Frühjahrsputz im Zoo

von Oliver

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Was treibt einen dazu, am Samstag morgen um 6 Uhr früh aufzustehen, sich eine Stunde lang in die Subway zu setzen, um dann in der Bronx verottendes Plastik von einem sumpfigen Flussufer aufzulesen? Ich weiß es nicht und kann nur sagen, dass wir nicht die einzigen sind, die auf so eine Idee kommen. Mindestens 500 waren es und vielleicht wären es mehr gewesen, wenn es nicht eine maximale Teilnehmerzahl gegeben hätte.

Der alljährliche Frühjahrsputz im Bronx Zoo ist mehr eine Aktion für die Mitglieder, hat uns Zoo-Mitarbeiter Steven erklärt, als ein wirkliches notwendiges Aufräumen. Richtig aufgeräumt und geputzt wird natürlich das ganze Jahr über und der Frühjahrsputz dient primär dazu, die Mitglieder mal zum aktiven Mitmachen zu bewegen. Was sie dann ja auch gerne tun.

Warum der Zoo Mitglieder hat? Wie fast alle kulturellen Einrichtungen in New York bietet die WCS (World Conservation Society), die Dachorganisation von fünf der sechs New Yorker Zoos, eine Mitgliedschaft an. In der geringsten Stufe – meist für $60 pro Jahr – bekommt man für ein Jahr freien Eintritt für zwei Personen. Eine feine Sache, denn der Central Park Zoo und das New York Aquarium in Coney Island, liegen praktisch auf dem Weg zu unseren liebsten Ausflugszielen. Da besucht man doch gerne mal die Tiere oder geht auch einfach nur mal auf die Toilette…

Eine WCS Mitgliedschaft ist aber auch eine gute Tat, denn die WCS unterstützt über 300 Tierschutzprojekte weltweit. Da von unserer 60-Dollar-Minimalmitgliedschaft aber bestimmt nicht viel für diese Projekte übrigbleibt, entschließen wir uns andersweitig mitzuhelfen: wir machen uns also den Weg in die Bronx zum Member Clean-up day.

Die Bronx hat bekanntlich einen schlechten Ruf und wirklich, wir haben auch noch niemanden kennengelernt, der dort wohnt. Wir kennen Leute aus Brooklyn und Queens (wo es übrigens auch einen WCS-Zoo gibt), aus New Jersey und Long Island, aber niemanden aus der Bronx. Als wir das erste Mal zum Zoo gefahren sind, war es uns auch durchaus mulmig zu Mute- was ist, wenn die Station, an der wir glauben aussteigen zu müssen (genaue Informationen sind im New Yorker Subway-System rar), in einer No-Go-Area liegt? Was ist, wenn man sowieso falsch aussteigt? Hätten wir nicht besser den Expressbus nehmen sollen, der direkt aus Midtown vor die Türe des Zoos fährt?

Muss man nicht. Man kann entweder die 2 bis Pelham Parkway nehmen oder die 5 bis in die 180th St. und dann in die 2 umsteigen (letzteres empfieht sich, weil die 5 in Manhattan Express fährt). Bei Pelham Parkway erwartet einen ein netter Straßenzug mit Geschäften und eigentlich gepflegten Mietshäusern.

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Beim Treffpunkt am “Asian Parking” sieht das dann wieder anders aus, denn natürlich kann sich nur die reichere Mittelklasse leisten, für umsonst an einem Samstag vormittag zu arbeiten. Und die reiche Mittelklasse ist nunmal vor allem weiß. Eine wohltuende Ausnahme bildet eine bunt gemischte Truppe in leuchtend gelben T-Shirts mit der Aufschrift “Disney VoluntEARS”. Mit EARS sind natürlich Mickey Mouse’s Ohren gemeint – welch ein nettes Wortspiel. Später erfahren wir, dass es ein Teil der Belegschaft aus dem Disney Store an der Fifth ist, die – wie alle Disney-Mitarbeiter – hin und wieder für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung stehen müssen. Hoffentlich bezahlt Disney seine Mitarbeiter dafür…

Nach dem wir uns an einem ziemlich üppigen Frühstücksbuffet versorgt hatten, ließen wir uns – zusammen mit den VoluntEARS – zu einem “Adults only” Job einteilen zu dem wir mit dem Bronx-Zoo-Shuttle, einer gasbetriebenen Einsenbahn auf Rädern, gefahren werden.

Unser Job ist anerkanntermaßen der Schlechteste – andere durften Gras im Rhino-Käfig anpflanzen, wir müssen Müll am Ufer des Bronx River aufsammeln, damit dieser nicht ins Meer geschwemmt wird. Wir machten uns also mit Rechen und Müllsäcken bewaffnet auf um hauptsächlich Styroporbecher, die Plastikumwicklungen von Zigrarettenpackungen und andere Plastikverpackungen vom sumpfigen Waldboden aufzupicken.

Nach einer knappen Stunde sind wir fertig (“The worst but the shortest job”) und machen uns auf den Weg zurück zum Eingang. Genug Zeit für einen Chat mit Bill Weber, der mit seiner Frau Amy das Gorillaprogramm in Ruanda betreut und auch ein Buch darüber geschrieben hat.

Nachdem wir dann unsere T-Shirts eingesammelt haben – keine Aktion in Amerika ohne spezielle T-Shirts- gehen wir dann noch auf einen Sprung in den Zoo. Pünktlich fängt es jetzt zu regnen an…