Time-Lapse Consortium

Knitting Factory, New York

29. Juli 2003 von Elke

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Silberner Regen sprüht in den schwarzen Nachthimmel, dazwischen leuchten rote Funken, auf der Bühne spucken Feuerstrahler goldenes Licht und zieht die über siebentausend Besucher in den Bann. Intimität ist zu Hause geblieben. Zu sehen, was die Musiker so drauf haben, wie sie sich von Nahem so machen, wie sie es schaffen, mit dem Publikum zu kommunizieren das alles fehlte beim gestrigen Konzert. Am 22. August 2003 gab sich Björk in Brooklyner Baseball-Stadion die Ehre. Sie versuchte nahezu vergeblich, die Lücke zwischen Bühne und Publikum zu schließen!

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Dicht gedrängt hatte sich das musikalische Erlebnis hingegen am 29. Juli in der Knitting Factory, einem kleinen und legendären Jazzclub in Downtown Manhattan. Etwa zweihundert junge Menschen waren in die Leonard Street gepilgert, um einen Gig der besonderen Art zu genießen. Doch noch war es nicht so weit, da aus den Lautsprechern lediglich dumpf die Pausenmusik dröhnte. Um die Wartezeit zu verkürzen, holte uns Oliver zwei Bier, doch bekommt er die erst ausgehändigt, als ich vom Dunkeln ins Helle trete und mich die Barkeeperin sehen kann. Einen Ausweis brauche ich dann nicht mehr herzuzeigen, sie glaubt mir auch so, dass ich die für’s Alkoholtrinken erforderlichen Einundzwanzig schon erreicht habe.

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Um mich herum drängen sich immer mehr StudentInnen, die so aussehen, als würden sie sich schon mal einen Vorgeschmack auf das morgige Lollapalooza Festival am Jones Beach in Long Island abholen. Leider wird mir das nicht vergönnt sein. Doch dafür bin ich heute hier und werde immer aufgeregter, auf das, was da bald kommen soll! Auf der etwa zehn Meter breiten Bühne lässt sich immer wieder mal ein Roadie blicken, der einen Mikrophonständer ein wenig zur Seite rückt, eine Gitarre hin- und wieder wegträgt, Wasserflaschen und Handtücher bereit legt – eben den guten Geist gibt. Sieht gut aus da vorne, und nach bald zwei Stunden Wartezeit könnte es eigentlich losgehen! Der Abend von dem ich eines Nachts, kurz vorm Schlafengehen in einem Newsletter gelesen und sofort Tickets bestellt habe:
“TIME-LAPSE CONSORTIUM’s Michael Einziger (Incubus), Jose Pasillas II (Incubus), Ben Kenney (Incubus, formerly of The Roots) and Neal Evans (Soulive) will rock New York City’s Knitting Factory on Tuesday, July 29. This is a must-see show so come on out if you’re in the area.”

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Noch hoffe ich, dass der charismatische Sänger, Brandon Boyd auch dabei sein würde, der nicht im Line-up erwähnt wurde. Und als ich noch so drüber nachdenke, tut sich auch endlich was auf der Bühne und Neal nimmt hinten am Keyboard Platz und Jose an den Drums, Michael schnappt sich die Gitarre und Ben den Bass. In dem plötzlichen Gedränge zunächst nicht zu sehen, Brandon, der sich ganz nach links zu dem Percussion Set aufmacht. Die ersten Töne erklingen und sogleich ist klar, dies ist kein klassisches Incubus-Konzert sein wird, sondern diesmal würden Einziger & Co. etwas anderes abziehen. Jazziger präsentiert sich der Sound und mir unbekannt sind die Stücke, die ganz ohne Gesang, und dafür primär von Neils Keyboard- und von Mikes Gitarrensound getragen werden. Die Jungs da vorne schäumen über vor Spielfreude und ich sehe ihnen den Spaß an der Sache an.

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Die Harmonie zwischen den Musikern ist perfekt. Es ist so, als hätten sie in genau der Besetzung schon seit Monaten, ja vielleicht Jahren gespielt. Vollblutmusiker eben! Und nach einigen fetzigen, funkig jazzigen Stücken legt Brandon seine orangene Sonnenbrille weg, nimmt den Zahnstocher auf dem er unentweg kaute aus dem Mund und verläßt seine Bongos, um zum Mikrophon zu greifen. Die Band spielt einen Smooth-Jazz-Klassiker und Brandon singt dazu. Weiter geht es mit einer gekonnten Interpretation des Cole Porter Evergreens Night and Day. Das war’s dann auch nach gut Neunzig Minuten schon. Doch lässt das Publikum natürlich nicht locker und das Time-Lapse-Consortium kommt nochmal auf die Bühne. Neil erweckt bekannte Töne zum Leben, alle da oben auf der Bühne schmunzeln und liefern sich erstmal kleinere Solo-Einsätze, bis dann schließlich die eigentliche Melodie erklingt und Brandon die entscheidende Frage stellt: Are You In? Of course we are! Der Abend darf einfach noch nicht zu Ende sein! Das denken sich wohl auch die fünf da oben und lassen das intime Musikereignis mit Lionel Ritchies Hello ausklingen. – Hello, is it me You’re looking for? Definitely!

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von David Jacobs.

Tipp – die Deutsche Incubus-Fanseite.

Die Offizielle Incubus Seite.

Die sonnigen Seiten des Sommers

29. Woche 2003 von Elke

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Manhattan hat so viel zu bieten, was wir allerdings schon länger nicht mehr so richtig erkundet haben. Deshalb machen wir uns am Samstag, den 12. Juli zu einem “Stadttag” auf, fahren bis zum Union Square und laufen über Irving Plaza und Gramercy Park die Lexington bis ganz noch oben in die 86th Street. Die Sonne lacht und macht den Spaziergang zum Vergnügen ohne jedoch allzu aufdringlich, sprich ‘heiß’ zu sein.
Auf dem Weg halten wir Ausschau nach möglichen neuen “Neighborhoods”, Nachbarschaften, wo es uns auch gefallen könnte. Die etwas verschlafen wirkenden Häuser rund um den Gramercy Park würden eine willkommene Alternative zu unserer Downtown-Hektik bilden. Wenn man dann noch einen Schlüssel für den nur Eingeweihten zugänglichen Park ergattern könnte…

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Unser Weg führte uns schließlich ins Kino, um Pirates of the Caribbean zu sehen, doch nicht ohne vorher auf einen Drink samt Snack in den “Mad River Grill” einzukehren. Das Preisleistungsverhältnis stimmt in dieser Kneipe, oder man könnte das gern besuchte Lokal auch “günstig” nennen. Nach dem Kinohit des Sommers 2003 – ein ausgesprochen vergnüglicher Streifen mit Johnny Depp at his best! – spazierten wir bis zum Times Square, um dann schließlich die Beine auf dem Weg nach Hause in der Subway ausruhen zu lassen.

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Nach einem Sonntag im Bronx Zoo ging’s am Montag gleich lebhaft weiter, denn eine Moonlight Cruise des Cafe Wha? stand auf dem Programm. Das Boarding fand am Pier 40, auf Höhe der Hudson Street statt. Die “Queen of Hearts” war tüchtig beladen mit Feierwütigen und Amüsierwilligen.
In gut drei Stunden fuhr das Ausflugsschiff den Hudson nach oben, bis zur Columbia University, um dann wieder ganz nach unten bis zur Freiheitsstatue zu tuckern, an die wir diesmal ein wenig näher rankamen, als bei unserer Segeltörn mit der Pioneer.

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Die Haus-Band des Cafe Wha? spielte wie immer unermüdlich und in hoher Qualität auf. Auch wenn die gut ein Dutzend-Köpfige Band lediglich klasse Songs anderer MusikerInnen nachspielt, so tut sie dies höchst unterhaltsam und auf einem Niveau, das jeder ernsthaften Musikkritik stand hält. Zudem ist das Repertoire derart umfangreich, so dass für jeden etwas dabei ist.
Empfehlung an alle New York BesucherInnen: wenn es jahreszeitlich passt, dann nichts wie auf ein Schiff – es lohnt sich! Es gibt nicht nur die Circle Line, sondern jede Menge Ausflugsfahrten wie bspw. eine Blues Cruise (nicht getestet!) oder mit dem dreimastigen Schooner Adirondack (erkunden wir demnächst!).

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Foto: Oliver den Arm ausgestreckt, und auf den Auslöser gedrückt. Nicht schlecht, oder? Nur das Empire State Building im Hintergrund ist kaum zu erkennen…
Nach diesem inspirierenden Wochenauftakt, ließen wir es die darauffolgenden Tage etwas ruhiger angehen, mit einem Dinner-Highlight bei Freunden am Donnerstag und einem Zusammentreffen in der Lolita mit Nicole und Martin, die wir vom NYC-Guide Board her “kennen”. Den supersonnigen Samstag verbrachten wir wie schon ein paar Wochen zuvor an unserem geliebten Fire Island Beach und den Sonntag dafür nur schlicht im Hudson River Park. Egal ob am Sandstrand oder auf der grünen Wiese – Sommer ist ganz wunderbar!

Besuch – nicht nur vom Sommer

24. Woche 2003 von Elke

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Nach bald zwei Jahren wieder in der Stadt! Am 9. September 2001 ist sie nach mehrmonatigem Aufenthalt in New York wieder nach Deutschland geflogen und seitdem haben wir uns auch nicht mehr gesehen. Doch jetzt ist sie endlich wieder da: Natascha! Und weil’s zu zweit gleich nochmal so schön ist, hat sie Sascha mitgebracht…

Foto vom 4. Juli 2003 auf einem Rooftop in Brooklyn.

Interessantes gab’s heute auch bei mir im Job, durfte ich doch die erste Baby Shower meines Lebens miterleben, die noch dazu als “Surprise” geplant war. Bisher kannte ich diese Art eine werdende Mutter zu feiern nur aus Filmen oder Serien. ( Anmerkung: wenn in einer Serie plötzlich Babies auftauchen, dann ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Serie “definitely jumps the shark” = d.h. nicht viele weitere Folgen durchhalten wird…)

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Einer der Konferenzräume präsentierte sich auf einmal im zarten Babyrosa und “It’s a girl”-Sprüchen. Füer eine jede gab es das individuell bestellte Sandwich, sowie einen 16-inch Kuchen von Mrs. Fields der Lieblingsbaeckerei der New Yorker. (Meinen Geschmacksnerven verweigert sich der Suesskram jedoch.) Wie unschwer zu erahnen, war dies ein “girls only event” von dem sich meine männlichen Kollegen ganz schoen ausgeschlossen fühlten. Aber da müsst Ihr Männer durch…

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Den krönenden Abschluss einer sommersatten Woche bildete ein Tag am Meer. Ein Tag am Strand von Fire Island, wovon wir bereits des öfteren schwärmten. Fire Island ist noch immer wunderschön und als Geheimtipp jedem Manhattan-Sommerbesucher dringend ans Herz zu legen.