Zurück zu den Anfängen

Von Elke

Lower East Side Apartment Hunt
Das neue Designerhotel Surface – das erste Hochhaus in der Lower East Side.

Wie erfüllt man das selbst gesteckte Ziel, jede Woche die Website zu aktualisieren, wenn das eigene Leben recht turbulent ist? Wann die Muse finden, sich zurückzuziehen und die Erlebnisse und Gedanken niederzuschreiben? In der Mittagspause!

In einem “Dunkin’ Donuts” sitzend, einer Coffeeshop-Kette, von der viele AmerikanerInnen meinen, sie hätte den besseren Kaffee denn Starbucks. Ich kann zwischen den Kaffees keinen Unterschied feststellen und würde einen gemütlicheren Starbucks einem McDonalds gleichenden Dunkin’ Donuts vorziehen – auch wenn sich letzterer in meinen Lieblingsfarben Orange und Pink präsentiert! Doch seit dem Umzug meiner Firma von der schicken Seventh Avenue und Times Quare Ecke hin zur mehr “residental” Eighth Avenue, muss ich mir eben neue Lunch-Refugien suchen. Mit “Residental” wird übrigens eine Gegend bezeichnet, in der viele Menschen wohnen, im Gegensatz zu Gebieten, in denen sich überwiegend Business angesiedelt hat.

Und Business und Umzug sind auch schon die Stichworte: selbst in einer reinen Business Area wohnend, denke ich an Umzug und Oliver denkt so auch. Doch will ich nicht Business mit Residental eintauschen, sondern Friedhof (buchstäblich!) gegen Szene. Wenn ich aus dem Fenster unseres Apartments im 18. Stock schaue, dann sehe ich die kleine St. Pauls Chapel mit dem angrenzenden Friedhof, die so etwas wie die wundersame Linie zwischen dem Park Row Building und dem ehemaligen World Trade Center bilden: bis hierhin und nicht weiter! (Hinter dieser Linie ist nichts zerstört worden…)

Lower East Side Apartment Hunt
Ein Blick in die Norfolk Street.

Doch habe ich genug von “Ground Zero” und möchte in eine Gegend in der das Drama in der Ferne liegt und ansonsten nur auf FOX oder CBS gezeigt wird. Um es ganz hinter mir zu lassen, müsste ich wohl in die Upper East oder West Side ziehen, doch ist mir das als Downtown Girl zu weit oben. Oftmals ist auch das Erste, das Richtige und so empfinde ich die Lower East Side als meine “Heimat”. Nirgendwo sonst in New York fühle ich mich so wohl wie genau dort, wo junge StudentInnen, lateinamerikanische Familien, junggebliebene Altpunks, furchteinflösende Rapper, asiatische Immigranten, orthodoxe Juden und neuerdings auch Yuppies anzutreffen sind. Der typische, viel zitierte “New York Mix” nur auf wenige Quadratmeter oder Squarefood komprimiert.

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Nahe des Southstreet Seaport bestimmt die Brooklyn Bridge die Skyline.

Auf der Suche nach der geeigneten Wohnung, haben sich Oliver und ich gut zwei Dutzend angesehen. Die Suche hätten wir auch noch gut einen Monat ausdehnen können, nur um dann vielleicht doch lediglich in einem der gesichtslosen “Last Minute” Tower am East River zu landen. Last Minute deshalb, weil wir erfahren haben, dass dort immer mal jemand kurzfristig aus- und man selber kurzfristig einziehen kann. Diese oftmals “white glove” Doorman Buildings bieten viel Service für’s Geld und beeindrucken mit aufregenden Wasserfällen oder beruhigenden Feng Shui Ambiente. Die Hotelatmosphäre, die dort herrscht, wird man jedoch nicht los. Nach bald drei Jahren “Doorman Building” und 18. Stock, steht mir der Sinn nach etwas anderem.

Lower East Side Apartment Hunt
Blick auf die Williamsburg Bridge, einst die längste Brücke der Welt.

 

Hab ich etwa verlernt, die Haustüre selbst aufzuschließen? Sind mir ein Marmorwaschbecken samt Riesenspiegel und ein zweitüriger Gigantokühlschrank wichtiger geworden, als ein Balkon und der Blick auf die wundervollste Stadt der Welt?! Ich möchte sie wieder spüren, diese Aufbruchsstimmung, diese Lust auf Neues, erleben – das Echte. Und ich glaube, das gefunden zu haben. Eine Rückzugsmöglichkeit, die wir uns leisten können und wollen und in New York ihresgleichen sucht. Gegenwärtig wird Oliver’s und meine finanzielle Situation geprüft und das Mietobjekt für drei Tage vom Markt genommen.

Lower East Side Apartment Hunt
Blick nach Downtown Manhattan.

Während ich das hier schreibe, warten wir also, und hoffen, dass unsere Bewerbung um das Apartment akzeptiert wird.
In der Zwischenzeit aber richten wir die Wohnung gedanklich schon mal ein – geschlechterstereotypisch! Oliver grübelt, wohin er den Server am Besten stellt und von wo aus unsere wireless Vernetzung strahlen soll. Ich modifiziere im Gedanken den etwas einfallslosen Badezimmerspiegel und schmücke die Küche. Gemeinsam aber ranken unsere Gedanken um das Herzstück des neuen Apartments: die Terrasse! Dies ist kein Tippfehler – auch beziehe ich mich nicht auf eine Gemeinschaftsterrasse oder roof deck wie sie hier heißt, sondern unsere eigene Terrasse und das auch noch über den Dächern von Manhattan. Zu der Terrasse gesellt sich auf der anderen Seite noch ein Balkon – eine für Manhattan absolut unübliche und oftmals kaum zu bezahlende Kombination. Und wir hoffen sie bald beziehen zu können…

Mittlerweile ist es Sonntag geworden, ich sitze gemütlich Zuhause und weiß, dass ich morgen einen Termin habe: signing the lease! Morgen wird der Mietvertrag unterschrieben! Es sieht also so aus, als ob alles ganz nach unseren Wünschen verlaufen würde.
To be continued…
…wird fortgesetzt!