Ein Herbst 2003, der uns reich beschenkt

36. bis 44. Woche 2003 von Elke

Vor rund 12 Wochen habe ich mich an einem strahlenden Herbsttag hingesetzt und begann, über Vergangenes und Zukünftiges zu schreiben. Doch das Erlebte hat das Geplante von selbst eingeholt, und mittlerweile kann ich einen langen Blick zurück auf sehr lebendige Wochen werfen und wie’s aussieht, reißt der Trubel auch die nächste Zeit noch nicht ab.

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Den Auftakt des “heißen Herbstes” machten Psychedelic Furs eine Band, die ich seit meiner Studienzeit mag und in der Town Hall zum ersten Mal live sehen konnte. Das Besondere an dem Konzert waren die BesucherInnen: alles Thirty Somethings, die schlichtweg Spaß haben. Keine zwei Tage später gibt’s Goldfrapp im Konzert im Irving Plaza, eine Wahl, die Oliver getroffen hat. Dann ist nach fast fünf Jahren Abstinenz wieder eine Broadway Show dran: 42nd Street, natürlich in der gleichnamigen Straße.

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Diejenige, die unsere besonders glücklichen Tage und Wochen in New York einläutet, ist Gudrun, Olivers Mutter. Auch wenn ihr Besuch nur kurze Zeit überdauert, erleben wir ihn alle drei besonders intensiv und haben viel Spaß miteinander. Unsere persönlichen Must-Sees stehen auf dem Programm, wie Paris Bar in der South Street, Frühstück mit Freunden in der B-Bar, Spaziergang auf der 5th Avenue entlang in den Central Park, dort im Bootshaus einen Drink genommen. Durch den Park wieder zurück in die Zivilisation, in den PJ Carney, der nächtliche Times Square. Sonntags dann Downtown Manhattan bei strahlendem Sonnenschein – auch ein favorite! Herrlich wie die Sonne früh morgens mit den Bauwerken spielt. Zu kurz ist die miteinander verbrachte Zeit, doch intensiv erlebt, zählt sie doppelt.

Foto: Beim Brunch in der B-Bar – Gudrun, Renée, Wally, Ken und Oliver. Am 28. September Party feierten wir in Brooklyn den Geburtstag von Wally und Renée – hoch sollen sie leben!

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Herbst in den Catskills! So hatten wir uns das zumindest gedacht. Alle einschlägigen Reiseführer und Online-Seiten empfehlen die letzten beiden Septemberwochen um in den Catskills den Höhepunkt der sich verfärbenden Blätter zu sehen.

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Also dachte ich, dass Anfang Oktober die Bäume mehr oder minder ihre Blätter bereits von sich geworfen hatten und nur mehr kahl da stehen. Insgeheim hoffte ich jedoch, dass sie es nicht ganz so eilig haben mögen. Nun, mein Wunsch ward Befehl! Als wir schließlich vom 4. bis 6. Oktober mit einem Leihauto von Enterprise (der für uns beste Deal!) in den Norden New Yorks aufbrachen und Kingston erreichten, präsentierte sich die dortige Flora und Fauna in saftigem, frischen Grün. “Ist eh viel besser für die Augen” sollte der Spruch der Reise werden um uns über die entgangene Farbenpracht hinweg zu trösten.

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Unser Hotel in Kingston entpuppte sich überraschenderweise als Glücksgriff. Nachdem ich ja zunächst mit einem urigen Bed and Breakfast geliebäugelt hatte, von denen es aber aufgrund der “Foliage Peak Season” keine mehr gab, willigte ich wohl oder übel ein, in einem frisch renovierten Holiday Inn zu übernachten. Glücklicherweise liegt aber jenes Hotel in etwa 10 minütiger Fußgängerentfernung vom historischen Stadtzentrum von Kingston entfernt.

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Beinahe unnötig zu erwähnen, dass wir natürlich für diese drei Tage die einzigen Fußgänger waren. Übrigens: in Kingston kann man ganz hervorragend essen und der New York strapazierte Geldbeutel darf auch ein wenig verschnaufen. Wo ist Woodstock? Das, wo 1969 dieses Festival stattfand? Nun, eben jenes Woodstock liegt ganz friedlich in den Catskills, nur etwa 20 minuten im Auto von Kingston entfernt.

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Wieder zurück aus dem Norden New Yorks, geben sich die Ereignisse weiterhin die Klinke in die Hand. Am Mittwoch habe ich Geburtstag und da gerade Besuch aus der Schweiz und Deutschland in der Stadt weilt, feiern wir zu viert im Pfiff Geburtstag. Die Gesellschaft von Beate, Sean und Oliver ist angenehm und der süße, südeuropäische Kellner tut ein Übriges, den Abend so schön wie nur möglich zu gestalten. Um’s auf amerikanisch zu sagen: I had a blast! Herzlichen Dank an alle! (Das neckische Hütchen? Ein Geschenk der Wirtin!)

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Und nur einen Tag später, das Konzertereignis des Jahres: Radiohead im Madison Square Garden. Zunächst waren wir uns gar nicht so sicher, ob wir überhaupt Spaß an einem Gigantokonzert hätten, doch glücklicherweise wischten wir jegliche Bedenken beiseite und gönnten uns einen unvergesslichen Abend! Was die fünf Engländer in nahezu drei Stunden boten, war jeden einzelnen Dollar Eintrittsgeld wert. Thom Yorke und seine Mitstreiter spielten die “Hail to the Thief” so ziemlich von Anfang bis Ende durch, unterbrachen nur in der Mitte für ein paar Greatest Hits. Das Konzert wurde wie ein Theaterstück richtiggehend “inszeniert”. Toll!

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Das Wochenende wartete mit Besuch von Olivers Papa, Wolfgang und Uli auf, die unter anderem für unser Geburtstagsparty nach New York gekommen waren und im Downtown Holiday Inn wohnten. Wir hatten dafür noch Sean zu Besuch. Am Samstag dann die Party, zu der wir so ziemlich alle, die wir in NYC kennen, einluden.

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Unter anderem wie hier auf dem Foto zu sehen Dimitri, Christian und Nicole, Ian, Ken und Tony. Auch kamen die meisten von Olivers Kollegen. Aus meiner Firma hielten Diego und Matt die Stellung. Ken brachte ein paar Freunde aus Richmond, VA mit, und nicht nur aus Deutschland und der Schweiz, sondern auch aus Brooklyn, Staten Island und bis aus New Jersey kamen die Gäste angereist.

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Nach soviel Party stand uns am Sonntag der Sinn nach frischer Luft und grüner Lunge und so machten wir uns in den Central Park auf, der sich noch kein bisschen herbstlich zeigte. Um so besser, denn so konnten wir das ein oder andere Bad in der angenehm warmen Sonne und schließlich einen Schoppen im Boathouse genießen. Unsere üblichen Favoriten wie PJ Carney’s, Times Square bei Nacht, Thai-Dinner im Pongsri folgten.
Neben Radiohead, unserem Kurzurlaub sowie unseren vielen Gästen, bildete mein persönliches Oktober-Highlight der Besuch The Boy from Oz – meine Gedanken dazu hielt ich im Journal fest.

Da wir von Konzerten gar nicht genug bekommen können, pilgerten wir am 23. Konzert mit vielen anderen, überwiegend sehr jungen New Yorkern erneut ins Irving Plaza und erlebten drei neue und gleichfalls junge Bands: Billy Talent, Story of the Year und Jet. Wobei uns vor allem die Jungs von Story of the Year beeindruckten. Die Show, die die da auf die kleine Bühne legten, war schwer beeindruckend: voller Energie und Lebensfreude – wie gut, dass E-Gitarren heute ohne Kabel auskommen. Punk is not dead!