14. Woche

Von Elke

Ostersonntag 31. März

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Gab es 2001 überhaupt einen Ostersonntag? Bei uns ist er jedenfalls letztes Jahr ausgefallen, zu neu, zu aufregend war alles. Dafür wollte ich dann dieses Jahr das ganze Paket – Ostern komplett – mit selbst gefärbten Ostereiern, Osterzopf sowie einem Schokohasen.

Auch wenn ich in den Geschäften keine industriell gefärbten Eier gefunden habe, so gab’s glücklicherweise Färbefarbe en masse in der New York flächendeckend überziehenden Drogeriekette Duane Read zu kaufen.

Nach einem köstlichem Brunch stand uns der Sinn nach einem Osterspaziergang, wozu jedoch Wind und Regen nicht gerade einluden. Was tun? Rein in die Subway und mit dem Express Zug geschwind zur 42. Straße gefahren und von dort aus zum Hudson River gelaufen.

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Wir besuchen den Amtssitz der Vereinten Nationen und betreten damit internationales Gebiet. Das Areal gehört nicht New York, nicht den USA, sondern allen Ländern, die Mitglied der Vereinten Nationen sind. Am Markantesten und aus der Ferne sichtbar ist das 39 Stockwerke hohe Sekratariatsgebäude, ganz aus Glas und Marmor gehalten, in dem es keine Eckbüros gibt, damit nicht ein Land besser gestellt wäre, als ein anderes. Den wunderschönen Park mit seinen vielen Skulpturen kennen wir schon. Zudem ist er heute geschlossen. Also passieren wir die Körper- und Taschenkontrolle, wie sie in jedem großen öffentlichen Gebäude in New York mittlerweile üblich ist, und staunen nicht schlecht: im Inneren erwarten uns jede Menge Kunstwerke, von den Mitgliedsstaaten gestiftet.

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Da wir mehr als nur die kostenlose Ausstellung sehen wollen, zahlen wir die acht Dollar und nehmen an einer Führung teil. Wie es sich für einen internationalen Arbeitgeber gehört, kommen die UN-Guides aus nahzu allen Ländern dieser Erde. Unser Guide ist eine junge, attraktive Afrikanerin aus Sambia, die in Landestracht gekleidet und mit hörbaren Akzent uns durch das Sekretariatsgebäude, das von einer Kuppel gekrönte Generalversammlungsgebäude und die Konferenzgebäude führt. Dabei gehört ihr nicht immer die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer kleinen Gruppe, da sich die sieben jugendlichen Brasilianer für andere Themen zu interessieren scheinen, das ältere japanische Paar wohl kein Englisch kann und die Mutter mit ihrem erwachsenen Sohn aus Wisconsin wohl nur amerikanisches Amerikanisch verstehen.

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Glücklicherweise haben wir, an die verschiedensten Dialekte und Englisch-Varianten gewöhnt, keinerlei Verständnisprobleme und lauschen ihren interessanten Ausführungen. Wer weiß schon, wie die Sitzordnung im Vollversammlungssaal zu Stande kommt? Welche Länder dürfen nah am Rednerpult sitzen und welche müssen sich mit den hinteren Plätzen begnügen? Sitzt man schlichtweg alphabetisch, also von ‘A’ wie “Afghanistan” (gehört seit dem 19.11.1946 zur UN! Deutschland erst seit dem 18.09.1973) bis ‘Z’ wie “Simbabwe” (auf Englisch mit ‘Z’)? Ja, man sitzt alphabetisch, allerdings wird jährlich neu ausgelost, wo das Alphabet anfängt. So sitzt derzeit “Haiti” neben “Honduras” und “Hungury” (Ungarn) ganz vorne und das Schlusslicht bilden “Greece” (Griechenland) neben Grenda, Guatemala und Guinea. Fazit: ein Besuch bei den Vereinten Nationen lohnt sich auf jeden Fall und sollte für einen (längeren) New York Aufenthalt unbedingt mit auf den Plan!

Dienstag 2. April
Die neuseeländische Freundin meiner Schwester ist in New York, was allein noch nicht zwingend hier veröffentlicht werden müsste. Doch handelt es sich bei Helen Varley Jamieson um eine Künstlerin, die ihre interaktive Cyberspace Kunst an diesem Abend bei Arts International, nahe des Union Square, präsentiert. Sie versteht sich als “Creative Catalyst” und macht modernes Theater, indem sie in Chat-Rooms geht, sich dort mit Leuten verabredet und mit ihnen kleine Stücke probt. Dann treffen sich alle gemeinsam wieder in einem besonderen Chat-Room und mittels einer speziellen Software werden aus bloßen Buchstaben plötzlich Figuren, sogenannte Avatare. Zusätzlich mit einem intelligenten Soundsystem ausgestattet, können die Figuren sogar noch richtig sprechen und wir als Zuschauer das Ergebnis sehen und hören. Und sehens- und hörenswert war das, was uns geboten wurde, ganz bestimmt.

13. Woche

Von Elke

Sonntag 24. März

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Die Lower Manhattan Tenants Coalition (LMTC), die Vereinigung aller im unteren Teil Manhattans lebenden Mieter, die sich in Mietervereinigungen zusammengeschlossen haben, veranstaltet heute einen “Children’s Fire Safety Day”. Da ich Mitglied der LMTC bin, schauen Oliver und ich bei diesem Event natürlich vorbei. Zwar beschäftigt sich die LMTC hauptsächlich mit den Fragen zur Downtown Lebensqualität und Gesundheit nach 9-11, doch werden auch Projekte wie “Community-Aufbau” in Angriff genommen.

Der Abend steht dann natürlich ganz im Zeichen von Hollywood – die 74. Oscar-Verleihung steht an. Wir genießen es, einmal nicht zu nachtschlafender Zeit der Zerenomie beizuwohnen, sondern ganz gemütlich von 8 Uhr abends an Schauspielerinnen in großer Abendgarderobe einherschreiten und später weinen sowie Schauspieler männlich-markant über den Dingen stehen zu sehen. Die Highlights des Abends waren für uns die Ehrungen von Sidney Poitier und Robert Redford, sowie Woody Allens Homage an New York.

Dienstag, 26. März
Und wieder einmal besuche ich eine von den New Yorker Webgrrls organisierte Veranstaltung, diesmal zum Thema “Smart Women Finish Rich”, nach dem gleichnamigen Bestseller. Kathryn, eine Referentin von Morgan Stanley, hält einen ausgezeichneten Vortrag im luxuriösen Spa von Georgette Klinger in der 501 Madison Avenue. Das zum direkten Mitnehmen Beste an der Veranstaltung ist die tolle “Goody Bag”, die Nahrung für Haut und Gehirn enthält. Zusätzlich gibt’s einen kostenlosen Beratungstermin mit Kathryn, den ich auch wahrnehmen werde.

Anschließend bin ich mit Oliver im Kennedy’s verabredet, wo wir Estelle treffen wollen, die wir am Wochenende zuvor im PJ Carney kennengelernt hatten. Wer nicht kommt, ist Estelle, dafür aber lernen wir schon wieder jemanden kennen: Jamie aus London. Er ist seit ein paar Wochen in New York, während seine französische Frau und Tochter noch bis zum Schuljahreswechsel in London leben. Es tut gut, einen Abend lang englisches Englisch zu hören und gemeinsam über Europäer in New York zu philosophieren…

Samstag, 30. März

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Heute stöbern wir mit Doris in ihrem Storage nach Möbeln, die wir gebrauchen können. Der Storage ist so eine Art Riesenlagerhalle mit vielen kleinen Parzellen, in denen Manhattanites Dinge aufbewahren, die sie nicht unmittelbar in ihrer Wohnung benötigen. So auch Doris und Tom. Wenn man aus je einem kalifornischen Haus in eine New Yorker Apartment zusammenzieht, kommt allerhand zusammen, für das man grad keinen Platz hat, das aber auch viel zu schade zum Wegwerfen ist. Und so kommen wir in das Vergnügen, nun endlich wieder an einem richtig großen Tisch schreiben zu können. Auch finden unsere Ordner und andere Sammelstücke wieder ihren Platz auf einem Regal, anstatt in selbstgefertigten Pappkartonmöbeln. Schön sieht’s jetzt bei uns aus! Fast wie in einer “richtigen” Wohnung.

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Der Tag ist noch jung und das Wetter gar so schön, weshalb wir ins Village spazieren. Dort genießen wir den herrlichen Nachmittag in einem überraschend genialen Lokal namens Dragonfly. Gestärkt spazieren wir weiter und suchen das neu-eröffnete “Sunshine Cinema” in der Housten Street auf, wo wir Kissing Jessica Stein anschauen. Der Film ist ganz nett, aber großes Kino ist er nicht, da er einige Schwächen aufweist, die aber an dieser Stelle nicht verraten werden. Immerhin geht’s in dem Film unter anderem auch um New York…

12. Woche

Von Elke

Dienstag, 19. März

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Heute besuche ich eine der vielen New Yorker Job-Messen. Diesmal die Diversity Career Fair. Da ich mich rechtzeitig für die Veranstaltung angemeldet hatte, dringe ich schnell bis ins Innere des Gebäudes vor und lasse etwa 100 Nichtangemeldete Job-Suchende hinter mir. Falls ich aber nun gedacht habe, auf einem exklusiven Event zu sein, dann habe ich falsch gedacht. Ein Schild am Eingang des Messeraums sagt, dass der Saal für maximal 760 Personen zugelassen ist und genauso viele befinden sich auch darin. Siebenhundertzwanzig Frauen und Männern in dezenter Business-Kleidung und noch mal etwa vierzig Aussteller von rund zehn Firmen, die hinter kleinen Messetischen die Kurzinterviews abhalten. Ich reihe mich in die Schlange vor dem Tisch der “Cable-Vision” ein, und belausche ein Gespräch zweier farbiger Männer hinter mir: “Das mit dem Résumé ist doch sowieso alles Humbug. Was ich schon alles getan und nicht getan habe!” Sein Begleiter stimmt mit ein und beide sind sich einig, dass das Résumé über einen Bewerber eigentlich wenig aussagt, es aber trotzdem dem jeweiligen Wunsch-Job angepasst werden muss. “Polish your resume” ist der Supertipp eines jeden Recruiters, Job-Vermittlers. Mit “polish” ist gemeint, dass man Adjektive und Verben genauso wählt, wie sie in der Job-Anzeige genannt werden. bei größtmöglicher Übereinstimmung hat man dann auch die meisten Chancen. Meine sind an diesem Tag aber eher gering, da vier der zehn Aussteller gebürtige Amerikaner suchen und die anderen lediglich Sales-Jobs zu vergeben haben. Ich beschließe, die Finger von solchen Karriere-Messen zu lassen, da sie eher frustrieren, als wirklich weiterhelfen. Bisher habe ich auch noch niemanden kennengelernt, der oder die tatsächlich auf solch einer Veranstaltung einen Job gefunden hat.

Samstag, 23. März

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Heute verbringen wir einen nahzu “touristischen” Tag, in dem wir gemütlich von Downtown nach Midtown spazieren und jede Menge Fotos machen, beispielsweise auch eines mit Oliver im Vordergrund und dem Empire State Building im Hintergrund oder Elke an der Fifth Avenue. Da im Rockefeller Center eine kostenlose Orchideen-Schau stattfindet, bestaunen wir mit vielen anderen die übewältigende Blütenpracht und fotografieren sie natürlich auch.

So viel Flower Power macht durstig und wo kann der kleine Durst samt Hunger in Midtown besser gestillt werden, als im PJ Carney? Nachdem die in die Jahre gekommene Bar komplett renoviert wurde, präsentiert sie sich jetzt im frischen Gewand und lädt alle ihre Stammgäste wieder zum Verweilen ein. Allerdings gönnt sich der Küchenchef noch ein wenig Pause und so verlassen wir zum Abendessen Midtown und fahren wieder Downtown, um “beim Griechen um die Ecke” zu speisen. Bei griechischen Klängen samt Wein lassen wir einen erlebnisreichen Tag im Delphi ausklingen.

11. Woche

Von Elke

Sonntag, 11. März

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Der Flug von München nach New York verlief nicht ganz so, wie man sich das eigentlich vorstellt. Zwar sind wir sicher gelandet, was ja sowieso immer das Wichtigste ist, doch hätte ich darauf verzichten können, neben einem 5 Zentner Mann zu sitzen. Zwar gab es noch genau zwei weitere freie Plätze an Board der Lufthansa, doch leider auch zickige, unwillige (deutsche) Passagiere, die sich grundheraus weigerten mit mir und meinem dicken Nachbarn ein für uns alle befriedigendes Arrangement zu treffen. Auch die Lufthansa Board-Crew versagte und der Steward ließ sich sogar zu sowas wie “Auf Transatlantikflügen ist immer wieder mit schwergewichtigen Nordamerikanern zu rechnen” hinreißen. Wie hatte er sich nur geirrt! Bei meinem Nachbarn, der eben auch die Hälfte meines Sitzes einnahm, handelte es sich eindeutig um einen Deutschen, der vielleicht zu viel vom Pfälzer Saumagen oder so genascht hatte… Jedenfalls waren wir überglücklich nach 9 Stunden Flug der Lufthansa ‘Adieu’ und uns ein ‘Welcome back home’ sagen zu können. Die Fahrt vom Flughafen nach Hause war kurzweilig und führte uns durch unbekannte Ecken Brooklyns und schließlich auch über die Brooklyn Bridge. Der russische Taxifahrer muss wohl in seinem früheren Leben als Betriebswirt oder so gearbeitet haben, da er uns regelrechte Wirtschaftslöcher in unseren Bauch gefragt hatte.

Donnerstag, 14. März
Heute trafen sich Oliver und ich zum Lunch im Battery Park. Es war nahezu sommerlich warm und so schmeckten uns das mitgebrachte Sushi gleich nochmal so gut. In New York gibt es Sushi bereits abgepackt in nahezu jedem Deli oder in einem der vielen Sushi-Takeaways der Stadt. Für Sushi-Neulinge gibt’s hier ein informatives Glossar. Weitere Internet-Seiten, die sich mit dem Thema “Sushi” befassen und Laien sowie Liebhabern das japanische “Fastfood” näher bringen:

Ukamann, mit Nährstofftabelle und vielen nützlichen Hintergrundinformationen
Travelnotes, mit vielen Rezepten
Centipedes, noch mehr Fotos und noch mehr Fisch
Wolf-e.de, mit interessanten Tipps und Tricks zum Selbermachen von Sushi

Samstag, 16. März

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Morgen ist Saint Patrick’s Day und gefeiert wird schon heute! Unsere Nachbarn Carrie und Matt aus 14P laden zum “St. Patty’s Day Brunch” und anschließendem Weiterfeieren in der Upper East Side ein. Einziger Wehrmutstropfen: die ganze Feierei beginnt bereits um 9:00 Uhr morgens. Was Iren können, können Bayern schon lange und so plaudern wir frühmorgens fröhlich mit den anderen Gästen unserer Gastgeber, trinken Guiness oder Blody Mary und essen Kraut, Corned Beef und grün gefärbtes Rührei. Grün ist überhaupt die Farbe des Tages, denn von der kleinen Kathryn bis hin zum großen Patrick tragen alle grün: grüne Pullis und Schals, grüne Mützen und Handschuhe, ja sogar vor Haaren, Händen und Gesichtern macht das Grün nicht halt. Ergänzt wird das grüne Outfit natürlich noch vom Shamrock, dem dreiblättrigen Kleeblatt. Auch ich habe heute kleine Shamrocks am Ohr baumeln und meinen grünen 80iger Jahre Gürtel samt Handtasche ausgegraben. Ansonsten schaut’s bei uns mit grün aber eher mau aus. Glücklicherweise sind wir auch abends noch immer nicht grün, als wir von einem fröhlich-herzlichen Tag mit vielen netten Menschen wieder Zuhause eintreffen. Es geht uns rundum gut!

Foto: auf dem Balkon eines Irish Pubs in der Upper East Side, wo wir uns unter die geschlossene Party von New Yorker Feuerwehrleuten geschmuggelt haben…

9. Woche

Von Elke

Sonntag, 24. Februar

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Wasser ist und bleibt Wasser und sicherlich sieht der Hudson River Uptown wie Downtown gleich aus. Oder etwa nicht? Um das mit eigenen Augen zu prüfen, steigen wir in die Subway Nummer 2 und fahren bis zur 87. Straße und verlassen die U-Bahn dort wieder. Der Weg zum Fluß ist nicht weit und doch führt er zunächst einmal eine dicht befahrene Straße entlang. Etwa fünfhundert Meter weit spazieren wir, während rechts neben uns die Autos brausen und links von uns die Sonne lustige Glitzerpunkte auf den Hudson River zaubert. Aber endlich auf der ruhigen Uferpromenade angekommen, werden wir für das erste unschöne Stück Weg mehr als entschädigt.

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Dieser Februartag lässt graue Wintertage vergessen und liefert einen perfekten Vorgeschmack auf den heiß ersehnten Sommer. Wir schlendern die Promenade entlang, wo uns zahrleiche Jogger und Skater begegnen. Natürlich finden hier auch Hunde ihren Auslauf, die neben ihren Rad fahrenden oder joggenden Besitzern herrennen. Doch findet ein jeder Ausflug einmal ein Ende und unserer auf Höhe der 42st Straße.

Samstag, 3. März

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Zwei Highlights gibt’s in der neunten Woche des Jahres: das Century21 lädt wieder zum Shopping ein und wir fliegen nach München! Heute um 18:50 geht’s los, sofern wir nicht schon auf dem Weg zum Flughafen umkommen. Wir haben die Brooklyn Bridge bereits hinter uns gelassen, auch unseren geliebten Blick auf’s Empire State Building sehen wir längst nicht mehr und befinden uns auf einer der Zubringerstraßen zum Flughafen. Ganz linke Spur. Als ich plötzlich die Barrikade links immer näher kommen sehe. Ein Blick nach rechts verrät auch warum. Ein Kleinlaster, ausgerechnet auch noch von der Telefongesellschaft Verizon, die uns so lange auf den Anschluss hat warten lassen, versucht uns von der Fahrbahn zu verdrängen. Vermutlich hat er uns nicht gesehen, doch ist es nur dem geschickten Ausweichmannöver unseres indischen Fahrers zu verdanken, dass wir den Flughafen unversehrt erreichen. Na, das geht ja schon mal gut los…

8. Woche

Von Elke

Sonntag, 17. Februar

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Es hat wieder geöffnet, das World Financial Center und so statten wir ihm einen Besuch ab. Zwar ist es heute einen Tick zu kalt und zu windig, um ausgiebig spazieren zu gehen, doch hinüber zum WFC ist es nicht weit und einen Kaffee im startbereiten Starbucks Coffee Shop kann man schon mal trinken. Anschließend spazieren wir mit dem obligatorischen Pappbecher in der Hand den Hudson Richtung Battery Park hinunter, und den East River in Richtung Seaport wieder hinauf. Auch den Seaport, bzw. den MacMannaman unterstützen wir ein wenig und kehren auf ein Bier ein, bevor wir zu Ken’s (Surprise)-Geburtstagsparty aufbrechen.

Mittwoch, 20. Februar

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Seit kurzem gehöre ich dem “Executive Board” unserer “Tenants Association” an, das sich heute trifft. Zwar haben wir den Mietstreik beendet und halbwegs erreicht, was wir wollten, doch gibt es noch immer genug zu tun. Zum Beispiel muss unser Gebäude vollends instand gesetzt und unter anderem die fehlenden Feuerwehrlöscher und -schläuche (11. September!) ersetzt werden. Oder wir als Downtown-Wohnende wollen uns absolut sicher sein, dass uns hier keine gesundheitliche Schäden drohen, weshalb ein kontinuirliches Testen der Luftverhältnisse & Co. unabdingbar sind. Meine Aufgabe ist es nun, unsere Mietervereinigung in dem Downtown-Zusammenschluss, der Lower Manhattan Tenant Coalition, zu vertreten. Und plötzlich bin ich als deutsche Immigrantin in New Yorker Lokalpolitik involviert!

Samstag, 23. Februar
Es ist Frühling in New York und uns steht der Sinn nach Sonne, Strand und Meer! Also lassen wir uns von der New Yorker Metro sicher nach Coney Island bringen, wo wir einen langen Strandspaziergang genießen und nicht müde werden, uns über Gott und die Welt auszutauschen. Nach einem kurzen Besuch im Aquarium – diesmal bei den Seepferdchen – fahren wir erholt wieder nach Manhattan zurück und verbringen einen gemütlichen Samstagabend bei köstlichem Essen und passendem, süffigen Rotwein.

7. Woche

Von Elke

Donnerstag, 14. Februar

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Der Titel “Stadt der Liebe” gebürt heute ganz sicher weder Paris noch Venedig, sondern einzig und allein New York! Auf dem Broadway haben kurzerhand fliegende Händler ihre Warenlager aufgeschlagen und bieten Pralinen, kleine Stofftiere, rote Rosen oder sonstigen Kleimkram feil. Natürlich stets kombiniert mit einem Liebs-roten Herz. Restaurants und Konditoreien erleben Hochkonjunktur und wer nicht schon längst einen Tisch reserviert hat, der findet heute bestimmt keinen mehr. Vor den Confiserien à la Godiva stehen die Menschen – hauptsächlich Männer – bis auf die Straße Schlange, nur um der Geliebten eine süße Überraschung bereiten zu können. Ich entscheide mich statt Süßkram für Bodenständiges, erwerbe Lammfilets und lasse meiner Kreativität freien Lauf. Herauskommt ein Menü das bei Ruccola-Kirschtomaten-Salat mit Mozarella-Herzen anfängt, bei Pizza-Kräcker in Herzform und Rosmarin Lammfilets weitermacht und schließlich mit einer Flasche Sekt endet. Angereichert wird unser persönlicher Valentinstag durch einen sagenhaften Ausblick auf das ganz in rot angestrahlte Empire State Building!

Samstag, 16. Februar

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Auch wenn gestern der sprichwörtliche Riesenpickel auf der Nase, respektive Nasenwurzel, ein Thanks-God-It’s-Friday Weggehen verhindert hatte, so können wir ja nicht das ganze Wochenende zu Hause bleiben, bloß weil ich mich nicht in die Öffentlichkeit traue. Wofür gibt es schließlich Sonnenbrillen?! Glücklicherweise ist meine Brille gerade groß genug, um mein geschwollenes linkes Auge zu verdecken und in New York stört sich niemand daran, dass ich mich auch in geschlossenen Räumen hartnäckig weigere, die dunklen Gläser abzunehmen. Doch zunächst geht’s in’s Freie, wo wir den Central Park durchqueren.

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Nachdem wir ausgiebig den zauberhaften Frühlingstag genossen haben, kehren wir in einem Irish Pub, dem Longans, ein. Dort bestellen wir die Hausspezialität und sind begeistert! Es macht einfach Spaß, an der Bar zu sitzen, guten Wein zu trinken und mundgerechte Brothappen in Käse-Fondue zu tauchen. Und mit $9.50 ist das Vergnügen sogar recht günstig und wir hinterher pappsatt. Da der Tag jedoch noch jung ist, beschließen wir in’s Kino zu gehen, doch nicht in irgendein Kino, sondern in das Paris Theater in der 58. Straße, Ecke Fifth Avenue. Dort läuft Amélie, die französische Oscar-Hoffnung. Wie für Amerika üblich läuft der Film im französichen Original-Ton, mit englischen Untertitel. Wir sind überrascht, wie gut unser Schulfranzösisch noch funktioniert und wieviel Atmosphäre dieser wahrhaft sehenswerte Film hat. Für uns steht fest, “And the Oscar for best foreign film goes to ‘Amélie’!”.

6. Woche

Von Elke

Sonntag, 3. Februar

In den USA zahlt man weitaus weniger Steuern als in Deutschland! Dass dieses sich hartnäckig haltende Gerücht nicht stimmt, wissen wir spätestens seit Juni 2001. Und da Oliver einiges an Zucker zum großen blau-weiß-roten Steuerkuchen beigetragen hat, möchten wir immerhin ein kleines Stückchen von dem Süßzeug wiederhaben. Deshalb konsultieren wir heute Anya, die für Ihre Hilfe wiederrum ein etwas kleineres Stückchen unserer Steuerschnitte abbekommen wird. Zudem wollen wir nicht erst warten, bis uns der für alle Amerikaner gültige Stichtag, der 15. April 2002 zur ultimativen Abgabe unserer Steuererklärung zwingt, sondern diesmal sind wir bei den Early Birds!

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“Bitte entschuldigt das Durcheinander, ich bekomme nächste Woche neues Parket verlegt” begrüßt uns Anya im legeren Freizeitdress. Etwas verunsichert lassen wir uns neben ihr und ihrem mit Tax-Programm bestücktem Mac nieder. Doch schon nach wenigen Minuten sind etwaige Bedenken wie weggeblasen und wie wir später feststellen dürfen, haben wir in Anya eine kompetente Steuerexpertin gefunden. Braucht vielleicht jemand gerade US-steuerlichen Rat? Wir empfehlen Anya unbedingt weiter!

Wer beschäftigt sich schon gerne mit Steuern? Und das an einem Sonntag? Also muss wenigstens für den Abend eine passende Erholung her! Welch ein Glück, dass gerade heute “Super Bowl” angesagt ist. Neben netten musikalischen Einlagen und diverser Spässchen von Paul McCartney, Musik von den an die Heroen des 9/11 gedenkenden irischen Benefiz-Rockern U2 oder von Britney-Pepsi-Spears wurde so ein braunes Lederei über den Rasen getragen. Doch das verlief nicht ohne Hindernisse. Den Verlauf der spannenden Geschichte, besonders die vielen interessanten Beiträge welches Auto ich am Sichersten fahre, welchen Kaffee ich am genüsslichsten trinke oder mit welchem Medikament ich mich am wirkungsvollsten aufputsche, habe ich leider nicht mehr mitverfolgen können, da ich statt Medienrummel mein Fieber auskurieren musste. Ganz ohne Advil, Bayer, Aleve und Konsorten. “Übrigens haben nicht die haushohen Favoriten, sondern die New England Patriots gewonnen.” Na bitte, diese Info konnte mir also Oliver auch noch am nächsten Morgen bieten.

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Freitag, 8. Februar

Nach erholsamen Spaziergängen am Hudson River und Battery Park, gönnen wir uns heute ein wenig Abwechslung in unserer Stamm-Bar und holen bei unserem Stamm-To-Go köstliche chinesische Spezialitäten ein. Schnell in ein Taxi gesprungen, den Fahrer mit unserem guten Dinner hungrig gemacht und dann sofort vor die Glotze, denn heute ist fernsehen angesagt: die 19. Olympischen Winterspiele beginnen. Und nicht nur das, sondern sie finden auch noch im eigenen Land statt. Nun gut, nicht in meinem gebürtigen Heimatland, aber in meinem selbsterwählten, neuen Heimatland.

Samstag, 9. Februar
Die Sonne lacht und im Bronx Zoo waren wir auch schon lange nicht mehr. Also geschwind die Subway Nummer zwei bestiegen, eine Stunde Richtung Norden gefahren und sich dann im Bronx Zoo erholt. Abends probieren wir dafür nach so viel vermeintlich Altbekanntem etwas Neues aus und trinken eine herrliche Flasche Wein und essen Hausmannskost in Harvey Keitel’s Lokal “Bubby’s”. Im nahegelegenen “Walkers” lassen wir den Abend mit etwas Olympiade 2002 ausklingen.

5. Woche

Von Oliver

Noch die Nachwirkungen der wilden Nacht Samstags im Conolly spürend, vergeht der Sonntag bis auf einen Spaziergang zum Southstreet Seaport sehr ruhig. Elke nutzt diese Zeit, um per Internet die New Yorker Juweliere nach einer seltenen Uhr für die Dortmunder abzugrasen und um nach Ausflugsmöglichkeiten à la “Mohegan Sun” zu stöbern.

Tags drauf stürzt sich Elke mit den beiden auf die Einkaufstour durch die Geschäfte von Manhattan. Das geht dann auch Dienstags so weiter, bis das Treiben am Abend ein jähes Ende findet und wir ein Lehrstück in punkto Freundschaft, Geld und die unselige Beziehung zwischen den beiden erhalten.

Denn irgendwie war eine Gegenleistung für Elkes Zeit vereinbart und da eine Stadtführung durch Dortmund in absehbarer Zeit nicht in Frage kommt (been there, done that!), war eigentlich ein Einkaufsbummel in unserem sprichwörtlichen Haus- und Hofgeschäft J&R geplant. Leider fiel den beiden dort ein, dass das doch trotz Budweiser-Taschengeld alles ziemlich teuer ist und dass man sich für das viele schöne Geld ja auch selber was Nettes kaufen kann. Das gab eine kurze Diskussion, bevor die beiden dann für immer im Manhattener Stadtdschungel verschwunden sind. Schade, weil die beiden ansonsten eigentlich ganz nett waren, schade auch um Elkes zwei verlorene Tage. Nicht schade um die verlorene Belohnung – die können wir uns zum Glück gerade noch selber leisten, was wir ein paar Wochen später auch getan haben. “Stop me next time, when I’m trying to help somebody” hat Captain Archer von der Enterprise passenderweise angemerkt, als er einer klingonischen Offizierin vergeblich helfen wollte ihr Schiff zu retten.

Aber das Leben geht weiter, und es gibt in New York mindestens so viel zu erforschen, wie im Weltall und deswegen machen wir uns noch am Dienstag daran, das Rätsel der Burger in der Paris Bar zu ergründen. Man erinnert sich: der Verzehr von zwei mittelmäßigen Hamburgern hatte uns zwei Wochen schlaflose Nächte bereitet. Ein einmaliger Ausrutscher des Kochs? Nein, wieder liegt das Hackfleisch wie Kieselsteine im Magen. Diesmal sind wir aber schlauer und schütten zwei Jägermeister hinterher, die – wie immer – sofort Erleichterung bringen.

Am Mittwoch findet Elke endlich Zeit, um das Thema Travel Permit zu lösen. Dies ist ein Dokument, das Elke garantiert, dass sie wieder in die USA einreisen kann, nachdem sie das Land verlassen hat. Beantragt haben wir das schon im Juni, fällig war es im September und ist in den damailigen Wirren wohl untergegangen. Elke ist erfolgreich, zu einem hohen Preis: sie bringt neben den amtlichen Dokumenten auch noch eine saftige fiebrige Erkältung mit.

Erst am Freitag erholt sie sich so weit wieder, dass wir die Freitagabend Happy Hour in der Lolita Bar zelebrieren können (allerdings mit mehr Diet Coke als Campari Soda). Als weitere Medizin gibt es dann noch was aus der Abteilung super-spicy vom Golden Forrest – ist ja bekanntlich gut für die Atemwege. Samstags steht dann mal wieder der Spaziergang nach Uptown auf dem Programm. Eigentlich ist das so gedacht, dass wir bei uns das Haus verlassen und uns dann mehr oder weniger auf dem Broadway bis nach Midtown bewegen. Wie immer allerdings, bleiben wir zwischen Union Square und Flatiron im Punch hängen bevor wir wieder umdrehen.

Abends machen wir dann aber doch noch zwei Entdeckungen: das Pongsri Thai Restaurant in der Bayard St. bietet Thai-Küche, wie wir sie in Thailand kennen gelernt haben. Gleich daneben ist Winnies Pub mit drei hübschen Chinesinnen hinter der Bar und einem Publikum, das so gemischt ist, wie man sich das von der Lage zwischen Chinattown und dem Gerichtsviertel erwarten kann. Dazu gibt es ein Karaoke, wo sogar langmähnige Rocker ihre Show zum besten geben. Wir werden diese Lokale sicher noch genauer beobachten und hier weiter berichten.

4. Woche

Von Oliver

Sonntag wollen wir meinem Vater unseren alten Wirkungskreis zeigen und marschieren durch Chinatown auf die Lower East Side in die Orchard Street. Dort befindet sich das Lower East Side Tenement Museum, dessen Besuch aus drei Gründen schon lange auf dem Programm stand: Erstens haben wir fünf Monate lang nebenan gewohnt, zweitens arbeitet unser Freund Mark aus der Lolita Bar dort und drittens sitzt mein Chef im Board of Directors.

Nachdem wir die Wartezeit mit einem Spaziergang durch die Orchard Street und das East Village sowie einem Kaffee in einem merkwürdigen chinesischen Stehcafe in der Ludlow Street verbracht haben, geht es los mit der Führung, die im Tenement Museum obligatorisch ist. Unser Guide Jennifer erklärt uns anhand von einigen originalgetreu wiederhergestellten Apartments das Leben der Einwanderer zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Da ist zum Beispiel die deutsche Einwanderin Natalie, deren Mann zum Zigarettenholen gegangen ist und die anschließend ihre drei Kinder alleine durchbringen musste. Die Lebensverhältnisse von damals sind natürlich vor allem für Amerikaner vom Lande, wo man große Häuser mit viel Platz hat, schockierend. Der Manhattanite ist eher von den Mieten um $10 beeindruckt, nicht wenige hätten für die winzigen Apartments heute $1500 oder mehr bezahlt. Allerdings würde man sie heute natürlich auch nicht zu acht oder mehr bewohnen.

Für den Abend steht der Besuch im Aqua Grill, einem der besten Fischrestaurants der Stadt, auf dem Plan. Zu Vorspeise beschließen wir, unser Wissen über Austern aufzufrischen und bestellen eine Zusammenstellung von 22 verschiedenen Austern von den kanadischen und amerikanischen Küsten. Und ja, man kann den Unterschied zwischen atlantischen und pazifischen sowie Kaltwasser- und Warmwasseraustern schmecken – aber wohl nur, wenn man sie direkt hintereinander isst. Als Hauptspeise gibt es natürlich Fisch und der ist lecker und nach New Yorker Standards gar nicht mal so teuer. Dazu kommt aufmerksamer, unaufdringlicher Service – den Aqua Grill kann man nur empfehlen!

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Montag steht dann die Kultur auf dem Programm. Es ist Martin-Luther-King Day, für mich wie für viele andere ein Feiertag. Leider hat das Metropolitan Museum trotzdem zu, deswegen gehen wir weiter zum Guggenheim, wo es eine Ausstellung über Brasilien und Norman Rockwell, einem amerikanischen Maler gibt. Besonders letzterer gefällt uns überraschend gut, da viele seiner Bilder politische und gesellschaftliche Ereignisse aus dem letzten Jahrhundert mit karikaturistischem Witz aufgreifen. Den Abschluss des Tags bildet ein Festmahl aus dem Wok des “Golden Forest” bevor wir alle recht erschöpft früh ins Bett gehen.

Nach einer ruhigen Woche geht es am Freitag zur Afterwork Party ins Roxy zwischen der 11. und 12. Avenue. Das ganze sieht ein bisschen nach gigantischer Disko auf dem Lande aus und auch die günstigen $3-Drinks sind bereits weggetrunken, als wir kamen, so dass wir schnell wieder gehen. Wenn schon Geld ausgeben, dann lieber in der Lolita, wo es allerdings so voll ist, dass wir auch dort nicht lange bleiben.

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Am Samstag nehmen wir schließlich den vierten New Yorker Zoo im Prospect Park in Brooklyn in Angriff. Es ist wunderschönes Wetter und der Park bildet tatsächlich eine Alternative zum Central Park, in dem es ja beim ersten Sonnenschein brummt wie in einem Bienenstock. In Brooklyn dagegen hat man viel Ruhe und wir genießen das. Das Wildlife Center im Park gehört auch zum WCS, weswegen wir freien Eintritt genießen. Im Gegensatz zum Central Park Zoo und Bronx Zoo, ist das Prospect Park Wildlife Center mehr auf Kinder ausgelegt. So kann das Brooklyner Stadtkind dort eine echte Kuh oder ein paar Schafe und Ziegen anschauen oder streicheln. Dazu gibt es Austellungen, wo man Tiere malen, viel über die verschiedenen Lebensräume in der Natur lernen und sich selber als Tierforscher betätigen kann.

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Abends wartet dann der nächste Besuch im Hilton am Times Square auf uns. Per Internet sind zwei Dortmunder an Elke herangetreten, um sie um Stadtführer- und Dolmetscherdienste zu bitten. Die beiden hatten eine Reise nach New York, samt einem dicken Taschengeld plus Shopping-Geld gewonnen und wollen damit auf Schnäppchenjagd gehen. Wir führen die beiden ins Conolly, wo es irische Hausmannskost und viel zu viele Sam Adams