristischen” Tag, in dem wir gemütlich von Downtown nach Midtown spazieren und jede Menge Fotos machen, beispielsweise auch eines mit Oliver im Vordergrund und dem Empire State Building im Hintergrund oder Elke an der Fifth Avenue. Da im Rockefeller Center eine kostenlose Orchideen-Schau stattfindet, bestaunen wir mit vielen anderen die übewältigende Blütenpracht und fotografieren sie natürlich auch.

So viel Flower Power macht durstig und wo kann der kleine Durst samt Hunger in Midtown besser gestillt werden, als im PJ Carney? Nachdem die in die Jahre gekommene Bar komplett renoviert wurde, präsentiert sie sich jetzt im frischen Gewand und lädt alle ihre Stammgäste wieder zum Verweilen ein. Allerdings gönnt sich der Küchenchef noch ein wenig Pause und so verlassen wir zum Abendessen Midtown und fahren wieder Downtown, um “beim Griechen um die Ecke” zu speisen. Bei griechischen Klängen samt Wein lassen wir einen erlebnisreichen Tag im Delphi ausklingen.

11. Woche

Von Elke

Sonntag, 11. März

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Der Flug von München nach New York verlief nicht ganz so, wie man sich das eigentlich vorstellt. Zwar sind wir sicher gelandet, was ja sowieso immer das Wichtigste ist, doch hätte ich darauf verzichten können, neben einem 5 Zentner Mann zu sitzen. Zwar gab es noch genau zwei weitere freie Plätze an Board der Lufthansa, doch leider auch zickige, unwillige (deutsche) Passagiere, die sich grundheraus weigerten mit mir und meinem dicken Nachbarn ein für uns alle befriedigendes Arrangement zu treffen. Auch die Lufthansa Board-Crew versagte und der Steward ließ sich sogar zu sowas wie “Auf Transatlantikflügen ist immer wieder mit schwergewichtigen Nordamerikanern zu rechnen” hinreißen. Wie hatte er sich nur geirrt! Bei meinem Nachbarn, der eben auch die Hälfte meines Sitzes einnahm, handelte es sich eindeutig um einen Deutschen, der vielleicht zu viel vom Pfälzer Saumagen oder so genascht hatte… Jedenfalls waren wir überglücklich nach 9 Stunden Flug der Lufthansa ‘Adieu’ und uns ein ‘Welcome back home’ sagen zu können. Die Fahrt vom Flughafen nach Hause war kurzweilig und führte uns durch unbekannte Ecken Brooklyns und schließlich auch über die Brooklyn Bridge. Der russische Taxifahrer muss wohl in seinem früheren Leben als Betriebswirt oder so gearbeitet haben, da er uns regelrechte Wirtschaftslöcher in unseren Bauch gefragt hatte.

Donnerstag, 14. März
Heute trafen sich Oliver und ich zum Lunch im Battery Park. Es war nahezu sommerlich warm und so schmeckten uns das mitgebrachte Sushi gleich nochmal so gut. In New York gibt es Sushi bereits abgepackt in nahezu jedem Deli oder in einem der vielen Sushi-Takeaways der Stadt. Für Sushi-Neulinge gibt’s hier ein informatives Glossar. Weitere Internet-Seiten, die sich mit dem Thema “Sushi” befassen und Laien sowie Liebhabern das japanische “Fastfood” näher bringen:

Ukamann, mit Nährstofftabelle und vielen nützlichen Hintergrundinformationen
Travelnotes, mit vielen Rezepten
Centipedes, noch mehr Fotos und noch mehr Fisch
Wolf-e.de, mit interessanten Tipps und Tricks zum Selbermachen von Sushi

Samstag, 16. März

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Morgen ist Saint Patrick’s Day und gefeiert wird schon heute! Unsere Nachbarn Carrie und Matt aus 14P laden zum “St. Patty’s Day Brunch” und anschließendem Weiterfeieren in der Upper East Side ein. Einziger Wehrmutstropfen: die ganze Feierei beginnt bereits um 9:00 Uhr morgens. Was Iren können, können Bayern schon lange und so plaudern wir frühmorgens fröhlich mit den anderen Gästen unserer Gastgeber, trinken Guiness oder Blody Mary und essen Kraut, Corned Beef und grün gefärbtes Rührei. Grün ist überhaupt die Farbe des Tages, denn von der kleinen Kathryn bis hin zum großen Patrick tragen alle grün: grüne Pullis und Schals, grüne Mützen und Handschuhe, ja sogar vor Haaren, Händen und Gesichtern macht das Grün nicht halt. Ergänzt wird das grüne Outfit natürlich noch vom Shamrock, dem dreiblättrigen Kleeblatt. Auch ich habe heute kleine Shamrocks am Ohr baumeln und meinen grünen 80iger Jahre Gürtel samt Handtasche ausgegraben. Ansonsten schaut’s bei uns mit grün aber eher mau aus. Glücklicherweise sind wir auch abends noch immer nicht grün, als wir von einem fröhlich-herzlichen Tag mit vielen netten Menschen wieder Zuhause eintreffen. Es geht uns rundum gut!

Foto: auf dem Balkon eines Irish Pubs in der Upper East Side, wo wir uns unter die geschlossene Party von New Yorker Feuerwehrleuten geschmuggelt haben…

9. Woche

Von Elke

Sonntag, 24. Februar

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Wasser ist und bleibt Wasser und sicherlich sieht der Hudson River Uptown wie Downtown gleich aus. Oder etwa nicht? Um das mit eigenen Augen zu prüfen, steigen wir in die Subway Nummer 2 und fahren bis zur 87. Straße und verlassen die U-Bahn dort wieder. Der Weg zum Fluß ist nicht weit und doch führt er zunächst einmal eine dicht befahrene Straße entlang. Etwa fünfhundert Meter weit spazieren wir, während rechts neben uns die Autos brausen und links von uns die Sonne lustige Glitzerpunkte auf den Hudson River zaubert. Aber endlich auf der ruhigen Uferpromenade angekommen, werden wir für das erste unschöne Stück Weg mehr als entschädigt.

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Dieser Februartag lässt graue Wintertage vergessen und liefert einen perfekten Vorgeschmack auf den heiß ersehnten Sommer. Wir schlendern die Promenade entlang, wo uns zahrleiche Jogger und Skater begegnen. Natürlich finden hier auch Hunde ihren Auslauf, die neben ihren Rad fahrenden oder joggenden Besitzern herrennen. Doch findet ein jeder Ausflug einmal ein Ende und unserer auf Höhe der 42st Straße.

Samstag, 3. März

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Zwei Highlights gibt’s in der neunten Woche des Jahres: das Century21 lädt wieder zum Shopping ein und wir fliegen nach München! Heute um 18:50 geht’s los, sofern wir nicht schon auf dem Weg zum Flughafen umkommen. Wir haben die Brooklyn Bridge bereits hinter uns gelassen, auch unseren geliebten Blick auf’s Empire State Building sehen wir längst nicht mehr und befinden uns auf einer der Zubringerstraßen zum Flughafen. Ganz linke Spur. Als ich plötzlich die Barrikade links immer näher kommen sehe. Ein Blick nach rechts verrät auch warum. Ein Kleinlaster, ausgerechnet auch noch von der Telefongesellschaft Verizon, die uns so lange auf den Anschluss hat warten lassen, versucht uns von der Fahrbahn zu verdrängen. Vermutlich hat er uns nicht gesehen, doch ist es nur dem geschickten Ausweichmannöver unseres indischen Fahrers zu verdanken, dass wir den Flughafen unversehrt erreichen. Na, das geht ja schon mal gut los…