Listening to the City

Ein Tag des Zuhörens und Gehörtwerdens im Javits Center am 20. Juli 2002

31. Juli 2002, von Elke

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In der Subway morgens um 8 Uhr sitzt mir eine Frau gegenüber und strickt. Sie steigt wie Oliver und ich an der Penn Station aus und marschiert mit energischen Schritten in die Richtung, in der die Avenues höhere Zahlen tragen: 8th, 9th, 10th und schließlich die 11th Avenue. Zu dieser frühen Stunde ist das Ziel klar! Wir treffen uns im “Jacob Javits Center” wieder, um mit weiteren rund 4.500 Menschen die Stimme der Stadt zu bilden. Trotz notwendiger Vorab-Registrierung lässt der Menschenauflauf nichts Gutes erwarten, doch sind meine Sorgen schnell vorbei, als ich innerhalb weniger Minuten im Kongresssaal stehe und in die Ausstattung bewundere. Gut 100 runde Tische wurden hier für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hergerichtet, übersichtlich in Farb- und Nummerncodes unterteilt, um sich leichter zurecht zufinden. Während Oliver an einem blauen Tisch Platz nimmt, stelle ich mich an dem mir zugeteilten weißen Tisch Nummer 65 vor und werde sogleich von Bob begrüßt. Bob ist extra aus Kentucky angereist, um diesem Mega-Event beizuwohnen. Doch nicht als Teilnehmer, sondern als sogenannter Facilitator. So wie überhaupt jeder Bundesstaat der USA freiwillige “Facilitator”, so eine Art “Diskussionsleiter” – für jeden Tisch einen – entsannt hat. Foto: Logo von Listening to the City

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Nach einem kleinen Frühstück geht’s auch schon los mit den ersten Begrüßungsreden. Wer dem nicht lauschen will, schmökert derweil in der eigenen mit Informationen prall gefüllten Teilnehmermappe oder sieht sich in dem inspirierend geschmückten Raum ein wenig um. Die Initiatoren haben sich durchaus etwas einfallen lassen und das Multimedia-Zeitalter am 20. Juli 2002 im Jacob Javits Center Einzug halten lassen. Auf jedem Tisch steht ein vernetzter Laptop und für jeden einzelnen Teilnehmer gibt es ein drahtloses Gerät zur Stimmabgabe. Schließlich erklärt uns Carolyn Lukensmeyer, die Präsidentin und Gründerin von America Speaks, was es mit der ganzen Elektronik auf sich hat. Wenn wir in unserer kleinen Gruppe diskutieren, dann sollen die Gedanken schriftlich, im Laptop festgehalten und gleichzeitig verschickt werden. Die verschickten Beiträge werdenn dann wiederum von einer unabhängigen Gruppe von Freiwilligen ausgewertet und zu allgemeineren Aussagen zusammengefasst. Diese Aussagen schließlich bilden die Grundlage zur individuellen Stimmabgabe. Foto: Kameramann im Hintergrund sowie TeilnehmerInnen

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Ich finde es faszinierend, mich mit etwa gleichviel Frauen und Männern unterschiedlichster Hautfarbe und Herkunft mich auszutauschen. Damit dies überhaupt über alle Sprach- und sonstigen Grenzen hinweg möglich ist, gibt es Simultan-Dolmetscher für spanisch und chinesisch sowie Dolmetscher für die amerikanische Taubstummensprache. Um die tollen Multimedia-Geräte gleich mal zu testen, werden unsere demographischen Daten erfragt und die ergeben, dass die Teilnehmenden wohl auch den offiziellen statistischen Durchschnittsdaten hinsichtlich Geschlecht, Alter, Einkommen, Herkunft und Verteilung innerhalb des Tri-States (New York, Connecticut und New Jersey) entsprechen. Foto: Bob, Yukako und Allon

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Ziel der heutigen Veranstaltung ist es, Meinungen zu den sechs Plänen öffentlich zu machen, Gedanken für ein würdiges “Memorial” zu sammeln sowie Ideen zum Wiederaufbau einer lebendigen Downtown-Gemeinde zu diskutieren. Nach und nach werden uns die sechs Pläne von Frank Lombardi, dem Chief Engineer der Port Authority von New York und New Jersey vorgestellt. Die Port Authority (PANYNJ) hat gemeinsam mit der Lower Manhattan Development Corporation (LMDC) letztendlich das Sagen über das, was auf dem Gelände des ehemaligen World Trade Center passieren wird. Foto: Carolyn Lukensmeyer auf der Großbildleinwand

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Am Ende des diskussionsreichen Tages sind sich alle einig, dass noch viel nachgedacht werden muss, bevor mit dem Bau von was-auch-immer angefangen werden kann. Doch der Anfang wurde gemacht und die Für und Wieder der einzelnen Elemente eines jeden aus dem Architekturbüro von Beyer, Blinder und Belle kreierten Plans erörtert. So war die überwiegende Mehrheit dafür, den Standort der der World Trade Center Türme unangetastet zu lassen und bestenfalls dadrauf das Memorial zu errichten. Anderen sind es zu viele Bürogebäude, wobei sich die Frage stellt, ob das Joe und Jennifer überhaupt beurteilen können. Einig jedoch sind sich alle, dass die vorgestellte Architektur schlichtweg langweilig ist und nicht das ersetzt, was wir verloren haben. Hoffen wir, dass die Verantwortlichen gut zugehört haben und visionäre Kreativität beweisen. – Die Ergebnisse der Veranstaltung gibt’s hier zum Nachlesen. Foto: Am Ende eines ereignisreichen Tages