Wir machen New York so sauber wie München!

von Oliver

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Nein, wir haben noch nicht genug. Nach dem Bronx Zoo Clean-up am 20. April, wollen wir auch noch das South Street Seaport Museum auf Hochglanz bringen und melden uns deswegen auch hier zum Member Clean-up an. Das Ganze hat einen großen Vorteil: statt mit der Subway einmal durch die ganze Stadt zu fahren, müssen wir diesmal lediglich ein paar Schritte Richtung East-River gehen. Dafür sieht es diesmal auch richtig nach Arbeit aus: statt ein paar Stunden ist gleich ein ganzer Tag angesetzt – wir sind gespannt, was da so alles passieren wird.

Der South Street Seaport genießt als Sehenswürdigkeit in deutschen Reiseführern einen eher schlechten Ruf. Das liegt vor allem am Einkaufszentrum, das sich über die historischen Gebäude in der Fulton Street bis zum Pier 17 erstreckt. Dort sind dieselben Ladenketten beheimatet, die man in jeder Mall von Alabama bis Wyoming in den USA findet: GAP, Body Shop, Godiva und wie sie alle heißen. Dazu gibt es noch eine Food Plaza von titanischen Ausmaßen, in der man Fast Food aus fast allen Ecken der Welt in kantinenartiger Atmosphäre genießen kann.

Trotzdem ist der Seaport ein fantastischer Platz in New York! Der Pier 17 ist nämlich auch voller “richtiger” Restaurants, die meisten mit sonnenbeschienener Terrasse und einem atemberaubenden Blick auf den East River, Brooklyns Skyline und dem massiven Häusergebirge der Water Street in Manhattan. Von hier aus hat man das World Trade Center übrigens nie gesehen, wodurch die Downtown-Skyline noch so intakt und massiv erscheint wie früher. An schönen Abenden unter der Woche treffen sich auch die vielen Angestellten aus Downtown in den Stehbars an der Fulton Street und bieten somit etwas, was die meisten Reiseführer dem Seaport absprechen – ein authentisches Stück New York.

Außer dem Einkaufszentrum gibt es noch das Museum am Seaport, dessen auffälligste Ausstellungsstücke zwei riesige Segelschiffe aus dem 19. und frühen 20 Jahrhundert bilden. Die Mission des Museums ist die Bewahrung eines kleinen Teils der Geschichte von New York als Hafenstadt. Abgesehen vom eher hässlichen Terminal an der Westside, wo die Kreuzfahrtschiffe und die QE2 anlegen, existiert nämlich fast kein Hinweis mehr auf die Seefahrertradition von Manhattan: der große Hafen von New York ist schon lange nach New Jersey umgezogen!

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Wir treffen uns also zum “Spring Launching” auf der Peking, einem der größten Segelschiffe, die jemals – in Deutschland übrigens – gebaut wurden. Auf dem Mitteldeck wird ein üppiges Frühstück in Form von Bagels, Muffins und Croissants aufgedeckt, bevor die Arbeit eingeteilt wird. Elke darf auf die Ambrose, ein kleineres Schiff, das man gleichfalls besichtigen kann. Ich habe leider die Niete gezogen: den Carfloater, ein verrostetes Schwimmpier, das zwischen der Peking und der Wavertree, dem anderen großen Schiff vor sich hin dümpelt. Also heißt es mal wieder Müll aufsammeln, von dem keiner weiß, wie er dort hingekommen ist. Danach müssen wir tonnenweise Rost aufkehren, der mit Sicherheit auch vom toxischen Staubgemisch aus dem World Trade Center durchsetzt ist. Deswegen sind schlichte Atemmasken angesagt, um zumindest den größten Dreck aus der Lunge zu halten. Wie auch beim Bronx Zoo gilt – die schlechteste Arbeit ist zuerst fertig. Deswegen sind wir nach dem Lunch – Sandwiches und Salate – schon fast arbeitslos. Wenn nicht Richard, der Director of Volunteers, uns nach alter seemännischer Tradition zum Kehren eines blitzsauberen Decks verdonnert hätte.

Am Ende gibt es aber doch noch was Sinnvolles zu tun: das Polieren der Messingbullaugen. Leider gesellt sich auch noch ein etwas merkwürdiger Mann zu uns, der sichtlich durch das Polieren nicht ausgelastet war: er musste uns mehrfach berichten, dass er nicht nur in sämtlichen Waffengattungen der US Army gedient hat, sondern auch 11 Jahre an der NYU und der Columbia University Geschichte studiert hat. Das machte ihn scheinbar auch zum Computerspezialisten, denn er erklärt uns zudem die Prinzipien der Datensicherheit in Banken. Hanebüchener Unsinn, der nicht nur mich, sondern auch die Frau am Bullauge neben mir, die Zähne zusammenbeißen lässt – sie arbeitet in der IT Abteilung einer großen Bank.

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Gegen vier war es dann überstanden. Glücklicherweise sind Hobbyseeleute besser im Feiern als Zoologen, denn es gab ein großen Fass “Sam Adams” und Pizza von Lisa’s in der Fulton Street. Zwar lichten sich die Reihen schnell, aber der harte Kern schleppt das Bierfass immer der Sonne nach über das Deck und hätte wohl auch noch bis in die Nach gefeiert, wenn einen der aufkommende kalte Wind nicht doch von Deck vertrieben hätte.

Wir, natürlich beim harten Kern dabei, lernen noch einen emeritierten Professor kennen, der Führungen durch das Museum macht und ansonsten Spezialist für Moby Dick ist. Außerdem ist da noch Frank, der jeden Samstag bei der Renovierung der Wavertree mithilft. Wenn alles gut geht und sich Sponsoren finden, soll dieses Schiff aus dem 19 Jahrhundert nämlich wieder seetüchtig gemacht werden. Eine spannende Sache, finden wir und überlegen uns, ob wir da nicht auch mitmachen sollten – weit haben wir es ja nicht.