Das Zelt in der 80 Centre Street

Von Elke (25. Februar 2002)

Noch immer feiert man keine Party in dem Zelt, das da den Eingang von 80 Centre Street verlängert, doch erhellt sich die Stimmungslage allmählich. Die unbeirrt voranschreitende Zeit war, ist und bleibt die beste Heilerin. Das etwa fünf Kleinbusse fassende Zelt beherbergt all jene Helferinnen und Helfer, die die um Ratsuchenden zunächst abchecken und anschließend Gesprächstermine mit den zuständigen Stellen vereinbaren. Wer einen Termin hat, wartet in der linken Schlange, wer erst noch um einen bittet, steht rechts.

Seit dem zwölften September, sind die Schlangen vor dem Disaster Relief Fund kontinuierlich kürzer geworden und noch immer hätte ich mich da nicht eingereiht, wäre nicht allerorten unaufhörlich von dem vielen Geld die Rede, das man als Downtowner geschenkt bekäme. Das Amerikanische Rote Kreuz würde jeder Person, die im September evakuiert werden musste, bis zu 5.400 Dollar zuwenden! Stimmt das? Wird tatsächlich gar so leichtfertig mit all dem gesammelten Geld umgegangen? Das will ich wissen und brauche dafür zunächst einen Termin: “I am sorry Miss, we don’t have any appointments left”. Da bis zum achten März der Akt der Großzügigkeit über die Bühne gebracht sein muss, habe ich also Pech gehabt. Es gelingt mir jedoch dem freundlichen, etwas überforderten Chinesen einige Information zu entlocken.

Wenn uns beispielsweise Möbel kaputt gegangen oder Lebensmittel verdorben wären, dann hätten wir diese erstattet bekommen. Das bedeutet, wir hätten im September, als wir sowieso noch kein Mobiliar außer unserer Couch besaßen, zu einem Möbelhaus unserer Wahl gehen und ein wenig einkaufen können. Dies haben wir jedoch nicht getan und da uns kein Schaden entstanden ist, bekommen wir auch nichts ersetzt. Das ist aber auch in Ordnung so. Wenn ich mir überlege, dass viele Menschen, wie beispielsweise dieses achtzehnjährige Mädchen aus Staten Island spontan dem Roten Kreuz 500 Dollar überwiesen haben, damit Menschen in Not geholfen wird, dann komme ich mir beim Gedanken, ich hätte ihr gespartes Taschengeld erhalten, reichlich schäbig vor. Zwar ruft diese relativ unbürokratische Art der Hilfe einige Schmarotzer auf den Plan, doch möchte ich nicht dazugehören. Hinein in das Gebäude möchte ich allerdings schon und so spiele ich meine zweite Karte aus: wie sieht es denn mit Unterstützung zur Job-Suche aus?

Erfreut, doch noch etwas für mich tun zu können, notiert sich der junge Helfer meinen Namen, unterschreibt einen Zettel und schon darf ich in das Innere des Gebäudes schlüpfen. Nein, noch nicht ganz, am Ende des Zeltes geht’s erst wieder ins Freie, wo zwei mächtige Bodyguards meinen Passierschein begutachten und mir dann Einlass gewähren. Ich gehe die paar Stufen hinauf, winde mich durch die Drehtüre und stehe vor einem halben Dutzend staatlicher Bediensteter, die meinen Mantel und meine Tasche röntgen wollen. Ich selbst muss ebenfalls durch einen Detektor gehen und werde, als das Ding zu piepsen anfängt, auch noch abgescanned. Safety first und das ist mir ehrlich gesagt ganz recht so! Und schließlich bin ich drinnen!

Nahezu der gesamte Grundriss des Hauses ist ein einziges riesiges Hilfszentrum, vollgestopft mit alten Stellwänden, Schreibtischen und Stühlen. Überall wirbeln hilfsbereite Menschen in verschiedenen Uniformen oder in zivil herum. Nahe am Anfang des ellenlangen Raumes sitzt ein Vietnamese mit neon-gelber Weste. Klar, er soll ja nicht übersehen werden! Er behält meinen kleinen Laufzettel und händigt mir dafür ein zweiseitiges oranges und ein sechsseitiges weißes Formular aus. Von beiden soll ich die jeweils erste Seite ausfüllen. Also lasse ich mich auf einem der mit einem kleinen Schreibpulten versehenen Stühlen nieder, fülle alle erforderlichen Personalangaben inklusive der hierzulande so lebenswichtigen Social Security Nummer aus und beschreibe den Grund meines Besuchs: auch ich zähle mich zu den über 100.000 Menschen, die durch die September-Geschehnisse bedingt, noch immer ohne adäquaten Job dastehen und bitte um Unterstützung. Meine beiden Dokumente übergebe ich einem weiteren Vietnamesen, der die muntere Plauderei dreier Frauen unterbricht und mich an eine von ihnen verweist. Die Lateinamerikanerin führt mich zu ihrem Schreibtisch, ich nehme Platz und sie beginnt, meine Angaben sorgfältig in ihren Computer zu tippen. Als sie fertig ist, druckt sie das Ergebnis aus, ich unterschreibe und weiter geht’s für mich zur nächsten für mich zuständigen Person.

Mittlerweile bin ich als Arbeitssuchende staatlich erfasst und schleiche mit meinem Akt, auf dem nun der orange Laufzettel prangt, um die Trennwand herum, zum nächsten provisorischen Büro. In der ebenfalls behelfsmäßigen Wartehalle beobachte ich drei Mitarbeiter, wie sie gelangweilt Zeitung lesen, an einem Apfel knabbern und einen Kaffee schlürfen. Plötzlich werde ich zu der Afro-Amerikanerin gerufen, die gerade noch verträumt in ihren Apfel gebissen hatte. Ich lege ihr meinen Akt vor, sie blättert darin herum, stellt mir ein paar Fragen und speist mich mit einem Formblatt ab. Wenn ich einen Computer hätte, dann bräuchte ich bloß online gehen, ansonsten in eine der auf dem Blatt aufgeführten Stellen gehen und in den dortigen Systemen nach potentiellen Jobs suchen. Immerhin habe ich jetzt ein Web-Adresse erhalten, die Downtown-Jobsuchenden vorbehalten ist. Nun gut, ich glaube zumindest, dass es sich um eine solche Adresse handelt!

Mehr können die jetzt anscheinend wirklich nicht für mich tun und so schickt man mich zum Exit-Interview. Ich irre ein wenig hilflos zwischen den vielen American Red Cross und Salvation Army Tischen herum und entdecke schließlich die Schreibtische der Exit-Interviewer. Zum wiederholten Male gebe ich meine inzwischen zu einer echten Akte angewachsenen Dokumente ab und führe das Abschluss-Interview. Der Chinese, den ich aufgrund seines Akzents nur schwer verstehe, stellt mir nochmals Fragen nach meinem Anliegen, ob mir weitergeholfen wurde, ob ich weitere Hilfe beantragt habe oder beabsichtige zu beantragen. Meine ebenfalls durch Akzent für ihn schwer verständlichen Antworten tippt er sorgfältig in seinen schicken Laptop ein, während mir sein neben ihm sitzender afro-amerikansicher Kollege freundlich zuzwinkert. “Yes I got everything I needed. Thank you very much. Good Bye” Schließlich bekomme ich ein “Exit-Document” in die Hand gedrückt und kann damit dem Ausgang entgegen eilen. Doch bevor ich durch die einzig nach draußen führende No-Return-Drehtür gehen kann, muss ich mein Exit-Schreiben von zwei attraktiven Polizisten prüfen lassen. Jetzt darf ich das Gebäude verlassen, nach Hause eilen und die URL testen. Vielleicht ist die ja mehr als 5.400 Dollar wert – Geld, das ich mir mit meiner eigenen Arbeit selbst verdiene!

22. Woche 2001

Von Elke

May/ 27/ 2001
4 Alkoholeinheiten, eine davon sehr leicht, die andere sehr klein
0 Nikotineinheiten, außer die in der Lolita Bar mit eingeatmeten
3 Essensheiten, gesund
5 Bewegungseinheiten, sehr gesund! Bin stolz auf mich.
7 Schlafeinheiten, gut für’s Wohlbefinden!
1 TV-Einheit, sehr gut. Muss ja informiert sein. Letzte Folge von Spin City. Michael J. Fox verlässt die Serie.
2 Internet-Einheiten, sehr gut. Kleiner Chat mit Dad, sehr gut für die Familienbande.
1 Telefoneinheit. Sehr schön!
Sonntagmorgenritual: der angetraute OliB verlässt die Suite, um geistige und ordinäre Nahrung zu besorgen. Er kommt wieder mit der Sunday New York Times und zwei Sandwiches mit warmer Pastrami, etwas Salat, Tomate und Senf. Tee und Kaffeetrinken und dabei das TV-Programm der kommenden Woche checken. Dawsons’ Creek läuft immer noch, welch ein Glück! Werde ich aber wegen Pink Slip Party verpassen.

Reiseziele innerhalb Amerikas gecheckt. Amerika ist groß. Festgestellt, es GIBT Reiseziele!

Karte vom Staat New York aufgehängt. Long Island ist auch groß. Mindestens 40 mal so groß wie Manhattan.

Nach ausgiebigen Studium der Karte von Eltern angerufen worden. Ergebnis: allen geht’s gut und die Berge stehen noch und der Pflegersee lädt zum Baden ein.

Dann Aufbruch zum Sonntagsspaziergang mit OliB. Angefangen in der Orchard Street. Dann die 1st Avenue bis zur 13th Straße bis zum Union Square hoch.

In Elektrogeschäft verschiedene Klimaanlagen bestaunt und gelernt: auf die Größe kommt’s an!

In Souvenirladen und Beanie Babies gedrückt.

In Feinkostgeschäft und dort Produkte umgedreht. Das Food Emporium am Union Square bietet wahrlich alles, was das Herz begehrt: fertige Käsewürfel-Kräcker-Platten, Hummerzangen, Geburtstagstorten, eine Sushi-Life-Bar oder No-Fat-but-pure-sugar-yoghurt. Das Beste aber ist die “Money Back Machine”, vor der sich einige Familien drängelten, um ihre Säcke mit Kleingeld gegen Scheine umzuwandeln.

Nach diesem Erlebnis ließen es OliB und ich etwas ruhiger angehen und lustwandelten auf der Park Avenue South zur Grand Central Station hoch. Schöne Ausblicke auf Empire State und Crysler Building genossen. Kein Menü im Kitano Hotel genossen, da zu teuer.

Ecke 42nd und Park Avenue South Blick Richtung Helmsley Hotel geworfen und an Honeymoon gedacht.

Tapfer weiter die 42nd in gegen gesetzter Richtung gelaufen. Schließlich in die 5th eingebogen, auf der Suche nach den Gattinnen der FCB-Spieler. Vielleicht waren die Ladies aber gar nicht beim Shoppen, sondern mussten ihre Männer, die gestern in NYC gegen die Metro Stars 0:2 verloren hatten, trösten? Ob frau wohl einen Bundesliga-Champions-Leage-Doppelsieger trösten muss? Wohl kaum! Wir haben auch keine blonden Spielerfrauen gesichtet und genehmigten uns deshalb zur Stärkung absolut touristisch bei Sbarro einen Salat (zweite Essenseinheit!) und ein kleines Bier (Leichtbier, also gesund!).

So konnten wir dann bis zum Central Park durchhalten, sahen den Touristen beim Taubenfüttern und beim Betreten des Plaza Hotel zu. Auf dem Central Park South spazierten wir bis zur Central Park West, um die AOL-TimeWarner-Baulücke zu bestaunen und zu fotografieren.

Mit Train D zur Grand Station und beim Lieblingsasiageschäft Chilli-Öl, Putenfleisch, Asiaspinat, Broccoli und Ingwer gekauft.

Dritte Essenseinheit zubereitet und gegessen. Leicht, deshalb gut und gesund.

Zweite Alkoholeinheit in Form eines chinesischen Tsing Tao Bieres genossen. Gesund, da fernöstlich und weise.

Zum Bettgehen zu früh, zum groß Weggehen keine Lust, also besuchten OliB und ich noch die Lolita Bar, die sehr gut besucht war. Wir bekamen nur mehr im Schaufenster Platz. Nach zwei kleinen Alkoholeinheiten zurück in die heimische Suite und schlafen. Ja, ja, so Ein-Zimmer-Studentenbuden heißen hier tatsächlich “Suite” – hoch leben die Euphemismen!

May/ 28/ 2001
5 Alkoholeinheiten, davon zwei am Nachmittag und zwei am Abend. Außerdem: Memorial Day!
0 Nikotineinheiten, selbst keine. Mit eingeatmet in der Lolita Bar und im Irving Plaza. Die drei Zigaretten von Brian Molko ebenfalls eingeatmet.
2,5 Essenseinheiten – darunter Chips und ein Happen BBQ Fisch
1,5 Bewegungseinheiten, dafür stundenlanges Stehen und Mitwippen bei Konzert
7 Schlafeinheiten
0,5 TV-Einheit, den Golden Girls geht’s gut
1 Internet-Einheiten, nur schnell E-Mails gecheckt
Am Memorial Day bis 9:00h morgens geschlafen. Spinatwraps gewickelt: Gurke, Tomate, Schinken, Käse, Chillies, Huhn – alles in Streifen schneiden und aufwickeln.

E-Mails gelesen und eine beantwortet. Sehr gut.

OliB ist mit Businesskram beschäftigt, beschäftige ich mich also selbst. Heute stehen zwei Ereignisse an:

1 – Neighbourhood kennenlernen
2 – Placebo kennenlernen
Wahrscheinlichkeit von 1: sehr gut
Wahrscheinlichkeit von 2: sehr schlecht
Spaßfaktor bei 1 und 2 auf einer Spaßfaktorskala von 1 bis 10 – 8 bzw. 10.

Puh! Was für ein Tag.

Also. Das Nachbarschafts BBQ war recht nachbarschaftlich, da die sich alle kannten uns aber niemand. Wir sind auch schüchtern. Neue Leute kennenlernen war noch nie einfach, oder soll ich rumgehen, allen die Hand schütteln und sagen “Hi, I am Elkie from Munich Germany, pleased to meet you”? Bisschen seltsam, oder?

Auch kommt niemand auf mich zugestürmt und will wissen, wer ich bin. Auch OliB wird nicht bestürmt. Machen wir was falsch?!?!

Immerhin: Katie weiß gleich mal, dass OliB gerne Brooklyn Lager drinkt, während ich mich erstmal mit ‘ner Diet Coke einstimme. Ich wage es auch noch eine zweite Diet Coke zu trinken, die mir Lea ausgibt. Später gibt sie uns auch noch ein Mexican Beer aus. Und mir noch eines aus der Dominikanischen Republik. Das mexikanische fand ich besser. Und dann war da noch Ilt, nein, nicht Tilt, Ilt. Mit dunklen Haaren und etwas gepflegterer Erscheinung könnte er für diesen Britischen Schauspieler gehalten werden, der gerade den gutaussehenden Chef in dieser Tagebuch-Verfilmung gibt. Sein Britisch ist hinreißend. Nein, nicht Hughes Grant’s – doch, dessen auch – nein, ich meine Ilt. Er spricht ein wundervolles englisches Englisch. Jedenfalls hat sich dieser Ilt um mich gekümmert, und sah mir gleich an, dass die fettigen Hotdogs und Burger nichts für meine Top-Figur sind. Er empfahl mir den später noch zu grillenden Fisch, den er, wie sich herausstellte, selbst gefangen hatte. Was für ein Typ! Fischer und Engländer. Und blond. Obwohl, das mit dem Engländer muss ich noch überprüfen, könnte mich da auch irren… Nachdem zumindest OliB ein wenig von den Hotdogs und Wurstels gekostet hatte, machten wir uns auf den Weg in die Irving Plaza.

In der 14th Straße angekommen, wickelte sich eine Menschenmasse einmal um den Block. Also stellten sich OliB und ich uns am Ende der Schlange an und kamen doch tatsächlich nach nur 15 minütigen Wartens in die Hallen. Und dort geschehen doch echt noch Wunder. Damit ich schon Alkohol trinken darf und mich nicht ein Barkeeper versehentlich für unter 21 hält, bekam ich ein “Alkohol-Bändchen” ans Handgelenk. Das baut auf. Hat der denn nicht GESEHEN, wie alt ich bin? Wollte der Knabe doch tatsächlich auch noch meine ID sehen. Werde ich öfter machen! Ist gut für’s Selbstwertgefühl so eine Veranstaltung.

Wir fanden oben auf dem Balkon ein nettes Stehplätzchen. Herrlich! Unter uns die tobende Menge und von der Bühne gerade mal 15 Meter entfernt wir. Die Vorband Idlewild mühte sich redlich, doch kamen die Burschen von ihrem Schulbandimage nur schwerlich los. Da zeigte der Hauptact schon mehr. Ach ja mehr, eine Konzertkritik gibt’s hier: Placebo

Wie immer war auch dieses Konzert viel zu schnell zu Ende und so fuhren wir mit der 6 und der B nach Hause.

May/ 29/ 2001
4 Alkoholeinheiten, davon zwei Leichtbier
0 Nikotineinheiten
2 Essenseinheiten
3 Bewegungseinheiten, gut
7 Schlafeinheiten
2 TV-Einheiten – die Golden Girls am Morgen
5 Internet-Einheiten, inklusive zweier Chats
Immer noch Bauchschmerzen. Gehen die denn nie weg? Ah – gestern schönes Erlebnis gehabt.

Mit ein paar Knäckebroten und Tee in den Tag gestartet und E-Mails gelesen und beantwortet. Nachmittags ein wenig gechattet, mit wem, bleibt geheim.

Am Abend sind wir auf die Pink Slip Party irgendwo in Midtown. Da ich ja dieses Jahr gepinkslipped wurde, bin ich da genau richtig.

Wie für uns schon selbstverständlich, machen sich OliB und ich wieder zu Fuß auf den Weg und kommen irgendwann am unvermeidlichen Union Square vorbei. Hunger! Was tun? Ins Republic (oder hier)! Da waren wir erst einmal und ein zweites Mal sichert die erste Erfahrung ab. Auch diese zweite war wieder positiv. Lecker!

Irgendwann sind wir dann im Hush (17 West, 19th Street btwn 5th and 6th Ave) und obwohl die Drinks eigentlich 3 Dollar kosten sollten, will der Rastaman da an der Bar 13 von mir haben. Aha – nur zwei spezielle Biersorten gibt’s für drei Bucks das Stück. Muss man wissen.

Mit einem leuchtenden pink und OliB mit einem phosphoriszierenden blauen Supporter-Band ausgestattet, drehen wir eine Runde. Hm, ziemlich langweilige Bande hier. Wer will denn schon bei einer Finanz-Firma anfangen? Und was tun all die Recruiter-Fuzzies hier? DIE sollen weiterhelfen? DIE sollen irgendwelchen Fun in diesen trüben Abend bringen? Irgendwann holen wir uns ein 3-Bucks-Bier und während wir uns noch so fragen, was denn die drei aufgestrapselten Gazellen mit diesem Typen mit Glatze anstellen, steht dieser auch schon auf der Bühne. Aha – Groupies! So sehen nämlich keine dot-com-laid-off-girlies aus! Und dann legen die los die Jungs von @@LINK http://www.theangelparty.com Angel Party. Sie spielen hauptsächlich Sound nach, aber so richtig geile Kracher wie “Should I Stay or Should I Go” oder “I Want you to Want me” – was man sich halt bezüglicher neuer Dotcomjobs und potentieller Arbeitgeber so denkt. Und ihre Version von “Relax” kann sich echt hören lassen.

Nach einem schließlich doch sehr gelungenem Abend spazieren wir unter Zuhilfenahme der Subway nach Hause.

Do May/ 31 / 2001
Alkoholeinheiten – die ein oder andere, schließlich feiern wir ja bald Geburtstag
Nikotineinheiten – nach wie vor: keine selbst geraucht.
2 Essenseinheiten – kleines Frühstück und kleiner Snack
5 Bewegungseinheiten – sehr gut!
6 Schlafeinheiten
1 TV-Einheit – Seinfeld
1 Internet-Einheit, ganz kurz E-Mails gecheckt
Einkäufe beim Essex Street Market alle erledigt und es fehlen nur mehr ein paar kleine Leckereien für das bayerisch-mediterrane Buffet morgen.

Auch bräuchte ich noch ein kleines Etwas für OliB. Aber warum sollte ich an diesem wunderschönen sonnigwarmen Tag alleine lostraben? Also gehen OliB und ich gemeinsam zuerst die Orchard St entlang, überqueren die Houston, biegen in die Second ein und laufen bis zur 14th hoch und zum Union Square. Nach einem schicken Einkauf im Food Emporium trennen sich unsere Wege kurz.

Dann treffen wir uns wieder, spazieren die 2nd wieder runter und kehren zu einem Happy Hour Drink im Ryan’s Pub ein. Wenn der kleine Hunger kommt: Chicken Wings!

Eigentlich wollten wir dann nach Hause und ich noch ein wenig kochen. Als wir aber so auf der Avenue 2 entlang laufen, kommen wir an einer unglaublich stimmungsvollen Bar vorbei, die uns geradezu nötigt, einzutreten. Diese unglaublich schöne Bar hat auch noch bis 10 Uhr Happy Hour auf ALLE Getränke und einen unglaublich gut aussehenden, ich meine musikalischen, DJ. Er unterhält uns mit einer Mischung aus Techno, TripHop, Trance – coole Abhängmusik eben.

Schließlich machen wir uns doch noch auf den Heimweg, um Seinfeld zu schauen.

Und später Geburtstag zu feiern.

In der Lolita Bar natürlich! Natürlich.

Um Mitternacht gebe ich OliB ein Geburtstagsküsschen und eines seiner Geschenke. Okay, ich geb’s zu, ich beschenk mich selbst auch: 12. Juni Bowery Ballroom die Stereo MCs. OliB freut sich riesig und ich mich mit ihm. Auch erfahren wir heute endlich, dass “the other guy”, der mit den beiden Lolita Girlies den Laden schmeisst, Clyde heißt. Und Clyde gibt uns einen Whiskey aus. N’en guten, nicht den Cheap Stuff den’s bei den Wells gibt.

Da wir, äh OliB, morgen einen großen Tag haben, lassen wir den Abend nicht so lang werden, sondern gehen gegen eins nach Hause, schlafen.

Fr June/ 01/ 2001
Alkoholeinheiten: wer will denn schon wissen, wie viel jeder auf ´ner Feier getrunken hat? Eben! Sekt gab’s jedenfalls keinen, auch keinen Kaffee oder so, dafür aber Bier und Weißwein und…
0 Nikotineinheiten. For sure.
Essenseinheiten: zu wenig. Wie immer auf Partys.
Bewegungseinheiten: zu wenig.
Schlafeinheiten: genug.
TV-Einheit: keine.
Internet-Einheiten: keine.
Treffe alle Geburtstagsvorbereitungen.

Wir frühstücken einen Cream Cheese Bagel, den OliB einholt, während Tisch von mir gedeckt wird, mit allen Geschenken drauf. OliB ist dann auch echt überrascht und erfreut. Unser Multifunktionstisch ist mit Kerzen, Päckchen und Glückwünschen übersäht.

Dauernd klingelt das Telefon und ich darf auch das ein oder andere Mal mit den Lieben aus nah und fern telefonieren – aber ich bin ja auch heute nicht die Hauptperson. Warum eigentlich nicht? Ach, was, ich hab’ ja die anderen 364 Tage des Jahres!

Dann feiern wir in unserer Suite (siehe oben) eine rauschende Party in zwei Aufzügen (so nennt man das doch beim Theater, oder?).

Um sieben kommen Ian, Daisy, Brigitte [bridsched] und Richard. Und sie können wählen aus bayerischem Kartoffelsalat und Fleischpflanzerl, italienischem Insalata Caprese, spanischen Pan con Tomate y Jamón sowie griechischem Choriatiki. Wir hatten sehr viel Spaß und unterhielten uns hauptsächlich über Filme, New York und Ungeziefer. Zudem konnten wir alle den Richard überzeugen, seinen Geburtstag zu feiern. Super! So kommen OliB und ich in den Genuss bald “Brewster” kennenzulernen. Nördlich von New York. Und in Brewster gibt es Ameisen. Und eben demnächst eine tolle Party mit den wohl leckersten Spare Ribs der Welt. Sagt Brigitte.

Um elf brachen die vier auf und wir hatten eine Verschnaufpause bis kurz vor Mitternacht als dann Ken mit drei Freunden aus Richmond auftauchte. Diese aßen dann den Rest des Buffets. Und gemeinsam brachen wir auf. Wohin? Zur Lolita! Dort fand ich dann heraus, dass Ilt tatsächlich Brite, nämlich Waliser ist. Und dass Clyde sehr nett ist und aus der Musikbranche stammt. Und Cathy ist ebenfalls sehr nett. Und beide und Ken haben mir einen Drink nach dem anderen ausgegeben. 1-800-Lawyer! Doch lassen wir das.

Es war ein wunderschöner Abend, verbracht mit lauter neuen Freunden. Diesen Abend hätte nur ein Abend mit lieben, alten Freunden toppen können. In New York, versteht sich!

June / 02/ 2001
Alkoholeinheiten? Wie viele werden es am Tag nach einer rauschenden Party schon sein? Blöde Frage! Nächste bitte.
Nikotineinheiten? Da ich selbst nicht mehr rauche, Oliver glücklicherweise noch nie hat gab’s an diesem Tag keine einzige. GESUND!
Essenseinheiten? Habe ich doch tatsächlich köstliche Spaghetti gekocht, aber nicht wirklich gegessen. Später gab’s dann zur Post-Feier zwei Fish-Mac, die in USA Filet-O-Fish heißen.
Bewegungseinheiten? Von der rechten auf die linke Seite und von der linken auf die rechte. Für kurze Zeit auch sitzend. Im Bett.
Schlafeinheiten? Wechselten mit den Wach-Einheiten ab!
TV-Einheiten? Genau eine. Dauerte 12 Stunden.
Internet-Einheiten? Keine! Bin ja kein Internet-Junkie, oder?
Nach Jahren der Abstinenz mal wieder MTV geguckt. Das Sommer ABC oder amerikanisch: summer a to z with your host Mark McGrath. Hübsches Kerlchen, dem kann frau doch glatt zwei Stunden lang zugucken. Ist übrigens Sänger der Band Sugar Ray. Kann nicht wirklich gut singen, ist dafür aber unterhaltsam.

Doch zwei Stunden Teenie-Musik-Gequatsche sind genug und so habe ich meinen neuen Lieblingssender entdeckt.

Fantastischer Channel. Komplett ohne Werbung. Da braucht man nicht einmal mehr die Fernbedienung zu bemühen. Empfiehlt sich ganz besonders für solche Tage.

Channel Thirteen heißt das Prachtstück, welches mich mit einer ausführlichen Reportage über den Film und das Musical und die Braodway Neugestaltung “42nd Street”, anschließend dem Musical “Crazy 4 you” und schließlich tänzelte noch Gene Kelly als “Ein Americaner in Paris” über die Mattscheibe. Herrlich! Dazwischen gab’s zwei britische Komödien, die mich für kurze Zeit diese amerikanische Sprachwüste vergessen ließen und mit British English samt Humour erfreuten.