At the Beach

21.8.2002, von Oliver

boardwalk

Am 2. September, Labour Day, wird definitiv Schluss sein: Die Lifeguards packen ihre Stühle, ihre Sonnenbrillen und die Amerika-Flagge ein und die New Yorker benutzen den Strand nur noch in herbstlicher Kleidung zum Spazierengehen. Zum Baden fliegt man dann nach Florida oder in die Karibik. Herbst und Winter dauern dann exakt bis zum 26.5.2003, Memorial Day, wenn die Lifeguards wieder an den Strand zurückkehren und Baden somit erlaubt ist.

Niemand würde natürlich wegen den Stränden nach New York reisen, aber die über 10 Millionen, die schon mal da sind, genießen es, dass Long Island ein paar der schönsten Strände der Welt bereit hält. Und als ob es die Natur geahnt hätte, sind die Strände auch so lang und breit, dass die Sonnenhungrigen einer Megametropole unterkommen, ohne dass man sich direkt auf die Füße tritt.

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Vor dem Strandvergnügen muss man allerdings die LIRR, die Long Island Railroad, bewältigen. Diese bietet mehrere Strandpakete an, die man bequem am Automaten kaufen kann und die neben der Bahnfahrt auch den Transfer bzw. die Strandbenutzungsgebühren (bspw. Long Beach) beinhalten. Die LIRR selber zeichnet sich jedoch mehr durch schmuddelige Züge (die Toiletten sind angeblich berüchtigt, wir haben das aber noch nie ausprobiert) und ein rechtes organisatorisches Chaos aus. Meistens kommt man auch nicht umhin, in Jamaica, Queens und/oder Babylon umzusteigen, was gar nicht so einfach ist. Die Züge tragen leider keinerlei Hinweise, wo sie denn hinfahren und die Durchsagen unverständlich, weil der Ansager entweder gerade keine Lust hat oder die Lautsprecher kaputt sind. Da hilft es nur einen der Schaffner, die mit einer Engelsgeduld einer langen Schlange von Menschen immer wieder dieselbe Auskunft geben.

Von Manhattan aus ist man am Long Beach am Schnellsten angelangt. Long Beach befindet sich auf einer Insel, die Long Island vorgelagert ist und auf der die LIRR eine Haltestelle unterhält. Long Beach selber ist ein Ort mit einer netten Strandpromenade und Geschäften, die fast günstiger als in Manhattan sind – Vorräte mitbringen lohnt sich also nicht. Bei unserem Besuch waren wir gegen 10 Uhr morgens am Srand und freuten uns schon, da der gigantische Strand nur spärlich besetzt war. Das änderte sich leider schnell und zum Mittag war schon fast kein Flecken Strand mehr frei. Ärgerlich aus unserer Sicht, dass wir mit der Flut gerechnet haben und uns dementsprechend weit nach hinten gelegt hatten. Leider zog sich das Wasser aber zurück, so dass sich vor uns Reihe um Reihe von Strandbesuchern aufbauen konnten. Das nächste mal werden wir vorher einen Tidenplan studieren.

Der Strand ist durchgehend von Lifeguards besetzt, die mit Pfeifen und heftigen Armbewegungen versuchen, die Badenden daran zu hindern, Richtung Europa zu schwimmen. Manchmal muss man das Wasser auch komplett verlassen, warum wissen wir bis jetzt nicht: ein Hai kann es ja nicht gewesen sein…

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Die nächste Station wäre Jones Beach, bei dem es das Jones Beach Theatre gibt, in dem im Sommer große Open Airs (die Tommy Hilfiger Konzerte) veranstaltet werden. Jones Beach haben wir bisher ausgelassen, dafür waren wir zwei Mal auf Fire Island, das man von den LIRR-Stationen Sayville oder Patchogue erreicht.

Von Sayville kann man nach Fire Island Pines oder Cherry Grove mit der Fähre fahren. Beides sind Gay-Communities und von daher nicht eines jeden Sache. Von Patchogue fährt die Fähre nach Watch Hill, einem kleinen Yachthafen und einem Campingplatz. Normalerweise sollte es dort auch eine Snackbar, ein Restaurant und einen Supermarkt geben, die allerdings 2001 und 2002 geschlossen wurden. Dafür gibt es einen kleinen Laden, der das Nötigste zum Überleben anbietet: Getränke, Konservendosen und Nudeln.

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Fire Island ist ein unglaublich schöner Platz: eine schmale Insel, eigentlich mehr eine Sanddüne im Meer. Nördlich glitzert das ruhige Wasser des Long Island Sound, südlich rollt der Atlantik an einen breiten, feinsandigen Strand. Während Long Beach deutlich der Strand einer Millionenstadt ist, könnte Fire Island auch gut in einer abgelegeneren Ecke der Welt liegen und Aussteigern eine Heimat bieten. Dass dem so nicht ist, das verraten die teueren Yachten und Speedboats im Hafen und die Flugzeuge, die regelmäßig Werbebanner an der Südküste entlang ziehen.

Wenn man auch nicht extra nach New York reist, um sich an den Strand zu legen, so ist es trotzdem gut zu wissen, dass man der mörderischen Sommerhitze in schlichten ein, zwei Zugstunden entfliehen kann…