27. Woche

Von Oliver

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Eine der angenehmsten Seiten von New York (weitere folgen später) sind die Ladenöffnungszeiten. Ein Wochenende wird um so vieles relaxter, wenn man z.B. auch Sonntag nachmittag einkaufen kann. Das tun wir an diesem Sonntag auch- bei Canal Jean, einem der bekanntesten Klamottenläden von New York, und bei Staples, einer ganz netten Kette von Büroläden.

Als wir dort wieder rauskommen, hat das Wetter in Regen umgeschlagen – ein Ereignis, das man nach den heißen Tagen der letzten Woche richtig geniesst. Wir tun das in einer Bar namens “The Vig”, wo man nett am Fenster sitzt, auf die nasse Straße schaut und die neue Tricky hören kann.

Montag abend wird uns dann mal wieder das Loch bewusst, das Mr. Mak hinterlassen hat. Wir sind so orientierungslos, dass wir bis in die 2nd Avenue pligern, um dort im Ovo Pizza zu essen. Leider sind dort Gläser und Besteck dreckig, d.h. wir müssen wohl die Bewertung nochmal überdenken…

Dienstag abend ist für mich der Anfang von einem 5 tägigen Urlaub. Meine Firma hat die beiden “Fenstertage” in einem Akt der Großzügigkeit freigegeben. Wir haben dann gelernt, dass solche Tage in den USA – im Gegensatz zu Deutschland – nicht vom eigentlichen Urlaub abgezogen werden. So relativiert sich der wenige Urlaub hier doch etwas. Bei der Gelegenheit habe ich auch mitbekommen, dass in unserer Firma die jüdischen Feiertage frei sind – lang lebe die multikulturelle Gesellschaft!

Während wir also in der Lolita Bar bei einem Drink über unsere Pläne für die nächsten Tage diskutieren, stellt uns Wirt Clyde Natascha vor, eine deutsche Schauspielerin die für ein paar Monate in NYC arbeitet und in einer Brooklyn’er WG in noch bescheideneren Verhältnissen als wir lebt. Bevor wir Gefahr laufen, die Untehaltung auf Deutsch zu sehr zu genießen, gesellt sich glücklicherweise Richard, ein weiterer Lolitasüchtiger, dazu und wir reden über das gehasste Lieblingsthema der New Yorker: den Immoblienmarkt.

Zitat Marc, ein weiterer Lolita-Stammgast: “I’m looking forward to the moment when I’ll meet friends and we’re talking about something else than real estate”. Auf jeden Fall ist die Stimmung sehr gut und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen beim Indepencence Day Barbequeue.

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Das findet Mittwoch um 2 Uhr nachmittags statt und wir treffen auch einigermaßen pünktlich gemeinsam mit Ken im Hinterhof ein. Später stoßen auch Renee und Wally und unsere zweite Besucherin aus München, die Maia hinzu. Die Sonne brennt, der Grill lodert und die Hamburger und Hotdogs schmecken so gut, dass wir das Bier aus Plastikbechern (die Lolita hat keine Freischanklizenz!) gut tolerieren können.

Später treibt uns die Hitze dann wieder hinein in die Bar, wo wir Natascha und einen ihrer acht Mitbewohner treffen. Der gestern erst näher kennengelernte Richard legt heute Musik auf. Ziemliche gute Musik, aus der Abteilung Kruder & Dorfmeister und Ähnliches. Allerdings dürfte sein DJ Engagement ein eher einmaliges Ereignis bleiben, da das Soundformat der Lolita normalerweise zwischen Velvet Underground und Pixies, glücklicherweise mit ein bisschen Björk gewürzt, liegt.

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Mittwoch – das hat man uns versichert – ist für den Independence Day ein schlechter Tag. Die New Yorker haben entweder Urlaub und entfliehen der Stadt oder müssen am nächsten Tag wieder arbeiten, was die Feierlaune schon ein wenig einschränkt. Am frühen Abend – auf unserem Weg zu Kens Appartment – summt die Stadt jedoch wie ein Bienenstock. Leider klappt das mit dem Feierwerk nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben: das kleinere in New Jersey ist zu weit entfernt, um beeindruckend zu sein. Das große, von Macy’s veranstaltete, ist leider von der Midtown-Skyline verdeckt. Auch vom Dach im 35. Stock ist nicht viel mehr zu sehen – nur der flackernde Himmel verrät, dass dort wirklich etwas Gigantisches abgefackelt wird. Immerhin schießen wir ein paar nette Fotos vom Dach aus, solange bis die Feuerwerk Rauchschwaden Manhattan in einen dichten Nebel hüllen.

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Die Party bei Ken ist noch in vollem Gang, als wir uns wieder in Richtung Lower Eastside abgesetzt haben, um noch einen Absacker in der Lolita zu nehmen. Dort hätten wir das Spektakel übrigens vom Dach eines Hauses in der Allen Street gut sehen können. Pech gehabt! Dies gilt auch für Clyde, der hinter der Theke Dienst schieben musste.

Am Donnerstag machen wir uns dann auf nach Midtown, wo wir unsere WCS-Mitgliedschaft nutzen, um einen Blick in den Central Park Zoo zu werfen. Der ist zwar klein, aber ungemein liebevoll gestaltet. Das erste Mal besuchten wir ihn während unserer Hochzeitsreise und so ist es für uns ein Wiedersehen mit Gus, dem Eisbären, den Pinguinen und der Rodrigez-Fledermaus, die im Tropenhaus frei herumfliegt. Die Eisbären übrigens sind zu beneiden – sie können die Hitze in einem mit Eis gekühlten Pool bekämpfen – ein Vergnügen, das sonst nur reichen New Yorkern vorbehalten ist. Auf dem Weg zurück nach Hause machen wir noch ein paar Einkäufe in der 5th, um mal wieder auf die dunkle Seite der amerikanischen Dienstleistungsgesellschaft zu stoßen: trotz klar angemeldeter Kaufabsicht, werden wir 15 Minuten vor Ladenschluss aus einem Geschäft getrieben, weil der eine Verkäufer gerade einen Kunden hat und der andere schon in den Dienstschluss gegangen ist.

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Freitag nehmen wir dann (wie angekündigt) die zweite angenehme Seite von New York in Angriff. Dass New York tatsächlich am Meer liegt haben wir zwar schon in Coney Island mitbekommen, dass es aber auch Weltklassestrände gibt, kannten wir bisher nur vom Hörensagen. Fürs erste wurde uns Fire Island empfohlen, eine lange, schmale Insel vor der Südküste von Long Island. Dort kommt man von der Penn Station unter dem Madison Square Garden mit der Long Island Railway relativ bequem und günstig hin. Von unserer Haustüre bis zum Strand dauert die ganze Reise etwa drei Stunden, eine wunderschöne Fahrt mit einer Fähre miteingeschlossen.

Fire Island selber ist eigentlich ein einziger langer Strand mit einem Streifen Pinienwald dahinter. Dort kann man auch schmalen Holzwegen zwischen Sanddünen und duftenden Baumen umherwandern und die extravaganten Ferienhäuser bewundern, die sich – zumindest in der Ecke wo wir waren – reiche New Yorker Schwule dorthingebaut haben. Die Arroganz der Einwohner von Fire Island ist wohl sprichwörtlich und als Tagestourist wird man einfach ignoriert. Sei’s drum – es ist wunderschön dort und das im lokalen Supermarkt gekaufte Picknick am Strand war ein echtes Erlebnis. Dass wir in der Hafenbar, die bisher teuersten Drinks ($25 für zwei kleine Bier und Weine) in New York bekommen haben ist dann zu verschmerzen.

Den locker gesponnenen Plan, irgendwo eine Unterkunft zu finden geben wir auf, und während Scharen von Männern, teilweise noch im Anzug, auf der Insel für das Wochenende eintreffen, schließen wir uns den wenigen Unglücklichen an, die die Fähre zurück in Richtung Sayville nehmen müssen. Da wir genug Zeit haben, sparen wir uns die halsabschneiderischen Taxis und spazieren durch eine propere Vorgartensiedlung zum Bahnhof, während uns Schwärme von Glühwürmchen den Weg weisen.

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Zum Abschluss geraten wir in Sayville noch in ein kleines Straßenfest. Zwar ist die zur Feier des Tages aufspielende Band unsäglich schlecht, dafür lassen eine Reihe renovierter Oldtimer den amerikanischen Traum aufleben.

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Samstag ist dann ein weiterer großer Tag für uns: wir schmeißen die zwei alten Matrazen raus und installieren ein neues Bett. Das mit dem Rausschmeißen geht in New York übrigens ganz einfach: man stellt sie einfach in den Hausflur, wo sie dann von einer der Müllabfuhren abgeholt werden. Die erste komfortable Nacht seit langem feiern wir dann ausgiebig in Edward Morans Grill in der Battery Park City.

25. Woche 2001

Von Oliver

Diese Woche beginnt in Brewster, NY nach einer Nacht, in der die Luftfeuchtigkeit 100% überschritten und sich in einen Wolkenbruch verwandelt hat. Wir genießen die Stille ohne Müllwägen und Autoalarmanlagen und schlafen bis um 12, um dann mit Brigitte und Richard durch das Mittagsprogramm im TV zu zappen. Plötzlich beginnt der Bildschirm zu flackern und eine verzerrte Stimme aus dem Fernseher stößt auf allen Kanälen Warnungen aus: Nein kein Angriff aus dem Weltall kurz vor dem Independence Day, nur eine Hochwassermeldung. Das ist dann die Stunde des Weatherchannel, auf dem Sirenen und flackernde Laufschriften vor dem Unglück warnen: Man soll doch bloß nicht durch auffällig große Pfützen fahren, die könnten ja tiefer sein, als man denkt…

Zurück in der Stadt erwartet uns das Lower East Side Festival, das wohl ziemlich ins Wasser gefallen und dann nur mühsam wieder aufgetaucht ist. Die Veranstaltungen finden im Turnsaal der Highschool statt und die Stände in der Broome St. haben wir in ein paar Minuten abgeklappert, bevor wir dann zum One and One in der Houston St. abdrehen, um dort die berühmten Fish & Chips zu probieren.

Montag und Dienstag passiert nichts Diary-würdiges – aber Mittwoch können wir dann unseren ersten Besuch aus München empfangen. Eyüp hat es nach einer abenteuerlichen Geschichte nach New Jersey und New York verschlagen, wo er auch einen Abstecher zu uns macht. Wir haben nicht viel Zeit, aber immerhin können wir ihm die Lolita Bar zeigen und dort ein paar Drinks zu uns nehmen.

Donnerstag ist dann endlich das erste Gehalt auf dem Konto und wir sind in der Lage mit echten, in den USA verdienten Dollars zahlen. Wie schon lange geplant, soll die erste Ausgabe unserer Website dienen und uns eine Digitalcamera bescheren. Wir gehen dazu in New Yorks beste Adresse für solche Käufe J&R, um dort auf eine echte Verkaufskanone zu treffen: auf die Frage nach einer geeigneten Kamera deutet der gelangweilte Herr auf ein paar Modelle in seiner Glasvitrine. Schon alleine, um das darauffolgende, peinliche Schweigen zu überwinden, bedanken wir uns höflich und verlassen den Laden. Odd Job heißt mal wieder die Lösung. Dort hat man nämlich einen 5 Millionen Restposten von Polaroid aufgekauft und bietet eine akzeptable Kamera für $129 an. Dieser Preis ist derart okay, so dass wir auch akzeptieren, erst in der dritten Filiale am Union Square fündig zu werden. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zum Block zwischen 9th und 10th Street auf der 2nd Avenue, wo wir neben Ryans Bar im Telephone Bar&Grill eine private First Paycheck Party begehen und ein “Chicken roasted to perfection” doch deutlich hinter einem Wiesnhendl zurückbleibt.

Freitagabend bringt die Ernüchterung mit unserer Schnäppchen-Kamera: die mitgelieferte Software läuft nicht unter Windows 2000 (und wir haben hier nur Windows 2000-Rechner). Ein Ausweg bietet ein zusätzliches Gerät, das man am günstigsten nur im CompUSA in der 57th Street, Ecke Broadway bekommt.

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Das ist dann auch unser Ziel für die große Fotoralley am Samstag. Wir marschieren durch das East Village, durch den Fashion District, über den Times Square bis fast an den Central Park, um dan um 7:02 am CompUSA einzutreffen. Leider macht der um 7:00 zu und der Herr an der Türe macht nicht den Eindruck, als ob man auf die geringste Nachsicht hoffen könnte. Kein Problem, schließlich gibt es rund um den Times Square Dutzende von Computerläden, die allerdings statt $12.90 bis zu $89 für vergleichbare Geräte verlangen.

Eigentlich wollten wir dann den Abend im Times Square Ableger der Heartland Brewery verbringen, beschließen dann aber doch diese Touristenfalle zu verlassen und schnellstens mit der Subway wieder in die Lower East Side zu fahren. Dort geht es ins Oliva, dem bisher schönsten Lokal, das wir besucht haben. Der Abend findet dann mal wieder sein Ende in der Lolita Bar, wo wir unsere Wirte mit unserer Kamera zum Wahnsinn treiben – aber immerhin, mindestens ein schönes Foto ist dabei rausgesprungen.

24. Woche 2001

Von Elke

Sun, 06/10/01
Und wieder mal ein Sonntag, der zu einem Sonntagsspaziergang einlädt. Nein, diesmal gehen wir NICHT zum Union Square. Wir sind ja nicht Union Square Addicted! Heute gehen wir die erste hoch bis zur 42nd Street.

Dort gibt es das UN-Gebäude samt Park zu besichtigen. Wir betreten die gepflegte grüne Oase, lassen uns auf einer der Parkbänke nieder und genießen das Treiben auf dem East River. Wir denken an die Isar und der Vergleich fällt mager aus. Wir wollen dem Bayernmetropolen-Fluss auch nicht unrecht tun, aber große Dampfer, Lastkähne, Segelschiffe und dergleichen mehr fahren halt nicht darauf. Nur hier und da mal ein Floß mit einer lustigen Gesellschaft drauf. Das sieht beim East River ganz anders aus.

Nach etwa anderthalb Stunden spazieren wir weiter und kommen irgendwann bei einer PJ Carneys Filiale vorbei, die wir natürlich erkunden müssen. Wir lassen es uns bei Draft Beer, Cabernet und Chicken Wings gut gehen, kaufen noch bei D’Agostino ein paar Lebensmittel ein und spazieren dann die 3rd Ave Höhe 39th bis zu uns wieder heim.

Schön ist’s durch das nächtliche Manhattan zu laufen!

Mon, 06/11/01
Eine neue Arbeitswoche bricht für Oliver an, während ich dabei bin, ebenfalls mein Job-Leben in den Griff zu bekommen. Heute Abend ruft wieder der Webgrrls Workshop und ich möchte meine Hausaufgaben gerne zu Ende bringen. Doch dazu an anderer Stelle und anderer Zeit mehr.

Nach einem arbeitssamen Tag wollten wir uns eigentlich unser geliebtes Food bei Mister Mak gönnen, doch hat der leider schon zu und somit bleibt uns nur Rosario’s Pizza. Die ist zwar nicht schlecht, aber von Pizza, wie wir sie im Italien nahen München kennen, meilenweit entfernt. Überhaupt: was sind das für Pizzen, die erst nachträglich mit Kräutern & Co. gewürzt werden? Und wer soll denn den ganzen Teig essen? Nee, ich steh halt doch auf Dr Oetkers Spinachi.

Tue, 06/12/01
Nach einem arbeitsreichen, erfolgreichen Tag soll ein erholsamer Abend folgen. Nach einem kleinen Snack in Form selbstgemachter Wraps, machen wir uns auf den Weg in den Bowery Ballroom. Dieser Weg ist nun wahrlich nicht weit, denn in nicht einmal fünf Minuten haben wir unser Ziel erreicht, obwohl für Stereo MCs auch etwas weiter gelaufen wären. Dieser Konzertbesuch ist Olivers Geburtstagsgeschenk und das Einlösen macht viel Spaß. Warum? Kommt gleich!

Der Bowery Ballroom ist noch ein wenig kleiner und intimer als Irving Plaza und sehr stimmungsvoll. Ist das vielleicht der Grund, weshalb neben dem üblichen Bändchen für’s Alkoholtrinkendürfen auch Kondome verteilt werden? Besonders lustige und zu witzigen Späßen aufgelegte Zeitgenossen können es dann auch nicht lassen, die Dinger Zweck zu entfremden, aufzublasen und durch’s Publikum zu kicken. Da die Zuschauerschar erst mal primär aus coolen Leuten besteht, die alle weit vom Bühnengeschehen entfernt, sich den Klängen des Londoner DJ hingeben, ergattern Oliver und ich die erste Reihe, in der man bekanntlich besonders gut steht, oder war’s die zweite? Ich bin jedenfalls immer gerne ganz vorn dabei, ist für mich dasr doppelte Konzertvergnügen. Die Halle füllt sich immer mehr und gegen 10:15 legt die Band dann auch los. Einer am Mischpult, einer am Schlagzeug, einer an den Drums, der Sänger und Kopf der Band am Mikro und daneben drei attraktive Sängerinnen. Diese – ich glaub’ ich darf sie so nennen – Girlies, legen eine tolle Show hin und es macht richtig Laune zuzuschauen. Doch nur Zuschauen is nich! Der Sound geht in die Beine und nach kürzester Zeit hip-hopt der ganze Saal. Alle dancen, bewegen die Arme, den Oberkörper, lassen die Hüften schwingen und die Beine hüpfen. Hier geht gerade ein echt geiles Konzert ab! Beschwingt und erfüllt und um ein Stereo MCs Mini-Poster reicher, gehen wir nach Hause.

Wed, 06/13/01
Nach dem üblichen E-Mail schreiben und chatten mache ich mich auf, in den Battery Park, mit Umweg über Borders. Ich habe bedingt durch den Workshop und Recherche bei Amazon & Co. einige interessante Bücher entdeckt und möchte gerne das ein oder andere erwerben.

Obwohl ja hauptsächlich Barnes & Nobles über alle Grenzen hinweg bekannt geworden sind (warum eigentlich?), hat es mir Borders angetan. Klar, auch der Laden ist mittlerweile eine Kette, aber irgendwie behagt mir dieser Bookshop mehr, als die Konkurrenz. Zudem führen weder B&N noch Borders die von mir im Internet entdeckten Werke. Keines der drei von mir auserkorenen Weiterbildungshilfen ist vorrätig und auf Bestellen habe ich im Internet-Zeitalter keine Lust. Also beschließe ich, andere zu kaufen. – Klinge ich nicht allmählich wie Big Brother? “Menschen beim Bücherkaufen – wer kauft die Interessantesten? Wer kauft nach 30 Tagen noch immer Bücher? Und wer hat am Ende der Zeit die meisten gelesen? – Grässliche Vision! Nichtsdestotrotz möchte ich meinen Einkauf nicht verschweigen: “Freelancing for Dummies” von Susan M. Drake und “The Five Rituals of Wealth” von Tod Barnhart. Es ist das erste Mal, dass ich mich für einen Dummy-Titel eintscheide, dachte ich doch immer, die sind für Dumme. Aber ich revidiere meine Meinung gerne. Dieses Buch für Freelancer ist verständlich geschrieben und prallgefüllt mit nachvollziehbaren Beispielen aus der Praxis. Als ich dann später im Battery Park angefangen habe, es zu lesen, war ich echt begeistert. Und ich bin es noch. Zudem kann ich die 21 Dollar als Selbstständige wieder abschreiben…

Was mir zudem gefällt, sind die Ergänzungen auf der Website dort gibt es täglich neue Tipps und natürlich eine Mailingliste, mittels derer sich die Daily Tips in die eigene Mailbox liefern lassen.

Auch das andere Buch gehört in die Kategorie “Selbsthilfe”, die in den USA ganz groß geschrieben wird, wobei dem Thema “Geld und Wohlstand” besonders viel Raum gewidmet wird. Jeder, der es “geschafft” hat, wird bewundert und zwar viel mehr als in Deutschland, wo immer eine sehr große Portion Neid mit im Spiel ist. Hier will man schlichtweg ebenfalls wealthy sein und ist bereit, einiges dafür zu tun. Eben auch solche Bücher zu lesen. I’ll keep you updated!

Thu, 06/14/01
Der heutige Tag verlief ähnlich wie der gestrige, nur dass ich statt zum World Trade Center zu pilgern, einen kleinen Abstecher zu Conway gemacht habe. Dieser Laden ist was für Fans der kleinen Preise! Hier gibt’s jede Menge Girlie-Shirts, Hawai-Hemden, Shorts, Badetücher, Dessous, Taschen und vieles mehr zu erstaunlich guter und stylisher Qualität. Man braucht nur ein wenig Zeit, entdeckt aber sicherlich das ein oder andere Super-Schnäppchen! Conway ist über die ganze Stadt verteilt, jedoch befindet sich mein Lieblingsgeschäft in der Broad Street, ganz nah bei Olivers Büro. Wir könnten uns also zum Lunch-Shopping im Conway treffen, wobei aber Oliver sicherlich den Battery Park einem Shopping-Lunch vorzieht.

Fri, 06/15/01
Die heutige Nacht war kurz – sehr kurz.

Um 6:30h bin ich mit Daisy an der Berliner Mauer 520 Madison Ave verabredet. Ich schaffe es einigermaßen rechtzeitig und gemeinsam pilgern wir zur Rockefeller Plaza. Dort hatten bereits viele vor uns dasselbe vor und so bekommen wir nur mehr ein Stehplätzchen mit vermeintlich schlechter Aussicht. Als dann aber gut zwei Stunden später “Sugar Ray” endlich loslegen, merke ich, dass wir einen super Platz erwischt haben. Die Plaza ist gestopft voll mit hauptsächlich jungen Girlies und Touristengruppen bestehend aus mittelalterlichen, Southener Ladies. Viele halten so neckische Plakate wie “Mark take me” oder “Tonight’s Ladies Night” hoch. Frau ist ja schließlich im Förnsehn! Ja, ja, der Auftritt der “alternative Rockband” wird auf NBC gesendet.

Vergleichbar sind der Jubel und die gesamte Szenerie mit der Meisterschaftsfeier des FCB auf dem Münchner Marienplatz. Okay, bei der Champions League Feier waren es bestimmt ein paar Hundert mehr Menschen, aber der Jubel bei einer “normalen” Meisterschaftsfeier kommt in etwa hin. Beindruckend! Nun sieht der Frontsänger in der Tat recht attraktiv aus, jedoch sind die musikalischen Wurzeln (The Clash, Sex Pistols, Red Hot Chilli Peppers) der Band um einiges interessanter, als deren eigene Musik. Egal! Es hat Riesenspaß gemacht und Daisy und ich stehen sicher wieder einmal früh auf, um dann vielleicht Dogstar oder Depeche Mode life zu sehen. Dream on, dream on. (am 27. Juni ist es soweit: Madison Square Garden!)

P.S. Es scheint, als ob wir mit Sugar Ray ein sehr gute Wahl getroffen hätten, da das zukünftige Lineup doch so einige Wünsche offen lässt.

Sat, 06/16/01
Es ist so unendlich heiß und seit Tagen schlafen wir nur mehr schlecht als recht. Jeder sagt uns “that’s just the beginning” und fürchten wir, dass bald alle Ventilatoren und Air Conditioner in ganz Manhattan ausverkauft sein werden. Und wenn nicht ausverkauft, dann doch nur mehr zu Wucherpreisen erhältlich. Deshalb machen wir uns auf den Weg zu unserem Allzweckladen Odd Job und erstehen für etwa 30 Dollar einen wunderschönen Ventilator. Na ja, auf die Optik kommt es weniger an, als auf die Funktionstüchtigkeit, doch die können wir erst am Sonntag prüfen, da wir am Samstag noch einiges vorhaben: wir machen eine Landparty!

In der Grand Central besteigen wir einen Zug, der uns in etwa 1,20 Std. nach Brewster bringt. Wir passieren Harlem und die Bronx unbeschadet, da der Express Train dort gar nicht erst hält, sondern erst wieder in White Plains stoppt. Von da weg bummelt er aber durch eine saftig grüne Landschaft, die mit vielen Friedhöfen sowie Seen und Bächen aufwartet. Hin und wieder hält der Zug, um an einer kleineren Ansiedlung Menschen zusteigen zu lassen. Hier sind sie zu finden, die amerikanischen Einfamilienhäuser, wie wir sie aus Filmen kennen.

Manhatten bezieht sein Trinkwasser übrigens aus der Gegend um Brewster, das laut Brigitte und Richard sehr gesund und absolut trinkbar ist, sofern es nicht durch alte rostige Rohre läuft. Seit ich das weiß (1. Juni) traue ich mich auch unser Leitungswasser zu trinken und bisher bekommt es mir auch. Am Bahnhof der Gegend des köstlichen Nass angekommen, holt uns Brigitte mit dem Auto ab. Und welch witziger Zufall: in dem Auto sitzt bereits ein Pärchen, das im Zug hinter uns saß. Die beiden wollen auch zur Party.

Angekommen genießen wir das Landleben und lassen es uns nur mehr gut gehen. Zu den weiteren Gästen gehören ein paar Kollegen von Richard sowie Ian und Daisy. Neben der herrlichen Natur-Idylle, der prächtigen Landluft und der heilsamen Stille, erfreuen wir uns an dem fantastischen Essen:

Cruditee – Broccoli, Cocktailtomaten, Stangensellerie, Spargel, gelbe Rüben, Zuchinistreifen und Radi tauchen wir in einen köstlichen Dip
Kräker mit Käsecreme
Riesenshrimps in Bier eingelegt genießen wir mit Petersilien-Chilli-Limonen-Dip (oh là là waren das leckere riesige Shrimps!)
Das war die Vorspeise, die wir plaudernd bei ein paar Bier aus aller Welt – hauptsächlich aus München! – zu uns nahmen, während der Chef grillte. Er legte bergeweise selbst marinierte Spare Rips auf den Grill. Später wurden diese durch Steaks ersetzt und auf einem anderen Grill wurden Tofu-Spieße gebraten. All das wurde im Living Room zu einem großen Buffet arrangiert, zu dem sich noch grüner Salat, Rote Beete Reissalat, Zwiebel-Bluecheese Tarte und BBQ Sauce gesellten. Seit Efpés Brai in Johannesburg, Südafrika, hatten wir kein so gutes Rindfleisch mehr gegessen. (Lassen wir mal die gegenwärtigen Verhältnisse in Deutschland/Europa außer acht.)

Wir alle waren begeistert und ließen uns die Köstlichkeiten schmecken. Irgendwann gab es auch noch Kaffee und Erdbeertorte und dann löste sich die Gesellschaft auf. Oliver und ich jedoch beschlossen, zu bleiben. Und so tranken wir gemeinsam mit Brigitte und Richard auf der Veranda noch ein Schlückchen Tullamore Drew und sinnierten ein wenig. Ohne wenigstens nicht etwas TV geschaut zu haben, kann kein amerikanischer Tag enden und so ließen wir einen wunderschönen Tag mit den “Iron Chefs” im Food Channel ausklingen.

In der Nacht brachte dann ein Sinnflutartiger Regenschauer die so lange erwartete Abkühlung., doch zurück in Manhatten, – HALT – das ist ja schon wieder die nächste Woche.

23. Woche 2001

Von Oliver

Am Sonntag sieht die Welt schon wieder besser aus – der Rausch ist endgültig ausgeschlafen und wir stürzen uns wieder ins New Yorker Leben – ganz langsam nur mit einem Spaziergang zum Battery Park und einem Besuch des World Financial Center, New Yorks schönstem Einkaufs- und Bürozentrum. Die Geschäfte haben hier zwar fast alle zu, aber wir finden einen Platz in Edward Morans Bar & Grill auf der Plaza vor dem WFC. Dort könnte man übrigens auch sehr schon draußen am Yachthafen sitzen, leider ist es zu kalt. Wir beschließen das an einem schönen Sommerabend nachzuholen – nach dem lausigen Chickenburger überlegen wir uns das aber noch mal.

Montag gehört dann leider der ersten finanziellen Transaktion, die wir hier durchführen müssen, da uns Gas- und Stromlieferant ConEdison droht, den Saft abzudrehen. Nicht unsere Schuld, aber durch einen Fehler in der Kontonummer ist ein größerer Betrag von unserem Vermieter übriggeblieben. Zum Bezahlen brauchen wir eine Post, um eine Money Order zu kaufen, die dann per Brief an ConEd versendet werden muss. Was einfach aussieht, führt zu einer längeren Odyssee, deren positiver Höhepunkt ein Cesars Salad in einer Salatbar und ein Besuch bei Bloomingdales in der Lexington Ave bildet. Anschließend geht Elke zu einem Workshop, bevor wir den Tag mit einem Mahl von Mr. Mak Asia Garden abschließen.

Dienstag erwartet mich mein erster Arbeitstag, der mit einem Marsch von uns aus über Chinatown nach Downtown beginnt. Auch wenn mich mein bisheriger Arbeitsweg immerhin durch Münchens Klein-Istanbul geführt hat, Chinatown ist doch eine ganze Ecke exotischer. Und in der Wall St. zu arbeiten ist natürlich was ganz Besonderes, hier pocht schließlich das Herz der Weltwirtschaft – auch wenn man das den Aktienhändlern in ihren merkwürdigen Kitteln vielleicht nicht gleich ansieht. Mein Büro ist da etwas ernüchternder, da leider ohne Fenster. Aber das soll sich ändern, wenn wir umziehen. Schöne Aussichten!

Diesen und die darauffolgenden Abende verbringen wir natürlich in der Lolita Bar zur After Work Happy Hour, bevor wir zum Essen nach Hause gehen und den Abend mit Seinfeld abschließen. Nur am Donnerstag besuchen wir ein besonderes, kulturelles Broome-Street-Ereignis: Lolita-Wirtin Katie gibt zum ersten Mal in ihrem Leben den DJ und das gar nicht mal so schlecht. Wir freuen uns auf mehr…

Freitag wollen wir dann natürlich ausgehen und landen schließlich im Nice Guy Eddie’s, wo es einen sehr guten und zudem preiswerten Burger gibt. Leider findet an diesem Abend ein Basketballspiel Los Angeles gegen Philadelphia (oder Lakers gegen Philly wir es hier heißt) statt. Das muss was Besonderes sein, denn das Eddie’s ist brechend voll und es herrscht eine Stimmung wie in der Klenze 17 während der Fußball-Weltmeisterschaft. Wir essen und fliehen dann in die Orchard Bar auf einen Drink, bevor wir nach Hause gehen, um noch ein Stückchen “E-Mail für Dich” mit Meg Ryan und Tom Hanks anzuschauen.

Das inspiriert uns dann schließlich auch, erneut die Website vom Upper Westside Girl durchzugehen und dann tatsächlich durch die Upper Westside zu spazieren und ein Paar der Schauplätze aus dem Film abzuklappern. Wir fangen an mit einem Künstlermarkt im Lincoln Center (dort wo die Metropolitan Opera ist), einer Art Tollwood für die oberen Zehntausend. Aber der erste Eindruck täuscht, die Upper West Side ist ein sehr europäisch anmutendes Viertel, das stark an Paris mit doppelt so hohen Häusern erinnert. Nach einem 75-Cent-Hotdog bei Gray’s Papaya besuchen wir dann auch Zabar’s, ein Lebensmittel- und Haushaltswarengeschäft für das es sich fast alleine schon lohnen würde, an die Westside zu ziehen. [Anm. v. Elke: es gibt dort den leckeren, aus echter Schafsmilch hergestellten und 10% Fett enthaltenden griechischen Total Joghurt und nicht nur in der 200g sondern gleich der 16 Oz Packung. Wir haben ihn aber nicht gekauft!] gesagt, nachzulesen ist das alles hier

Gegen Nachmittag spazieren wir dann am Hudson-Ufer vorbei am Ship Terminal, wo damals unsere Hochzeitsreise auf der QE2 endete, zurück nach Midtown, wo uns Ken mit Lasagne, dem inzwischen ja bekannten Blick aus dem Fenster und vier Freundinnen erwartet. Gemeinsam schauen wir einen weiteren New York Klassiker: As Good As It Gets.

22. Woche 2001

Von Elke

May/ 27/ 2001
4 Alkoholeinheiten, eine davon sehr leicht, die andere sehr klein
0 Nikotineinheiten, außer die in der Lolita Bar mit eingeatmeten
3 Essensheiten, gesund
5 Bewegungseinheiten, sehr gesund! Bin stolz auf mich.
7 Schlafeinheiten, gut für’s Wohlbefinden!
1 TV-Einheit, sehr gut. Muss ja informiert sein. Letzte Folge von Spin City. Michael J. Fox verlässt die Serie.
2 Internet-Einheiten, sehr gut. Kleiner Chat mit Dad, sehr gut für die Familienbande.
1 Telefoneinheit. Sehr schön!
Sonntagmorgenritual: der angetraute OliB verlässt die Suite, um geistige und ordinäre Nahrung zu besorgen. Er kommt wieder mit der Sunday New York Times und zwei Sandwiches mit warmer Pastrami, etwas Salat, Tomate und Senf. Tee und Kaffeetrinken und dabei das TV-Programm der kommenden Woche checken. Dawsons’ Creek läuft immer noch, welch ein Glück! Werde ich aber wegen Pink Slip Party verpassen.

Reiseziele innerhalb Amerikas gecheckt. Amerika ist groß. Festgestellt, es GIBT Reiseziele!

Karte vom Staat New York aufgehängt. Long Island ist auch groß. Mindestens 40 mal so groß wie Manhattan.

Nach ausgiebigen Studium der Karte von Eltern angerufen worden. Ergebnis: allen geht’s gut und die Berge stehen noch und der Pflegersee lädt zum Baden ein.

Dann Aufbruch zum Sonntagsspaziergang mit OliB. Angefangen in der Orchard Street. Dann die 1st Avenue bis zur 13th Straße bis zum Union Square hoch.

In Elektrogeschäft verschiedene Klimaanlagen bestaunt und gelernt: auf die Größe kommt’s an!

In Souvenirladen und Beanie Babies gedrückt.

In Feinkostgeschäft und dort Produkte umgedreht. Das Food Emporium am Union Square bietet wahrlich alles, was das Herz begehrt: fertige Käsewürfel-Kräcker-Platten, Hummerzangen, Geburtstagstorten, eine Sushi-Life-Bar oder No-Fat-but-pure-sugar-yoghurt. Das Beste aber ist die “Money Back Machine”, vor der sich einige Familien drängelten, um ihre Säcke mit Kleingeld gegen Scheine umzuwandeln.

Nach diesem Erlebnis ließen es OliB und ich etwas ruhiger angehen und lustwandelten auf der Park Avenue South zur Grand Central Station hoch. Schöne Ausblicke auf Empire State und Crysler Building genossen. Kein Menü im Kitano Hotel genossen, da zu teuer.

Ecke 42nd und Park Avenue South Blick Richtung Helmsley Hotel geworfen und an Honeymoon gedacht.

Tapfer weiter die 42nd in gegen gesetzter Richtung gelaufen. Schließlich in die 5th eingebogen, auf der Suche nach den Gattinnen der FCB-Spieler. Vielleicht waren die Ladies aber gar nicht beim Shoppen, sondern mussten ihre Männer, die gestern in NYC gegen die Metro Stars 0:2 verloren hatten, trösten? Ob frau wohl einen Bundesliga-Champions-Leage-Doppelsieger trösten muss? Wohl kaum! Wir haben auch keine blonden Spielerfrauen gesichtet und genehmigten uns deshalb zur Stärkung absolut touristisch bei Sbarro einen Salat (zweite Essenseinheit!) und ein kleines Bier (Leichtbier, also gesund!).

So konnten wir dann bis zum Central Park durchhalten, sahen den Touristen beim Taubenfüttern und beim Betreten des Plaza Hotel zu. Auf dem Central Park South spazierten wir bis zur Central Park West, um die AOL-TimeWarner-Baulücke zu bestaunen und zu fotografieren.

Mit Train D zur Grand Station und beim Lieblingsasiageschäft Chilli-Öl, Putenfleisch, Asiaspinat, Broccoli und Ingwer gekauft.

Dritte Essenseinheit zubereitet und gegessen. Leicht, deshalb gut und gesund.

Zweite Alkoholeinheit in Form eines chinesischen Tsing Tao Bieres genossen. Gesund, da fernöstlich und weise.

Zum Bettgehen zu früh, zum groß Weggehen keine Lust, also besuchten OliB und ich noch die Lolita Bar, die sehr gut besucht war. Wir bekamen nur mehr im Schaufenster Platz. Nach zwei kleinen Alkoholeinheiten zurück in die heimische Suite und schlafen. Ja, ja, so Ein-Zimmer-Studentenbuden heißen hier tatsächlich “Suite” – hoch leben die Euphemismen!

May/ 28/ 2001
5 Alkoholeinheiten, davon zwei am Nachmittag und zwei am Abend. Außerdem: Memorial Day!
0 Nikotineinheiten, selbst keine. Mit eingeatmet in der Lolita Bar und im Irving Plaza. Die drei Zigaretten von Brian Molko ebenfalls eingeatmet.
2,5 Essenseinheiten – darunter Chips und ein Happen BBQ Fisch
1,5 Bewegungseinheiten, dafür stundenlanges Stehen und Mitwippen bei Konzert
7 Schlafeinheiten
0,5 TV-Einheit, den Golden Girls geht’s gut
1 Internet-Einheiten, nur schnell E-Mails gecheckt
Am Memorial Day bis 9:00h morgens geschlafen. Spinatwraps gewickelt: Gurke, Tomate, Schinken, Käse, Chillies, Huhn – alles in Streifen schneiden und aufwickeln.

E-Mails gelesen und eine beantwortet. Sehr gut.

OliB ist mit Businesskram beschäftigt, beschäftige ich mich also selbst. Heute stehen zwei Ereignisse an:

1 – Neighbourhood kennenlernen
2 – Placebo kennenlernen
Wahrscheinlichkeit von 1: sehr gut
Wahrscheinlichkeit von 2: sehr schlecht
Spaßfaktor bei 1 und 2 auf einer Spaßfaktorskala von 1 bis 10 – 8 bzw. 10.

Puh! Was für ein Tag.

Also. Das Nachbarschafts BBQ war recht nachbarschaftlich, da die sich alle kannten uns aber niemand. Wir sind auch schüchtern. Neue Leute kennenlernen war noch nie einfach, oder soll ich rumgehen, allen die Hand schütteln und sagen “Hi, I am Elkie from Munich Germany, pleased to meet you”? Bisschen seltsam, oder?

Auch kommt niemand auf mich zugestürmt und will wissen, wer ich bin. Auch OliB wird nicht bestürmt. Machen wir was falsch?!?!

Immerhin: Katie weiß gleich mal, dass OliB gerne Brooklyn Lager drinkt, während ich mich erstmal mit ‘ner Diet Coke einstimme. Ich wage es auch noch eine zweite Diet Coke zu trinken, die mir Lea ausgibt. Später gibt sie uns auch noch ein Mexican Beer aus. Und mir noch eines aus der Dominikanischen Republik. Das mexikanische fand ich besser. Und dann war da noch Ilt, nein, nicht Tilt, Ilt. Mit dunklen Haaren und etwas gepflegterer Erscheinung könnte er für diesen Britischen Schauspieler gehalten werden, der gerade den gutaussehenden Chef in dieser Tagebuch-Verfilmung gibt. Sein Britisch ist hinreißend. Nein, nicht Hughes Grant’s – doch, dessen auch – nein, ich meine Ilt. Er spricht ein wundervolles englisches Englisch. Jedenfalls hat sich dieser Ilt um mich gekümmert, und sah mir gleich an, dass die fettigen Hotdogs und Burger nichts für meine Top-Figur sind. Er empfahl mir den später noch zu grillenden Fisch, den er, wie sich herausstellte, selbst gefangen hatte. Was für ein Typ! Fischer und Engländer. Und blond. Obwohl, das mit dem Engländer muss ich noch überprüfen, könnte mich da auch irren… Nachdem zumindest OliB ein wenig von den Hotdogs und Wurstels gekostet hatte, machten wir uns auf den Weg in die Irving Plaza.

In der 14th Straße angekommen, wickelte sich eine Menschenmasse einmal um den Block. Also stellten sich OliB und ich uns am Ende der Schlange an und kamen doch tatsächlich nach nur 15 minütigen Wartens in die Hallen. Und dort geschehen doch echt noch Wunder. Damit ich schon Alkohol trinken darf und mich nicht ein Barkeeper versehentlich für unter 21 hält, bekam ich ein “Alkohol-Bändchen” ans Handgelenk. Das baut auf. Hat der denn nicht GESEHEN, wie alt ich bin? Wollte der Knabe doch tatsächlich auch noch meine ID sehen. Werde ich öfter machen! Ist gut für’s Selbstwertgefühl so eine Veranstaltung.

Wir fanden oben auf dem Balkon ein nettes Stehplätzchen. Herrlich! Unter uns die tobende Menge und von der Bühne gerade mal 15 Meter entfernt wir. Die Vorband Idlewild mühte sich redlich, doch kamen die Burschen von ihrem Schulbandimage nur schwerlich los. Da zeigte der Hauptact schon mehr. Ach ja mehr, eine Konzertkritik gibt’s hier: Placebo

Wie immer war auch dieses Konzert viel zu schnell zu Ende und so fuhren wir mit der 6 und der B nach Hause.

May/ 29/ 2001
4 Alkoholeinheiten, davon zwei Leichtbier
0 Nikotineinheiten
2 Essenseinheiten
3 Bewegungseinheiten, gut
7 Schlafeinheiten
2 TV-Einheiten – die Golden Girls am Morgen
5 Internet-Einheiten, inklusive zweier Chats
Immer noch Bauchschmerzen. Gehen die denn nie weg? Ah – gestern schönes Erlebnis gehabt.

Mit ein paar Knäckebroten und Tee in den Tag gestartet und E-Mails gelesen und beantwortet. Nachmittags ein wenig gechattet, mit wem, bleibt geheim.

Am Abend sind wir auf die Pink Slip Party irgendwo in Midtown. Da ich ja dieses Jahr gepinkslipped wurde, bin ich da genau richtig.

Wie für uns schon selbstverständlich, machen sich OliB und ich wieder zu Fuß auf den Weg und kommen irgendwann am unvermeidlichen Union Square vorbei. Hunger! Was tun? Ins Republic (oder hier)! Da waren wir erst einmal und ein zweites Mal sichert die erste Erfahrung ab. Auch diese zweite war wieder positiv. Lecker!

Irgendwann sind wir dann im Hush (17 West, 19th Street btwn 5th and 6th Ave) und obwohl die Drinks eigentlich 3 Dollar kosten sollten, will der Rastaman da an der Bar 13 von mir haben. Aha – nur zwei spezielle Biersorten gibt’s für drei Bucks das Stück. Muss man wissen.

Mit einem leuchtenden pink und OliB mit einem phosphoriszierenden blauen Supporter-Band ausgestattet, drehen wir eine Runde. Hm, ziemlich langweilige Bande hier. Wer will denn schon bei einer Finanz-Firma anfangen? Und was tun all die Recruiter-Fuzzies hier? DIE sollen weiterhelfen? DIE sollen irgendwelchen Fun in diesen trüben Abend bringen? Irgendwann holen wir uns ein 3-Bucks-Bier und während wir uns noch so fragen, was denn die drei aufgestrapselten Gazellen mit diesem Typen mit Glatze anstellen, steht dieser auch schon auf der Bühne. Aha – Groupies! So sehen nämlich keine dot-com-laid-off-girlies aus! Und dann legen die los die Jungs von @@LINK http://www.theangelparty.com Angel Party. Sie spielen hauptsächlich Sound nach, aber so richtig geile Kracher wie “Should I Stay or Should I Go” oder “I Want you to Want me” – was man sich halt bezüglicher neuer Dotcomjobs und potentieller Arbeitgeber so denkt. Und ihre Version von “Relax” kann sich echt hören lassen.

Nach einem schließlich doch sehr gelungenem Abend spazieren wir unter Zuhilfenahme der Subway nach Hause.

Do May/ 31 / 2001
Alkoholeinheiten – die ein oder andere, schließlich feiern wir ja bald Geburtstag
Nikotineinheiten – nach wie vor: keine selbst geraucht.
2 Essenseinheiten – kleines Frühstück und kleiner Snack
5 Bewegungseinheiten – sehr gut!
6 Schlafeinheiten
1 TV-Einheit – Seinfeld
1 Internet-Einheit, ganz kurz E-Mails gecheckt
Einkäufe beim Essex Street Market alle erledigt und es fehlen nur mehr ein paar kleine Leckereien für das bayerisch-mediterrane Buffet morgen.

Auch bräuchte ich noch ein kleines Etwas für OliB. Aber warum sollte ich an diesem wunderschönen sonnigwarmen Tag alleine lostraben? Also gehen OliB und ich gemeinsam zuerst die Orchard St entlang, überqueren die Houston, biegen in die Second ein und laufen bis zur 14th hoch und zum Union Square. Nach einem schicken Einkauf im Food Emporium trennen sich unsere Wege kurz.

Dann treffen wir uns wieder, spazieren die 2nd wieder runter und kehren zu einem Happy Hour Drink im Ryan’s Pub ein. Wenn der kleine Hunger kommt: Chicken Wings!

Eigentlich wollten wir dann nach Hause und ich noch ein wenig kochen. Als wir aber so auf der Avenue 2 entlang laufen, kommen wir an einer unglaublich stimmungsvollen Bar vorbei, die uns geradezu nötigt, einzutreten. Diese unglaublich schöne Bar hat auch noch bis 10 Uhr Happy Hour auf ALLE Getränke und einen unglaublich gut aussehenden, ich meine musikalischen, DJ. Er unterhält uns mit einer Mischung aus Techno, TripHop, Trance – coole Abhängmusik eben.

Schließlich machen wir uns doch noch auf den Heimweg, um Seinfeld zu schauen.

Und später Geburtstag zu feiern.

In der Lolita Bar natürlich! Natürlich.

Um Mitternacht gebe ich OliB ein Geburtstagsküsschen und eines seiner Geschenke. Okay, ich geb’s zu, ich beschenk mich selbst auch: 12. Juni Bowery Ballroom die Stereo MCs. OliB freut sich riesig und ich mich mit ihm. Auch erfahren wir heute endlich, dass “the other guy”, der mit den beiden Lolita Girlies den Laden schmeisst, Clyde heißt. Und Clyde gibt uns einen Whiskey aus. N’en guten, nicht den Cheap Stuff den’s bei den Wells gibt.

Da wir, äh OliB, morgen einen großen Tag haben, lassen wir den Abend nicht so lang werden, sondern gehen gegen eins nach Hause, schlafen.

Fr June/ 01/ 2001
Alkoholeinheiten: wer will denn schon wissen, wie viel jeder auf ´ner Feier getrunken hat? Eben! Sekt gab’s jedenfalls keinen, auch keinen Kaffee oder so, dafür aber Bier und Weißwein und…
0 Nikotineinheiten. For sure.
Essenseinheiten: zu wenig. Wie immer auf Partys.
Bewegungseinheiten: zu wenig.
Schlafeinheiten: genug.
TV-Einheit: keine.
Internet-Einheiten: keine.
Treffe alle Geburtstagsvorbereitungen.

Wir frühstücken einen Cream Cheese Bagel, den OliB einholt, während Tisch von mir gedeckt wird, mit allen Geschenken drauf. OliB ist dann auch echt überrascht und erfreut. Unser Multifunktionstisch ist mit Kerzen, Päckchen und Glückwünschen übersäht.

Dauernd klingelt das Telefon und ich darf auch das ein oder andere Mal mit den Lieben aus nah und fern telefonieren – aber ich bin ja auch heute nicht die Hauptperson. Warum eigentlich nicht? Ach, was, ich hab’ ja die anderen 364 Tage des Jahres!

Dann feiern wir in unserer Suite (siehe oben) eine rauschende Party in zwei Aufzügen (so nennt man das doch beim Theater, oder?).

Um sieben kommen Ian, Daisy, Brigitte [bridsched] und Richard. Und sie können wählen aus bayerischem Kartoffelsalat und Fleischpflanzerl, italienischem Insalata Caprese, spanischen Pan con Tomate y Jamón sowie griechischem Choriatiki. Wir hatten sehr viel Spaß und unterhielten uns hauptsächlich über Filme, New York und Ungeziefer. Zudem konnten wir alle den Richard überzeugen, seinen Geburtstag zu feiern. Super! So kommen OliB und ich in den Genuss bald “Brewster” kennenzulernen. Nördlich von New York. Und in Brewster gibt es Ameisen. Und eben demnächst eine tolle Party mit den wohl leckersten Spare Ribs der Welt. Sagt Brigitte.

Um elf brachen die vier auf und wir hatten eine Verschnaufpause bis kurz vor Mitternacht als dann Ken mit drei Freunden aus Richmond auftauchte. Diese aßen dann den Rest des Buffets. Und gemeinsam brachen wir auf. Wohin? Zur Lolita! Dort fand ich dann heraus, dass Ilt tatsächlich Brite, nämlich Waliser ist. Und dass Clyde sehr nett ist und aus der Musikbranche stammt. Und Cathy ist ebenfalls sehr nett. Und beide und Ken haben mir einen Drink nach dem anderen ausgegeben. 1-800-Lawyer! Doch lassen wir das.

Es war ein wunderschöner Abend, verbracht mit lauter neuen Freunden. Diesen Abend hätte nur ein Abend mit lieben, alten Freunden toppen können. In New York, versteht sich!

June / 02/ 2001
Alkoholeinheiten? Wie viele werden es am Tag nach einer rauschenden Party schon sein? Blöde Frage! Nächste bitte.
Nikotineinheiten? Da ich selbst nicht mehr rauche, Oliver glücklicherweise noch nie hat gab’s an diesem Tag keine einzige. GESUND!
Essenseinheiten? Habe ich doch tatsächlich köstliche Spaghetti gekocht, aber nicht wirklich gegessen. Später gab’s dann zur Post-Feier zwei Fish-Mac, die in USA Filet-O-Fish heißen.
Bewegungseinheiten? Von der rechten auf die linke Seite und von der linken auf die rechte. Für kurze Zeit auch sitzend. Im Bett.
Schlafeinheiten? Wechselten mit den Wach-Einheiten ab!
TV-Einheiten? Genau eine. Dauerte 12 Stunden.
Internet-Einheiten? Keine! Bin ja kein Internet-Junkie, oder?
Nach Jahren der Abstinenz mal wieder MTV geguckt. Das Sommer ABC oder amerikanisch: summer a to z with your host Mark McGrath. Hübsches Kerlchen, dem kann frau doch glatt zwei Stunden lang zugucken. Ist übrigens Sänger der Band Sugar Ray. Kann nicht wirklich gut singen, ist dafür aber unterhaltsam.

Doch zwei Stunden Teenie-Musik-Gequatsche sind genug und so habe ich meinen neuen Lieblingssender entdeckt.

Fantastischer Channel. Komplett ohne Werbung. Da braucht man nicht einmal mehr die Fernbedienung zu bemühen. Empfiehlt sich ganz besonders für solche Tage.

Channel Thirteen heißt das Prachtstück, welches mich mit einer ausführlichen Reportage über den Film und das Musical und die Braodway Neugestaltung “42nd Street”, anschließend dem Musical “Crazy 4 you” und schließlich tänzelte noch Gene Kelly als “Ein Americaner in Paris” über die Mattscheibe. Herrlich! Dazwischen gab’s zwei britische Komödien, die mich für kurze Zeit diese amerikanische Sprachwüste vergessen ließen und mit British English samt Humour erfreuten.

21. Woche 2001

Von Oliver

Die 21. Woche des Jahres ist unsere 7. Woche in New York und so langsam stellt sich Routine ein. Nachdem die Greencard-Sache am Laufen zu sein scheint, steht nur noch die Jobsuche auf dem Programm.

Für diese Woche rechnen wir dann auch damit, dass einiges in der Job-Angelegenheit passiert. In der Lolita Bar stoßen wir schon mal darauf an.

Montag ist dann auch der Tag, an dem bezüglich Job der Knoten platzt. Ein Bewerbungsgespräch – dazu steht das Telefon fast nicht mehr still. Für Dienstag abends ist dann ein weiteres Interview geplant, für Mittwoch komme ich schließlich sogar ziemlich ins Schwitzen, mit mehreren Agencies Termine auszuhandeln. Wieso eigentlich nicht gleich so?

Dienstag ist ein Tag, an dem sich ein Nebel aus feinem Nieselregen über New York legt. Wir haben mit Ian für den Abend eine Verabredung für das Ziegfeld Theatre beim Times Square, in dem eine Preview des Films “Moulin Rouge” läuft. Für mich bedeutet das Stress, denn ich habe kurz vorher ein Gespräch bei einer eBusinessfirma in der Nähe des Flatiron. Dort lassen sie mich netterweise noch eine dreiviertel Stunde warten, wobei praktischerweise kein Handyempfang möglich ist, so dass ich erst draußen auf der Straße erfahre, dass Elke bereits im Kino sitzt und mein Ticket hat. Das erkläre ich auch der Dame an der Ticketkontrolle, die mich glücklicherweise nur kurz mitleidig anlächeln kann, weil Elke auch gleich die Treppe heruntereilt und mir meine Karte in die Hand drückt.

Über den Film gibt es viel zu erzählen – tolle Schauspieler, tolle Aufnahmen, tolle Musik und eine tolle Website. Alle, wir zwei, Ian und noch drei weitere Freunde, verlassen das Kino ziemlich berauscht und am Abend hört man mehrfach Aussagen wie “der beste Film, den ich seit langem gesehen habe”. New York tut sein übriges zur magischen Stimmung hinzu – der Nieselregen legt einen Schleier über die Stadt – die Wolkenkratzer verlieren sich im Nebel, als wären sie unendlich hoch und dort wo am Ende der 7th Ave. der Central Park sein sollte, ist nur ein blau-graues Nichts. Wir schlendern durch Midtown und wollen den Abend im Carnegie Deli beschließen, ein Ort in dem man sicher fantastisch Essen, aber bestimmt kein geselliges Beisammensein verbringen kann. Jetzt schlägt die Stunde von P.J. Carneys (schaut nach, wir haben eine solche Situation schon vorausgesehen), eine Bar, die uns der unwirtlichen Straße entfliehen lässt und uns mit irischer Gemütlichkeit umgibt.

Mittwochs dann ein Gespräch bei Goldmann Sachs: Das Wetter ist noch dasselbe und der Blick aus dem Fenster im 45. Stock ins Weiße lässt einen glauben, man schwebe über den Wolken. Vielleicht ein Gefühl, das die Herren Investmentbanker tatsächlich des Öfteren haben.

Abends kommt dann die Nachricht aus München: Der FC Bayern hat die Champions League gewonnen. Das muss natürlich gefeiert werden, auch wenn in NYC niemand davon Notiz nimmt. Kevin, ein kalifornischer Barkeeper in der Lolita Bar, freut sich dann aber doch höflich mit uns.

Am Donnerstag mache ich dann noch eine weitere New Yorker Erfahrung: im Gegensatz zu allen anderen Avenues ist die Park Avenue an der 34th Street geteilt. Südlich der 34th St. nennt sie sich Park Avenue South und hat eine eigene Nummerierung. Zwischen den Hausnummern auf der Park Ave. und Park Ave South liegen 25 Blocks – man sollte also hier ein bisschen aufpassen.

Am Freitag ist es dann endlich soweit: das erste Jobangebot und noch ein ziemlich gutes. Das ist so, wie wenn einem ein ganzes Gebirge vom Herzen fällt. Wir haben natürlich nichts besseres vor, als in die Lolita Bar zu rennen und das kräftig zu feiern, bevor wir uns dann mit Mr. Maks Asian Food vor die Glotze verziehen.

Samstag gönnen wir uns dann einen Spaziergang durch die besseren Möbelhäuser in Soho. Ja, man muss seine Wohnung nicht amerikanisch-geschmacklos einrichten, sondern kann sich auch was Besonderes gönnen. Und, mal den ungünstigen Dollarkurs außer Acht gelassen, so fürchterlich teuer ist das auch nicht. Der Tag und die Woche findet dann ein schönes Ende in einem gar nicht so unbekannten Pub: dem Lions Pub in der Bleecker St. im Village.

20. Woche 2001

Von Elke

Die zwanzigste Woche des Science Fiction trächtigen Jahres 2001 stand ganz im Zeichen der Einwanderung: auf der Jagd nach der grünen Karte.

Nicht zu verwechseln, mit der, in deren Besitz ich die letzten Jahre war und mit der ich für DM 69,00 ab neun Uhr morgens die Münchner Verkehrsbetriebe nutzen durfte. Nein, die Karte, welche den Immigrationsprozess besiegelt und mit etwa 600 Dollar INS-Bearbeitungsgebühr ein wenig kostspieliger ausfällt. Dafür ist sie aber auch nicht wirklich grün, sondern eher bräunlich. Zudem dürfte der Moment, in dem man sie dann endlich in Händen hält auch ein ganz besonderer sein. Vergleichbar vielleicht mit den beiden Jahren der Kollegstufe, in denen man dem Abitur entgegenfiebert, nur um sich dann dem Erwachsenenleben stellen zu können. So wie ich mich nach Erhalt der Green Card dem amerikanischen Arbeitsmarkt stellen darf.

Wer kennt eigentlich nicht den herrlich romantischen Film “Green Card”, in dem Andie McDowell und Gérard Depardieu eine Scheinehe eingehen? Sie tut es, um eine der seltenen New Yorker Wohnungen mit Dach- und Wintergarten beziehen zu können. Er tut es, um als Franzose in Amerika leben und arbeiten zu dürfen. Geschrieben und verfilmt wurde die Story vom Australier Peter Weir. Und hier bereits erkennt man den Haken, an dem die Filmstory hängt. Hat er als Australier tatsächlich jemals versucht, die Green Card zu beantragen? Kennt er als Australier den Prozess? Und nutzte nicht er als Filmemacher den für einen Film notwendigen Fiktionsbonus, d.h. 40% Realtität und 60% Fiktion? Bei aller Liebe zu diesem Film, und ich finde ihn nach wie vor fantastisch, aber eben fantastisch, das heißt, er gehört zu großen Teilen ins Reich der Fantasie!

Man heiratet nicht einfach und bekommt dann von einer guten Fee die Green Card. Die gute Fee überreicht dieses braune Papierkärtchen noch nicht einmal dann, wenn man sich den lästigen Interviews unterzogen und diese bestanden hat. An einer Nachtcreme dürften Oliver und ich wohl auch kaum scheitern, auch nicht an der Lieblingsfarbe, am Lieblingsschauspieler oder an der Lieblingsweinssorte. Weshalb die Unternehmung aber misslingen könnte – und wohl auch bereits bei Brontë (Andie) und Georges (Gérard) missglückt sein könnte, ist die Bürokratie.

Und eines sei versichert: die amerikanische steht der deutschen in nichts nach. Nun ist Deutschland im Gegensatz zu Amerika kein Einwanderungsland, weshalb Immigrationen dort nicht unterstützt werden. Die Vereinigten Staaten hingegen gelten weiterhin als Einwanderungsland und begrüßen alle Immigrationswilligen durchaus. Sofern man es geschafft hat, sich durch den Bürokratiedschungel zu schlagen. Trotz Internet und der darüber in Newsgroups, Messageboards oder entsprechenden Websites vertriebenen Informationen, war das nötige Basis-knowhow nicht in Erfahrung zu bringen. Dies gibt’s dafür aber bei einem Anwalt für zwischen 150 und 300 Dollar die Stunde. Wissen hat eben seinen Preis!

Als Brontë (Andie) mit ihren Freunden in einem noblen Lokal essen war und dabei von Georges (Gérard) bedient wurde, arbeitet er ja eindeutig ohne dass er im Besitz der Green Card war. Gehen wir mal davon aus, dass er bereits seine “Work Permission” besaß. Die Arbeitserlaubnis kann man separat beantragen und erhält diese etwa drei bis vier Monate nach Antragseinreichung. Andererseits darf man auch ohne Arbeitserlaubnis einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, da der Arbeitgeber das Risiko zu tragen hat.

Halten wir also fest: ohne Erlaubnis arbeiten ist erlaubt, aber einen Antrag auf die Green Card innerhalb der ersten dreißig Tage der Einreise mit Touristenvisum zu stellen, ist verboten. Oh, well!

Warum sollte man überhaupt eine Work Permission wollen, wenn doch das ganze Verlangen der Green Card gilt? Anscheinend erliegen so viele Menschen dem Wunsch nach US-Immigration, dass die in diese Prozesse involvierten Personen das Pensum nicht mehr erfüllen können und die Aushändigung einer echten Green Card mittlerweile mindestens zwei Jahre dauert. Während dieser zwei Jahre dürfte ein Antragssteller weder arbeiten noch reisen. Wohin auch sollte man ohne Arbeit, sprich Geld, auch schon reisen? Vielleicht würde man aber doch gerne ins Mutterland reisen? In diesem Fall ist eine Travel Permission erforderlich, die es etwa zeitgleich mit der Work Permission gibt. Also drei bis vier Monate nach Einreichen der für die Green Card notwendigen Formulare. Aufhalten darf man sich aber während dieser Zeit in den USA das nur für drei Monate gültige Touristenvisum ist dann aber längst schon abgelaufen. Was bin ich dann? Ein Illegal Alien? German Woman in New York? Wie war das doch gleich nochmal mit dem English Man, dem legal alien?

Um jedoch bei all diesen Prozessen nicht allein gelassen zu sein, nahmen wir uns nun einen Attorney At Law zu Hilfe. Die nächsten zwei Jahre wird uns also Mister Brown begleiten und am Ende dieser Zeit hoffentlich auch die Worte sprechen, die wir ihn zu einem seiner Klienten bei unserem ersten Besuch sagen hörten: “Congratulations. You are now a lawful US resident.”

Wäre es nicht einfacher, wenn Georges oder ich bei der jährlich stattfindenden “Green Card Lottery” mitmachten? Dann spart man sich doch den ganzen Behördenkram. Weit gefehlt! Wer auch immer bei der Lotterie gewinnt, der muss selbstverständlich ebenfalls den gesamten Prozess durchlaufen. Der Gewinn besteht lediglich aus der Berechtigung sich für eine Green Card bewerben zu dürfen, man bekommt diese aber nicht “geschenkt”. Das nur, um ein und für alle Mal mit diesem elenden Gerücht aufzuräumen.

Wie aber geht es bei Oliver und mir weiter? Nun, ich möchte natürlich nicht wie Georges abgeschoben werden, während der Mann, den ich liebe, New York genießt. Auch Brontë und Georges haben ja am Ende zueinander gefunden und ihnen brach sicherlich das Herz, als sie sich trennen mussten. Um das zu vermeiden, werde ich eben bis Herbst die USA nicht verlassen – nach Florida darf ich aber – ich werde versuchen, einen Arbeitgeber zu finden und mich ansonsten möglichen deutschen Projekten, unserer Website, der Wohnungssuche sowie Möbilierung und anderem widmen.

In der Zwischenzeit lasse ich mir ein Pastrami-Sandwich von unserem Deli-Höker an der Ecke schmecken. Lese mit Genuss im Central Park die New York Sunday Times (“she goes straight for Arts ‘n Leasure, while I check out the magazine” – so sagt’s die TV-Werbung) und bestaune das überwältigende Panorama. Erledige in den Markthallen des Exceter Street Market die Einkäufe aller Frischwaren und bringe mein etwas rostiges Spanisch zum Einsatz. Und wenn ich mal keine Lust auf Kochen habe, dann gehen wir was bei Mr. Mak holen. Vermutlich der köstlichste und günstigste Asia-Imbiss der Stadt – was noch ein zu Beweisendes wäre! Wenn der “Haupt-Laptop” frei ist, chatte ich mit meinem Dad, mit Pascal oder Petko, was mir immer wieder großen Spaß bereitet. Meine Yahoo-ID ist übrigens CiaoEno.

Oder wir gehen zur Happy Hour in die Lolita-Bar, die Rivertown-Lounge oder in eine sonstige besuchenswerte Lokalität.

Zudem kommt es natürlich vor, dass wir etwas ganz anderes machen, wie beispielsweise am vergangenen Samstag, als wir den Feiern zum Earthcelebrationsday beiwohnten. Der Anlass war folgender: es gibt in New York noch eine Reihe städtischer Gärten, die von den jeweiligen Anwohnern begrünt und gepflegt werden und allen Manhattanites [Mänhättäneits] offen stehen. Da die Stadt aber wie alle sonstigen Institutionen oder Firmen auch Geld verdienen möchte, ist ihr daran gelegen, diese Gärten als Baugrundstücke, Parkplätze oder anderes zu verhökern. Doch grüne Lungen braucht jede Stadt und so setzen sich eben viele Freiwillige zur Erhaltung dieser Grünflächen ein.

Wobei wir jetzt wieder den Bogen zum Eingangsthema gespannt hätten. Zum einen assoziiert hier das Grün wieder mit der Green Card. Zum anderen hat sich die Film Brontë eben solchen Gartenprojekten gewidmet. Ihr erinnert Euch, als sie ihrem Upper-Class Freund voller Freude berichtet, dass sie und ihre Crew Erde geschenkt bekommen haben und dieser Schnösel damit erst mal gar nichts anfangen kann. Oder diese andere hinreißende Szene, als Georges (Gérard) die Blumenbeete von Brontë gegen Radieschen, Schnittlauch und Ähnliches eintauscht. Erwartungsgesmäß reagiert die recht ätherische Brontë auf so bodenständige Dinge mit blankem Entsetzen, was wiederum Georges nicht verstehen kann, da er doch nur vermeintliches Unkraut gegen Essbares ersetzt hat und ihr damit eine Freude machen wollte.

Ach! Ich könnte hier jetzt abschweifen, im Film schwelgen und dabei die Realität vergessen. Da jedoch die jetzige, die 21. Woche interessanter, als die 20. hier beschriebene Woche ist, sollte der zugehörige Diary-Eintrag auch nicht unnötig in die Länge gezogen werden.

Im übrigen, wird die kommende Woche, die 22. Woche, Olivers Geburts-tags-woche sein, von der dann wieder ich berichte. Für alle, die wie ich der harten Green Card Realität entfliehen wollen:

http://us.imdb.com/Title?0099699
http://www.cinema.de/film/details/0,1501,19880,00.html

19. Woche 2001

Von Oliver

Am Sonntag ging die große Godfather-Woche auf Bravo los und das war für uns die Gelegenheit, endlich mal diesen Meilenstein der Kinogeschichte zu sehen. In der Tat treten dort Al Pacino und Robert De Niro nicht gemeinsam auf, das tun sie bekanntlich erst 23 Jahre später 1995 in “Heat“. Auch wenn sich uns die Magie dieses Films nicht ganz erschlossen hat, wir haben ein paar Einblicke in Little Italy gewonnen, das glücklicherweise nicht mehr so wild ist, wie zu Godfathers’s Zeiten.

Dienstag morgen haben wir uns dann das erste Mal in die Bürokratie des INS, des Immigration und Naturalization Service, gestürzt. Wir sind guten Mutes losgezogen, bewaffnet mit einer Mappe voller Dokumente, nur um nach einer Wartezeit zu erfahren, dass unser Formular I-130, Petition for an Alien Relative, nur per Post eingesendet werden kann. Und überhaupt, ob wir denn schon einen I-765 ausgefüllt hätten? Die nette Dame gibt uns das Formular dann auch gleich mit, allerdings die 9 Seiten Anleitung fehlen. Im Internet haben wir dann festgestellt, das das I-765 direkt wieder zum I-485 führt, dem Formular des Grauens, weil es aus einem ganzen Paket von Formularen besteht, die wir unmöglich ausfüllen können. Wir geben uns geschlagen und gehen zu lawyers.com, um einen Spezialisten zu finden.

Dienstag abend sind wir dann bei Ken und Renee zu einem besonderen kulturellen Spektakel eingeladen, der Robin Byrd Show (es gibt einen Link, den findet bitte jeder selber raus) auf Kanal 35, einer Strip Show für Laien. Laien, weil die Damen und Herren meistens nicht strippen können, aber durchaus professionell als Prostituierte, Pornodarsteller oder Callgirl/boy arbeiten. Ohne auf Details einzugehen, das war Hardcore! Und wenn einem die Strips noch nicht reichen, die Werbespots dazwischen sind auch blanker Porno – dagegen ist 0190-Werbung in Deutschland eine Kindersendung…

Diese Woche stand auch im Zeichen der Lolita Bar, unserer designierten Stammkneipe gleich um die Ecke. Ab 5 Uhr abends ist Happy Hour, ideal, um den Tag zu beschließen. Witzig: Das Lolita hat genau zu der Zeit aufgemacht, als wir nach New York gekommen waren – so was verbindet. Auch haben wir hier gelernt, was “Well Drinks” sind: “The cheap stuff”, also Rum, Vodka oder Gin ohne Marke. Diese Frage wurde auch gleich mit einem Free Gin & Tonic für Elke belohnt.

Am Freitag habe ich dann meine Generalattacke auf den New Yorker Arbeitsmarkt gestartet. Langsam haben wir den Bogen raus: Viel Wirbel machen und wenn möglich immer anrufen, sonst passiert nichts. Dank Cable Modem und Standleitung gehen die Stellenanzeigen auf monster.com & Co. auch in Echtzeit ein, so dass ich sofort reagieren kann. Fängt an langsam Spaß zu machen…

Freitag abend sind wir zu einer Party in der Lava Lounge eingeladen. Eingeladen heißt, dass wir das Recht haben $20 pro Nase zu zahlen und dafür 2 Stunden lang umsonst zu trinken. Die Party wird von einem Freund von Ken geschmissen, der seinen Abschluss feiert. Das Ganze hat die Atmosphäre einer High-School Party, lauter Cheerleader und Quarterbacks und wenn das ganze nicht in einer ziemlich hippen Bar stattgefunden hätte, hätte man sich irgendwo auf dem Lande gewähnt. Wir geben zu, für uns waren die Jungs und Mädels zu jung, deswegen haben wir uns davon gemacht, als die Drinks wieder Geld kosteten.

Als wir das Loews Kino am Broadway zwischen Flatiron und Union Square gesehen haben, kam uns die Idee, in “Bridget Jones Diary” zu gehen, wenn der Film um – sagen wir mal – 0:15 anfängt. Er fing um 0:15 an und so haben wir mit vier anderen Besuchern Bridget Jones gesehen, der uns – abgesehen von Renee Zellweger – ziemlich kalt gelassen hat.

18. Woche 2001

Von Elke

Montag 30. April
Nun hatten wir sowieso nur drei ganze Tage Zeit in München zur Verfügung und diese waren dann auch noch hauptsächlich angefüllt mit dem Finish von “Ich will ins Internet”. Und so kam es dann auch, dass die Nacht vom Sonntag auf Montag, unserem Abflugstag, recht kurz, bzw. arbeitsintensiv, ausfiel. Jedenfalls gab es in dieser Nacht gerade mal eine Stunde Schlaf und so waren wir mehr als froh, um 1:30pm wieder in der 737 der Britsh Airways zu sitzen.

Später in der 747 von London nach New York genehmigten wir uns auch noch unseren üblichen “Wellness-Drink”, einen Gin’n’Tonic, und schliefen auch schon bald seelig. Kein Wunder, denn wir waren nicht bloß hundemüde, sondern kannten das Boardprogramm der BA auch schon zur Genüge. War ja schließlich der vierte Flug über den großen Teich innerhalb nur eines Monats. Von einem Kinobesuch für “1002 Dalmatiner”, “Was Frauen wünschen”, “Forrester – Gefunden” und dergleichen mehr, ist auch eher abzuraten. Warten, bis die Filme irgendwann mal im TV laufen.

Nach knappen sechs Stunden Flug landeten wir auf dem JFK, wo Oliver die Passkontrolle flott passiert, während ich mich in die Schlange der Touristen einreihen und warten muss. Dafür hatte er dann schon unsere zwei großen Koffer und unsere beiden großen Reisetaschen vom Förderband zusammengesammelt und wir können durch den Zoll. Natürlich werden wir gefragt, warum wir für gerade mal vier Tage Deutschland so viel Gepäck dabeihaben, doch lässt sich das glücklicherweise leicht aufklären. Draußen warten an die Hundert Menschen, schön in einer Warteschlange aufgereiht darauf, ein Taxi zu ergattern können. Was anfangs wie ein Problem aussieht, entpuppt sich schließlich als doch keines. Denn innerhalb weniger als 15 Minuten sitzen wir im Taxi, nicht ohne noch ein Faltblatt in die Hand gedrückt bekommen zu haben, das uns eine Telefonnummer für eventuelle Beschwerden nennt. Die Taxifahrt von JFK nach Manhattan rein ist immer wieder ein ganz besonderes Vergnügen: es geht durch die vielen Einfamilienhäuser in Queens, vorbei an einigen weniger schönen Mehrfamilienhäusern, bis irgendwann in der Ferne die Skyline auftaucht. Wenn man dann noch gegen Abend, zur Zeit der untergehenden Sonne unterwegs ist, bekommt man ein wunderschönes Farben- und Formenschauspiel geboten. Wie Scherenschnitte zeichnen sich die bekannten Bauten vorm rosa-gelb-orangen Abendhimmel ab.

Da es noch früher Abend ist, beschließen wir zu einem unserer “Stammlokale”, dem Nice Guy Eddie’s zu gehen und ein amerikanisches Mahl zu uns zu nehmen. Um die eigene Leber zu schonen, mache ich’s ganz amerikanisch und spüle den Burger mit Diet Coke hinunter. Den Abend beschließen wir in einer weiteren Lieblingsbar der Rivertownlounge. Dann sind wir aber auch schon in Eile, denn wir wollen nicht unsere Lieblings-Sitcom auf Fox, Channel Five, verpassen: Seinfeld. Obwohl es mittlerweile viele gute Sitcoms oder Daily Soaps im TV gibt – auch im deutschen – so ist Seinfeld doch unübertroffen gut. Die Gags werden nie langweilig, sie sind stets neu und die Charaktere bei aller Boshaftigkeit doch liebevoll gezeichnet. Die Show ist schlichtweg absolut sehenswert und es wundert mich nicht, dass Jerry Seinfeld zu den reichsten Menschen Amerikas gehört.

Dienstag 1. Mai
Wir sind in Amerika!

Deshalb wird erstmal die Glotze angeschalten, um zwei Folgen Golden Girls zu schauen. Seit unserem ersten Tag in der Orchard Street begleiten uns die Girls, sie eröffnen und beenden unseren Tag (nach Seinfeld). Auch wenn man nach mehr als 100 Folgen Stereotypen erkennen kann, bleiben die Girls sehenswert. Gerade im amerikanischen Original kommt Blanches “Sooouuuthern Aaaaakzent” optimal zur Geltung und Roses “Saint Olaf Stories” sind einfach “hilarious”! Dazu noch Dorothy mit ihrer Mom: “Picture it: Sicily 1922…” Wie könnte ein guter Tag in den Start noch verbessert werden? Richtig! Durch ein leckeres Pastrami Sandwich! Doch nicht die fette, schwere Version mit Mayonnaise, Butter, Peanutbutter, Olivenöl, Creamcheese und was sonst noch, sondern einfach so: Weißbrot, Senf, Tomatenscheibe, Salatstreifen und die lauwarme Pastrami. Yummy!

Doch damit nicht genug: heute war DER Tag. Unser Cabelmodem sollte geliefert werden. Und in der Tat, klingelte es gegen 10 am und ruckzuck war das Cablemodem installiert. Eine halbe Stunde später kam noch eine Frau von TimeWarner vorbei, die das Modem konfigurieren wollte. Doch war das natürlich nicht mehr notwendig, da Oliver bereits alles selbst erledigt hatte. Jetzt surfen wir beinahe in Lichtgeschwindigkeit und sind den ganzen Tag online. Faszinierend. Wir sind happy, mit allen unseren FreundInnen und der großen weiten Welt auf so einfache Art verbunden sein zu können. Lang lebe das Cablemodem!

Unsere Planung für den Nachmittag hätten wir besser sein gelassen, denn es brachte außer Frust wenig ein. Wir besuchten eine Karrieretagung, bei der Oliver gesagt bekam, dass er ohne Erfahrung mit dem amerikanischen Markt gar nicht an einen Job in USA zu denken braucht. ! Auch wenn die Ratio weiß, dass das Blödsinn ist, so schlagen die Emotionen doch hoch.

Mittwoch 2. Mai
Den Morgen verbrachten wir mit den Golden Girls und dem Abchecken der Jobbörsen sowie dem Verschicken von Resumées. Dann liefen wir von zu Hause los in den Battery Park. Ein schöner Spaziergang, der zunächst durch Chinatown und dann auf den Broadway führt. Wir deckten uns noch mit Sushi ein und genossen anschließend den Sonneschein und den Blick auf’s Meer und die Freiheitsstatue im Battery Park. Auf dem Rückweg machten wir Stop in einem Bookshop. Nein, nicht bei Barnes&Nobles, sondern bei “Borders” im World Trade Center. Oliver erwarb ein Buch zu UML. Und ich kaufte einen Titel aus der Reihe der CliffsNotes, so ‘ne Art Reclam Erklärungstexte. Am meisten begeisterte mich eine Sache: auf dem Tisch der Taschenbuch Neuerscheinen lag doch tatsächlich ein bekannter Titel in unbekannter Aufmachung. Inmitten anderer Taschenbücher befand sich Benjamin Lieberts “Crazy” – Wow! – in Amerika verlegt zu sein, ist ein echtes Privileg. Dann hat man es beinahe schon geschafft. In den einschlägigen Newspapers lese ich immer wieder Klagen von britischen AutorInnen, dass sie nicht in den USA verlegt würden. Und dann der kleine Münchner Benjamin. Congrats! (In wie weit da der einflussreiche Papa mitgewirkt hat, ist nebensächlich.)

Wieder in unserem kleinen Studio angekommen, gab’s für mich noch meine Lieblings-Teenie-Serie, die hier immer Mittwoch Abend läuft. Dass die hier mehr als 200 Folgen voraus sind, lässt sich nicht ändern und so schauen ich trotzdem mit dem größten Vergnügen: Dawson’s Creek Übrigens: Pacey und nicht Dawson ist mein Favorit.

Donnerstag 3. Mai
Nach unserem üblichen Vormittagsritual brachen wir auf, zu einem Spaziergang durch die Lower Eastside und das East Village. Wir warfen neugierige Blicke in die vielen Innenhöfe und Gemeinschaftsgärten. Ende Mai wird im Rahmen des Earthcelebrations Day auch für die Erhaltung dieser grünen Oasen gekämpft und gefeiert werden.

Nachdem wir die Nachbarschaft genug bewundert und erkundet hatten – hier würde ich echt gerne wohnen! – suchten wir eine Lokalität mit Happy Hour auf. In New York werden wir nämlich noch zu Schwaben, denen man ja große Sparsamkeit nachsagt. Wir fanden bei Ryan’s Pub auf der 2nd ave, 11st St was wir suchten. Wo immer ein wenig Platz ist, werden Tische und Stühle rausgestellt, eine Umzäunung gezogen und Gäste bewirtet. Neben einem Happy Hour Drink genehmigten wir uns einen Burger, bzw. einen Salat mit Kaktus und Ziegenkäse.

Um auch unsere Vorräte zu Hause aufzustocken, machten wir beim Key Food in der Avenue A halt. Unnötig zu sagen, dass dies ein gigantischer 24/7 Supermarkt ist, das heißt, er hat an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr geöffnet. Paradiesisch?!

Freitag 4. Mai
Nachdem wir am Vortag eingekauft hatten, gab’s heute ein Schlemmer-Frühstück. Ich bestrich Spinatwraps mit Senf sowie etwas Hüttenkäse und legte darauf Gurke, Tomate, Salat, und ein paar dünne Scheiben Putenbrust. Zuletzt wurde das Ganze noch mit viel Chilli sowie etwas Thymian bestreut und schließlich zu Wraps zusammengerollt. Mehr Eigenkrationen gibt’s hier. Unsere Laune sank trotz der leckeren Wraps auf den Nullpunkt, da sich Jobmäßig zu wenig tat.

Oliver rief also wieder mal einen der Recruiter an und siehe da – hatte der doch plötzlich ein Job-Interview. Wie schnell denn Oliver in Brooklyn sein könnte. Tja, da wir nahe an der F wohnen, ist das überhaupt kein Problem, und so schlüpfte Oliver flink in adäquate Klamotten und ich begleitete ihn nach Brooklyn. Während Oliver bei seinem Interview schwitzte, war ich im Drugstore Rite Aid, der Konkurrenz zu Duane Read, “Produkte umdrehen”, wie Oliver es gerne nennt.

Nach dem Bewerbungsgespräch erkundeten wir noch ein wenig die Montague-Street und kehrten schließlich im Garten eines griechischen Lokals ein. Bei Mr. Souvlaki gönnten wir uns ein Schlückchen und stießen auf unser 11-Jähriges an.

Zurück in Manhattan fuhren wir nach Midtown in den China Club, wo es eine After Work Party gab.

Da zwar die Aussicht auf der Dachterasse durchaus sehenswert, nicht aber die Musik hörenswert waren, beschlossen wir, unser Geld woanders auszugeben. Bei uns im Viertel!

Von den vielen, vielen Lokalen in der Ludlowstreet pickten wir uns das Barramundi heraus. Ein echtes Kleinod!

Samstag 5. Mai
Jetzt wo wir uns schon mal nach Brooklyn gewagt hatten, konnten wir es ruhig ein zweites Mal tun. Gesagt, getan und so brachen wir nach Coney Island auf. Der F-Train brachte uns von der Delancy Station bis zur Stillwell Avenue in gerade mal 35 Minuten und das für lediglich 1 Dollar 50.

Euphemistisch wird Coney Island oft als Vergnügungsparadies mit verblichenen Charme bezeichnet. Auch “Ort von unsäglicher Tristesse” habe ich schon gelesen. Dabei ist es schlicht unendlich heruntergekommen, um nicht explizitere Ausdrücke zu bemühen. Doch so sehr dieser Vergnügungspark auch unvergnüglich sein mag, der Strand ist es nicht. Die Küste entlang zieht sich für viele Kilometer ein zweihundert Meter breiter feinkörniger Sandstrand. Am Strand selbst tummeln sich Familien oder Pärchen, die entweder nicht genug Geld haben, um an einen der nur mit Auto erreichbaren vornehmeren Strände zu fahren, oder die schlichtweg nicht daran denken, so viel Wegstrecke auf sich zu nehmen. Aufgrund der vielen Hispanics und Afro-Amerikaner fühlt man sich hier wie im Urlaub. Und das gerade mal eine halbe Stunde vom heimischen Domizil entfernt.

Über Coney Island gibt’s sicher noch mehr zu berichten…

17. Woche 2001

Von Oliver

Zweieinhalb Wochen New York erschienen uns wie eine Ewigkeit, aber auch die sind irgendwann vorbei und am Mittwoch erwartet uns der Rückflug nach München. Elke erwartet dazu noch eine Deadline für ihr Buch – deswegen haben wir wenig Zeit, um uns um New York zu kümmern.

Am Mittwoch hatte ich noch ein Bewerbungsgespräch in Downtown – auf dem Heimweg kam ich noch an Filmaufnahmen in Little Italy vorbei. Für die Dreharbeiten wurde extra die Mulberry Street um einen Block verlegt. Hier erwartet man bei Filmaufnahmen natürlich Hollywoodstars und so wartete ich 20 Minuten um vielleicht jemand zu sehen, den ich kenne. Leider rannten nur die üblichen Filmleute aufgeregt hin und her und es war absolut nicht zu erkennen, was da gedreht wurde.

Zum Mittagessen gingen wir dann zu Rosario, der einfach frech an seinen Laden schreibt, dass er die beste Pizza der Stadt hat. An diesem Tag beschloss Rosario, seine Gäste mit einer Dokumentation zu beglücken, die ihn im Kampf mit einem großen Pizzakonzern zeigt (vielleicht Ray’s Pizza?). Der Gag: die Dokumentation war in Deutsch und wir waren die einzigen, die verstanden, um was es da ging. Auf jeden Fall ist Rosario schon seit 29 Jahren in New York, die Pizza und die Lasagne sind wirklich gut und auch recht preiswert.